Yatego kündigt Mitglied wegen (zu vielen?) Abmahnungen

Wenn das mal gut geht.

Wie der “Anwalt des kleinen Mannes”, Axel Gronen, aktuell berichtet, hat Yatego nun offenbar ein Mitglied vom Handel auf der Plattform ausgeschlossen, da es nach Auffassung Yategos zu viele Abmahnungen, landläufig “Massenabmahnungen” genannt, ausgesprochen hatte.

Bereits im Jahre 2007 hatte Yatego alle seine Mitglieder angeschrieben und um Harmonie und die Vermeidung von Abmahnungen geworben und auch damit gedroht, zu prüfen, ob das abmahnende Mitglied aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wird.

Yatego schrieb in einer Rundmail an seine Mitglieder:

“Das Ziel von Yatego ist die Bildung einer “Starken Gemeinschaft”, aus vielen einzelnen Anbietern, um im heutigen Wettbewerb gemeinsam bestehen zu können. Einer der wichtigsten Punkte in unserer Philosophie ist die angemessene, freundliche und sachliche Kommunikation innerhalb der Gemeinschaft. Unserer Meinung nach, steht das Mittel der Abmahnung, ohne vorherige sonstige Kommunikations-Versuche, im Widerspruch zu unserer Philosophie.”

Und weiter:

“Deshalb wird in jedem Fall der Abmahnung innerhalb der Yatego-Gemeinschaft geprüft werden, ob der abmahnende Anbieter aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wird.

Wussten Sie schon? Es muss nicht immer gleich die anwaltliche Abmahnung sein! Weisen Sie Ihren Mitbewerber freundlich auf ein vermeintliches Fehlverhalten hin und fordern ihn auf entsprechende Änderungen vorzunehmen. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle werden Sie damit Erfolg haben!”

Selbstverständlich kann sich jeder seine Vertragspartner frei aussuchen und Verträge auch wieder kündigen. Das Problem ist jedoch erstens, dass die gängigen Verkaufsplattformen potentielle Vertragspartner mit den tollsten Umsatzmöglichkeiten locken und mit diesen dann jeweils Verträge mit  mit einer bestimmten Laufzeit schießen, die nicht fristlos nach Lust und Laune einseitig geändert  oder gar gekündigt werden können. Zweitens kann sich eine Verkaufsplattform nicht grundsätzlich der Rechtsordnung entziehen, die nunmal zur  Beilegung von wettbewerbsrechtlichen Streitigkeiten die Abmahnung explizit vorsieht.

Jetzt hat Yatego seine Drohung offenbar das erste Mal wahr gemacht.

Man kann nur hoffen, dass sich das betroffene Mitglied mit aller Härte dagegen zur Wehr setzt und vor allem prüft, ob eine solche Ausschlussmöglichkeit überhaupt in Yategos Allgemeinen Geschäftsbedingungen geregelt ist. Selbst wenn das der Fall wäre, wäre zu prüfen, ob eine solche Klausel einer Inhaltskontrolle standhielte. Es dürfte nämlich rechtlich bedenklich sein, den Mitgliedern eines Marktplatzes das einzig probate Mittel zur außergerichtlichen Streitbeilegung – die Abmahnung – unter Androhung des Ausschlusses aus der Gemeinschaft verbieten zu wollen. Denn ein “freundlicher Hinweis auf vermeintliches Fehlverhalten und die Aufforderung entsprechende Änderungen vorzunehmen” ist meist nichts anderes. Eine Abmahnung muss nicht unfreundlich und im Befehlston gehalten sein, um wirksam zu sein.

Darüber hinaus hängt für viele unternehmerische Anbieter – zumindest auf der eBay-Plattform – die Existenz an den dort eingestellten Angeboten. Der Aufruf “Habt Euch alle lieb!” funktioniert dementsprechend nur, wenn es nicht ums Geld geht. Und darum geht es meistens. Auch für Yatego. (la)

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16 Antworten auf „Yatego kündigt Mitglied wegen (zu vielen?) Abmahnungen“

  1. Malte S. sagt:

    Es geht hier doch mE stärker um die Kostenfolge der Abmahnung. Und was ist denn dagegen einzuwenden, wenn unter Gewerbetreibenden im Rahmen einer Community eine Vereinbarung geschlossen wird, dass die Kosten einer erstmaligen Unterlassungsaufforderung nicht dem Inanspruchgenommenen aufgebürdert werden sollen?

  2. Ernie71 sagt:

    Dass es einem Anwalt widerstrebt, wenn ein privatwirtschaftliches Unternehmen Mittel abseits der Juristerei gegen das Ungebahren der gewerblichen Massenabmahnungen ergreift, ist mir völlig klar. Ich hoffe, dass hier gerichtlich klar gestellt wird, dass es auch ein virtuelles Hausrecht gibt; eine andere Möglichkeit gint es nämlich nicht, um solche existenzgefährdenden Geldschneidereien gewitzter Anwälte, die oft selbst die Fäden in den abmahnenden Unternehmen in der Hand halten, zu unterbinden. Immerhin hat sich schon gezeigt, dass selbst eine Muster-AGB, die von öffentlicher Hand empfohlen wird, abmahnfähig ist, wie soll da der Kleingewerbetreibende überhaupt noch eine Rechtssicherheit haben, um gegen solche Eskapaden geschützt zu sein. Ich sage nur: Gut gemacht, Yatego!

  3. jan sagt:

    Ich denke, das wird für Yatego nach hinten losgehen und mangels konkreter Defintion in den AGB vielleicht noch mit einer Schadenersatzforderung enden.

  4. “es muss nicht immer gleich die anwaltliche Abmahnung sein” – Gemeint ist also wohl ein vorgeschaltetes kostenneutrales Schreiben. Und dagegen sollte nichts einzuwenden sein. Wobei natürlich Sonderfälle wie bewusstes Ausnutzen und beharrlich-laufende Verstöße durchaus die Möglichkeit der verschärften Abmahnung rechtfertigen sollten…

  5. jan sagt:

    Das Problem ist nur: sollte das vorgeschaltete kostenneutrale Schreiben nichts fruchten, sind die Anwaltskosten der darauffolgenden kostenpflichtigen Abmahnung meiner Erfahrung nach nicht mehr von der Gegenseite erstattungspflichtig.

    Ist dem so?

  6. Till sagt:

    Ich finde es in jedem Fall gut, sonst werden solche Listen immer länger: http://www.ratgeberrecht.eu/abmahnwarner.html

  7. dr.no sagt:

    ich war selber mal bei yatego gemeldet. ich hatte meinen handel aufgelöst und dies yatego mitgeteilt, nichts desto trotz wollte yatego weiter fein mein geld haben, sie würden mir ja schließlich ihre plattform immer noch zur verfügung stellen. HÄ??? dachte ich, wer von den callcenter agents versteht da nix das ich den laden dicht gemacht habe? auch das angebot ihnen die gewerbeabmeldung zu senden wurde abgewunken. ich soll doch das angebot weiter nutzen für das sie mir noch weitere 6 monate das geld vom konto buchen war die antwort. also liebe dumpfbacken dachte ich, wie soll ich gewerblich handeln wenn der laden abgemeldet ist? außerdem hätte ich damit gegen den vertrag verstoßen, der besagt das nur gewerbliche dort handelnn dürfen.

    sagen wirs mal so, es wurde sich gewunden wie der schleimigste aal, nur damit man mir noch den beitrag abziehn konnte. so seh ich das und so darf ich das als meinung auch rechtlich äußern.

  8. dr.no sagt:

    @ernie

    was hat das virtuelle hausrecht mit wettbewerbsverstössen zu tun, die der gesetzgeber klar tadelt.

    yatego ist im www für jeden erreichbar und ist somit marktteilnehmer und da gelten nun mal die wettbwerbsrechtlichen verordnungen der BRD. wäre mir neu das yatego eine souveränietät wie der vatikan besitzt und seine eigenen gestze machen darf wie hier gehandelt werden soll.

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