Die Kanzleiwahl im Referendariat

Welche  Karriereleiter ist Deine?

Dieser Beitrag richtet sich an alle Referendare, die noch die Qual der Wahl haben, wie sie die Anwaltsstation gestalten wollen.

Spätestens die 3. Station im Referendariat muss man sich selber auswählen. Vorbei ist dann die bequeme Zeit, in der man sich durch die Referendargeschäftsstelle nach dem Zufallsprinzip einem Ausbilder zuweisen lässt. Während die Verwaltungsstation dabei für manche eine lästige Pflicht ist, die nach drei Monaten vorbei ist, ist die Entscheidung für den Ausbilder in der Anwaltsstation folgenträchtiger. Die Möglichkeiten sind hier unzählig und eine reine Typfrage.

Unternehmen, Anwalt oder Tauchen

Am Anfang stellt sich die Frage, wozu man die längste Station im Referendariat nutzen will. Hierbei scheiden sich die Geister unter den Referendaren. Manche wollen diese Station, da es die letzte vor den Examensklausuren ist, zum umfänglichen Tauchen nutzen. Die Station kann aber auch dazu genutzt werden, um den zukünftig erwünschten Beruf kennen zu lernen. Die Anwaltsstation kann (in NRW) gesplittet werden, so dass die Möglichkeit für diejenigen besteht, die zukünftig mit ihren juristischen Fähigkeiten in einer Versicherung oder einem Unternehmen arbeiten wollen, dies bereits hier auszuprobieren.

Ist man zu der Entscheidung gekommen, dass man den Beruf des Anwalts kennen lernen möchte, stellen sich zahlreiche neue Fragen.

Die Wahl anhand des Rechtsgebiets

Da wäre zunächst die Wahl des Rechtsgebietes. Viele raten dazu, einen so bezeichneten „Feld-Wald- und Wiesenanwalt“ zu wählen, da man da nochmal umfassende Einblicke in alle möglichen Themengebiete des 2. Staatsexamens bekommen kann.

Wenn man aber bereits ein Rechtsgebiet gefunden hat, was einem gefällt, kann das seine Vorteile haben. Man hat dann Spaß bei der Kanzleiarbeit, weil man in dem Bereich arbeitet, der einem persönlich interessiert und man hinterlässt dieses Interesse im Lebenslauf.

Hat man sich für ein konkretes Rechtsgebiet entschieden, liegt der nächste Schritt darin, das Internet zu durchsuchen. Dabei kann man gezielt nach Kanzleien suchen, die Referendarsstellen in Jobbörsen anbieten oder sich auch initiativ bewerben.

Die Art der Kanzlei

Wenn man sich initiativ bewerben will, landet man über die Internetsuchmaschinen letztendlich auf den Homepages der Kanzleien. Hier kann man anhand der Art, wie sich die Kanzlei darstellt, einen ersten Eindruck gewinnen. Ob einen die Kanzlei anspricht, kann man daran fest machen, wie sie sich beschreibt, welche Rechtsgebiete sie behandelt, wird auch Vertragsgestaltung als Dienstleistung angeboten, gibt es einen interessanten Blog , wer sind  ggf. die Mandanten und auch anhand des profanen Kriteriums wie sehen die Anwälte aus. Bevorzugt man ein junges Team oder wünscht man einen Lehrmeister der alten Schule? Man sollte sich anhand des ersten Eindrucks fragen, ob man sich vorstellen kann, mit diesen Anwälten in dem dargestellten Tätigkeitsfeld zu arbeiten.

Darauf folgt  die nächste Frage nach der Größe der Kanzlei. Einige Referendare meinen, Großkanzleien seien Karrieresprungbretter. Man muss sich aber auch vor Augen halten, dass man in einer Großkanzlei anonymer ist. Wenn man durch die Wahl der Anwaltsstation den sprichwörtlichen „Fuß in die Tür“ bekommen möchte, kann man auch darauf achten, wie sich die Struktur einer Kanzlei in den letzten Jahren verändert hat. Ist eine Kanzlei seit ein paar Jahren im Wachstum, stehen die Chancen eventuell auch hier nicht schlecht.

Auch die Arbeit in einer der kleineren Kanzleien kann schön sein, weil sie einerseits persönlich ist und man doch genügend verschiedene Anwälte und ihre Arbeitsweisen zum Vorbild hat. Wer lieber nur einen Ausbilder will, ist vielleicht in der Einmannkanzlei am besten aufgehoben. Es ist eine Typfrage.

Mit konkreten Vorstellungen ins Bewerbungsgespräch

Naht das Bewerbungsgespräch, muss man sich ein weiteres Mal eine konkrete Vorstellung von dem machen, wie man in der Anwaltsstation arbeiten will. Es geht hierbei um die Anwesenheitszeit, dem Arbeitsumfang, die Art der Arbeit, ob man in dieser Station vergütet werden will und wieviel Verantwortung man übernehmen möchte. Die Frage nach der Anwesenheit ist verwandt mit der der Tauchfrage.  Für jemand der gerne Anwalt werden möchte, wird es interessanter sein, ein paar Tage in der Woche vor Ort zu verbringen. Dadurch kann man einen Eindruck in die Atmosphäre der Kanzlei bekommen: wie ist das Betriebsklima, wie arbeiten die einzelnen Anwälte, unterstützen sie sich oder streitet jeder für sich?

Manche meiner Kollegen holen sich einmal pro Woche Akten ab, bearbeiten diese zu Hause und bringen sie zum Gespräch in die Kanzlei wieder mit. Auch das ist wieder Typfrage. Diese Alternative hat den Vorteil, dass man in der Zeit zu Hause etwas flexibler ist. Vielleicht hat es aber auch den Nachteil, dass man die Kanzleiarbeit nicht sauber von der Examensvorbereitung trennt. Man muss sich fragen, ob man so eine Vorgehensweise organisiert bekommt. Wem es wichtig ist die Arbeitszeit in der Kanzlei zu verbringen, um einen Einblick in diese zu erhalten, der sollte im Gespräch nach einem Arbeitsplatz für Referendare fragen.

Weiter sollte man  im Gespräch fragen, wie sich die Art der Arbeit gestaltet, was diese umfasst und sich selbst, ob man diese gerne übernehmen möchte. Die Arbeitsweisen von Referendaren können vielfältig sein: Recherche, Begutachtungen, Bloggen, den Anwalt bei Gericht begleiten oder sogar vertreten, Mandantengespräche führen oder Aktenarbeit. Man sollte sich vorab entscheiden was man will, damit man im Gespräch gezielt danach fragen kann.

Abgesehen wie man sich im Bewerbungsgespräch verkaufen sollte, kann es sinnvoll sein, auch zwischen den Zeilen zu lesen und sich auch vom Bauchgefühl leiten zu lassen. Wer sich in der ersten Kanzlei irgendwie unwohl fühlt, sollte von seiner Möglichkeit Gebrauch machen und weiter suchen. Daher ist es sinnvoll früh mit der Suche anzufangen. Meiner Meinung nach sollte das Bewerbungsgespräch auch dazu dienen klare Absprachen zu treffen. Denn in diesem Gespräch sollte man einen Eindruck davon bekommen, wie die Arbeit später konkret abläuft. Vorsicht ist geboten, wenn der potentielle Ausbilder sich hinsichtlich der Arbeitszeit noch nicht festlegen will und Wendungen benutzt wie „gearbeitet wird nach Bedarf”.

Das Rezept für die perfekte Anwaltsstation

Ein Rezept was auf alle passt gibt es nicht und auch keinen allgemeingültigen richtigen Weg. Vielmehr ist das Mittel zum Weg, dass man sich vor der Bewerbung und der Station klar macht, was man will. Wer den Beruf des Anwalt bereits für sich ausgemacht hat und auch ein Rechtsgebiet gewählt hat, was einen begeistert, so kann diese Station eine Bereicherung sein, viel Spaß machen und vergeht leider wie im Fluge. (jr)

(Bild: © hohojirozame – Fotolia.com)

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