Warum Adidas keine Miete mehr zahlt und der Shitstorm dennoch unberechtigt ist

Photo by Charles Deluvio on Unsplash

In den sozialen Medien tobt seit einigen Tagen der berüchtigte Shitstorm.

Hintergrund ist die Ankündigung von unter anderem Deichmann, H&M und Adidas, trotz Gewinn in den vergangenen Jahren wegen der Corona-Situation erst einmal keine Mieten mehr für die Filialen zu überweisen.

Den Anfang mit der Kritik machte Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) – sie hatte erst vorige Woche ihr Gesetz zum Corona-Schutz von Mietern durchbekommen. Jetzt sieht das Ministerium die Regelung missbraucht.

Insbesondere auf Twitter machen die Nutzer ihrem Ärger Luft. Es wird zum Boykott aufgerufen.

MdB und SPD-Politiker Florian Post veröffentlichte sogar einen Tweet mit einem Video, in dem er ein Kleidungsstück der Marke Adidas verbrennt:

 

So weit, so dramatisch. Wie sich das auf Twitter gehört, gibt es auch schon einen Hashtag: #boycottadidas.

Adidas allerdings sieht sich zu Unrecht angegangen. Es gehe nicht darum, die Miete für den April nicht zu bezahlen. Es gehe lediglich um eine Stundung. Man stehe dazu mit den betreffenden Vermietern in engem Austausch:

„Unsere Vermieter, große Immobilienvermarkter und Versicherungsfonds, haben für diese Maßnahme überwiegend Verständnis gezeigt. Privatpersonen, vier an der Zahl, sind von dieser Stundung ausgenommen und erhalten Ihre April-Miete wie gewohnt.”

Mit anderen Worten: Die Stundungen treffen niemanden, der durch die Corona-Maßnahmen eigentlich geschützt werden soll. Abgesehen davon sind gestundete Beträge zu verzinsen. Unter Unternehmern mit einem Zinssatz von ca. 8%.

Auch in rechtlicher Hinsicht schießt die Kritik über das Ziel hinaus. Denn alle Mieter müssen unabhängig vom „Corona-Gesetz“ prüfen, ob sie aufgrund der Schließung ihrer Betriebe bzw. Geschäftslokale die Zahlung der Miete einstellen oder diese temporär nur unter Vorbehalt zahlen. Die behördlichen Schließungen könnten nämlich Mietmängel darstellen bzw. die Störung der Geschäftsgrundlage bedeuten.

Selbstverständlich sollten sich Vertragsparteien–  unabhängig von der Corona-Krise – stets um eine Einigung bemühen, bevor eine Partei die geschuldete Leistung schlicht verweigert. Diese Gespräche finden im Fall Adidas – zwischen Vertragsparteien auf Augenhöhe – offenbar auch statt. Dennoch wäre auch die Einstellung der Mietzahlungen kein Ausnutzen der besonderen gesetzlichen Regelungen aus Anlass der Krise, sondern eine gewöhnliche Reaktion auf jederzeit mögliche Störungen des Vertragsverhältnisses.

Auch die Vermieter stehen übrigens nicht zwangsläufig mit leeren Händen da. Diese haben wegen der gesetzlichen und behördlichen Maßnahmen womöglich Entschädigungsansprüche gegen das jeweilige Bundesland.

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4 Replies to “Warum Adidas keine Miete mehr zahlt und der Shitstorm dennoch unberechtigt ist”

  1. Der Shitstorm ist dennoch berechtigt: Ein PR-Desaster ohnegleichen ist es, wenn man voller Stolz verkündet, daß man „nicht zahlt“. „Wir haben uns mit den meisten unserer Vermieter auf Stundung geeinigt“ wäre ein schönerer Satz gewesen.

    Und man hört recht wenig, daß man seine Sponsorzahlungen (ich gehe davon aus, daß diese Summen beträchtlich höher sind als die Mieten) wegen Entfalls der Geschäftsgrundlage eingestellt hätte.

    Insofern gehts also offenbar gut.

    1. gar nichts ist berechtigt! diese moralgeschwätz. ich kann es nicht mehr hören! was für ein wind da immer verursacht wird, wiel sich eine person empört, zeihen alle verbelndet nach! es wird überhaupt kein unterschied WAS da überhaupt gegenstand des aufregers ist? eine „Mietstundung“ keine nicht mietzahlung zum ersten! wurde jemand getötet? verletzt? rausgeworfen, beleidigt? nichts dergleichen..soll man dann vielleicht gleich in de rzentrale feuer legen? diese schreibmeute ist wie im mittelalter stetig auf der suche irgendjemanden so zu attackierne, das er keinen fuss mehr auf die erde bekommt! es ist doch längst bekannt das sich viele firmen nach shistorms wirtschaftlich schwer erholen. man muss auch mal die kriche beim dorf lassen, verdammt noch mal! was soll dieser empörungsjourmalismus? er köpft die gesamte wirtschaft. welche unternehmer soll hier noch in deutschland investieren, gewerbesteuer zahlen und arbeitsplätze schaffen, wenn er kaum wenn er gewinne macht( was de runternehmenszweck ist!!!) wie ein verbrecher behandelt wird? unfassbar so ein verhalten! wenn der shitstorm vorbei ist, will keiner für schäden haften, dann schauen sie alle blöd, wundern sich, wieso es arbeitslose gibt…man man man

  2. Danke für die Erläuterung der Zusammenhänge. Ministerielle Schnellschüsse enden dann doch gerne im Ofen!

  3. sag mal sind die leute noch ganz dicht? hat adidas jemanden erschossen? mitarbeiter gekündigt? keine steuern gezahlt? eine bank ausgeraubt? steht eigentlich dieses bashing noch im verhältnis? sie haben ihre miete „gestundet“ ein völlig legitimes vorgehen! eine frechheit was diese irre politikerin da an shistorm auslöst schadet am ende allen udn zwar auch den mitarbeitern von adidas! wenn die danach so boykottiert werden, wie das jetzt schon los geht, dann wanderen die arbeiter von der kurzarbeit direkt in die arbeitslosigkeit! heutzutage wird selbst von leuten, von denen man hofft sie wären professionell in der politik ein benehmen an den tag gelegt, das die tragweite bestimmter äusserungen völlig fahrlässig unterschätzt! diese beschissene internetprangerei, die immer viel mehr irreparable wirtschaftlichen schaden verursacht ,der über reine kritik hinaus geht, muss endlich aufhören!!!hört auf euch an sowas zu beteiligen!! das ist unseriös und polemisch!

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