Berichte aus der Parallelwelt, Teil 2 – Cybermobbing in Onlinespielen – Auswirkungen für Spieler und Herausgeber

spieleAuch im Zeitalter der modernen Medien ist Mobbing ein großes Thema, die im Internet herrschenden Sozialkulturen übernehmen die Methoden und Handlungsmuster, die ihnen die Gesellschaft im so genannten RL (Real Life = Wirkliches Leben) vorgeben.

Mobbing gilt als universelle Handlung, in beinahe jeder Gesellschaftsform ist Mobbing möglich, auch im Internet. Die im Netz vorgegebenen Strukturen sind in gewisser Weise sogar förderlich, um auf Kosten Anderer Klamauk zu betreiben. Problematisch wird es in jenem Moment, in welchem die gemobbte Person versucht, sich zu verteidigen oder die Flucht aus der vorgegeben Struktur antritt. Im Internet ist es einfacher, denn der Rechner oder das Mobiltelefon lässt sich ausschalten. Was aber bedeutet das für die Betreiber von Communityseiten oder Onlinespielen?

Digitale Realität – Reale Menschen

Viele Internetnutzer sind der Meinung, dass die digitale Realität, die das Internet bietet, auch den Umgang miteinander relativiert. Obgleich die verschiedenen Plattformen im Internet in sich geschlossene, eigene Universen mit multiplen Handlungsspielräumen sind, so sitzt hinter jeder digitalen Realität ein realer Mensch, welcher einen respektvollen Umgang verdient und zumeist auch erwartet.

Es muss innerhalb der verschiedenen Sozialstrukturen innerhalb des Internets differenziert werden, bei Facebook beispielsweise herrschen andere Gegebenheiten wie in Onlinespielen wie World of Warcraft oder Call of Duty, wobei in Letzteren die Möglichkeiten zum Cybermobbing deutlich erhöht sind.

Auch wenn im Zeitalter der modernen Selbstdarstellung kaum jemand sein digitales Abbild in Onlinespielen zu 100 Prozent seinem realen Pendant anpasst, so sind die im Onlinespiel erstellten Charaktere die Basis der digitalen Identität – im entsprechenden Spiel oder Struktur jedenfalls.

Onlinespiele als Nährboden des fortgeschrittenen Cybermobbings

Auf Communityplattformen wie Facebook oder die verschiedenen Varianten von SchülerVZ und StudiVZ sind die Möglichkeiten des Cybermobbings stark begrenzt, denn gegen ungewollte Beiträge, Spam auf der eigenen Seite oder ungewollte Fotoverlinkungen oder Ähnliches kann vorgegangen werden.

Anders sieht es in Onlinespielen wie World of Warcraft aus, denn dort agieren ganze Gruppen von Menschen oder sogar gesamte Gilden gegen einzelne Spieler, die etwas haben, was andere nicht besitzen. So unglaublich es klingt, Neid spielt in den von Onlinespielen kreierten, digitalen Welten eine sehr große Rolle, obgleich nichts von dem wirklich ist und / oder einen materiellen Wert hat.

Mehrfach von mir erlebte Fälle zeigen, dass Cybermobbing in Onlinespielen gerne eingesetzt wird, um Menschen mit starken Online-Charakteren von den eigenen Zielen zu überzeugen, in jenen Fällen heißt das, dass jene der eigenen Gemeinschaft beitreten und so auch die Ziele jener übernehmen sollen. In einer dieser Fälle standen sich zwei große Zusammenschlüsse von Avataren gegenüber, eine der so genannten Gilde hatte lediglich deutschsprachige Mitglieder, die Mitglieder der Anderen stammten zum Großteil aus dem englischsprachigen Raum, man sprach ergo die englische Sprache, um miteinander zu kommunizieren. Nun konnte die deutschsprachige Gilde unmöglich hinnehmen, dass deutsche Spieler in der anderen Gilde waren und verfolgte ein sehr aktives Cybermobbingprogramm. So wurden die deutschsprachigen Spieler aufgespürt, konkret mit Spam belästigt, beim aktiven Spiel gestört, üble Nachrede betrieben usw.

Viele der Menschen, die Opfer dieser Art von Cybermobbing waren, akzeptierten diesen Umgang mit anderen Spielern nicht und hielten dagegen. Viele Spiele bieten die Möglichkeit der Block- bzw. Ignorieren-Liste, dort können andere Spieler eingetragen werden und deren Chatversuche werden automatisch vom Spiel gesperrt bzw. blockiert. Wenn sich derjenige, der Andere mobbt, aber immer wieder neue digitale Charaktere erstellt, um denjenigen weiter zu belästigen, und dieser nicht alle dieser Avatare auf diese Liste setzen möchte oder kann, so ist dies fortgeschrittenes Cybermobbing.

Die Flucht als einzige Lösung? Was bedeutet das eigentlich für Spielbetreiber?

Wer aus welchen Gründen auch immer gemobbt wird, hat es oft schwer, aus diesem Kreislauf herauszukommen. Die digitale Realität hat der wirklichen Realität eine Lösung für Mobbing voraus: Sie kann abgeschaltet oder verlassen werden – zumindest für jeden Menschen persönlich. Viele von denen Menschen, die ich zur damaligen Zeit, als diese Art von Cybermobbing geschehen ist, kannte, haben das Spiel und deren digitalen Charakter aufgegeben und sind nie wieder in die digitale Realität des Spiels zurückgekehrt. Auf diese Art und Weise löst man sich vom Cybermobbing, auf Kosten seiner digitalen Identität, in der digitalen Realität des entsprechenden Spiels zumindest.

Die Medaille hat außerdem noch eine Kehrseite. Mit jedem Spieler, der das Onlinespiel verlässt, verliert der Herausgeber des Spiels einen zahlenden Kunden, auch wenn viele Onlinespiele inzwischen auf das Abomodell, in welchem ein monatlicher Beitrag zur Nutzung des Spiels entrichtet werden muss, um alle Spielfeatures zu nutzen, verzichten. Als ich vor einiger Zeit feststellen wollte, in welche Richtung sich das Spiel entwickelt hat, durfte ich feststellen, dass der Herausgeber das Spiel und sämtliche Server eingestellt hat, da es sich als nicht mehr rentabel heraustellte.

Fortgeschrittenes Cybermobbing trägt rapide dazu bei, dass Onlinespiele die Nutzer fern bleiben und jene sich selbst zu Grunde richten. Im schlimmsten Fall muss sogar der Herausgeber des Spiels finanzielle Einbußen erleben. Cybermobbing ist ein sehr gefährliches Phänomen, auf das fortschreitend geachtet werden muss.

Der Beitrag stammt von unserem freien Autor Malte Mayer. Er ist Teil unserer neuen Reihe „Berichte aus der Parallelwelt“. Dort werfen Autoren aus anderen Fachbereichen einen Blick auf die Rechtswissenschaft in Theorie und Praxis. Die Beiträge betrachten, anders als unsere sonstigen Fachbeiträge Begebenheiten und Rechtsfälle daher auch nicht juristisch, sondern aus einem völlig anderen Blickwinkel. Aus welchem, das soll der Beurteilung der Leser überlassen bleiben. Interessant wird es, wie wir meinen, allemal.

(Bild: © Osterland – Fotolia.com)

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