LHR erwirkt gerichtliches Verbot: Gewerbeauskunft-Zentrale (GWE) darf Mandanten nicht mehr anschreiben

Die Probleme rund um die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH sind den meisten Unternehmern bekannt. Die GWE Wirtschaftsinformations GmbH, besser bekannt unter „Gewerbeauskunft-Zentrale“, versendet Anschreiben an Unternehmen und bittet um Ergänzung bzw. Korrektur der angegebenen Daten und um eine bestätigende Unterschrift.

Gewerbeauskunft-Zentrale ≠ Gewerberegister

Das Schreiben unter der Kopfzeile „Gewerbeauskunft-Zentrale“ erweckt den Eindruck, es sei von einer im öffentlichen Interesse tätigen Stelle versendet worden. Der Ausdruck „Gewerbeauskunft-Zentrale“ wird von einem durchschnittlicher aufmerksamen Leser falsch wahrgenommen. Er assoziiert den Begriff „Gewerbeauskunft-Zentrale“ mit „Gewerberegister“ und fällt aufgrund dieser Fehlvorstellung häufig auf ein teures kostenpflichtiges Angebot herein.

Versenden von Erfassungsbögen ist mehr als eine bloße Lästigkeit

So ist es auch unserer Mandantschaft ergangen. Unsere Mandantin betreibt neben einer Unternehmenszentrale zahlreiche Filialen im ganzen Bundesgebiet. Die Gewerbeauskunft-Zentrale hat nicht nur die Unternehmenszentrale angeschrieben sondern auch die einzelnen Filialen. Und genau in den Filialen passierten die Fehler. Die zuständigen Mitarbeiter erkannten den wahren Charakter der „Gewerbeauskunft-Zentrale“ nicht, füllten den Bogen aus und steckten prompt in der Falle. Nachdem die Gewerbeauskunft-Zentrale in mehreren Fällen Geldbeträge forderte wandten sich die verunsicherten Filialmitarbeiter an die Unternehmenszentrale und fragten um Rat.

Damit der ganze Spuk dauerhaft ein Ende hat wurde die Gewerbeauskunft-Zentrale in Form der GWE-Wirtschaftsinformations GmbH kurzerhand aufgefordert, es zu unterlassen, die „Erfassungsbögen“ an unsere Mandantschaft zu versenden. Außergerichtlich war die Gewerbeauskunft-Zentrale hierzu nicht bereit, so dass die Angelegenheit vor dem Landgericht Düsseldorf ausgefochten wurde. Wir haben mit unserer Auffassung Recht bekommen, dass bereits die Zusendung der Schreiben unzulässig und zu verbieten ist.

LG Düsseldorf schiebt der Gewerbeauskunft-Zentrale einen Riegel vor

Das LG Düsseldorf (16 O 176/12) hat in dem Verfahren gegen die GWE-Wirtschaftsinformations GmbH am 20.09.2012 entschieden, dass diese es

bei Meidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 250.000,00 €, ersatzweise Ordnungshaft, oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten zu unterlassen (habe), die Klägerin an ihrem Hauptsitzt und/oder ihren Filialen beziehungsweise Niederlassungen geschäftsmäßig anzuschreiben, um Informationen zum Zwecke der Verwendung in einer Registerdatenbank abzufragen und/oder abzugleichen, sie bestätigen zu lassen, diesbezüglich Angebote zu unterbreiten und/oder die aufgeführten Handlungen einzeln und/oder miteinander verbunden durch Dritte vornehmen zu lassen, soweit keine Einwilligung der Klägerin vorliegt.

Das Urteil ist rechtskräftig. Wir freuen uns, unsere Mandantschaft in diesem Fall von einer echten Plage befreit zu haben. (ro)

Nachtrag:

Am 06.06.2013 erreichte uns der Anruf eines rüstigen 82-jährigen Herrn der berichtete, bereits zwei Schreiben der Gewerbeauskunft-Zentrale erhalten zu haben. Er ist erbost, dass sich die Schreiben nicht nur an Unternehmer sondern anscheinend auch an ältere Personen richten, die mit den “Erfassungsbögen” schlicht und ergreifend überfordert sind. Wir bedanken uns für diesen Hinweis und können seinen Zorn sehr gut nachvollziehen.

(Bild: © WoGi – Fotolia.com)

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35 Antworten auf „LHR erwirkt gerichtliches Verbot: Gewerbeauskunft-Zentrale (GWE) darf Mandanten nicht mehr anschreiben“

  1. Wolfgang Blachnik sagt:

    Das klingt doch aberso, als sei es diese Abzockerbande nur untersagt worden, ebendiese Firma anzuschreiben. Bei allen anderen können sie es weiter versuchen.
    Habe meine erhaltenen Schreiben im Februar 2013 geschreddert.

  2. lohba sagt:

    Und was nützt das alles – nichts!
    Die machen munter weiter!!! Erst heute erreichte uns zum wiederholten Mal ein Brief von denen. Natürlich wandern diese bei uns von Anfang an in den Papierkorb. Solche Firmen muß man konsequent sofort schließen und nicht nur für eine Mandantin eine Unterlassung aussprechen! Da ist in Deutschland allgemein noch sehr viel Nachholbedarf und viel zu tun auf diesem Gebiet, auch von der Gewerbeaufsicht und der Justiz!

  3. @lohba: So sehr wir auch gerne mehr tun würden: Wir können immer nur für die Betroffenen tätig werden, die uns konkret beauftragen. Ein generelles Verbot können wir natürlich nicht erreichen.

  4. Brausi sagt:

    Das man denen nicht das Handwerk legen kann, verstehe ich nicht…

    Kunden werden offensichtlich übers Ohr gehauen.. Geld verdienen die Gängster !!! und anschliessend die Rechtsanwälte….. ( die nichts dafür können )

    Es ist seit langem bekannt, das die Geld abzocken, warum greift da niemand ein und schützt die Bürger ????

  5. Holm Ziegner sagt:

    Heute ist wieder ein Brief eingegangen. Ich werde ihn nicht schreddern, sonden an den Ansender wegen Unzustellbarkeit zurücksenden. Kostet ja nichts und sie kriegen ihre eigen Post zurück.

  6. Die Politik hat versagt! Solch offensichtliche Täuschungen müssten mit Gefängnis und nicht mit läppischen Geldbußen bestraft werden.

    Nur dann müssten die Vorstände vieler großer Firmen in den Knast. Man denke nur an die angeblich gesundheitsfördernde Wirkung von Joghurtgetränken. Ich fürchte, die Verflechtung von Wirtschaft und Politik ist da dann doch zu eng.

  7. Martin F. sagt:

    Ich verstehe die ganze Aufregung gar nicht, ich habe es schon zweimal erhalten und ich konnte aus beiden Schreiben herauslesen das es mich über 500 Euro pro Jahr kostet, wenn ich ein Schreiben nicht lese und unterschreibe – dann bin ich definitiv nicht Geschäftsfähig. Solche Unternehmen machen nur mit “dummen” ihr Geld. Ich hab schon ein ganzes Ordner mit solchen Schreiben voll…. wenn ich jedesmal unterschrieben hätte… dann wäre Insolvenz – KLARTEXT= fahrlässige insolvenzverschleppung!!

    1. Mani sagt:

      Ich verstehe nicht warum Sie hier eine eindeutig betrügerische Vorgehensweise zu verharmlosen versuchen. Es ist ein auf Betrug aufgebautes Geschäftskonzept und sollte definitiv strafrechtlich verfolgt werden. Es gibt rechtlich gesehen Unternehmer, die nicht Jura studiert haben sondern nur Ihre ehrlichen Leistungen den Menschen anbieten – diese ehrlichen Unternehmer versucht man hier gezielt zu betrügen. Mit Ihrer Verharmlosung unterstützen Sie die Betrüger und versuchen die ehrlichen, aber nicht rechtlich versierten Unternehmer bloß zu stellen.

      Eine Kleinigkeit übersehen Sie aber: Wenn Betrüger die Oberhand gewinnen und Ihnen das Handwerk nicht verboten wird, können sich daraus schnell Mafia ähnliche Strukturen bilden. Wenn bei Ihnen dann ein Schlägertrupp Schutzgelder eintreiben kommt, werden Sie es vielleicht nicht mehr so locker sehen.

  8. Kaya sagt:

    Hallo, habe heute gleich zwei Briefe gleichzeitig bekommen. Hatte allerdings nach dem 3. Male in der Eile den Bogen wie viele andere ausgefüllt und abgeschickt.
    Danach ein Schreiben von meinem Anwalt abschickt, nach der sofortigen Zahlungsaufforderung.
    Jetzt bedrohen die mich zum 3. Male, dass die es gerichtlich anfordern.
    Was ist das für ein Vertrag, ohne Bestätigung und Rücktrittsrecht.

  9. Ingrid B. sagt:

    Auch wie Kaya habe ich schon zum dritten mal eine Mahnung bekommen .Habe mich aber schon beim ersten mal mit der Verbraucher Zentrale und der IHK (Industrie und Handelkammer) in Verbindung gesetzt und die haben mir Vordrucke zu kommen lassen wie ich den Wiederspruch schreiben kann.Sollte mann aber per Einschreiben mit Rückantwort schicken .Das habe ich 2 mal getan aber die dritte Drohung kam trotzdem das ist zwar nervig aber ich reagiere jetzt nur noch wenn was vom Gericht kommt , das haben die mir von der IHK geraten

  10. Friederike S. sagt:

    Ich kann nur jedem raten, sofort gegen die Gewerbeaufkunft-Zentrale zu klagen. Je mehr Klagen eingehen, desto klarer wird doch, dass es sich um Abzocke bzw. arglistige Täuschung handelt.

  11. Ina A. sagt:

    Auch ich habe schon 2 Mahnungen und als Beweis das neue Urteil von Berlin erhalten. Auch mein Rechtsschutz hat mir geraten, zu widersprechen. Traurig eigentlich, das da der Staat nicht eingreift und solche Verbrecher ihre Machenschaften fortführen läßt.

  12. wolfgang sagt:

    mich treibt dieser laden zur weisssssglut.. senden mir urteile indenen Sie recht bekommen haben.. was sind das für richter und juristen die soetwas zulassen.. da muss man doch einfach nur noch jurablind sich in büchern verlieren um diesen verbrechern auch noch recht zu geben.. verstehe diese juristen nicht.. es ist doch offensichtlich was hier betrieben wird bei sovielen geschädigten.. ich lass mich nicht unterkriegen.. eher melde ich privatinsolvenz an das ich diesen verbrechern geld überweise..

  13. andre sagt:

    Also ich habe auch mehrere Briefe von dieser Schweinbande erhalten. Reagiert habe ich bei keinem der Briefe. Heute (24.09.13) bekam ich sogar eine E-mail. Da wir sie auf dem Postweg nicht erreichen können …bla…bla..bla…
    Die Brut wird abermals keine Reaktion meinerseits erfahren!!! schon gar nicht wenn ich das hier alles lese und ich nicht der einzige bin dem so etwas widerfährt …

  14. Ursula Ehrhardt sagt:

    leider bin ich auch in diese abzockerfalle geraten und habe unterschtieben.nun bekomme ich schon seid anfang des jahres ständig mahnungen und die beträge werden immer höher.heute war ich wiedermal beim anwalt.er hat sich das letzte schreiben durchgelesen,in welchem steht das sie tatsächlich 3 richter gefunden haben die der gewerbezentrale recht geben.mein anwalt rät mir das wir sie anschreiben eine einmalige zahlung von 500 euro zu leisten und damit zu versuchen aus dem vertrag rauszukommen.ich finde es trotzdem ungerecht,aber so langsam bin ich auch psychisch am ende und möchte von denen endlich in ruhe gelassen werden.

  15. susanne sagt:

    Na für so nen tollen Tip braucht man doch keinen Anwalt, oder???

  16. ASI Manne sagt:

    Jeden Morgen steht ein Dummer auf. Sehr viele Selbständige, die sich als Unternehmer bezeichnen
    haben leider keinerlei Ahnung vom Kaufmännischen.
    Sie kalkulieren ins Blaue vom grünen Tisch und
    denken, wenn Sie billiger sind, sind sie besser.
    Es schadet nicht Lehrgeld zu bezahlen, wenn man nicht aufpasst oder grob fahrlässig unterschreibt.
    Nicht dass ich für die GWZ bin, habe selbst schon Briefe und sogar Anrufe per Handy erhalten, was
    mich aber lange nicht zu einem Vertragsabschluss zwingt. Wenn ich Post vom Möbelhändler bekomme,
    gehe ich doch auch nicht los und kaufe sinnlos Möbel – oder?

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