Anonymous veröffentlicht massenhaft Daten von Urhebern

Von Arno Lampmann, 13. Mai 2012

Wie gulli berichtet, haben Anhänger des Onlinekollektivs Anonymous am Freitag massenhaft Daten von Unterzeichnern der Kampagne wir-sind-die-urheber.de veröffentlicht. Dazu gehören unter anderem Charlotte Roche, Sven Regener, Michael Mittermaier und Till Lindemann. Veröffentlicht werden Wohnort, Telefonnummer, usw. Ein klarer und schwerwiegender Verstoß gegen das Persönlichkeitsrecht aller Beteiligten.

Es ist Zeit zu handeln

Anonymous hat eine (natürlich anonyme) Facebookseite mit sage und schreibe 27000 “Fans”. Eigentlich zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Dort werden natürlich auch stolz die illegalen Links zu den geschützten Daten präsentiert.

Uns würde interessieren, was diese “Fans” sagen würden, wenn sie auf einmal so im Internet angeprangert würden, nur weil sie für Ihre Meinung einstehen.

Spätestens nach dieser Aktion muss Facebook handeln, wenn sie sich nicht selbst haftbar machen wollen.

Facebookseite melden

Auch, wenn der einzelne nicht viel tun kann: Ein Zeichen sollte man setzen. Wir jedenfalls haben die Seite bereits Facebook gemeldet.

Jeder, der sich nicht durch anonyme Gruppen terrorisieren lassen will, sollte das auch tun! (Auf der Facebookseite oben rechts unter dem Titelbild auf das Rädchen klicken und “Seite melden” klicken”)

UPDATE 14.5.2012:

Auf der oben erwähnten Seite wir-sind-die-urheber.de befindet sich zwischenzeitlich die folgende Warnung. Offenbar hat Anonymous die Aktion vorher angekündigt und sogar versucht, die Betreiber der Seite zur Abschaltung der Seite zu nötigen:

“Achtung: Wir werden bedroht! Kriminelle, die das Urheberrecht bekämpfen, kündigen an, von jedem der Unterzeichner die Postanschrift (oder denic-Adresse) zu hacken und ins Netz zu stellen, wenn wir unsere Unterschriftenliste nicht schließen. Bitte sehen Sie von einer Unterschrift ab, wenn Ihnen darum bang ist. Natürlich geben wir keinerlei Adressen weiter.”

Das ist nun nicht nur nicht mehr lustig, sondern ein eindeutiger Fall für die Staatsanwaltschaft. (la)

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Diskussion zu diesem Artikel:

18 Kommentare

  1. klabauter

    Tja. Man hat den Eindruck, dass Anonymous inzwischen die Guy-Fawkes-Maske gegen das Monty-Python Kostüm der “spanish inquisition” getauscht hat. Wenn denn die mittelalterliche Verfolgungswut der selbsternannten Inquisitoren so lustig wäre.

  2. freefire

    Wenn ich dass schon höre “Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz”! Geld, Geld, Geld, schreit die Welt…
    anon hat recht! Weiter so!

  3. outa

    Denic-Adressen sind öffentlich abrufbar, die muss man nicht “hacken”. Und so wie es aussieht, sind die Daten der Erstunterzeichner auch genau auf diese Weise zusammengekommen. Daher handelt es sich eher um die Aggregation von ohnehin öffentlichen Daten.

    Außerdem bin ich der Ansicht, dass man das Risiko der Adressenveröffentlichung eingehen kann und sich davon nicht einschüchtern lassen sollte, wenn einem das Thema einigermaßen wichtig ist. Trotzdem eine eher dumme Aktion.

  4. tziegler

    Anprangern zählt wohl nicht zu den intelligenten Formen des Protests. Aber, lieber Herr Lampmann, bei genauerem Hinsehen zeigt sich die Harmlosigkeit der Aktion – die Daten sind alle öffentlich und teilweise wohl noch nicht einmal richtig.

    Doch ihre Beschwerde über die Aktion und natürlich auch die Aktion selbst zeigen deutlich, wie die Diskussion geführt wird: hektisch, aufgeregt und ohne Augenmaß und vor allem ohne auf die Gegenseite einzugehen. Hoffen wir dass die Aktion “Wir sind die Bürgerinnen und Bürger” endlich ein erster Schritt in die richtige Richtung ist und als ausgestreckte Hand verstanden wird.

    Herzlichst
    TZiegler

    • Arno Lampmann

      Arno Lampmann

      @Ziegler: Die Aktion ist nicht nur inaktzeptabel, sondern mit der Vorgeschichte eine Nötigung und strafbar. Egal, woher die Daten stammen.

      Darauf hinzuweisen hat nichts übermäßig Aufgeregtes oder Hektisches. Irgendwann geht alles einmal über einen Böse-Jungen-Streich hinaus. Ihr Kommentar hingegen zeigt, was sich Menschen von einem anonymen Mob nach Auffassung vieler offenbar gefallen lassen müssen, um nicht “ohne Augenmaß” zu wirken.

      Auch zu dem Unsinn “Wir sind die Bürgerinnen und Bürger” haben wir schon Stellung genommen: http://www.lhr-law.de/lbr-blog/urheberrecht/denn-sie-wissen-was-sie-nicht-tun-wollen. So funktioniert das alles leider nicht.

      • Dirk Moebius

        Werter Herr Lampmann,
        nicht nur die Unterzeichner dieses billigen und dummen Aufrufs der Literaturbroker, sondern auch Sie werden sich damit abfinden muessen, dass nicht jeder Sie mag und dass auch nicht jeder es als kriminell ansieht, wenn Leute, die sich selber ins Scheinwerferlicht draengeln, dann eben auch in der Oeffentlichkeit stehen.
        Und, mal ehrlich – jeder von denen steht doch, anders als Anonymous, klar mit seiner Identitaet fuer seine Haltung ein?
        Ach, doch nicht? nicht so? Tja, das Leben ist kein Ponyhof.

      • justmy50cent

        Interessant…so kann man natürlich auch mit kritischen Kommentaren umgehen…einfach mal der “Nervensäge” zeigen, wo der Hammer hängt? Man könnte soviele Rückschlüsse auf Ihre Einstellung zu Gesetzen ziehen,
        darf es aber leider nicht offen sagen 😉
        für Juristen gilt scheinbar ein anderes Gesetzbuch^^

        • justmy50cent

          PS: dieser Kommentar galt selbstverständlich der Veröffentlichung von Herrn Möbius Daten auf Ihrem Blog, Herr Lampmann. Ist Leider in die falsche Stelle gerutscht.

  5. Anonymous

    Name: Dirk Möbius
    Adresse: Stuckstr. 10
    Ort: 12435 Berlin
    und
    Adresse: Puderstraße 3
    Ort: 12435 Berlin
    Homepage: http://www.valaki.de
    Mail: kontakt@valaki.de und Dirk.Moebius@pudel.in-berlin.de

    Dirk Möbius kommt aus der ehemaligen DDR und ist, obwohl er Schriftsteller nicht leiden kann, selbst Hobbyfotograf.

    Aktuelles Bild von Dirk (spielt gerne Skat): http://www.weltenhaus.net/party/2010-advent/chnabfich/original/chnab_22.html

    Bilder von Dirks Adventsfeier 2010 (Freitags, dem 18.12.2010 mit dem Zug angereist, abends gab es Pizza): http://www.weltenhaus.net/party/2010-advent/valaki/

    Im März 2009 hatte er mal Probleme mit einer bei Amazon gekauften Kamera. Im selben Jahr war er auch schon einmal bei eienr Hausbesetzung dabei.

    Vor 11 Jahren war er auch schon mal mit Freunden in Basel: http://www.d-t-r.net/party/party10/sille/original/sille058.html

    Ist manchmal auf Parties der Newsgroup de.talk.romance, in der es es um Themen wie Beziehung, freiwilliges und unfreiwilliges Solo-Sein, Partnersuche, Gefühle und Liebe geht.

    Hier kann man einiges Zu Dirks Ansichten zu Frauen und Internetbekanntschaften lesen:
    https://groups.google.com/forum/#!topic/de.talk.romance/mIth_jMTNzY

    Falls Ihr weitere Fragen habt:
    Mail: kontakt@valaki.de und Dirk.Moebius@pudel.in-berlin.de

  6. Dirk Moebius

    Ich bin stolz auf Dich. Hat bestimmt laenger als zwei Minuten gedauert.
    Und nun? Kommst Du mich besuchen?

    Ausserdem gibts Punktabzug fuer zwei, nein drei falsche Schlussfolgerungen.

    • Dirk Moebius

      Und ueberhaupt… nicht mal ne Telefonnummer ist dabei. und der Name meiner Katze auch nicht.
      Ihr Hacker seid auch nicht mehr wie frueher.

  7. Ivan

    Es ist einfach eine Bodenlosigkeit für die Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, dass die Zensur des Internets ein solches weitreichende und breitumfächertes Stadium erreicht hat. Immer mehr Inhalte werden verborgen oder stehen zur Debatte.. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin dafür, dass die Künstler und Urheber entsprechend bezahlt werden, aber es sollte auf anderem Wege erfolgen, als den Nutzer stark im Internet zu unterdrücken und ihn nur zum schäbigen und billigen Konsumenten größerer Unternehmen zu erziehen. Für mehr Freiheit auf der Welt! Aber gegen den Missbrauch von jeweiliger!

  8. Podaleirios

    Da haben die technisch Versierten tatsächlich den Wissensvorsprung auf dem Gebiet der denic genutzt. Es war vielen sicherlich nicht bekannt, dass personenbezogene Daten, die bei der Registrierung einer Domain angegeben werden, auch öffentlich sichtbar sind.
    Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Veröffentlichung einer Adressliste auch aus solch einer Quelle zum Zwecke des Anprangerns nicht statthaft ist. Ich finde es richtig, das juristisch zu verfolgen.

  9. Ulf J. Froitzheim

    Was die anprangernden Inquisitoren vielleicht noch bedenken sollten: Bei einer Denic-Abfrage muss man durch Eingabe des Captcha-Codes bestätigen, dass man ein berechtigtes Interesse an den Daten hat. Diese Adressen offen ins Netz zu stellen, ist kein solches legitimes Interesse, schon gar nicht, wenn das Ziel letztlich Einschüchterung heißt. Es gibt genug Personen auf der Liste, für die es ein “empfindliches Übel” wäre, wenn ihre Adresse publik würde und jeder Stalker und Paparazzo vor ihrer Haustür aufkreuzen könnte. Damit ist der Straftatbestand der Nötigung sicherlich erfüllt – unabhängig davon, ob der Nötiger schlau genug ist, die richtige Adresse des Künstlers zu recherchieren.

    • Dirk Moebius

      Offensichtlich hat der Bloginhaber bei dem freigeschalteten Kommentar solche Probleme nicht gesehen.
      Ob das seine eigene Argumentation ad absurdum fuehrt, sollen Juristen beurteilen.

  10. potbot

    blablabla anschriften adressen wie tel.# ..sind öffentlich einsehbar …. macht euch nicht lächerlich ..wir sind die 99 % !

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