10 Tipps vom Profi: Dein Weg zum professionellen Esportler

10 Tipps vom Profi: Dein Weg zum professionellem Esportler

In der Esport – Szene kennt man LEONHARD GILJOHANN, 25 aus Köln, auch unter dem Gamer-Namen „THE ANSWER“.

Er ist einer derjenigen, der bei der Professionalisierung des Esports mittendrin ist. Angefangen 2013, zockte er bis zuletzt mit seinem Team Tempered Fate in der zweiten Division der ESL-Meisterschaft des Echtzeit-Strategiespiels League of Legends (LoL).

Nachdem er den Anspruch an sich stellte „gut zu werden“, zählte er schnell zu den top 1% LoL-Gamern in Europa. Doch jeder Erfolg hat auch seine Schattenseiten. In einem persönlichen Gespräch erzählt er die Geschichte von Tempered Fate, von Rückschlägen in seiner Laufbahn und gab wertvolle Tipps, die man als Anfänger auf der Karriereleiter unbedingt beachten sollte.

1. Der Wille zählt

Nicht jeder, der regelmäßig und gut ein Computer- oder Videospiel spielt, wird automatisch zum Profi. Leonhard meint, man müsse dafür schon ein besonderes Mindset mitbringen, um Misserfolge als natürlichen Teil des Lernprozesses zu verstehen und sich von ihnen nicht unterkriegen zu lassen. Er selbst habe auch nicht von Anfang an nur ein Spiel gespielt. Zunächst spielte er zu seiner Schulzeit lange Call of Duty auf der Playstation 3. Als dann Playstation 3 auf Playstation 4 umgestellt wurde, wollte er mal etwas Neues ausprobieren, stieg auf den Computer um und entdeckte LoL für sich. Er nahm die Herausforderung an, vom Controller auf die Tastatur und Maus umzusteigen und konnte sich schnell dank seinem Verständnis für Online-Spiele in das neue Game einfinden.

2. Fokus setzen

Als Leonhard nach dem Abi nach Aachen ging, um Bauingenieurwesen zu studieren, stellte er schon nach einem Semester fest, dass das Studium ihn nicht glücklich machen würde. Deshalb setze er seinen Fokus auf den Esport und spielte eine zeitlang sogar bis zu 6 Stunden am Tag und investierte noch weitere 2 Stunden in den Content des Spiels. In einer solchen krassen Form muss es natürlich nicht sein, aber man müsse sich schon bewusst machen, dass für eine Karriere auch Zeit investiert und die eigenen Prioritäten umstrukturiert werden sollten, so Leonhard. Das sei schließlich im klassischen Sport nicht anders, wo die Athleten regelmäßig zum Training gehen und Partys für Wettkämpfe absagen. Er selbst lasse sich bei seinem jetzigen Studium (BWL) Zeit.

3. Von der Konkurrenz absetzen

Um sich einen Namen in der Szene zu machen, reicht aber nicht nur Talent oder Fokus. Man müsse sich auch irgendwie von der Konkurrenz absetzen, so Leonhard. Angefangen damit, den Anspruch an sich zustellen, immer besser werden zu wollen, zähle dazu auch, auf sich aufmerksam zu machen und Kontakte zu knüpfen. Das bedeute auch mal über den Tellerrand zuschauen und seine Umgebung online wahrzunehmen und Interesse an anderen Mitspielern bzw. Gegnern zu zeigen. Dabei sollte auch nicht unterschätzt werden, sich mit der eigenen Persönlichkeit auseinander zu setzen. Erst wenn man die eigenen Stärken und Schwächen kenne, könne man auch an sich arbeiten, z.B. bei einer Niederlage richtig mit seinen Emotionen oder Kritik umzugehen. Man solle immer bereit sein, einen Schritt mehr zu machen als die anderen, lautete Leonhards Motto.

4. Funktion eines Teams verstehen

Wenn man sich mit der eigenen Persönlichkeit auseinandergesetzt hat, merkt man schnell, ob man ein Teamplayer ist oder nicht. Die beliebtesten Esport-Titel verstehen sich als Team-Spiele, so dass es unumgänglich ist, sich der Funktionen eines Teams bewusst zu werden. Das wichtigste ist dabei für Leon, sich ein gemeinsames Ziel zu setzen. Es müssen alle an einem Strang ziehen. Es bringe nichts, wenn der eine bereit ist viel Zeit und Energie reinzustecken und der andere lieber einen Trinken geht und das Team-Training Tag für Tag verpasst. Man müsse sich komplett auf seine Team-Kollegen verlassen können und entsprechend Verantwortung übernehmen.

5. In etablierte Teams reinschnuppern

Durch sein Engagement, Talent und hohes Interesse an der Professionalisierung wurden Teammanager und andere Spieler auf Leonhard aufmerksam und fragten, ob er ihnen nicht mal aushelfen und für einen abgängigen Spieler einspringen könne. Darin sah er die Chance neue Teamkulturen für sich zu entdecken und Erfahrungen zu sammeln. In Rahmen dessen knüpfte er auch viele neue Kontakte und fand für sich heraus welche Team-Philosophie er künftig verfolgen wolle. Hat man nicht immer das Glück, dass Spieler und Teams auf einen direkt zugehen, so rät Leonhard auf jeden Fall dazu, selbst die Initiative zu ergreifen. Dies könne man ganz einfach tun, in dem man ein kleines Spielerprofil von sich erstellt und anhand dessen einen Aufruf der Teamsuche in den Sozialen Medien wie Twitter, entsprechende Facebook-Gruppen oder Gaming-Foren startet. So könne man sein eigenes Netzwerk aufbauen und Organisation schaffen.

Aber Achtung!! Ist man sich seines Talents bewusst, sollte man sich auf gar keinen Fall unter Wert verkaufen oder sogar ausnutzen lassen. Leonhard hat selber die Erfahrung gemacht, dass es auch Teammanager oder Gamer gibt, die es nicht immer gut mit einem meinen. Als er sich ein kleines Netzwerk von guten Spielern aufgebaut hatte, wurde er angeschrieben, den Summer-Split für die Qualifikation zur ersten Division der ESL-Meisterschaft unter einem bekannten Teamnamen spielen zu dürfen. Im Falle des Aufstieges wurden ihm und seinen Teamkollegen Geld- und Sachleistungen sowie Spielerverträge zugesichert, die weder er noch seine Mitspieler jemals erlangt haben. Stattdessen wurden sie dann nach dem Aufstieg einfach hinterrücks wieder aus dem Team gekickt und durch andere Spieler ersetzt. Weil es keine schriftlichen Vereinbarungen bzw. Verträge zwischen den Parteien gab, blieben die 12 Wochen (etwa 600 Stunden Gaming) voller Energie und Einsatz komplett ohne Gegenleistung. Wäre Leonhard in dieser Zeit unter den Bedingungen des Mindestlohns arbeiten gegangen, so hätte er mindestens 6.000,000 EUR verdient.

Deshalb warnt Leonhard insbesondere vor solchen Organisationen, die viele Spieltitel gleichzeitig bedienen und in kurzer Zeit immer wieder neue Teams suchen bzw. gründen, um ihren eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern.

6. Ansprechpartner finden

Ist man einmal in eine Falle getappt, solle man aus dem Fehler lernen und sich auch nicht schämen, juristischen Rat einzuholen. Im Esport steckt viel Geld und sobald es den professionellen Weg einschlägt, gibt es viele Trendsetter, die ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. So kam es, dass Leonhard nach einer Rechtsberatung durch LHR mit den ebenfalls hintergangenen Spielern sein eigenes Team gründete und selbstständig die interne Organisation übernahm. Mit seriöser Beratung im Hintergrund bemühte er sich um Sponsoren, einem Designer, der ihnen das Logo und die Homepage erstellte, Trainer und Co-Trainer und sogar eine Sport-Psychologin. Die meisten von ihnen kommen aus dem von ihm zuvor geschaffenem Netzwerk und boten anfangs, als die Teamarbeit noch nicht so (zeit-)intensiv wurde, ihre Leistung sogar kostenlos an.

7. Außenwirkung beachten

Heutzutage funktioniert keine Profi-Karriere ohne das entsprechende Online-Marketing. Die eigene Selbstvermarktung im Internet bringt viele Vorteile mit sich: Steigerung des Bekanntheitsgrades, Ausbaus des Netzwerkes, Fans, Sponsoren usw.

Das ist etwas, was Leonhard und seinem Team noch schwer fällt. Eigentlich wissen die Jungs, dass sie eine gute Internetpräsenz bräuchten, um so potentielle Sponsoren anzusprechen und die eigene Professionalität zu betonen. Aber sie wollen lieber Zocken statt sich um Instagram & Co zu kümmern. Deshalb sei hier längerfristig angedacht, eine Person zu finden, die sie hier dabei unterstützt.

8. Respekt für die „reale“ Person haben

Bis zu seinem eigenem Team Tempered Fate kannte Leonhard selten einen Spieler persönlich, auch nicht die Person, die ihm einen professionellen Vertrag versprochen hatte. Jedoch ist er der Meinung, dass Respekt keine Frage der Realität ist. Nur weil die wahre Identität im Internet leicht verschleiert werden kann, sei es noch lange kein Grund respektlos mit seinen Mitspielern bzw. Gegner umzugehen und seine guten Manieren zu vergessen. Man wisse nicht, wer mit welchen Schicksalsschlägen vor dem Computer sitze. Auch im Internet solle man deshalb andere genau so behandeln, wie man selbst behandelt werden wolle und vorallem auch straffrei bleiben.

9. Gewohnheiten schaffen

Der Mensch hat nichts lieber als Gewohnheiten. Leonhard meint, er spiele auf jeden Fall besser, wenn er vor wichtigen Turnieren genug schläft, ißt und seinen „Arbeitsplatz“ entsprechend vorbereitet. Auch fürs Team sollten feste Strukturen vereinbart werden. Tempered Fate hat beispielsweise feste Trainingszeiten (3-4x die Woche á 3 Stunden), den Sonntag als Spieltag sowie vor jedem Spiel ein kleines Vorbereitungsgespräch und nach dem Spiel eine Nachbesprechung. Außerdem gibt es 1x im Monat ein extra Online-Treffen, bei dem besondere Spiele analysiert und weitere Vorkehrungen getroffen werden. In wichtigen Relegationsphasen kommt sogar wöchentlich die Sport-Psychologin für 2 Stunden zum Einsatz. Gewohnheiten schaffen Struktur und Planungssicherheit, die aus dem Alltag das Maximale rausholen.

10. Geduld haben

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wie Leonhards Laufbahn zeigt, braucht der Weg nach oben seine Zeit. In jedem Falle solle man an sich glauben und das Vertrauen darin haben, dass das, was man tue irgendwann fruchten wird. Leonhard ist guter Dinge, dass er und sein Team bald nochmals den Aufstieg in die erste Division der ESL-Meisterschaft schaffen werden. LHR unterstützt sie dabei und wünscht weiterhin viel Erfolg!

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