LHR erzielt Rekordsumme für Mandanten: Fotograf erhält 14.000 € Schadensersatz wegen Nichtnennung als Urheber

Von Arno Lampmann, 26. Juni 2013

Unser Mandant, ein Fotograf, hatte bemerkt, dass eines seiner Lichtbildwerke als Illustration mehrerer Pressemitteilungen eines Unternehmens verwendet wurde. Und das, ohne Einverständnis und – was für Fotografen häufiger viel wichtiger ist – ohne seinen Namen zu nennen.

Creative Commons-Werke: Kostenlos, aber nicht gemeinfrei

Der Ärger unseres Mandanten war daher groß. Insbesondere, weil er seine Lichtbilder unter anderem auf Wikipedia Dritten sogar kostenlos zur Nutzung zur Verfügung stellt. Er berechnet dafür nichts, sondern bittet allein darum, bei der Verwendung des Lichtbilds als Urheber genannt zu werden. Dazu bedient er sich der Bedingungen der Creative Commons License “Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (Attribution-ShareAlike 3.0 Unported)“. Das bedeutet, dass die Lichtbilder kostenlos genutzt werden können, jedoch nur unter der Bedingung, dass mindestens die folgenden Angaben gemacht werden:

  • Werktitel,
  • Name des Urhebers,
  • Link auf das Werk und/oder den Urheber und
  • Link auf die Lizenzurkunde bei Creative Commons.

Creative Commons: Es muss immer mindestens der Urheber genannt werden

Die Veröffentlichungen des Lichtbildes innerhalb der Pressemitteilungen hielten diese Vorgaben jedoch nicht ein. Es wurden weder  Titel des Werks noch der Name bzw. das Pseudonym unseres Mandanten mitgeteilt. Es wurde auch nicht, wie es die Lizenzbedingungen vorschreiben, auf die entsprechende Seite unseres Mandanten oder auf die unter der URL http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de erreichbare Lizenzurkunde bei Creative Commons verlinkt.

14.000 € für die Nichtnennung des Urhebers

Da die Lizenzbedingungen zur Nutzung des Werks nicht eingehalten wurden, lag eine klare Urheberrechtsverletzung vor, gegen die der Mandant nicht zuletzt deswegen vorgehen wollte, da die Rechtsverletzung nicht etwa von einem Blogger oder Kleinunternehmer begangen wurde, sondern von einem namhaften Unternehmen. Weil das Lichtbildwerk gleich auf mehreren Seiten rechtswidrig verwendet wurde, erhöhte sich der zu zahlende Schadensersatz auf die Summe von fast 20.000,00 €. Nach Verhandlungen konnten wir uns mit dem Rechtsverletzer auf die Zahlung von pauschal 14.000,00 € einigen.

Praxistipp für Webseitenbetreiber

Bei der Nutzung von fremden Bildmaterial ist immer höchste Vorsicht geboten. Dass man nicht einfach bei Google gefundene Bilder auf seine Seite einfügt, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Aber auch Werke unter Creative Commons Licenses sind kein Allgemeingut und dürfen nur unter Einhaltung bestimmter Regeln benutzt werden. Martin Mißfeldt hat hier eine schöne Übersicht über die verschiedenen Lizenzmodelle erstellt. Für alle gilt: Es muss immer mindestens der Urheber genannt werden!

Praxistipp für Fotografen

Wenn man seine Werke ansonsten kostenfrei zur Nutzung anbietet, ist der Ärger nur allzu verständlich, wenn sich insbesondere große finanzstarke Unternehmen noch nicht einmal an die wenigen oben genannten Vorgaben halten. Gerade die Namensnennung ist für Fotografen sehr wichtig, da dadurch gewährleistet ist, dass diejenigen, denen das Foto gefällt, wissen, wo mehr davon zu bekommen ist.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Auch bei der Geltendmachung klarer Rechtspositionen gilt es, Augenmaß zu wahren. Man muss nicht gegen alles und jeden (z.B. private Blogger und kleine Händler) sofort die “Abmahnkeule herausholen”. Oft ist es die beste Werbung für einen Fotografen, wenn er sich gütlich mit ehemaligen Rechtsverletzern einigen kann. Es sollen schon Freundschaften aus einer zunächst eher feindseligen Begegnung entstanden sein.

Geht es allerdings um große Unternehmen, die offenkundig aus fremden Leistungen Kapital schlagen wollen, gibt es unseres Erachtens keinen Grund, seine Rechte nicht mit aller Konsequenz durchzusetzen – wie wir es in diesem Fall für unseren Mandanten getan haben.

Bei Fragen zu Creative Commons Licenses sind wir für Sie da! Egal, ob als Fotograf oder Seitenbetreiber. (la)

(Bild: creative commons redesign – drew flaherty)

Update vom 27.6.2013 aufgrund zahlreicher Nachfragen:

Die Einigung erfolgte außergerichtlich. Wir können leider nicht alle Details des Falls preisgeben, da sonst Mandant oder Gegner erkennbar werden könnten. Das wäre nicht nur rechtswidrig sondern entspräche auch nicht unserem Selbstverständnis.  Wir bitten daher um Nachsicht für die “Geheimniskrämerei”. Wir sind der Meinung, dass der Fall auch so interessant genug ist, insbesondere um die Bedeutung von Creative Commons Licenses für Fotografen und Seitenbetreiber zu beleuchten.

Daher nur soviel: Es handelte sich um ein hochwertiges Lichtbildwerk, auf dem eine Sehenswürdigkeit abgebildet war. Der Betrag bezog sich auf mehrere Veröffentlichungen in Pressemitteilungen an verschiedensten Stellen im Internet und in Katalogen über einen Zeitraum von ca. 3 Jahren. Er entspricht daher nicht dem Fall, bei dem ein Lichtbild lediglich an einer Stelle und über einen kurzen Zeitraum verwendet wird.  Insbesondere bei Internetveröffentlichungen kommt es leicht zu einer (unkontrollierten) Weiterverbreitung. Vergisst man die eigene Veröffentlichung, kann auch recht schnell ein längerer Verletzungszeitraum entstehen.

LHR erzielt Rekordsumme für Mandanten: Fotograf erhält 14.000 € Schadensersatz wegen Nichtnennung als Urheber

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Diskussion zu diesem Artikel:

26 Kommentare

  1. Mia Stadelmann

    Sehr informativer Artikel, vielen Dank!

  2. Awesome-PIX

    Bei diesem Beitrag hätte mich das Bild um das es geht doch einmal sehr interessiert.

  3. Birgit Engelhardt

    Seh ich genauso. Wenn kleine Händler oder Privatpersonen aus Nichtwissen etwas falsch machen, muss man die nicht in die Pleite treiben. Aber große Unternehmen mit großem Budget, die da einfach Geld sparen wollen oder ignorant sind, die haben es nicht besser verdient, find ich.

  4. Lena

    Ich sehe das auch so… Bloggermädels klauen mir öfter mal ein Foto, weil sie es cool finden und vergessen, den Urheber zu nennen. Da schreib ich ne kurze Mail und alles ist gut. Kürzlich fand ich ein Bild von mir dann aber auf der kommerziellen facebook-Seite mit 86000 Followern einer Tattoostudiokette… ohne Namensnennung, ohne vorheriges Anfragen… Für solche Fälle hätte ich manchmal gern einen Anwalt, da es allein einfach anstrengend ist. Vielleicht frage ich Sie ja nächstes Mal ;) bei der Erfolgsgeschichte.

  5. Sandra

    Nachdem wir jetzt alle begeistert Werbung gemacht haben – gibt es eigentlich ein Aktenzeichen dazu? ;)

  6. NetzBlogR

    Da lohnt es sich also doch, die Paareurofuffzich für eine Rechtsschutzversicherung (die ich sowieso jedem empfehle, der Texte, Fotos oder Musik veröffentlicht) auszugeben, um sich im Falle des Falles die anwaltliche Vertretung überhaupt möglich zu machen.

    Ich sehe es aber wie Birgit Engelhardt: Man muss nicht gleich mit vierstelligen Forderungen drauflosprügeln: Einen kleinen Betrag an eine wohltätige Organisation zu spenden, halte ich trotzdem für einen guten Denkzettel.

    • Gordon

      Es gibt keine RSV, meines Wissens nach, die das Risiko einer Abmahnung beinhaltet. Alle RSV (egal wie teuer die sind) schließen Abmahnung aus.

  7. Martin

    Bilder von meiner Berlin-Seite tauchen öfter mal auf anderen Seiten auf, mal kürzer – mal länger. Denke jetzt ebenfalls über CC 3.0 nach, dann haben alle Rechtssicherheit. Muss ich jedes Bild kennzeichnen (so verstehe ich den Mißfeldt-Artikel) oder reicht ein Hinweis pro Seite oder im Impressum? Danke für den Artikel.

  8. uchawi

    Ich kenne beruflicherseits beide Seiten dieses Konflikts. Einerseits arbeite ich selbst als Redakteurin und brauche für die Bebilderung von Print- und Online-Artikeln regelmäßig Bilder, andererseits fotografiere ich selbst und biete meine Bilder (teils kostenfrei, teils kostenpflichtig) im Internet an. Dass die Nennung des Bildautors absolut verpflichtend ist, steht außer Frage, und eine unerlaubte Nutzung nicht freigegebener Bilder ist Diebstahl, nichts weiter. Was mir allerdings als Redakteurin inzwischen sehr zu schaffen macht, sind die Angaben, die viele Fotografen und/oder Online-Fotoanbieter unter dem jeweiligen Bild haben möchten: vollständiger Name, Ort, Website (gerne mal 30 Zeichen lang), Name des Bildes (auch selten nur ein Wort), eMail-Adresse etc.. Und die Liste wird, so kommt’s mir vor, von jahr zu Jahr länger. Bei aller Liebe zum Urheberrecht: Wenn ich unter jedem Bild (zusätzlich zu meiner eigenen Bildunterschrift, die aus Gründen journalistischer Sorgfalt unverzichtbar ist) drei Zeilen Urheberangaben machen muss, kriege ich ein Platzproblem. Und der Leser verliert die Lust, sich diese Kurztexte überhaupt noch zu betrachten. Deshalb mein Apell an alle Fotografen: Habt Verständnis, dass Copyright- bzw. Autorengaben in einem gewissen Limit bleiben müssen. Dass der Fotoautor eindeutig identifizierbar sein muss, versteht sich von selbst. Aber das geht auch ohne polizeiprotokolltaugliche Angaben.

    • Matthias

      > Bei aller Liebe zum Urheberrecht: Wenn ich unter jedem Bild drei Zeilen Urheberangaben machen muss, kriege ich ein Platzproblem.

      Dann verzichten Sie einfach darauf, das Bild zu verwenden. Es zwingt Sie ja niemand, ausgerechnet die Bilder mit den langen Autorenangaben zu benutzen.

  9. Henning, Stuttgart

    Sehr gut, dass es da jetzt mal ein Urteil zu gibt. Das stärkt die CC-Lizenzen.

  10. Klaus

    Ich bin Moderator und verwende oft eigene Bilder in meinem Blog. Muss ich auch darauf hinweisen? Wie ist das, wenn mir ein Fotograf die Bilder per Mail zusendet, ohne einen Hinweis von ihm, das ich ihn nennen soll. Kann ich diese verwenden oder muss ich mir auch noch eine Freigabe einholen. Danke für ein paar Antworten.

    • Henning, Stuttgart

      Auf eigene Bilder muss man definitiv nicht hinweisen. Bei zugesandten Bildern hängt es davon ab, was der Zusender dazu sagt oder schreibt. Einfach mal davon auszugehen, dass er sie honorarfrei und ohne Namensnennung veröffentlicht haben möchte, würde ich jedenfalls mal lieber nicht.

  11. Stift

    Ich veröffentliche auch des öfteren Bilder in der Wikipedia und durch die Google-Bilder-Suche habe ich letztendlich einige meiner Bilder auf privaten als auch auf kommerziellen Webseiten wiedergefunden.

    Es ist äußerst traurig, wie groß der Mangel am rechtlichen Bewusstsein ist. Wie gut könnten Anwälte und deren Mandanten Geld verdienen, wenn die einen Blick in diverse Gruppen auf Facebook werfen und dort ihre Bilder finden. Natürlich ohne jede Namensnennung. Und damit meine ich nicht nur Bilder mit CC-Lizenz, sondern überwiegend rein urheberrechtlich geschützte Werke.

    Ich bin auch jeden Mal sauer, wenn ich sowas sehe. Da muss wirklich mal ein Paukenschlag gemacht werden, damit sich das Bewusstsein der User geschützter Werke stärkt und dass man eben nicht einfach jedes Bild kopieren darf.

    Würde jemand höflich fragen, ob er ein Bild für Facebook oder sonst wo verwenden darf, hätte ich als Urheber gar kein Problem damit, ihm das zu erlauben. Aber beim dreisten Kopieren ist das Fass voll.

  12. pixelpupser

    Hallo und guten TAg an alle,
    vielleicht kann mir jemand einen Tipp geben, nachdem ich vergeblich gesucht habe, wie ich in Facebook (absoluter Neuling! :-)) ein Foto mit dem Fotografen-Urheberrecht benennen kann? Ich finde nirgend wo die Möglichkeit, einen “Untertitel” o.ä. zu generieren, also auf den ersten Blick erkenntlich machen, dass das Foto urheberrechtlich geschützt ist. Auch das kopieren mit der rechten Maustaste lässt sich nicht verhindern. Oder bin ich zu blond und finde es nicht??? Wäre super happy, wenn mir da jemand helfen könnte!
    Danke im Voraus und vorweihnachtliche Grüße
    Margot

  13. Marc Knepper

    Hallo,

    vielen Dank für den Artikel und die genannten Praxistipps für Fotografen.
    Guten Rutsch!

    Beste Grüße
    Marc Knepper

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