Focus Medienrecht
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„Bettina, zieh dir bitte etwas an!“

Was wiegt schwerer? Wenn 20% der Deutschen meinen, man wäre mal Escortdame gewesen oder ein Seelenstriptease vor ganz Deutschland? (Das Zitat der Überschrift bezieht sich auf den letzteren Teil.)

Ganz ehrlich, vor paar Wochen wusste ich noch nichts von den Gerüchten um Frau Wulffs Vergangenheit. Erst durch die Presse, die von Frau Wulffs geführten Klagen berichtete, wurde aus meiner Sicht die Sache publik.

Frau Wulff hat in mir mit den Klagen den Eindruck geweckt, sie wolle ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht schützen und verteidigen. Umso fassungsloser kann man darüber sein, dass sie ein Buch veröffentlicht, mit dem sie ihre Persönlichkeitsrechte aus meiner Sicht über Bord wirft. Sie schreibt von ihren Gefühlen, die sie durch die Verbreitung der Gerüchte empfand, rechnet das Gehalt ihres Ehemannes zur Zeit der Präsidentschaft runter oder berichtet von der Ehetherapie.

Das Problem dabei: Für die Presse gilt, je mehr ein Promi bzw. eine in der Öffentlichkeit stehende Person („Person der Zeitgeschichte“ genannt) von sich preisgibt, umso mehr darf sie über das Privatleben dieser berichten.

Am Beispiel Raab oder Thomas Gottschalk kann man dies verdeutlichen. Beide Personen halten ihre Familien, Hobbys oder persönlichen Probleme von der Presse fern. Sie twittern nicht öffentlich oder erzählen Anekdoten. Die Presse darf also nicht berichten, weil diese Promis das signalisieren. Gehen Promis ins Dschungelcamp oder leisten sie sich eine Schlammschlacht vor laufenden Kameras, kann auch die Presse tiefer in ihr Privatleben eindringen.

Die Offenlegung von Frau Wulffs Privatleben ist heute in jeder Zeitung Thema Nr. 1.

http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_politik/article109158565/Bettina-Wulff-distanziert-sich-vom-Gatten.html

http://www.abendblatt.de/vermischtes/promi-news/article2397465/Niedertraechtige-sexistische-CDU-Maenner-in-der-Kritik.html

http://www.zeit.de/digital/internet/2012-09/reaktionen-wulff-google

http://www.focus.de/politik/deutschland/wulff-unter-druck/volker-beck-erhebt-vorwuerfe-bettina-wulff-ein-opfer-sexistischer-cdu-maenner_aid_817872.html

(…die Zitate könnten ewig so weiter gehen).

Das Signal des Buches von Frau Wulff an die Presse: „Ihr dürft von mir berichten!“ ist angekommen.

Man kann für Frau Wulff nur hoffen, dass an den Gerüchten um die Vergangenheit wirklich nichts Wahres dran ist, denn die Verbreitung unwahrer Tatsachen setzt die Grenze der zulässigen Berichterstattung für die Presse. Wenn doch, dürfte es für Frau Wulff schwierig sein, sie zu stoppen. (jr)

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