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eSport vs. Sport IV: Ist das Cheating des eSports das Doping des Sports?

Cheating, Doping, Anti-Doping, NADA

Photo by Ilya Pavlov on Unsplash

Die größten Sportskandale schreibt das Doping. Sobald ein Sportler dem Doping überführt wurde, kann er seine Karriere an den Nagel hängen.

Denn er hat nicht nur seine Sportskollegen, sondern auch seine Anhänger getäuscht und ihnen die Faszination an Höher, Schneller, Weiter genommen. Den klassischen Sport will man sauber und fair.

Den eSport auch. In diesem gibt es neben dem Doping sogar noch das sog. Cheating, die technische Manipulation von Spielen und Spielgeräten. Ist das Cheating des eSports das Doping des Sports?  Wie hält der eSport seinen Wettkampf fair und sauber?

Integritätsproblematiken sind nicht nur im klassischen Sport eine Herausforderung, sondern auch im eSport – vielleicht sogar eine noch viel größere. Denn solange eSport nicht als Sport anerkannt wird, findet streng genommen keine Anwendung des Anti-Doping-Gesetzes Anwendung. Darüberhinaus muss er sich nicht den NADA (Nationale Anti-Doping Agentur)— bzw. WADA (Welt Anti-Doping-Agentur)—Richtlinien anpassen. Genau so bleibt auch die Anwendung der §§ 265 c-e StGB um den Sportwettbetrug fraglich. 

Gehirndoping und Cheating im eSport

Da eSport von seinen Anhängern und Stakeholdern als Sport wahrgenommen wird, wird auch ein entsprechendes Verhalten – wie im klassischen Sport – erwartet. Der Kampf gegen Doping und Manipulation ist ein zentrales Anliegen an einen fairen und sauberen Sport. Unter Doping versteht man die Anwendung von unerlaubten Mitteln zur Steigerung der sportlichen Leistung. Im eSport gab es bereits einige Vorfälle, in denen leistungsfördernde Mittel wie Adderall oder Ritalin konsumiert wurden, um die Konzentration zu fördern und so bessere Leistungen zu erbringen. Dieses sog. Gehirndoping kommt im klassischen Sport eher selten vor und soll neben anderen Drogen und Alkohol in der eSport Szene auch keinen Fuß fassen.

Das Wort Cheating kommt aus dem Englischen und steht für Betrügerei oder Mogelei. Unter Cheating versteht man, dass ein Videospiel-Spieler nicht-standardmäßige Methoden – zum Beispiel durch technische Manipulation – mit dem Ziel anwendet, einen Vorteil gegenüber dem normalen Spielgeschehen zu erschaffen, um so das Spiel für sich einfacher oder für seine Gegner schwerer zu machen. Das Cheating ist ein typisches Phänomen aus dem Gaming Bereich und hat deswegen keine Relevanz im klassischen Sport.

Damit sind es das Gehirndoping und das Cheating, die im eSport immer wieder für Integritätsprobleme und negatives Prestige sorgen.

ESIC als Hüterin der Integrität des eSport Wettkampfs

Aus diesem Grund hat der ESBD (eSport Bund Deutschland) in seinem Ethik- und Verhaltenskodex eine Richtlinie zum Umgang mit Doping, Cheating und Matchfixing (Spiel wird zum festgelegten Ergebnis ausgetragen) festgelegt. 

Auch die Veranstalter sehen sich in der Verantwortung, durch Prävention und Sanktionierung der Verletzung der Integrität des Wettkampfs entgegenzuwirken. Beispielsweise lässt die Electronic Sports League (ESL) als eine der größten nationalen und internationalen Turnier- und Ligenveranstalterinnen, ihre Veranstaltungen und deren Teilnehmer durch die neutrale und international tätige Esports Integrity Coalition (ESIC) überprüfen. Diese hat sich aus relevanten eSport-Marktteilnehmern zusammengeschlossen, um flächendeckende Maßnahmen und Regelungen zu Organisationsstrukturen der eSport-Veranstaltungen und Turniere zu schaffen.

Zwar findet das Anti-Doping-Gesetz im eSport keine Anwendung. Die Richtlinien der Anti-Doping-Agenturen kann die ESIC dennoch übernehmen. Zwar hat sie beispielsweise auch einen verbindlichen Doping-Test für eSportler eingeführt, diesen aber nur an das System der NADA bzw. WADA angelehnt und nicht komplett mit diesem gleichgesetzt. Denn als über Richtlinien der NADA bzw. WADA diskutiert wurde, zeigte sich, dass die Regelungssysteme der Anti-Doping Agenturen die üblichen Betrugsfälle im eSport nicht abbilden und sogar Regulierungen erforderlich machen, die im eSport keine Wirkung entfalten (z.B. Bluttests zur Feststellung von Steroiden und Muskelaufbaupräparate), dafür aber einen unverhältnismäßigen Mehraufwand bedeuten.

Große Gefahr durch technische Manipulation

Letztlich ist das Cheating das größte Integritätsproblem im eSport. Denn diese beginnt schon weit im Voraus von Turnier- und Ligaveranstaltungen zum Beispiel durch Handel mit Spielerkonten, die einen Spieler zu einer Turnierteilnahme qualifizieren, die nicht er, sondern ein anderer Spieler oder gar ein Computerprogramm für ihn erreicht hat.

Auch sehen sich die Spielehersteller nicht in der Pflicht, einen fairen Wettkampf zu garantieren. Es geht ihnen vielmehr darum, ein spannendes Spiel zu entwickeln, für das sie immer wieder neue Regeln und Systeme festlegen (können), die öffentlich nicht zugänglich sind und eigene Anti-Cheat-Algorithmen enthalten. 

Um den zahlreichen Zuschauern vor Ort oder auf den verschiedenen Medienkanälen einen fairen und transparenten Wettbewerb zu bieten, stellen die Veranstalter Schiedsrichter, die unter anderem darüber wachen, ob die Spieler tatsächlich die vom Veranstalter gestellten Spielgeräte verwenden und dass an diesen keine Manipulationen vollzogen werden. Sie kontrollieren das Spiel- und Kommunikationsverhalten der Spieler vor, während und nach dem Wettkampf. Wird ein Spieler beim Cheating erwischt, dann droht ihm in Absprache mit dem jeweiligen Veranstalter sowie der ESIC eine jahrelange Sperre sowie ein Verbot der Teilnahme am eSport-Spieletrieb. 

eSport und Sport mit gleichen Integritätszielen

Ob nun Doping oder Cheating schwerer wiegt, mag dahinstehen. Beides zeigt, dass eSport und Sport das gemeinsame Ziel eines sauberen und fairen Wettkampfes haben. Doping gibt es also auch im eSport, aber nicht in den Dimensionen wie im klassischen Sport. Im eSport ist es viel mehr das Cheating, welches Integritätsprobleme verursacht. Als eSportler sollte man also beide Bereiche im Blick behalten. 

Schlussendlich zeigt auch unser letzter Beitrag aus der Reihe „eSport vs. Sport“, dass der eSport dem Sport in vielen Hinsichten ähnelt, jedoch auch, dass er viele Besonderheiten aufweist, die der klassische Sport nicht kennt. eSport unterliegt trotz eines fehlenden Gemeinnützigkeitsstatus einer hohen Beliebtheit, dank derer er es nicht nur geschafft hat, Inhalt des jetzigen Koalitionsvertrages sondern auch immer wieder Thema der DOSB Mitgliederversammlung zu werden und ein eigenes Integritätsschutzsystem zu entwickeln. 

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