Richter und das Web 2.0

Spiegel Online zieht heute über gnadenlose (ja, das Wort steht dort) deutsche Richter her, die das Web 2.0 zerstören. Unter der Zwischenzeile “Amerika, Du hast es besser”, steht:

“Klagen wegen beleidigender Kommentare, peinlicher Fotos und derlei haben in den Vereinigten Staaten hingegen keine Chance.”

Toll. Daran sollte man sich ein Beispiel nehmen. Abgesehen davon, dass der Autor wohl schlecht recherchiert hat: Ob er mal daran gedacht hat, dass ihn irgendein anonymer Spinner an den virtuellen Pranger stellen könnte und er dann heult, weil dafür niemand verantwortlich gemacht werden kann?
Wirklich interessant ist, dass der Autor, der den von den Richtern so gnadenlos behandelten Heise-Verlag in dem Artikel in Schutz nimmt und dessen Justiziar auffällig oft zu Wort kommen lässt, zufällig im Heise-Verlag ein Buch veröffentlicht. Ah, die unabhängigen Journalisten – wenn Richter doch auch so unabhängig wären… (zie)

zuletzt: BGH zur Forenhaftung

Nachtrag: Auf das obige Zitat folgt der Satz: “Dort müssen die Betroffenen die Urheber direkt angehen.” Ob dieser Satz dort vor einer halben Stunde schon stand, weiß ich nicht…

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4 Antworten auf „Richter und das Web 2.0“

  1. Jens sagt:

    Den Artikel sollte man in der Tat kritisch lesen, doch Fakt ist, dass die Störerhaftung bei Webseiten aufs Unermessliche überdehnt wird – wobei dazu kommt, dass der BGH das Haftungsprivileg des §10 TMG ohnehin bei Unterlassungsansprüchen nicht gelten lässt. Fakt ist letzten Endes: Der Betrieb interaktiver Webseiten die fremde Inhalte verbreiten (wie Foren) ist zur Zeit ein unüberschaubares Kostenrisiko für jeden Anwender. Eine Deckelung der Kosten gegenüber Privatanwendern wäre ein gangbarer Kompromiss zwischen den berechtigten Forderungen der Rechteinhaber und den teilweise “unschuldigen” Webseiten Betreibern.

  2. Maus sagt:

    ich bin mir sicher, dass “gnadenlos” ganz positiv gemeint war, oder seit wann hat “gnade” was im zivilprozess verloren :-)

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