Creditreform gibt Unterlassungserklärung wegen Speicherung falscher Daten ab

Von Arno Lampmann, 29. Mai 2012

Wir machen in der täglichen Praxis häufig die Erfahrung, dass bestimmte Dinge landläufig als Gott gegeben hingenommen und dann auch nicht mehr in Frage gestellt werden.

Dazu gehören der Mythos, dass der GEZ-Kontrolleur nach dreimaligem Besuch in die Wohnung gelassen werden müsse oder der Irrglaube, dass Eltern für ihre Kinder hafteten oder der eiserne „Rechtssatz“, dass derjenige, der mit seinem Auto einem anderen hinten drauf fährt, immer „schuld“ sei.

Die Creditreform/SCHUFA ist keine Behörde

Eine dieser unausrottbaren Legenden ist auch, dass die Creditreform (das gleiche gilt für die berühmt berüchtigte SCHUFA) eine gemeinnützige Einrichtung oder sogar eine staatliche Stelle sei, die sich in den Dienst der Menschen stellt, um Daten zu sammeln, um diese dann selbstlos in Gestalt einer Bonitätsauskunft Interessierten zur Verfügung zu stellen.

Die Creditreform hat nicht immer Recht

Und weil die Creditreform oder die SCHUFA sich so aufopfernd um das Informationsbedürfnis der Bürger kümmert, so denken viele, wird das auch alles schon seine Richtigkeit haben. Wenn in den Datenbanken mal etwas Falsches steht, trauen sich Betroffene – eingeschüchtert durch die negativen Folgen einer schlechten Bonitätsauskunft – oft nicht, ihre Rechte über eine bloße höfliche Bitte zur Änderung der Daten hinaus, effektiv wahrzunehmen. Auch wenn die Creditreform oder die SCHUFA als Inkassostelle auftritt, denken viele, dass es sich dabei um eine Behörde handeln könnte, bei der „Widerspruch zwecklos“ ist und es nichts bringt, die Creditreform oder die SCHUFA aufzufordern, falsche Einträge zu löschen.

Dies liegt wahrscheinlich nicht zuletzt an der sehr langen Tradition der „Vereinigung“, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreicht und damals unter dem Namen „Verein Barzahlung Mainz“ mit dem Ziel gegründet wurde, keinem Kunden mehr Kredit zu geben, der einem Vereinsmitglied etwas schuldete.

Die Creditreform ist nicht „gemeinnützig“

Mittlerweile  besteht die Creditreform aus einer ganzen Gruppe von gewöhnlichen privatrechtlichen Dienstleistern, die, wie andere Wirtschaftsunternehmen auch –  natürlich grundsätzlich völlig legitim – nach Gewinnmaximierung streben. Hauptgeschäftsfeld der Creditreform ist neben dem Inkasso das Bereitstellen von Bonitätsinformationen zu Unternehmen und Privatpersonen.

Die Creditreform hat Gesetze zu beachten

Ein Service, der vom Bundesdatenschutzgesetz strengen Reglementierung unterworfen ist, da er in nicht unerheblicher Weise in das informationelle Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen eingreift. Solange die gespeicherten Informationen vorteilhaft sind, werden diese von den betreffenden Unternehmen und Privatpersonen häufig gar nicht bemerkt. Ernst wird es aber dann, wenn Negativmerkmale aufgenommen werden, die dazu führen, dass potentielle Vertragspartner davon absehen, mit den Betroffenen Geschäfte zu machen. Wenn diese gespeicherten Informationen dann auch noch falsch sind, hat der Dateninhaber ein ernstes Problem.

Creditreform oder SCHUFA Eintrag löschen lassen

Genau dieses Problem hatte ein Mandant, der, bevor er zu uns kam, höflich aber bestimmt versucht hatte, die Creditreform zu bewegen, einen falschen Eintrag löschen zu lassen.

Darauf antwortete die Creditreform im Großen und Ganzen lediglich mit einem Formschreiben, in dem sie darauf hinwies, grundsätzlich auch ohne Einwilligung des Berechtigten Speicherung von Daten berechtigt zu sein. Nach nochmaliger Prüfung der Unterlagen habe man „leider eine falsche Zuordnung“ festgestellt, die aber umgehend gelöscht worden sei. Zu den unrichtig gespeicherten Daten äußerte sich die Creditreform nicht.

Auf unser außergerichtliches Aufforderungschreiben, in dem der Creditreform die einzelnen unrichtigen Daten aufgelistet wurden, reagierte diese im Großen und Ganzen lediglich mit der Wiederholung dessen, was sie bereits unserem Mandanten geschrieben hatte.

Auf außergerichtliche Löschungsverlangen reagierte die Creditreform nicht

Die beanstandeten Daten wurden weder gelöscht, noch wurde die von unserer Kanzlei geforderte Unterlassungserklärung abgegeben.

Der daraufhin am 5.9.2011 beim Landgericht Köln eingereichte Antrag auf einstweilige Verfügung leitete eine regelrechte Odyssee durch die Instanzen ein, da offenbar auch die Judikative unter dem Eindruck der Behördeneigenschaft der Creditreform jedenfalls auf Landgerichtsebene nicht dazu bereit war, diese zur Einhaltung der Gesetze zu zwingen.

Das Landgericht Köln wollte nicht helfen

Zunächst versuchte das Landgericht Köln, seine sachliche Zuständigkeit mit dem Argument zu beseitigen, der Streitwert der Angelegenheit liege lediglich bei  4.000,00 €, so dass das Amtsgericht zuständig sei. Eine Beschwerde gegen diesen Beschluss zum Oberlandesgericht Köln hatte Erfolg, so dass die Sache an das Landgericht am 29.9.2011 zurückverwiesen wurde. Das Landgericht ließ sich dafür, dass es sich um eine Eilsachen handelte, mit einer Terminierung ungewöhnlich viel Zeit und beraumte den Termin zur mündlichen Verhandlung auf den 24.10.2011 an. Seit dem Eilantrag waren somit bereits acht Wochen vergangen.

Mitarbeiter der Creditreform hatten den Eintrag unseres Mandanten zwischenzeitlich wunschgemäß abgeändert und trugen in der mündlichen Verhandlung jetzt natürlich vor, dass mit der Korrektur nun ja auch die Wiederholungsgefahr entfallen sei, so dass der Antrag nunmehr jedenfalls deshalb zurückzuweisen sei. Erst am 18.11.2011, somit über drei weitere Wochen später bequemte sich das Landgericht schließlich, ein Urteil in der Sache zu sprechen, mit dem es den Verfügungsantrag nun auch in der Sache wesentlich mit der Begründung zurückwies, dass sich im Streitfall Bedenken an dem Bestehen einer Wiederholungsgefahr daraus ergäben, dass die Beklagte ersichtlich kein Interesse an der Speicherung wiedergabefehlerhafter Daten habe. Als Wirtschaftsauskunftei sei sie auf das Vertrauen der Auskunftsuchenden auf die Richtigkeit der von ihr gespeicherten, wirtschaftsrelevanten Daten angewiesen. Eine falsche Auskunftserteilung würde dieses Vertrauen unmittelbar und gegebenenfalls nachhaltig beeinträchtigen. Die Wiedergabe zutreffender Daten sei demgegenüber Geschäftsgrundlage der Beklagten.

Außerdem, habe der Kläger außergerichtlich darauf verzichtet, die Daten im Einzelnen richtigzustellen. Er habe der Beklagten überhaupt nicht mitgeteilt, welche der bei ihr gespeicherten Daten fehlerhaft seien.

Nach Auffassung des Landgerichts Köln galt hier offenbar, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Und, falls der bedauernswerten Creditreform bei der ganzen Datenflut doch wider Erwarten einmal ein Fehler passiere, dass der Betroffene doch gefälligst mithelfen solle, diesen zu korrigieren.

Creditreform gibt schließlich die geforderte Unterlassungserklärung ab

Auf eine Berufung zum Oberlandesgericht Köln, gab die Beklagte auf dringenden Hinweis des Senats in der mündlichen Verhandlung die außergerichtlich geforderte Unterlassungserklärung endlich ab und verpflichtete sich gegenüber unserem Mandanten, es bei Meidung einer Vertragsstrafe von 5.100,00 € zu unterlassen, bestimmte Daten zu erheben, zu speichern, zu verändern oder zu nutzen.

Nach Auffassung des Oberlandesgerichts bestand selbstverständlich sowohl der Verfügungsgrund der Dringlichkeit als auch ein Verfügungsanspruch. Da die Creditreform Daten über unserem Mandanten gespeichert habe, die unstreitig nicht korrekt waren, habe sie die Persönlichkeitsrechte unseres Mandanten verletzt und damit eine Wiederholungsgefahr geschaffen, welche nicht widerlegt worden sei. Die geforderte strafbewehrte Unterlassungserklärung sei nicht abgegeben worden. Die bloße Korrektur der Daten reiche dazu nicht aus.

Damit war der Fall für unseren Mandanten aber noch nicht zu Ende. Denn die Creditreform wollte die Kosten des notwendig gewordenen Gerichtsverfahren durch zwei Instanzen dennoch nicht tragen, da unser Mandant einen Verfügungsgrund missbräuchlich (!) herbeigeführt habe und ein einstweiliges Verfügungsverfahren nicht notwendig gewesen sei.

Durchschlagender Erfolg vor dem Oberlandesgericht Köln

Nachdem die Senatsmitglieder des Oberlandesgerichts Köln bereits in der mündlichen Verhandlung ihre Verwunderung darüber zum Ausdruck gebracht hatten, weshalb die Creditreform die geforderte Unterlassungserklärung nicht schon viel früher abgegebenen habe, fanden sie in einem Beschluss vom 8.3.2012, Az. 18 U 304/11 zu dieser Auffassung deutliche Worte und legten der Beklagten Creditreform auch die Kosten beider Instanzen auf.

Wehren Sie sich gegen die Speicherung falscher Daten!

Nach unserem Kenntnisstand handelt es sich bei dem durch unsere Kanzlei vertretenen Fall um den ersten, in dem die Creditreform von einem Obergericht bezüglich falscher Daten unzweideutig in die Schranken gewiesen wurde. Der Fall zeigt einerseits , dass sich bisher offenbar keiner so recht traut, seine Rechte gegen die althergebrachte Creditreform gerichtlich durchzusetzen. Andererseits zeigt der Fall, dass man sich gegen die Speicherung falscher Daten auch gerichtlich effektiv wehren kann.

Eine schlechte Bonitätsauskunft ist kein Schicksalsschlag oder eine Strafe Gottes, der man hilflos ausgeliefert wäre, sondern letztendlich nur die Auskunft aus einer Sammlung von Daten eines privaten Unternehmens aus völlig unterschiedlichen Quellen, die selbstverständlich auch falsch bzw. veraltet sein können.

Jeder hat einen Anspruch darauf, bei der Creditreform (oder ider SCHUFA) falsche Einträge löschen zu lassen. Der Betroffene muss auch nicht etwa, wie die Creditreform oder die SCHUFA gerne suggerieren, erläutern, weshalb die Daten falsch sind oder sogar die richtigen mitteilen. Auch wenn die Creditreform oder die SCHUFA das natürlich gerne hätten, muss der Betroffene nicht noch bei der Vermarktung seiner Daten mithelfen.

Bei einer Persönlichkeitsrechtsverletzung stehen die Chancen übrigens gut, dass eine bestehende Rechtsschutzversicherung die Kosten übernimmt. Bei weiteren Fragen zum Schutz Ihrer Daten stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Mehr zum Thema finden Sie hier. (la)

4.12 avg. rating (82% score) - 46 votes

Diesen Artikel teilen:

Diskussion zu diesem Artikel:

32 Kommentare

  1. Kai

    Es wäre schön, wenn Sie entscheidung des OLG öffentlich machen könnten, ob durch Bekanntgabe des Az. oder durch geschwärzte Veröffentlichung, wäre mir egal. 😉

  2. p.schmdi

    kleiner tippfehler im artikel. das teht etwas vom 18.11.2012 – war aber logischerweise der 18.11.2011

  3. Rainer Phantasiename

    Guten Tag,

    auf welcher Rechtsgrundlage erhebt und vermarktet die Creditreform (oder auch die Schufa) und in welchem Umfang hat man die Möglichkeit die Weitergabe von Daten nachteilsfrei zu unterbinden.

    Nachteilsfrei deshalb, weil beispielsweise die Auskunft „Auskunftssperre“ einem Anfragenden als Negativmerkmal erscheinen kann.

    Während es in Ihrem Fall um falsche Daten ging, möchte ich grundsätzlich gar nicht bei der Creditreform auftauchen – weder mit Daten noch mit einer „Auskunftssperre“. Das hat in diesem Fall auch nichts mit negativen Informationen zu tun: Ich habe schlicht eine Aversion gegen diese Form des Geschäfts und halte außerdem jegliches Scoring für Scharlatanerie und Voodoo-Zauber – denn die Basis der Scoring-Werte sind nur zum Teil Fakten und nie eine wahrheitsgemäße Aussage.

    Ein „Auskunftssperre“ würde ich als ebenso kredit- und rufgefährdent einstufen wie eine Falschauskunft. Ich bin aber kein Jurist. Habe ich überhaupt eine Möglichkeit, diesem Verein die Nutzung meiner Daten zu untersagen?

    Als Einzelunternehmen bekomme ich ab und an Anfragen der Creditreform. Ich finde das schon dreist. Bisher habe ich mich dazu entschlossen gar nicht zu reagieren – in der Annahme, das dies sinnvoller ist, als mir die Zusendung weiterer Schreiben zu verbitten. Ist es das?

  4. Jennifer

    Hallo, ich habe heute bei der Creditreform erfahren, dass zum einen in meinem Datensatz mein falsches Geburtsdatum steht und zudem 2 Forderungen aufgelistet sind, welche einer anderen Person „gehören“. Zudem habe ich letztes Jahr eine Forderung beglichen, welche auch der anderen Person zuzuweisen ist. Das Ganze wurde nach Zustellung des mir nach Abtragung der Schuld überlassenen Titel klar. Jetzt verlangt die Creditreform von mir einen Ausdruck des Meldeamtes mit sämtlichen meiner alten Adressen. Ansonsten könnten sie diese Daten nicht ändern. Auf meine Kosten. Über jeden Rat freue ich mich. Besten Gruß

    • Thomas

      Hallo Jennifer,

      dadurch dass der Artikel hier schon knapp 1 Jahr wirst du wahrscheinlich hier keien anwort erhalten. Aber mach es doch einfach und frag mal beim Verbraucherschutz nach, gegen eine kleine Gebühr (ich meine irgendwas um die 10 Euro) helfen die dir bestimmt gerne weiter.

      • Arno Lampmann

        Arno Lampmann

        Wir haben Jennifer bereits in einer E-Mail geantwortet. Gerne beantworten wir auch weiterhin Fragen zum Thema. Allerdings nicht an dieser Stelle. Hier ist die Diskussion von sensiblen Rechtsfällen unseres Erachtens nicht richtig aufgehoben.

  5. Acikel

    Ich habe einen Eintrag bei der Creditreform nur wegen den Eintrag Kann ich nirgends wo Kredit nehmen obwohl ich ein vergleich gemacht habe und die ich auch einhalte was kann ich jetzt machen kann mir jemand helfen bitte ansonsten bin ich gezwungen ein Privatinsolvenz zu beantragen.

    Danke im vor raus

  6. Andy

    Gibt es auch für Unternehmen die Möglichkeit die Schufa usw. zu seinen Unternehmensdaten kostenlos abzufragen. Für Privatpersoenen gibt es den §34 BDSG, für Unternehmen hab ich leider noch nichts gefunden.

  7. Frank

    Ich würde mich freuen, wenn die Sachverhalte mal aus einer anderen Sicht beleuchtet würden. Ist es eigentlich statthaft, dass die Creditreform Eintragungen zu einer natürlichen Person mit einer Eintragung einer juristischen Person verknüpft? Ich habe in 2011 mit meiner GmbH eine Insolvenz hingelegt (ich war Alleingesellschafter und Geschäftsführer), was mich auch in die Privatinsolvenz gezogen hat. Heute bin ich Geschäftsführer einer anderen GmbH, die rein gar nichts mit der Damaligen zu tun hat. Trotzdem erhält die aktuelle GmbH Negativmerkmale aufgrund der Tatsache, dass ich GF bin mit meinen privaten Negativmerkmalen. Ich halte das für einen Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte, weil ja eigentlich keine Firma mich mehr einstellen kann, denn sie erhält damit einen negativen Score. Kann ich die Löschung dieser Verknüpfung gerichtlich durchsetzen?

    • Arno Lampmann

      Arno Lampmann

      Bitte melden Sie sich mit individuellen Fragestellungen telefonisch oder per E-Mail bei uns, wir rufen Sie dann zurück!

    • Karl

      Hallo Frank,
      das Problem habe ich auch gerade. Habe noch bis 08/2015 die Wohlverhaltensphase. Zahle monatlich meinen Obolus hab mir nichts mehr zu schulden kommen lassen.2010 mit nichts eine UG gegründet die ich vor kurzem in eine GmbH erweitern konnte. Habe es geschafft mit Null Kreditlinie alle Rechnungen mit der UG pünktlich zu bezahlen. Diese wurde allerdings von der Creditreform gar nicht eingestuft wegen zu geringem Stammkapital. Nun ist es eine GmbH, trotz pünktlichster Zahlung und der Tatsache dass ich bereits 3 Jahre überlebt habe ist das Scoring bei Creditreform Grottenschlecht. Das ist alles Budenzauber und völlig unseriös. Die Tatsache dass ich als GF noch in Privatinsolvenz bin scheint hier entgegen der Auskunft der Sachbearbeiterin zu 2/3 das Scoring zu beeinflussen. Anders kann ich mir das nicht erklären. Ich werde jetzt auch mal prüfen inwieweit das zulässig ist die juristische Person mit der privaten zu Verknüpfen.

      Man stelle sich mal vor ich erbte eine alteingesessene Firma mit einem Score von 1,0 und würde GF, dann wäre der Score anschließend bei 3,8.

      Im Allgemeinen kann ich nur jeden warnen in die Privatinsolvenz zu gehen, ich denke das wird intern auch nach der Restschuldbefreiung immer irgendwo gespeichert bleiben. Wenn du hier einmal auf die Fresse fällst, bist du erledigt und machst besser H4 und arbeitest schwarz.

      Falls du was raus findest bzgl. der Verknüpfung kannst du es ja mal posten, danke.

  8. Karl

    Ernüchterung durch den Auszug eines Urteils vom LG Berlin vom 27.11.2013.

    „Ein solcher Umstand ist die Tatsache, dass der Alleingeschäftsführer einer GmbH die eidesstattliche Versicherung abgegeben hat. Das wirtschaftliche Schicksal einer GmbH ist mit demjenigen ihres Geschäftsführers eng verknüpft. Dies gilt ohnehin dann, wenn es sich um eine Ein-Mann-GmbH handelt und Geschäftsführer- und Gesellschafterfunktion in eins fallen (BGH, Urteil vom 17.12.1985 – VI ZR 244/84, NJW 1986, 2505, 2506). Entsprechendes ist aber auch anzunehmen, wenn der Geschäftsführer zwar selbst wirtschaftlich nicht an der GmbH beteiligt ist, jedoch als Alleingeschäftsführer deren Wohl und Wehe weitgehend in der Hand hat. Zwar können für die Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung ebenso wie für das Scheitern einer GmbH viele Gründe ursächlich werden. Der Wirtschaftsverkehr verknüpft aber mit dem Umstand, dass der Geschäftsführer der GmbH die eidesstattliche Versicherung abgeben hat, die Befürchtung, dass dieser im privaten Leben nicht zu wirtschaftlichem Handeln befähigt ist und daher auch die Geschicke einer GmbH nicht erfolgreich zu führen vermag. Die Abgabe der eidesstattlichen Versicherung lässt deshalb, auch wenn sie selbstredend nicht zwangsläufig zu einem Scheitern der GmbH führen muss, Rückschlüsse auf deren Ausfallrisiko zu. Hinzu kommt, dass der Geschäftsführer, der die eidesstattliche Versicherung abgeben hat, nicht als tauglicher Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft in Betracht kommt. Damit handelt es sich um einen Umstand, der geeignet ist, etwaige Kreditgeber zu einer sorgfältigen Bonitätsprüfung zu veranlassen, und dessen Kenntnis mithin für das Kreditgewerbe erforderlich ist (BGH, Urteil vom 17.12.1985 – VI ZR 244/84, NJW 1986, 2505, 2506 m. w. Nachw.). Die Beklagte ist daher nicht gehindert, diesen Umstand bei der Berechnung des Bonitätsindex und der Ausfallwahrscheinlichkeit für die Klägerin zu 1) zu berücksichtigen.“

    Ich bin also nicht zu wirtschaftlichem Handeln fähig…..
    Leider wird bei einer Insolvenz/Privatinsolvenz nicht berücksichtigt wie diese zustande kam. In meinem Fall haben Auftraggeber nicht bezahlt bzw. sind in Insolvenz gegangen. Und ich Depp mehme Darlehen auf (privat verbürgt) um eine/meine GmbH zu retten und komme dadurch auch noch in Privatinsolvenz. So gesehen kann man ja echt sagen, dass ich zu wirtschaftlichem Handeln nicht fähig bin. Man sollte niemals auch nur für einen € privat eine Bürgschaft übernehmen. Andererseits hätte ich auf die GmbH ohne Privatbürgschaft keinen Cent Kreditlinie bekommen….

    • Jürgen

      Das selbe Problem bei mir. ich bin Geschäftsführer einer GmbH. Nicht Gesellschafter. Wir bezahlen unsere Rechnungen mit Skonto und machen einen Umsatz von etwa 2 Millionen pro Jahr.
      Zuvor hatte ich ein Einzelunternehmen, das durch einen fragwürdige Schätzung des Finanzamtes in den Ruin getrieben wurde. Inzwischen ist klar, dass wir noch Steuern zurück bekommen anstatt 250.000 bezahlen zu müssen. Das FA hat mich zur EV gezwungen.
      Obwohl wir tolle Geschäfte machen, Angastellte haben und einen guten gewinn erwirtschaften, ist die private EV dafür verantwortlich, dass der Index bei 370 liegt.
      Hier findet eine Vorverurteilung statt, da nicht bewertet wird, wodurch ein privates Liquiditätsproblem entstanden ist. Ob durch ein illegitimes Vorgehen einer Behörde oder durch Forderungsausfälle oder weil jemand das Geld „versoffen“ hat.
      Ich halte das für nicht legitim!
      Fraglich auch, dass man sich hier immer wieder auf ein 30 Jahre altes Urteil beruft! (BGH, Urteil vom 17.12.1985 – VI ZR 244/84, NJW 1986, 2505, 2506)
      Hat sich hier gar nichts geändert??

      • Arno Lampmann

        Arno Lampmann

        Auseinandersetzungen mit Auskunfteien sind erfahrungsgemäß immer schwierig, da oft auch die Gerichte vorgefertigte Meinungen haben, nur schwer zu berichtigen sind.
        Es ist uns leider unmöglich, Ihren individuellen Fall hier Rahmen eines Kommentars zu beurteilen. Schreiben Sie uns doch eine E-Mail mit einer Rückrufnummer, dann kontaktieren wir Sie gerne.

  9. Sabrina

    Wie kann man eine Negativeintragung in der Credit Reform löschen lassen, wenn die Forderung beglichen wurde. Die verantwortliche Gerichtsvollzieherin ist nicht mehr erreichbar…

  10. Diana

    Vor ein paar Jahren habe ich Möbel per Ratenzahlung kaufen wollen, was der Laden wegen einer nachweislich falschen Schufaeintragung nicht gewährte. Ich kaufte die Möbel bar. Dann brauchte ich eine Anwältin im Krieg gegen Vodafone, bei denen es ebenfalls falsche Einträge – angebliche Vertragsschulden – für mich gab: Eine Frau in der Stadt, in der der ich lebe, hieß genau wie ich, war aber natürlich nicht am selben Tag geboren.
    Ich bin überzeugt, dass die Schufa trotz Beschwerde weitere Falscheinträge immer munter auf meinen Namen führt. Aber ich habe keine Lust mehr, das jährlich zu prüfen: Ich brauche weder Kredite noch Raten. Trotzdem: Sollte so ein Unternehmen nicht angehalten sein, die Falscheinträge auch zu löschen, die sie selber vorgenommen haben? Böse Grüße an die Schufa: Diana

  11. Maurizio

    Guten Abend,
    ich habe eine Frage zu stellen,
    Ich erhielt einen Brief von der Creditreform nach zehn Jahren können die noch zu mir kommen, und mich dazu zwingen das zu machen was die wollen???
    2. Frage
    Die erste Frage hat meine Frau gestellt, und diese zweite Frage ist jetzt von mir aus. Danach wo meine Frau Insolvenz gemacht hat ist es noch möglich das die zu mir kommen und nach einer großen Summe fragen??

  12. Frank Diederichs

    Hallo meine Frau hat die Privatinsolvenz duch, so wie die 3 jahre für den Schufaeintrag. Sie wollte jetzt bei der IgDiba ein neuses Konto eröffnen. Dies wurde abgelehnt ohne zu sagen warum und weshalb. Hier erscheint es mir, das die Schufa doch noch eine Auskunft der Insovenz an den Banken weiter gibt. Mein frage dürfen die das.

    • Arno Lampmann

      Arno Lampmann

      Sehr geehrter Herr Diederichs, wir können Ihre Frage leider ohne genaue Kenntnisse des Sachverhalts nicht beantworten. Kontaktieren Sie uns doch einfach per Mail oder telefonisch. Wir rufen auch gerne zurück.

  13. Stephan

    Darf Creditreform im Bezug auf den Kommanditist bzw. Geschäftsführer die Privatadresse mit Geburtsdatum verbreiten?

  14. Hahn

    Guten Tag,

    ich habe ein Bekleidungsgeschäft und habe nun aktuell durch die Creditreform große Probleme bekommen, da diese meinem Lieferanten mitgeteilt haben das es mein Unternehmen nicht mehr gibt. Natürlich habe ich gebeten diese falsche Auskunft umgehend zu löschen. Ich sollte der Crefo bestimmte Daten zusenden damit diese sich sicher sein können das mein Betrieb wirklich exestiert?! Dies habe ich abgelehnt und die Crefo gebeten sich selbst darum zu kümmern. Meine Wut über eine derart fatale Fehlinformation ist jedoch so groß, dass ich wissen möchte ob und wie man sich dagegen wehren kann, damit die Crefo zukünftig ihre Daten besser prüft?

  15. Regina Bsuu

    Hallo, ich habe nur eine Frage, die mir bisher niemand beantwortet hat.
    Wenn eine Bank unerlaubte Eintragungen bei der Schufa getätigt hat, dadurch die Kreditscore auf kreditunwürdig gedrückt wurden, die Bank von der Datenschutzbehörde zur sofortigen Löschung verpflichtet wurde, wer muss dann die Kreditscore berichtigen. Das hat die entsprechende Bank nicht gemacht, die Ausrede war, dass ja 3 von 5 falschen Einträgen schon automatisch gelöscht wurden. Dadurch stieg der Kreditscore zwar um 350 Punkte, Kreditunwürdigkeit blieb aber bestehen.

    Danke!
    MfG

  16. Regina Bsuu

    Danke,, leider habe ich für Anwälte schon ein Vermögen gezahlt, aber diese spezielle Frage konnte oder wollte keiner beantworten.
    Es geht ja nur darum, wer die Daten löschen muss, auch wenn die verursachenden Einträge schon automatisch gelöscht wurden.

  17. Steffen

    Super Artikel zum viel diskutierten Thema „Schufa Eintrag löschen lassen“. Wenn es erst einmal zu einem negativen Schufa Eintrag gekommen ist, bleibt dieser in der Regel 3 Jahre bestehen, selbst wenn die zu Grunde liegende Schuld bereits beglichen wurde. Die Speicherung des Eintrags bei der Schufa sorgt nicht nur für eine Verschlechterung der persönlichen Bonität, sondern kann in Folge dessen auch zu Ablehnungen bei Kredit-Beantragungen oder bei Vermietern führen. Eine vorzeitige Löschung der Negativ Einträge ist daher immer ratsam.

  18. Marco Vogt

    CreditReform speichert Anschrift und Gewerbeart Daten, die dann auf MeineStadt und anderen Seiten veröffentlich werden.

    Die Firma ist längst aufgelöst, die Nachmieter der Immobilie, die als alte Unternehmensanschrift der CreditReform genannt werden sind nicht begeistert, denn das Gewerbe ist „Edelsteinfassen“ und sie befürchten, dass sie Bekanntschaft mit unerbetenem „Besuch“ machen könnten.

    Auf welcher Grundlage hat die CreditReform oder eine ihrer Töchter das Recht Anschriftdaten meines längst abgemeldeten Gewerbes zu veröffentlichen?

  19. Susanne

    Ein Schweizer Kunde (lange Vorgeschichte) hat über Creditreform St. Gallen eine Auskunft über ein mir bekanntes Unternehmen in Bayern getätigt.
    Ich stellate fest, dass sich das Unternehmen als Händler (richtig) ausgibt uns als Hersteller (unrichtig, der GF dieser GmbH nimmt es damit nicht so genau auch auf der Webseite und im Netz und auf Flyer oder am Telefon sagen die Aquisedamen er sei Eigenproduzent und Hersteller auch in Zusammenarbeit mit Partner)

    Mit angeführten 10 Mitarbeiter inclusive Teilzeitkräfte wie angeführt ist stimmt nicht, da ich sicher weiß, dass er immer nur Geringfügig Beschäftigte hatte.
    Jahresumsatz sind € 2.00o.000,– stimmt vermutlich auch nicht, da er eine Kleinstkapitalgesellschaft ist und sein Ziel immer wenig Erlöse sind, um wenig Steuern zu sparen
    Ich habe heute mit Creditreform gesprochen (im Namen des Schweizer Kunden der anreiste und keine Produktion damals vorfand und eigentlich Schadenersatz fordern könnte von Credeitreform.
    Die Dame teilte mir mit, die Infos erhalten Sie vom Amtsgericht vom Handelregister. Jedoch konnte ich wiederlegen dass im Handelsregister und im Gesellschaftervertrag eine Produktion angeführt ist.
    Ein Bekannter sagte mir, dass Creditreform den Unternehmen Formblätter zusendet und diese selber die Infos an die CR geben.

    Woher nimmt CR wirklich nun die Daten.
    Wenn ich als Geschäftsmann die Bonität und die Daten eines Unternehmens abfrage und völlig falsche Fakten erhalten für mein Geld…………..dann kann ich diesen Informationen sozusagen auch nicht trauen.
    Das Unternehmen hat auf alle Fälle kriminelle Energie und nimmt es mit dem Wahrheitsgehalt überhaupt nicht Ernst. DAmit nicht noch weitere Kunden aus der Elektronikbranche Schaden erleiden bemühe ich mich im Namen des Schweizer Kunden alles richtig zu stellen.
    Muß morgen nochmals anrufen

  20. Susanne

    Korrektur:
    € 200.000,– Jahresumsatz
    die Jahresabschlüsse waren auch manipuliert im Bundesanzeiger. Alles verjährt schrieb man mich an. Fehlende Jahresabschlüsse durfte der GF nachtragen.
    Vom Bundesanzeiger hätten die CR die Daten zu den Beträgen……………………….

    Hier ist der FAll umgekehrt. Ein nicht seriöses Unternehmen steht besser da als es ist mit der Bonität und der Corporate Identity.

    In anderen Beiträgen wird zu unrecht negativ berichtet über Personen und Unternehmen.

    Tja………ich dachte dass alle Daten in solchen Unternehmen absolut richtig wären und auch geprüft würden, ist wohl nicht so

Trackbacks für diesen Eintrag:

  1. Zur Schufa-Diskussion mit ms0 | goowell
 

Hinterlassen Sie einen Kommentar: