LHR-Praxisfall: Offene Rechnungen eintreiben mit KI und Anwalt – erste Erfahrungen mit dem Forderungs-Check
Offene Rechnungen eintreiben, ohne dass die Anwaltskosten den Betrag auffressen: Seit Anfang Oktober ist der LHR Forderungs-Check live. Ein erster Bericht aus der Praxis, wie ein Fall abläuft, was die KI leistet und wo der Anwalt unverzichtbar bleibt.
Eine Rechnung über 1.800 Euro, seit Wochen offen. Oder eine Mahnung über 2.300 Euro für Leistungen, die nie bestellt wurden.
Für viele Unternehmen beginnt an dieser Stelle eine stille Rechnung: Lohnt sich der Anwalt überhaupt? Die ehrliche Antwort lautete bislang oft nein. Genau das wollten wir ändern.
Übersicht
- Lohnt es sich, offene Rechnungen mit einem Anwalt einzutreiben?
- Wie läuft ein Fall im Forderungs-Check ab?
- Wann muss der Schuldner die Anwaltskosten erstatten?
- Welche Gebühr fällt an, wenn die Forderung bestritten wird?
- Was wir aus den ersten Fällen gelernt haben
- Fazit: Kleine Forderung, volles Recht
- Häufige Fragen zum Forderungs-Check
- Weiterführende Informationen
Lohnt es sich, offene Rechnungen mit einem Anwalt einzutreiben?
Ja, auch bei Beträgen von einigen hundert oder wenigen tausend Euro, sofern der Anwalt zur gesetzlichen Vergütung nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) arbeitet. War der Schuldner bei der Beauftragung bereits in Verzug, muss er diese Kosten als Verzugsschaden ersetzen. Unwirtschaftlich wird es erst, wenn nach Stundensätzen abgerechnet wird und der Aufwand den Streitwert übersteigt.
Für Kanzleien waren kleine Forderungen bisher dennoch ein Verlustgeschäft. Die gesetzliche Vergütung deckt den Aufwand einer klassischen Bearbeitung häufig nicht, Stundenhonorare sprengen das Verhältnis zum Streitwert. Die Folge kennt jeder Unternehmer: Kleine Forderungen werden abgeschrieben, unberechtigte Rechnungen bezahlt, weil sich der Streit nicht rechnet.
Der Forderungs-Check von LHR Rechtsanwälte, Köln, setzt bei den wiederkehrenden Arbeitsschritten an: Unterlagen sichten, Sachverhalt ordnen, Fristen berechnen, Anspruchsgrundlagen und Einwendungen prüfen, Schreiben entwerfen. Diese Schritte übernimmt die KI. So können wir auch kleine Forderungen wirtschaftlich zur gesetzlichen Vergütung nach RVG bearbeiten. Ohne Stundenhonorar, ohne Erfolgshonorar.
Wie läuft ein Fall im Forderungs-Check ab?
Der Unternehmer lädt seine Unterlagen hoch und erhält in rund einer Minute eine kostenlose Ampel-Einschätzung. Will er uns beauftragen, sieht er vorher die Vergütung auf den Cent genau. Danach erstellt die KI eine strukturierte Bearbeitung samt Entwurf, und ein Rechtsanwalt prüft, korrigiert und unterschreibt jedes Schreiben.
1. Kostenloser Check. Rechnung, Vertrag, Mahnungen und Korrespondenz hochladen oder den Fall in wenigen Sätzen beschreiben. Die Ampel zeigt die wichtigsten Prüfpunkte, fehlende Unterlagen und die nächste Frist. Angaben wie Rechnungsdatum, bereits erfolgte Mahnung oder Einwände der Gegenseite übernimmt das System direkt in das Auftragsformular.
2. Beauftragung zur RVG-Vergütung. Bei einer unbestrittenen Forderung beträgt die Geschäftsgebühr höchstens 0,9. Zahlt der Schuldner auf unser erstes Schreiben, sind es nur 0,5. Bei einer bestrittenen Forderung und in der Abwehr fällt die 1,3-Geschäftsgebühr an.
3. KI-Bearbeitung nach festem Prüfschema. Die KI wertet sämtliche Unterlagen aus: Fristen, Sachverhalt, rechtliche Prüfung, Einschätzung, Rückfragen an den Mandanten. Am Ende steht der Entwurf des Schreibens an die Gegenseite, unmittelbar auf unserem Kanzleibriefkopf.
4. Der Anwalt entscheidet. Kein Schreiben verlässt die Kanzlei ohne anwaltliche Prüfung. Wir kontrollieren Fakten, Fristen und Rechtslage, korrigieren und unterschreiben. Die KI beschleunigt die Arbeit. Die Verantwortung bleibt beim Anwalt.
Zahlt die Gegenseite trotzdem nicht, vertreten wir auf gesonderten Auftrag auch im gerichtlichen Mahnverfahren oder in der Klage.
Aus der LHR-Praxis · Forderungsdurchsetzung
Erst abgenommen, dann pauschal gemindert
Ein Handwerks- oder Montagebetrieb hat seine Leistung erbracht, der Kunde hat sie ohne Vorbehalt abgenommen. Die Schlussrechnung bleibt trotzdem teilweise offen: Nachträglich erklärt der Kunde eine pauschale Minderung, gestützt auf allgemein gehaltene Mängelrügen oder eine angebliche Verzögerung.
Entscheidend sind die Abnahme und die damit verbundene Beweislast des Kunden für Mängel, die Frage, ob überhaupt ein verbindlicher Termin vereinbart war, und die Höhe der Minderung. Das Gesetz berechnet sie verhältnismäßig (§ 638 Abs. 3 BGB) und lässt keinen Pauschalabzug zu. Unser Schreiben enthält eine übersichtliche Forderungsaufstellung mit Zinsberechnung und, wenn der Schuldner Privatperson ist, die Pflichtangaben nach § 43d BRAO.
Aus der LHR-Praxis · Forderungsabwehr
Rechnung für Leistungen, die nie bestellt wurden
Ein Selbständiger erhält die Rechnung eines Marketingdienstleisters, etwa für Kundenkontakte („Leads“), kurz darauf eine Mahnung mit knapper Frist. Unterschrieben hat er nichts, es gab allenfalls ein Telefonat. Hier kommt es darauf an, ob überhaupt ein Vertrag zustande gekommen ist und was der Anspruchsteller dazu darlegen und beweisen muss. Das Zurückweisungsschreiben bestreitet den Vertragsschluss, fordert den Nachweis des Auftrags an und vermeidet jede Formulierung, die als Anerkenntnis gelesen werden könnte. Wann formlose Absprachen tatsächlich binden, haben wir am Beispiel von Verträgen per WhatsApp erläutert.
Wann muss der Schuldner die Anwaltskosten erstatten?
Nur wenn er sich schon vor der Beauftragung des Anwalts in Verzug befand. Dann sind die Anwaltskosten bis zur Höhe der gesetzlichen Vergütung als Verzugsschaden zu ersetzen. Wer zu früh beauftragt, bleibt auf den Kosten sitzen.
Zwischen Unternehmern tritt Verzug spätestens 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung ein (§ 286 Abs. 3 BGB). Eine Mahnung führt ihn früher herbei. Bei jüngeren Rechnungen empfiehlt sich deshalb zuerst eine eigene Mahnung. Der Forderungs-Check prüft den Verzug anhand des Rechnungsdatums und erzeugt auf Wunsch eine kostenlose Mustermahnung.
Welche Gebühr fällt an, wenn die Forderung bestritten wird?
Dann gilt die volle 1,3-Geschäftsgebühr. Die reduzierte Gebühr von höchstens 0,9 sieht das Gesetz seit Oktober 2021 nur für die Durchsetzung unbestrittener Forderungen vor (Nr. 2300 Abs. 2 VV RVG). Ob der Schuldner Einwände erhoben hat, entscheidet also unmittelbar über die Kosten.
Der Check fragt deshalb gezielt danach, ob die Gegenseite etwa eine Minderung erklärt oder den Vertrag bestritten hat, und übernimmt die Angaben aus den hochgeladenen Unterlagen. In der Abwehr unberechtigter Forderungen stellt sich die Frage nicht: Hier fällt stets die 1,3-Gebühr an.
Was wir aus den ersten Fällen gelernt haben
Die KI ist schnell und gründlich, doch über den Ausgang entscheiden die Unterlagen und die anwaltliche Kontrolle. Drei Beobachtungen haben sich in den ersten Mandaten bestätigt.
Die Unterlagen entscheiden. Abnahmeprotokolle, Auftragsbestätigungen und Korrespondenz bewirken oft mehr als jede rechtliche Argumentation. Je vollständiger die Unterlagen, desto präziser die Bearbeitung. Fehlt etwas, formuliert das System konkrete Rückfragen an den Mandanten, statt Tatsachen zu unterstellen.
Die Pflichtangaben gelten auch gegenüber dem Gegenanwalt. Macht ein Rechtsanwalt eine Forderung gegenüber einer Privatperson geltend, muss er mit der ersten Geltendmachung die Angaben nach § 43d BRAO übermitteln: Auftraggeber, Forderungsgrund, Zinsberechnung, Inkassokosten. Eine Ausnahme für den Fall, dass der Schuldner bereits anwaltlich vertreten ist, sieht das Gesetz nicht vor. Unsere Schreiben enthalten die Angaben deshalb auch dann.
KI schreibt schnell, der Anwalt schreibt richtig. Die Entwürfe sind gut strukturiert und sprachlich sauber. Ihren Wert entfalten sie erst durch die anwaltliche Kontrolle. Gebührenansatz, Vorsteuerabzug, Gestaltungserklärungen und taktische Entscheidungen bleiben Sache des Anwalts.
Dass sich auch scheinbar kleine Beträge bis vor Gericht durchsetzen lassen, zeigt ein Verfahren vor dem Amtsgericht Berlin-Wedding: Dort musste ein Käufer zahlen, der den PayPal-Käuferschutz missbraucht hatte. Weitere Verfahren finden Sie auf unserer Seite Unsere Erfolge.
Fazit: Kleine Forderung, volles Recht
Die Höhe einer Forderung sagt nichts darüber, ob sie berechtigt ist. Sie entscheidet bislang nur darüber, ob sich jemand um sie kümmert. Der Forderungs-Check verschiebt diese Grenze: Die KI übernimmt die Routine, der Anwalt die Verantwortung, und abgerechnet wird nach Gesetz. Wer im Recht ist, muss es sich auch bei 1.800 Euro leisten können.
Offene Rechnung oder unberechtigte Forderung auf dem Tisch?
Laden Sie Rechnung, Mahnung oder Forderungsschreiben hoch und erhalten Sie in rund einer Minute eine kostenlose Ersteinschätzung. Die Vergütung nach RVG sehen Sie vor der Beauftragung auf den Cent genau. Für Unternehmer, Forderungen bis 10.000 Euro.
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Häufige Fragen zum Forderungs-Check
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Muss der Schuldner meine Anwaltskosten bezahlen?+
Für wen ist der Forderungs-Check gedacht?+
Was passiert, wenn der Schuldner trotz Anwaltsschreiben nicht zahlt?+
Weiterführende Informationen
- LHR Forderungs-Check: kostenlose Ersteinschätzung für offene und unberechtigte Rechnungen
- Forderungen abwehren und eintreiben
- Vertragsrecht
- LHR Creditreform-Check: negative Bonitätseinträge prüfen lassen
- Unsere Erfolge