Apfelkind gegen Apple: Der Streit geht weiter

Von Arno Lampmann, 27. November 2012

Fast genau ein Jahr dauert bereits der Streit zwischen Apple und einer Cafébesitzerin aus Bonn.

Apple war Ende Oktober 2011 gegen die Eintragung der Marke “Apfelkind” unter dem links ersichtlichem Logo mit einem Widerspruch vorgegangen und hatte die Dame ohne die Verursachung weiterer Kosten dazu aufgefordert, die Verwendung des Logos zukünftig zu unterlassen.

Größenwahnsinniger Weltkonzern gegen kleine Cafébesitzerin?

Der Fall hatte damals insbesondere deshalb besonders hohe Wellen geschlagen, da in der Presse der Eindruck erweckt wurde, dass hier der Weltkonzern Apple in einem Markenrechtsstreit “mit Kanonen” auf ein kleines beschauliches Kindercafé “schieße”.

In einem Beitrag hatten wir versucht, dieses Bild ein wenig gerade zu rücken. Unseres Erachtens hatte die Cafébetreiberin nicht zuletzt aufgrund der vielen Waren und Dienstleistungen, für die die Marke eingetragen werden sollte, großspurigere Pläne, als sie nach dem Einschreiten von Apple zunächst vorgab. Gegenüber der englischen Presse hatte sie später sogar zugegeben, mit der Marke “something like Starbucks” machen zu wollen.

Einigung ist gescheitert

Wie der Bonner General-Anzeiger berichtet, dauert der Streit zur Zeit noch an. Frau Römer, die Betreiberin des Kindercafés, will nicht nachgeben. Sie beklagt sich darüber, dass ihr von Apple das Gefühl gegeben worden sei, dass ein Kompromiss gefunden werden könne. Jetzt sei aber auf einmal noch alles “viel schlimmer”.

Frau Römers “unmoralisches” Angebot

Apple hatte vorgeschlagen, dass sie für das Café werben dürfe, für alles andere aber nicht. Diese Einschränkung wollte Frau Römer aber nicht hinnehmen, da sie offenbar weiterhin plant, nicht nur das Café mit dem Logo und der Bezeichnung zu bewerben, sondern auch Mode und Spielzeug. Auch mit der weiteren Forderung Apples, das Logo insbesondere nicht für Hüllen für digitale Geräte, Computer- oder Videospiele zu nutzen, war sie nicht einverstanden. Dafür machte sie zur Voraussetzung, dass Apfelkind und Apple gemeinsam ein Kinderprojekt unterstützen.

Mit dieser Forderung hat Römer nun offenbar den Bogen überspannt. In einer Stellungnahme gibt Apple an, dass man nun Widerspruch gegen das Logo in allen vier Klassen einlegen werde – und zwar komplett, ohne Ausnahmemöglichkeiten.

Apple möchte kein Kinderprojekt unterstützen 

Apple möchte offenbar kein Kinderprojekt unterstützen. Jedenfalls nicht zusammen mit Frau Römer. Und nicht verknüpft mit Vereinbarungen darüber, wie die Marke Apfelkind in Zukunft zu nutzen ist.

Frau Römer ist enttäuscht und fühlt sich falsch verstanden.

Der unbefangene Beobachter erhält demgegenüber jedoch den Eindruck, dass Apple Frau Römer genau richtig verstanden hat: Die Platzierung des unschuldig daher kommenden “Kompromissvorschlags” zur gemeinsamen Förderung eines Kinderprojekts zeigt nämlich abermals, mit wie viel Kalkül die vorgeblich unbedarfte Cafébesitzerin in dem Fall operiert. Denn Apple hätte dieses Angebot annehmen müssen, um zu vermeiden, ein weiteres Mal “in die böse Ecke” gesetzt zu werden. Dass Apple nicht bereit ist, einen solchen Vergleich einzugehen und Vergleichsverhandlungen daraufhin abbricht, dürfte niemanden arg verwundern. Dies insbesondere deshalb, da sich Apple von Anfang an um ein schonendes Vorgehen bzw. “Waffengleichheit” bemüht hat.  Es wurde zum Beispiel keine kostenpflichtige Abmahnung ausgesprochen, deren Kosten bei einem nicht unüblichen Streitwert von 500.000 € bei ca. 4.000 € liegen können.

Wir hatten bereits in unserem ersten Artikel darauf hingewiesen: Frau Römer ist es unbenommen, für ihre geschäftlichen Aktivitäten Schutzrechte einzutragen. Wer bei bei den Großen mitspielen will, muss sich allerdings auch an die Spielregeln halten und zwar nicht nur dann, wenn es um den eigenen Vorteil geht.

In unternehmerischer Voraussicht hat Frau Römer offenbar schon einen alternativen Plan gefasst:  Sie hat sich die Marke “Kirschenkind” gesichert. Damit soll es dann keine Probleme mehr geben: “Das Logo ist als Marke fest eingetragen, die Widerspruchsfrist ist abgelaufen”, sagt Römer.

Es geht doch. (la)

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Diskussion zu diesem Artikel:

9 Kommentare

  1. Rolf Dieter Jacke

    Die von Apple spinnen, ähnlich wie die Telekom seinerzeit gegen jeden vorging, dessen Firmenfarbe nur annähernd der von der Telekom war!

  2. Fritz Hose

    Text nicht gelesen, Rolf Dieter Jacke? Was ist daran so schwer zu verstehen?

  3. Ralf Kunter

    Markenrecht as its best. Purer Schwachsinn. Pink ist Eigentum der Terrorkom, Äpfel sind Eigentum von Apple.
    Ich genieße mein Frühstücksei -Apple zum Trotz- weiterhin aus meinem Eipott!

  4. Eugen Mütze

    Die Logos sehen sich ja auch wieder so ähnlich! Man merkt dabei sehr gut, dass Apple seinen Anhängern nicht einmal zutraut diese 2 Wort/Bildmarken auseinander zu halten. Was wieder auf die Intelligenz deren schließen lässt…

  5. benni

    Ich muss mich bedanken und gestehen, dass ich mich aufgrund der Medien auf die Cafe-Seite geschlagen hatte. Andererseits kann ich Apple (und ich bin gewiss kein FanBoy oder ähnliches. Ich besitze kein einziges Apple-Produkt) ein Stück weit verstehen. Egal ob Apple oder Microsoft…, alle werden hellhörig, wenn jemand sich Rechte für ein nur annähernd ähnliches Logo (ich weiß, es bestehen deutliche Unterschiede) sichert und aus den bei der DPMA eingereichten Unterlagen hervorgeht, dass unter anderem auch Spielsachen das Logo bekommen. Und dann wird es Kritisch. Hat sie wirklich vor so zu expandieren und irgendwann (und seien es auch nur die Enkelkinder) dann mit diesem Apfelkind eine Spielekonsole produzieren oder ein Musikplayer… was auch immer alles unter die Kategorie “Spielzeug” fällt, dann ist es zu spät. Jetzt kann man noch reagieren. und Apple die Pistole auf die Brust zu setzen und zu sagen die sollen ein Kinderprojekt auf die beine stellen… Ganz ehrlich: An Apples Stelle würde ich mich da auch quer stellen und dankend ablehnen.

  6. Schrosch

    @Fritz Hose Ich glaube Rolf Dieter Jacke hat den Text gelesen. Gegenfrage: Hast du drüber nachgedacht oder nur Hirnlos zugestimmt?

    Ich finde es eine Frechheit, dass bei jedem Sch.. sofort geklagt wird. Darf man jetzt als Logo keinen Apfel mehr als benutzen, weil man sonst von Apple verklagt wird, kein Pferd, weil man sonst von Ferrari verklagt wird, keinen mehrfarbigen Schriftzug, weil man sonst von Google verklagt wird und keine Himmelskörper, weil man sonst von Mercedes verklagt wird.
    Egal wie groß ein Unternehmen ist oder werden will, wenn die Logos sich nicht ähneln (und das tun sie meiner Meinung nicht – ein Apfel hat nun mal die Form eines Apfels, ansonsten ist kein Biss drin, er ist rot und hat einen Schriftzug darunter), dann gibt es keinen Grund einen aufzufahren. Lamborghini verklagt ja ja auch nicht Red Bull.

    Aber vielleicht ist mein Problem ja auch, dass ich den Streit nicht aus der Sicht eines Geld geilen Anwalts sehe …

  7. Rolf Dieter Jacke

    @ Fritz Hose! Ich habe den Text gelesen und bei Yahoo darüber Berichte schon vorher! Und auch schon ebenfalls vorher im Tv was darüber gesehen! Mein Kommentar war, im Gegensatz zu ihrem, wohl überlegt!!!!!

  8. Daniel

    Apple hat den Einspruch gegen die Marke zurückgezogen: https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/register?AKZ=3020100617829&VIEW=pdf#page=1

    Warum dies nun gemacht wurde ist jedoch unklar.

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  1. Apple: Bizarrer Markenstreit beendet - Bankenblatt.de
 

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