Schlechte Presse – ein Problem der virtuellen Welt

PresseViele Unternehmer kennen das Problem der „schlechten Presse“. Man öffnet montags morgens seine Mails und findet einen Google-Alert zu seinem Unternehmen. Zunächst ist man erfreut, es wird im Netz berichtet. Nach dem Anklicken wird man eines besseren belehrt. Die Verlinkung führt nicht zu einem angenehmen Artikel. Vielmehr handelt es sich um „schlechte Presse“.

Montag: 1x „schlechte Presse“

Nehmen wir an, der vorgefundene Artikel ist nicht gut, aber auch gar nicht so schlecht, dass man sich wehren möchte. Dienstag hat man den Artikel schon fast vergessen – bis man seine Mails öffnet. Es befinden sich plötzlich 20 Alerts im Postfach. Alle verlinkten Inhalte sind aus der „schlechten Presse“ vom Vortag entstanden.

Dienstag: 20x „schlechte Presse“

Die 20 neuen Artikel befassen sich inhaltlich mit dem gleichen Thema wie die schlechte Presse vom Vortrag. Erstaunlicher Weise handelt es sich um offensichtlich abgeschriebene Inhalte. Teils wird die schlechte Presse einfach kopiert, teilweise wird sie im Stil des Kinderspiels „stille Post“ qualitativ schlechter und verfälscht. Die 20 weiteren „Autoren“ haben nicht beim Unternehmer nachgefragt und um eine Verifizierung der Inhalte gebeten.

Mittwoch: Google Suchergebnis des Unternehmensnamens: an erster Stelle die Firmenhomepage, danach 3x schlechte Presse

Die 21 schlechten Presseartikel schlagen sich nun auch im Google Suchergebnis nieder. Die Firmenhomepage befindet sich auf Platz 1 der Suchergebnisse, danach folgen allerdings schon ein paar Ergebnisse der schlechten Presse.

Donnerstag: Google Suchergebnis des Unternehmensnamens: 5x schlechte Presse, nach Scrollen erscheint die Firmenhomepage

Nun hat die schlechte Presse im Google-Ranking gewonnen. Die Suche nach dem Unternehmensnamen führt zu einigen Artikeln der schlechten Presse. Die Unternehmenshomepage folgt an einer Stelle, die erst durch Scrollen zu sehen ist.

Wie geht man mit „schlechter Presse“ um?

Bei dem hier dargestellten Phänomen der schlechten Presse handelt es sich leider mittlerweile um einen alltäglichen Mechanismus des Internet. Für Unternehmen ist es nicht hinnehmbar, dass sie in Google Suchergebnissen erst nach der „schlechten Presse“ erscheinen. Das Verhalten des Unternehmers ist an die Situation anzupassen. Montags hätte sich der Unternehmer unmittelbar der ersten Berichterstattung widmen müssen. Sofern presserechtliche Ansprüche bestehen hätten diese ggf. innerhalb weniger Stunden durchgesetzt werden können und zu einer Löschung des Beitrags führen können. Eine Vervielfältigung hätte dann wahrscheinlich noch nicht stattgefunden, die schlechte Presse wäre im Keim erstickt worden.
Dienstags hatte schon eine Vervielfältigung der schlechten Presse stattgefunden. Allein deshalb wären bereits deutlich umfangreichere Maßnahmen notwendig gewesen, um die „schlechte Presse“ zu entfernen.
Mittwoch und danach hat die schlechte Presse bereits im Google Ranking das Ruder übernommen. Rein presserechtliche Maßnahmen reichen in dieser Situation regelmäßig nicht mehr aus, um den Ruf des Unternehmens kurzfristig zu schützen. Flankierende Maßnahmen, z.B. durch die Verbreitung überlagernder Informationen werden notwendig.

Zur effektiven Durchsetzung ist die sorgfältige Planung solcher Maßnahmen zur Bekämpfung der schlechten Presse notwendig.

Und die Moral aus der Geschicht?
Langes Warten bei schlechter Presse lohnt sich nicht! (ro)

(Bild: © Zerbor – Fotolia.com)

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