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Holahiti! Kunstpersiflage mit Ottifanten rechtmäßig

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Ottifanten Kunstpersiflage
Spatzenballet – stock.adobe.com

Wer in unserer Comedy-Kultur in die Öffentlichkeit tritt, ob als Politiker, Sportler oder Künstler, muss damit rechnen, parodiert zu werden. Auch ganze Werke sind oft Gegenstand von Satire – je bekannter und bedeutungsschwerer desto beliebter ist das Zielobjekt der Persiflage, sei es ein Film, ein Musikstück oder ein Bild.

„Ottifanten in the City“: Weder Urheberrechtsverletzung noch Herkunftstäuschung

Um ein solches ging es in einem Rechtsstreit, der nun vom OLG Hamburg entschieden wurde. Die Richter in der Hansestadt befanden, dass die Ottifanten-Parodie „Ottifanten in the City“ des Werks „Summer in the City“ von James Rizzi keine Urheberrechtsverletzung und keine wettbewerbswidrige Herkunftstäuschung oder Rufausbeutung darstellt (OLG Hamburg, Urteil v. 10.6.2021, Az.: 5 U 80/20).

Die Parodie als Variation der Originalvorlage

Entscheidend dafür ist, dass Ursprungswerk und Parodie deutliche Unterschiede aufweisen. Und das tun sie, nach Auffassung des Gerichts. Zum einen wichen sie schon augenscheinlich ganz erheblich voneinander ab, auch wenn in der Parodie zahlreiche Elemente des Originals zu erkennen sind und dieses insoweit ganz offensichtlich als gestalterische Vorlage genutzt wurde. Doch anderseits werden, so das OLG Hamburg, für den verständigen Betrachter auch gravierende Unterschiede deutlich. Als da wäre ein ganz besonderer Elefant, der „Ottifant“.

Hierzulande gut bekannt: Herr Waalkes und sein Ottifant

Der tierische Protagonist der Persiflage sei nun für sich genommen so prominent, dass schon von daher eine Verwechslungsgefahr mit dem Original nicht bestünde. Mit Bezug auf den Schöpfer des Ottifanten, den Emdener Komiker Otto Waalkes, stellt das OLG fest, dieser sei „auch nach seinem Aussehen deutschlandweit sehr bekannt“. Insgesamt könne daher der Plagiatsvorwurf nicht verfangen, eine Verwechsung von Parodie und Originalwerk ausgeschlossen werden. Insoweit liege keine Urheberrechtsverletzung vor und auch keine Herkunftstäuschung bzw. Rufausbeutung. Die Parodie „Ottifanten in the City“ ist mithin zulässig.

Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Josef Bordat. Er ist Teil unserer Reihe “Berichte aus der Parallelwelt”. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beiträge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeiträge Begebenheiten und Rechtsfälle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem völlig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser überlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.

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