USA: "Strafe" für Raubkopierer 220.000 USD für 24 Lieder

Wie Spiegel-Online berichtet, muss die Amerikanerin Jammie Thomas, 30, 9.250 Dollar zahlen – für jedes der 24 Musikstücke, die sie über das Tauschbörsen-Programm Kazaa verbreitet hat. Etwa 220.000 Dollar insgesamt.

Die abschreckende Summe von 220.000 Dollar resultiert aus einer besonderen Form des Schadensersatzes im US-Recht. Bei sogenannten “statutory damages”, also gesetzlich festgelegten Schadensersatzsumme, muss der tatsächliche Schaden nicht beziffert und belegt werden. Nach US-Recht kann der Richter den Schadensersatz zwischen 750 und 30.000 Dollar je Musikstück ansetzen.

Die Entscheidung erinnert an ein Urteil des Landgerichts Köln, das pro heruntergeladenem Musiktitel innerhalb einer Zivilverfahrens einen Streitwert von 10.000,00 € angesetzt hat und der damit zusammenhängenden Diskussion, wie weltfremd ein solcher Ansatz sei.

Ich warte jetzt auf einen Beitrag der Gegner des deutschen “Abmahnunwesens”, der mir vor dem Hintergrund dieser Entscheidung noch einmal erklärt, was an unserem Rechtssystem so falsch sein soll bzw. so anders als im Ausland. Der in dieser Hinsicht umtriebige Heise-Verlag hält sich in seinem Artikel bisher erstaunlicherweise sehr zurück.

Wenigstens die dortigen Kommentare erfüllen die Erwartungen und befassen sich wie bei heise üblich sachkundig und anonym mit dem Thema:

  • Die Industrieschweine haben wiedereinmal vor einem ‘Gericht’ gesiegt.
  • Wen wunderts, wenn der Kapitalismus die Menschen so asozial macht,daß sie es normal finden,kleine Kinder mit militärischen Methoden und schlägen zu”erziehen”, weils ja anderswo schlimmer ist Menschen medizinische Hilfe zu verweigern, weil die es ja nichtwert seien- sich selbst toll fühlen, weil andere für einen gequält werden
  • Holla die Waldfee. Für das Geld darf ein Amerikaner auch 1.110 Afghanen töten.
Aber auch das bedeutet Demokratie: Es steht jedem frei, sich selbst zu disqualifizieren. Schöner Nebeneffekt ist dabei, dass es dann kein anderer tun muss. (la)
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16 Antworten auf „USA: "Strafe" für Raubkopierer 220.000 USD für 24 Lieder“

  1. Wolf sagt:

    Kommentar von einem Gegner des Abmahnunwesens? Gerne.

    1) Ob das Urteil Grundsatzcharakter hat, geht aus dem SPON-Artikel nicht hervor. Würde mich aber wundern.

    2) Strafbarkeit der reinen Verfügbarmachung: Ein Richter (des Supreme Court, glaube ich) hat früher genau dieses in Zweifel gezogen.

    3) Nach meinem Wissen streitet J. Thomas ausdrücklich ab, dass sie verfügbar gemacht hat. Also dürfte die IP für einen Indizienprozess hergehalten haben. Es wird mehrfach bezweifelt, ob diese Beweiskette vollständig wasserdicht ist.

    4) Verstehe ich Sie richtig, dass Sie die amerikanische “Straf-Entschädigung” als Maß für unser Rechtssystem heranziehen?

  2. RAe Lampmann, Haberkamm & Rosenbaum sagt:

    1.-3. Das Verfügbarmachen ist jedenfalls in Deutschland gerade das, was sogar strafbar ist.

    4. Ich finde unsere Rechtsordnung ganz gut. Irgendein Maß muss man aber doch anlegen, zumindest, wenn man ständig daran rummäkelt. Daher mein Vorschlag, nach USA zu schauen.

  3. Wolf-Dieter sagt:

    Zu Ihrem Absatz 1 — ohne Rücksicht auf die zweifelhafte Entscheidungsfindung beim Gesetzgeben — hat man bei uns einen klaren Text, in dem drin steht: genau das ist nicht erlaubt. (Ich verlasse mich gerade auf die Richtigkeit Ihrer Aussage.) Genau diese Gesetzesklarheit scheint mir in US nicht gegeben. Dort darf jedermann hingehen und sagen, das was du grad tust, passt mir nicht und ist folglich illegal.

    Zu Ihrem Absatz 2 — was mir an unserer Rechtsordnung gut gefällt, ist, dass sie grundlegenden und gut verstandenen Prinzipien folgt. Aber es gibt einzelne Gesetze, bei denen ich mir frank und frei erlaube, diese Prinzipientreue in Zweifel zu ziehen. Ich glaube, Beispiele kann ich mir schenken, oder?

  4. Stefan sagt:

    Im Prozess hat die Musikindustrie ziemlich viel Blödsinn erzählt, zum Beispiel, dass das kopieren eigener, nicht kopiergeschützter Audio-CDs Diebstahl wäre.

    Solche Sprüche werden die 12 Geschworenen, überwiegend Computer- und Internet-Analphabeten, schwer beeindruckt un din ihrem Urteil beeinflusst haben.

  5. Stefan sagt:

    Korrigierte Fassung:

    Im Prozess hat die Musikindustrie ziemlich viel Blödsinn erzählt, zum Beispiel, dass das Kopieren eigener, nicht kopiergeschützter Audio-CDs Diebstahl wäre.

    Solche Sprüche werden die 12 Geschworenen, überwiegend Computer- und Internet-Analphabeten, schwer beeindruckt und in ihrem Urteil beeinflusst haben.

  6. Anonymous sagt:

    Wie ich mitbekommen habe, ist die Frau alleinerziehend, Also ist diese Summe auch nicht annähernd von der Raubkopiererin aufzubringen (Zinsen).
    Die Forderung 220.000 USD ist daher eh’ für die Katz und dient offensichtlich mehr der Propaganda.




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