{"id":69954,"date":"2026-02-28T16:39:19","date_gmt":"2026-02-28T14:39:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=69954"},"modified":"2026-02-28T17:18:36","modified_gmt":"2026-02-28T15:18:36","slug":"abmahnung-urheberrecht-foto","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/magazin\/urheber-designrecht\/abmahnung-urheberrecht-foto\/","title":{"rendered":"LHR-Praxisfall: Grenz\u00fcberschreitende Abmahnung gegen europ\u00e4isches Unternehmen \u2013 warum internationale Konstellationen untersch\u00e4tzt werden"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-69958 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Urheberrecht-Abmahnung-621x414.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Urheberrecht-Abmahnung-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Urheberrecht-Abmahnung-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Urheberrecht-Abmahnung-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Urheberrecht-Abmahnung-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Urheberrecht-Abmahnung.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/>Ein europ\u00e4isches Unternehmen betreibt eine international ausgerichtete Website. In einem redaktionellen Blogbeitrag wird ein einzelnes Foto verwendet. Das Bild wird sp\u00e4ter entfernt. Monate danach folgt eine urheberrechtliche Abmahnung aus Deutschland \u2013 mit kurzer Frist, hoher Forderung und einer strafbewehrten Unterlassungserkl\u00e4rung.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Muster ist bekannt: Der finanzielle Druck entsteht nicht nur durch die Zahlungsforderung, sondern vor allem durch die langfristige Bindung, die eine Unterlassungserkl\u00e4rung ausl\u00f6st. In internationalen F\u00e4llen kommt eine zweite Ebene hinzu: Unsicherheit \u00fcber Zust\u00e4ndigkeit, Durchsetzung und tats\u00e4chliches Prozessrisiko.<\/em><\/p>\n<h2>Der Sachverhalt<\/h2>\n<p>Ein deutscher Fotograf lie\u00df \u00fcber eine Kanzlei wegen der Nutzung eines seiner Werke auf einer Unternehmenswebsite abmahnen. Das Foto war im Rahmen eines redaktionellen Beitrags online abrufbar. Der Rechteinhaber st\u00fctzte seine Anspr\u00fcche typischerweise auf die \u00f6ffentliche Zug\u00e4nglichmachung (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/19a.html\" title=\"&sect; 19a UrhG: Recht der &ouml;ffentlichen Zug&auml;nglichmachung\">\u00a7 19a UrhG<\/a>), das Recht auf Urheberbenennung (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/13.html\" title=\"&sect; 13 UrhG: Anerkennung der Urheberschaft\">\u00a7 13 UrhG<\/a>) sowie Unterlassung und Schadensersatz (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/97.html\" title=\"&sect; 97 UrhG: Anspruch auf Unterlassung und Schadensersatz\">\u00a7 97 UrhG<\/a>).<\/p>\n<p>Die Schadensberechnung erfolgte im Wege der Lizenzanalogie, erg\u00e4nzt um Zuschl\u00e4ge (insbesondere wegen behauptet fehlender Urheberbenennung) und Zinsen. Zus\u00e4tzlich wurden Anwaltskosten verlangt. Flankiert wurde das Ganze durch die Aufforderung, eine strafbewehrte Unterlassungserkl\u00e4rung abzugeben \u2013 mit hoher Vertragsstrafe pro Versto\u00df.<\/p>\n<h2>Internationale Zust\u00e4ndigkeit \u2013 deutsches Recht trotz ausl\u00e4ndischem Sitz?<\/h2>\n<p>Ausl\u00e4ndische Unternehmen untersch\u00e4tzen h\u00e4ufig, wie schnell deutsche Gerichte in Online-F\u00e4llen eine Zust\u00e4ndigkeit annehmen. Bei \u00f6ffentlich abrufbaren Websites reichen in der Praxis oft bereits Abrufbarkeit in Deutschland und eine wirtschaftliche Relevanz im deutschen Markt, um eine gerichtliche Auseinandersetzung in Deutschland realistisch werden zu lassen.<\/p>\n<p>Innerhalb der EU ist zudem regelm\u00e4\u00dfig zu ber\u00fccksichtigen, dass Entscheidungen grenz\u00fcberschreitend durchsetzbar sein k\u00f6nnen. Damit steigt der Druck \u2013 nicht zwingend, weil die Forderung \u201eautomatisch\u201c berechtigt w\u00e4re, sondern weil Fristen, Kostenrisiken und Vollstreckbarkeit faktisch Verhandlungspositionen verschieben.<\/p>\n<h2>Der Kernpunkt: Unterlassungserkl\u00e4rung als langfristiges Risiko<\/h2>\n<p>In der Praxis liegt das gr\u00f6\u00dfte Risiko regelm\u00e4\u00dfig nicht in der einmaligen Zahlung, sondern in der Unterlassungserkl\u00e4rung. Mit der Abgabe entsteht ein eigenst\u00e4ndiger Unterlassungsvertrag. Jeder k\u00fcnftige Versto\u00df \u2013 auch fahrl\u00e4ssig \u2013 kann eine Vertragsstrafe ausl\u00f6sen. Gerade Unternehmen mit mehreren Teams, Agenturen oder CMS-Prozessen sind hier anf\u00e4llig f\u00fcr Wiederholungsf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Deshalb gilt: Eine vorformulierte Erkl\u00e4rung sollte nie ungepr\u00fcft unterschrieben werden. Typische Ansatzpunkte sind die Beschr\u00e4nkung auf die konkrete Verletzungsform, die pr\u00e4zise Definition des betroffenen Werkes und eine angemessenere Vertragsstrafenregelung (statt fixer Betr\u00e4ge h\u00e4ufig eine flexible, gerichtsfeste L\u00f6sung nach \u201eHamburger Brauch\u201c).<\/p>\n<h2>Lizenzanalogie, Zuschl\u00e4ge und Markt\u00fcblichkeit<\/h2>\n<p>Die Lizenzanalogie ist kein Freifahrtschein f\u00fcr beliebige Forderungen. Ma\u00dfgeblich ist, was vern\u00fcnftige Parteien bei einer hypothetischen Lizenzierung realistischerweise vereinbart h\u00e4tten. Dabei sind u. a. Dauer und Reichweite der Nutzung, Kontext (redaktionell vs. werblich), tats\u00e4chliche Lizenzpraxis sowie Vergleichswerte aus dem Markt relevant.<\/p>\n<p>Auch Zuschl\u00e4ge wegen unterlassener Urheberbenennung sind zwar grunds\u00e4tzlich anerkannt, aber nicht \u201eautomatisch\u201c in jeder H\u00f6he durchsetzbar. Gerade im internationalen Kontext muss die tats\u00e4chliche Ausgestaltung der Attribution (wo, wie, sichtbar) sorgf\u00e4ltig rekonstruiert werden.<\/p>\n<h2>Vorgerichtliche Kontaktaufnahme \u2013 oft ein untersch\u00e4tzter Hebel<\/h2>\n<p>In vielen F\u00e4llen gab es vor der formellen Abmahnung bereits eine direkte Kontaktaufnahme durch den Urheber. Das kann bedeutsam sein, weil sich daraus Argumente ergeben k\u00f6nnen, ob und in welchem Umfang die Einschaltung anwaltlicher Hilfe erforderlich war. Solche Details werden im ersten Schock \u00fcber Frist und Summe h\u00e4ufig \u00fcbersehen \u2013 sind aber in Vergleichsverhandlungen nicht selten ein T\u00fcr\u00f6ffner.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Urheberrechtliche Abmahnungen gegen ausl\u00e4ndische Unternehmen sind kein reines \u201eZahlungsthema\u201c. Sie sind strategische Mandate. Wer reflexhaft zahlt oder unterschreibt, \u00fcbernimmt oft unn\u00f6tige Langzeitrisiken. Die richtige Reihenfolge ist: Haftung pr\u00fcfen, Forderungsh\u00f6he einordnen, Unterlassungserkl\u00e4rung pr\u00e4zise modifizieren, Zust\u00e4ndigkeit und Vollstreckungsrisiko realistisch bewerten \u2013 und erst dann verhandeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein europ\u00e4isches Unternehmen betreibt eine internationa [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":69957,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_yoast_wpseo_focuskw":"","_yoast_wpseo_title":"","_yoast_wpseo_metadesc":"","footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-69954","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-urheber-designrecht","topic_category-urheber-und-designrecht"],"acf":[],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69954","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69954"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69954\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69968,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69954\/revisions\/69968"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/media\/69957"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69954"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69954"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69954"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}