Aus für anonyme Bewertungen – Jameda muss Identität von Bewertern aufdecken

Identität von Bewertern

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Das Urteil macht zu Unrecht schlecht bewerteten Medizinern Hoffnung: Das Portal Jameda muss bei begründetem Verdacht, eine schlechte Bewertung entspreche nicht der Wahrheit, die Kommunikation zwischen Portal und Bewerter offenlegen.

Bislang hatte dazu die z.B. die Vorlage einer e-Mail mit geschwärzten Adress-Daten ausgereicht. Nach einem aktuellen Urteil des Landgerichts München I (Az.: 25 O 1870/15) sind diese Zeiten vorbei.

Der bewertete Mediziner hatte keine Anhaltspunkte dafür finden können, dass der Verfasser einer sehr schlechten Kritik sein Patient gewesen sein könnte. Er forderte Jameda zu Löschung auf – oder zum Nachweis, dass es sich tatsächlich um einen zur Bewertung legitimierten Kunden handelt. Das Portal legte wie üblich eine Mail vor, in der “jemand” bestätigte, Patient des beurteilten Mediziners zu sein. Klarnamen und Adressdaten waren geschwärzt wurden – aus Datenschutzgründen.

LG München I zur Identität von Bewertern

Das Münchner Landgericht setzte hier aber eine eindeutige Marke zugunsten der Rechte von bewerteten Ärzten und verlagerte die Beweislast auf Jameda.

Birgit Rosenbaum, Fachanwältin für gewerblichen Rechtsschutz und Partnerin bei LHR – Kanzlei für Marken, Medien, Reputation: “Dem bewerteten Arzt muss die Möglichkeit gegeben werden, den Wahrheitsgehalt der Bewertung zu überprüfen. Hierfür hat das LG München nun den Weg geebnet.“

Die von Jameda gern gepflegte Anonymität wird nach dem Urteil nicht mehr aufrecht erhalten werden können. In diesem Zusammenhang empfiehlt Rechtsanwältin Birgit Rosenbaum geschädigten Medizinern ihre Rechte bei der Rückverfolgung vermeintlicher Patienten konsequent zu wahren, und falsche Bewertungen löschen zu lassen.

Rosenbaum: “Wenn das System der anonymen Bewertung bröckelt, wird die Zahl von Fake- und Rachebewertungen drastisch zurückgehen.”

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2 Antworten auf „Aus für anonyme Bewertungen – Jameda muss Identität von Bewertern aufdecken“

  1. Editha Schulz sagt:

    Rosenbaum: “Wenn das System der anonymen Bewertung bröckelt, wird die Zahl von Fake- und Rachebewertungen drastisch zurückgehen.” Auf der anderen Seite werden reale Bewerter nicht mehr wahrheitsgerecht negativ bewerten können, weil diese mit exorbitant hohen Abmahnungen und Verfügungsklagen aufgefordert werden, die Bewertungen zu löschen. Wenn einem hier das nötige Kleingeld fehlt, um dagegen zu halten, hat der Recht, der das Geld hat und nicht der, der der eine schlechte Behandlung erleben musste. Dagegen kann der mit großem Geldbeutel sich beliebig viele Bewertungen kaufen. Vielleicht denken Sie einmal darüber nach wie sich eine Gesellschaft im Bezug zum Vertrauen untereinander entwickelt, wenn das auf Tatsachen erlebte Recht der freien Meinung brockelt, weil die Äußerung der Gleichen vom Geldbeutel abhängig ist.

    1. Birgit Rosenbaum II sagt:

      Sehr geehrte Frau Schulz,
      wahrheitsgemäße Bewertungen sind erlaubt genauso wie Meinungsäußerungen. Daran ändert auch die Größe des Geldbeutels nichts. Nach unserer Erfahrung setzen sich Mandanten auch gerne mit negativen Beurteilungen auseinander weil sie gerade die Möglichkeit bieten, die eigenen Praxisstrukturen nochmals zu überdenken. Fehler werden gemacht – aber Bewertungen geben die Möglichkeit, diese Fehler wieder gut zu machen oder zumindest an ihnen zu arbeiten. Dies ist aber nur in einer offenen Kommunikation möglich. Sofern der Patient seinen Namen mitgeteilt hat habe ich bislang noch keinen Fall erlebt, in dem eine rechtliche Auseinandersetzung notwendig wurde. Diese Probleme löst man grundsätzlich in vertrauensvollen Gesprächen – so wie es sich meiner Meinung nach zwischen Personen gehört, die in einem vertraglichen Verhältnis zueinander stehen/standen.
      Zur Entwicklung von Vertrauen gehört auch, dass man mit offenem Visier miteinander umgeht. Leider entgleisen Kommentare gerne im Dickicht der Anonymität – Auge in Auge wären die Kommentare sicherlich von mehr Sachlichkeit geprägt. Ein vernünftiger Umgangston stellt übrigens keinen Eingriff in die Meinungsfreiheit dar sondern gehört zum kleinen 1×1 des menschlichen Miteinanders.
      Nach alldem komme ich zu dem Schluss, dass ein vertrauensvoller Umgang miteinander auf einer offenen Kommunikation basiert. Wird diese in einem halbwegs ordentlichen Umgangstons geführt dann wird es nur noch wenig Anlass für rechtliche Beanstandungen geben weil die Betroffenen die Sache untereinander klären können.
      Beste Grüße
      Birgit Rosenbaum

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