I share gossip – Mobben bis der Arzt kommt – 100 % legal?

Von Arno Lampmann, 7. Februar 2011

Das Internet kann vieles bieten: Es verbindet, bietet Arbeitserleichterung, Recherchemöglichkeit und vieles mehr.

Was allerdings geschieht, wenn das enorme Potential der massenhaften Vernetzung von Internetusern, sich in das Gegenteil verkehrt? Zum Alptraum wird es für die Betroffenen immer dann, wenn die Wirk- und Leistungsfähigkeit des World Wide Web ausgenutzt wird, um negative Schlagzeilen zu kreieren und zu verbreiten – oder schlimmer noch, um als Forum und Plattform für Cybermobbing, Beleidigungen und Verleumdungen zu dienen.

In nahezu unerträglichem Maße wird dieses Gefahrenpotential in einem aktuellen Fall ausgereizt, in dem der Webseitenbetreiber der Internetpräsenz „isharegossip.com“ Schüler dazu ermuntert, digitales Mobbing – auch als Cybermobbing bezeichnet – zu betreiben. Die Seite bietet die Möglichkeit, sich über Mitschüler, Lehrer und „Freunde“ auszutauschen. Die positive Möglichkeit des kreativen Austauschs wird jedoch ad absurdum geführt. Teilweise unter Nennung des vollen Namens der Angesprochenen werden Kommentare bis in die Privat- und Intimsphäre verfasst, deren erneute Wiedergabe sich aus unserer Sicht nicht lohnt.

Der Seitenbetreiber wirbt damit, dass die Seite zu „100 Prozent legal“ sei. Ebenso brüstet er sich damit, dass die IP-Adressen der User, die Einträge posten, nicht gespeichert und nicht an Ermittlungsbehörden weitergegeben werden. Derzeit ist diese unsägliche Seite – erfreulicherweise – nicht erreichbar. Denn nachdem sich die Einträge vor allem aus Schulen im Berliner und Frankfurter Raum rasant vermehrt haben, ermitteln nun die Justizbehörden.

Den Betroffenen Opfern kann nur empfohlen werden, die Einträge der Seiten, beispielsweise durch einen Ausdruck, zu sichern und Strafanzeige zu erstatten. Ebenso besteht die Möglichkeit, je nach der Schwere des Eingriffs in das Persönlichkeitsrecht, zivilrechtliche Ansprüche geltend zu machen. Denn in Deutschland haftet auch der Seitenbetreiber, jedenfalls ab Kenntnis der Verstöße und kann unter anderem auf Unterlassen in Anspruch genommen werden.

Damit ist klar, dass derartige Seiten nicht „zu 100 % legal“ sind und auch das Posten von Foren-Einträgen verfolgt werden kann. Die Opfer sollten sich in jedem Fall an Eltern, Lehrer oder ihnen nahestehende Vertrauenspersonen wenden und die Verletzungshandlungen ansprechen. Eltern ist zu empfehlen, frühzeitig zu intervenieren und aufzuklären.

Denn, nur wer über die potentiellen Risiken informiert ist, kann ein erfreuliches Medium wie das Internet sicher und sinnvoll nutzen. Andernfalls kann sich der ungeschulte, naive User fühlen wie Goethes „Zauberlehrling“, der das Zauberwort vergisst, um den Besen wieder zu stoppen:

„Und sie laufen! Nass und nässer
wird’s im Saal und auf den Stufen:
welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister, hör mich rufen!
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
werd ich nun nicht los.“

(cs)

Update:

Aus aktuellem Anlass und aufgrund der zahlreichen Anfragen zum Thema weisen wir darauf hin, dass – anders als es in den Medien dargestellt wird, es durchaus Möglichkeiten gibt – der Seite isharegossip.com zumindest arge Schwierigkeiten zu bereiten. Jedenfalls teilweise wird isharegossip.com nämlich von einem schwedischen ISP gehostet. Schweden müsste als Mitglied der EU auch deutsche vollstreckbare Titel unter bestimmten Voraussetzungen anerkennen. Wir haben es beispielsweise schon für Mandanten geschafft, Hostprovider zur  kompletten Abschaltung der Seite zu bewegen, da diese einzelne rechtswidrige Inhalte hatte. Ein solches Vorgehen kostet aber natürlich Zeit und Geld und kann von einzelnen Betroffenen wahrscheinlich nicht realisiert werden. Schüler sollten sich daher zusammentun oder bei ihrer Rechtsschutzversicherung anfragen, ob diese die Kosten eines Versuchs übernehmen würde, der Seite wenigstens ein wenig Contra zu geben.

Denn eines ist klar: Es ist in einem Rechtsstaat schlicht nicht hinnehmbar dass eine Internetseite wie isharegossip.com ganz offen damit werben kann, eine anonyme und damit sichere Plattform für Beleidigungen zur Verfügung stellen zu können.

Schüler aber auch Eltern und Lehrer können uns gerne zum Thema unter der E-Mailadresse isg@lhr-law.de ansprechen. (la)

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Diskussion zu diesem Artikel:

17 Kommentare

  1. RA Sebastian Dosch

    Werter Herr Kollege,

    die Seite ist bereits seit dem 04.02.2011 wieder online und ruft weiterhin zum Mobbing auf. Offenbar wird diese Seite mittlerweile in Schweden gehostet:

    http://www.mobbing-zentrale.de/04-mob-block/allgemein/isharegossip-wieder-online.html

    Ich kann nur beipflichten: Strafanzeige stellen und gegen den Anbieter sowie den Schreiber der Nachricht vorgehen.

    http://klawtext.blogspot.com/2011/02/cyber-bullying-generalstaatsanwalt.html

    Mit freundlichen kollgialen Grüßen

    Sebastian Dosch
    Fachanwalt für IT-Recht

  2. The Anonymos

    Eine nutzlose Strafanzeige kostet ja nichts, aber was heißt
    „und gegen den Anbieter sowie den Schreiber der Nachricht vorgehen“?
    „Einen Anwalt nehmen“?

    Wenn das nicht durch menschliches Versagen scheitert (jemand stellt sich unnötigerweise usw.), dann ist dies ein sehr interessanter Präzidenzfall (nicht juristisch gemeint). Die Racheseite(n) 1999 waren ja leicht zu verfolgen, aber dies hier ist neu.
    Abgesehen von Rottenneighbor. Aber der hat von sich aus dichtgemacht, und war ein US-Bürger (ist zumindest anzunehmen).
    Wenn das hier also anhält, ist es ein Vorbild für all die, die nicht genau wussten was Deutsche Behörden und Anwälte wirklich bewegen können.
    Gerade in Bezug auf Schweden. Denn auf der einen Seite list man von so sicheren Servern, auf der anderen Seite ist es „nebenan in der EU“.

    Ich propagiere ja regelmäßig dass jemand so eine Seite auch für Deutsche Polizisten, Staatsanwälte, Richter usw. eröffnen soll.
    Gebe Hinweise zu Webhostern (oft von Laien „Provider“ genannt) die auf solche Fälle spezialisiert sind. Hinweise auf Browser die die IP so sicher verschleiern, dass keine Behörde oder Geheimdienst der Erde den Absender ermitteln können.

    Ich habe auch dem ISG-Betreiber geraten, trotz des nichtspeicherns der IPs den ganz paranoiden Besuchern (Schülern denen von Seiten der Lehrer und Polizei usw. mit falschen Informationen Angst gemacht wird) diese Browser zu empfehlen.
    Habe ihm Links zu Zeitungsartikeln gesendet, die die Machtlosigkeit Deutscher Behörden bei genau diesem System belegen (siehe „vermummt im Internet“ der Zeit).
    Er reagierte positiv auf diese Unterstützung.

  3. schüler

    Ich muss mal ehrlich sagen:

    So etwas anzuzeigen ist doch genauso erbämlich wie leute übers Internet zu mobben. Ich meine über mich steht da ein Haufen negatives Zeug aber sowas sollte man nicht an sich heranlassen! Das kommt alles von Schülern ohne Hobby’s deren Leben aus dem Internet besteht.

    Ich verstehe nicht wie sich irgendwelche Anwälte mit so einer Kinderkacke auseinndersetzten können und finde das wen irgendwelche 11-19 jährige Schüler mit ein paar hochgestochenen Lästereien nicht umgehen können, sind die eher das Problem als die, die lästern. Das ist doch nicht normal wenn man sowas an sich herran lässt.

    Lästern ist nunmal ein Teil des Schüler darseins. Ach Quatsch des Lebens!

    Mit Freundlichen Grüßen.
    Schülerin eines Gynasiums in Berlin.

  4. Tobias Claren

    Das ganze Beleidigungsrecht ist erbärmlich.
    Ich hoffe diese Quellenangabe zu Vergleichszahlen ist erlaubt:
    http://www.beschwerdezentrum.org/beleidigungsgesetze.html

    Ansonsten bitte nach „Infantiler Ehrenkult“ suchen.

    Dass jemand strafrechtlich gegen eine Beleidigung oder einfache Verleumdung juristisch vorgehen kann, ist unter den westlichen Rechtsstaaten wohl recht selten bis einzigartig, und wird von der OSZE angeprangert.

    Die Deutsche Justiz will nicht darauf verzichten. 20% der Prozesse sind 2005 Beleidigungsdelikte („German Trademark“) gewesen.
    Davon wohl viele zu lasten des Steuerzahlers.
    Z.B. wenn Polizisten von ihrem Herrchen Justiz unbedingt in ihrer Ehre verteidigt werden müssen.
    Das ist wie bei den Drogenhunden. Wenn man denen bei Nichtfunden nicht ihr nach Drogen riechendes Spielzeug gibt, verlieren sie die Lust.

    So denkt auch die Justiz, wenn sie Menschen wegen Beleidigungen oder vermeintlichen Tätlichkeiten gegen Polizisten verurteilt. Da ist das Spielzeug für den Polizisten.
    Das ist nicht pauschal gemeint, es geht um echte Fälle wo Polizisten etwas erfinden, und die Storys sind glaubhaft: http://www.youtube.com/watch?v=_2tRGuONIg8&feature=player_embedded

    Was aber auch zu einem großen Teil mitspielen dürfte, ist die Tatsache dass (viele) Richter und Staatsanwälte es als persönliche Ehrverletzung ansehen, wenn ein Bürger zeigt dass er der Polizei gegenüber keinen besonderen Respekt entgegenbringt.
    Das stellt auch ihre eigene Machtposition in Frage. Alles worüber sie sich definieren und woran sie glauben. „Ketzerei!“.
    Besonders wenn so eine Seite nicht nur Schülertratsch sondern wie hier zu lesen auch Beamtendaten und Geschichten veröffentlichen würde, und ihnen ihre Staatsmacht nichts helfen würde.

    Irgendwo findet man dies als Bemerkung eines Juristen, er sagte, dass die Justiz/Richter/Staatsanwälte auf die Mitarbeit der Polizei angewiesen sind. Daher wollen sie es nicht riskieren sie zu vergrätzen.

    Also generelle Aburteilung von Angeklagten in Fällen wo sie die Opfer sind (es behaupten), und keine Verurteilung, wenn sie die Täter sind.
    Ein paar Ausnahmen wo es so eindeutig belegt und intensiv ist mag es geben. Dann sind die Strafen aber immer noch geringer als wenn da irgend ein Bürger stünde (wenn man schon Unterschiede macht, müsste der Polizist eher härter zu bestrafen sein…).

    Insofern kann ich den Wunsch von „The Anonymos“ nach einem Pranger teilen. Der öffentliche Druck könnte Wunder wirken. Gerade wenn dafür gesorgt wird, dass es seine Angehörigen, Bekannten usw. erfahren.
    Und ist so eine Plattform etabliert, könnte sie auch vorbeugend bzw. abschreckend wirken.

    P.S.: Auch die Prosesse wegen StGB §§ 86/130 und Co. sind überflüssig und teuer (wie 40 andere §§ im StGB die ersatzlos zu streichen wären). Das kann ich auch als „wahrscheinlich“ Linker so sehen.
    So wie auch Henrik M. Broder (Deutsch/Polnischer Publizist und Jude, was hier eine gewisse Relevanz hat).

  5. Mobbingopfer

    Hallo,

    ich bin selber ein mobbing opfer geworden und habe hilfe von der Webseite. http://gewerbeschule-wiesbaden.de/index.php bekommen. Die haben sich die Aufgabe gemacht, die seite so schnell wie möglichaus den Netz zu stellen. Dabei helfen Jugendliche der Stadt Wiesbaden und wollen den kampf ansagen.

    🙂
    mfg

  6. Geschädigter

    @schüler
    ich stime dir nicht zu,denn wenn man wegen einträgen bei sharegossip den ferienjob nicht bekommt, ist das ein enormer eingriff in die intimsphäre und sollte sanktioniert werden!

    auch möchte ich auf die Kommentare auf taz.de hinweisen und zitieren:

    „“Schwul“ als Schimpfwort, „Schwuchtel“, „Drecksschwuchtel“ und weitere Steigerungen sind an der Tagesordnung. Und gerade diese Art von verbaler und psychischer Gewalt in DEM sensibelsten Bereich der Identitäts- und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen führt bekanntermaßen zu den schwersten emotionalen Verletzungen bis hin zu einem vielfach höheren Suizidrisiko der betroffenen Jugendlichen.
    /…/Reaktion … Tatsache fest: „Kein Handlungsbedarf.“

    Link//:http://www.taz.de/1/netz/netzkultur/artikel/kommentarseite/1/share-dich-zum-teufel/kommentare/1/1/

  7. Max

    Boykottiert isharegossip! Das ist übelstes Cybermobbing und kein Spaß mehr. Da können alle nach § 185 StGB wegen Beleidigung dafür rechtlich belangt werden. Und wer glaubt, dass das anonym ist, hat vom Internet echt keine ahnung.

  8. Alex

    Man sollte überlegen mit wem man seine Zeit und wem man seine intimen Erlebnisse teilt… Und außerdem wenn sich schon andere Leute die Mühe machen hässliche Dinge über euch zu schreiben, dann liegt das wohl daran, dass sie einen beneiden.. Also lacht über die Leute die nichts besseres wissen mit ihrer freien Zeit anzufangen..

  9. Julian Leitermann

    Tobias Claren, Ihre Ansichten kann ich nicht so ganz teilen. Natürlich, sofern die in derartigen Plattformen verbreiteten Behauptungen der Wahrheit entsprechen und andere Menschen nicht unberechtigterweise schädigen, kann der öffentliche Druck auch Wunder bewirken, wie Sie schreiben. Aber die Behauptungen müssen auch wahr sein – und eben das ist das Problem.
    Darüber hinaus gibt es natürlich auch noch private Dinge, die niemanden etwas angehen.

    Stellen Sie sich doch einmal vor, ich würde Sie als „wahrscheinlich Linker“, wie Sie schreiben, als dreckige Nazisau bezeichnen und nebenbei eventuell auch noch Ihre Wohnanschrift ins Netz stellen. Würden Sie das dann auch noch so gelassen hinnehmen? Natürlich könnten Sie das – denn Sie wissen ja, dass das horrender Blödsinn ist. Aber andere Menschen wissen das nicht! Wenn Sie sich jetzt, nachdem eine derartige Behauptung gepostet wurde, beispielsweise bei einem Arbeitgeber um einen Arbeitsplatz bemühen, dann werden Sie eventuell erleben, dass dieser Sie ablehnt, da er natürlich nach Ihnen gegoogelt hat. Eventuell finden sich auch „nette“ Menschen, die Sie zu Hause aufsuchen, Ihnen die Fensterscheiben einschlagen oder Sie vielleicht sogar überfallen. Vielleicht würden sich auch Ihre Nachbarn und Bekannten von Ihnen zurückziehen, da sie natürlich nichts mit bösen „Nazis“ wie Ihnen zu tun haben wollen.

    Das war natürlich nur ein Beispiel, weshalb ich Ihre Aussagen für bedenklich halte. Eine Medaille hat immer zwei Seiten. Wenn die eine schön ist, dann bedeutet das noch lange nicht, dass es die andere ebenfalls ist. Oder anders ausgedrückt, man sollte nach Möglichkeit immer alle Seiten seiner Forderungen und Handlungen überdenken.

  10. Anonymous

    alles nur noch bekloppte,die sich mit diesen mist abgeben.

  11. Anonymous

    da stimme ich dir zu die haben alle nix besseres mit ihrem leben zu tun deswegen unterhalten die sich hier

  12. Bonsai

    Mobben bis der Arzt kommt?meistens ist der Arzt zu spät gekommen,weil sich einige wegen diesen Sch,,,,ß,das Leben genommen habe,ich finde dies soll verboten werden
    gruß Dieter

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