Phänomene im Internet – heute am Beispiel „Pferdeherpes“

Wir sind in unserer Kanzlei unter anderem auf das Presserecht spezialisiert. In diesem Rechtsgebiet kämpfen wir mit, oder gegen –wir wissen es oft selber nicht- den neuen Kommunikationsformen. Die Kommunikation im Internet und in den sozialen Medien entwickelt sich schnell. Die Art und Weise ändert sich ständig.

Die Gesellschaft bezieht ihre Informationen nicht mehr aus der guten alten Tageszeitung und um 20.15 Uhr während der Tagesschau. Das Internet bietet eine unüberschaubare Menge an Informationen auf unterschiedlichsten Plattformen und allen denkbaren und undenkbaren Quellen.

Bevor rechtliche Einordnungen dieser Entwicklungen vorgenommen werden ist es wichtig, diese erst einmal zu kategorisieren und Phänomene zu beschreiben.

Wir freuen uns heute, einen Gastbeitrag von Linda Ortmann einbringen zu dürfen. Die Studentin beschreibt den Verlauf eines speziellen Themas, vom Ursprung über die Verbreitung, die Verbreitungswege bis zu dem Zeitpunkt, als sich das Thema in den Medien erledigte.

„Pferdeherpes und Medien – es beginnt mit einer großen Schlagzeile im Februar 2015

„Angst vor tödlichem Pferde-Virus“ lautet die Überschrift des Berichtes des WDR vom 17.2.2015, den ich als Initialzündung einer Welle von Berichterstattungen über das Herpesvirus bei Pferden wahrgenommen habe.

Nach einigen Erkrankungen in den Niederlanden und Belgien -über den genauen Ursprungsort gibt es verschiedene Quellen- trat die Krankheit Mitte Februar zum ersten Mal in diesem Jahr im Bergischen Land auf.

Während sich die Berichterstattung über Erkrankungen im Ausland in Grenzen hielt und in der deutschen Presse nahezu keine Beachtung fand, ist der Bericht des WDR der erste einer ganzen Reihe. Weitere Berichte folgten dem Muster des WDR. Stellvertretend ist hier der Artikel der Aachener Zeitung „Tödliche[r] Pferdeherpes auch im Bergischen Land“ vom 20.2.2015 zu nennen. Die Artikel beziehen sich hauptsächlich auf den Vorfall im Bergischen Land und die Mortalität der Krankheit, sowie auf die unter Quarantäne gestellten Reitställe.

Nach dem Erscheinen des Berichts des WDR und der nachfolgenden Verbreitung in der Tagespresse, entwickelte sich rasch eine Popularität des Themas auch in sozialen Netzwerken, wie beispielsweise der Plattform facebook.

Vom WDR-Bericht ausgehend wird das Thema in den sozialen Netzwerken groß gemacht…

Dort gaben die betroffenen Pensionsbetriebe hilfreiche Tipps bei akutem Herpesbefall und Prävention vor Ausbreitung der Krankheit. Es wurden auch Gruppen gebildet, z.B. Aktuelle Situation Druse, Herpes „Quarantäne“ in welcher sich innerhalb von ca. einer Woche über 5.000 Mitglieder angemeldet haben. Die Gruppe hat nach eigener Beschreibung den Zweck über Fälle von Pferdeherpes sowie unter Quarantäne gestellte Ställe zu informieren. Neben diesen Informationen findet man in der Gruppe zahllose Diskussionen der Mitglieder über das Thema „Herpes“ sowie den Umgang mit dem Thema.

Auch beim Nachrichtenportal Twitter wurde das Thema behandelt. Die Masse der Berichterstattungen hat dort nach dem WDR-Bericht zu-, jedoch an Sachlichkeit abgenommen. Erst ist die Rede von Gerüchten, plötzlich ist im ganzen Bergischen Land fast jedes Pferd betroffen – angeblich!

…und bricht ab, als Tierärzte den Wind aus den Segeln nehmen

Am 23.2.2015 gab es Entwarnung. Der Solinger Bote berichtete über einen Zusammenschluss mehrerer Tierärzte und Kliniken, die im Rahmen einer Informationsveranstaltung die betroffenen Pferdebesitzer zur Ruhe mahnen und medizinische Aufklärungsarbeit leisten. Dies wird auch durch das rp-Online Magazin aufgegriffen. „Panik nach Pferde-Herpes: Verband gibt Entwarnung“ lautet die Überschrift des Artikels vom 24.2.2015.

Die kurze, aber heiße Phase der Berichterstattungen ist damit beendet. Kaum mehr gibt es Nachrichten von panischen Pferdemädchen auf Twitter und auch der Zufluss zu den Informationsgruppen auf facebook nimmt deutlich ab. „Das Thema ist durch, zumindest für dieses Jahr. Bei der nächsten Impf-Phase im Winter geht es wieder los.“ schreibt eine Nutzerin und schließt ihre Gruppe.

Die letzten mir bekannten Artikel über das Herpesvirus erschienen am 1. und 2.3.2015. Dort schafft es das Thema längst nicht mehr in die Schlagzeilen: AGRARtotal berichtete mit „Pferdeherpes im Rheinland“ über drei eingeschläferte Pferde. Nur bei einem sei das Virus sicher festgestellt worden. Ein gleichnamiger Artikel wird nur einen Tag später bei Western News veröffentlicht, der noch einmal aus gegebenem Anlass über die allgemeine Krankheit berichtet. Seitdem ist es still.“

 Informationsinteresse?

Bei dem unüberschaubaren Wust an Informationen stelle ich mir diverse Fragen, deren Antwort ich schuldig bleiben werde:

  • Wie kann ich mich heutzutage am ehesten objektiv informieren?
  • Wie schaffe ich es, mich von gehäufter stimmungsanfachender Berichterstattung nicht manipulieren zu lassen?
  • Wie erkenne ich die wesentlichen Tatsachen in der Berichterstattung und schaffe es, sie von der Meinung des Autors zu trennen?
  • Warum gibt es nicht viel mehr Berichte, in denen eine saubere Trennung zwischen Tatsachenbehauptung und Meinungsäußerung vorgenommen wird?

(ro)

(Bild: keine Urheberkennzeichnung notwendig)

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