{"id":65135,"date":"2023-11-27T07:54:52","date_gmt":"2023-11-27T05:54:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=65135"},"modified":"2023-11-28T22:40:28","modified_gmt":"2023-11-28T20:40:28","slug":"gefaelschte-kundenbewertungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/gefaelschte-kundenbewertungen\/","title":{"rendered":"ChatGPT auf Abwegen? LG D\u00fcsseldorf erl\u00e4sst einstweilige Verf\u00fcgung wegen erfundener Kundenbewertungen"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-65126 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/gekaufte-Bewertungen-1-2-621x414.jpg\" alt=\"\" width=\"525\" height=\"350\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/gekaufte-Bewertungen-1-2-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/gekaufte-Bewertungen-1-2-620x414.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/gekaufte-Bewertungen-1-2-310x207.jpg 310w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/gekaufte-Bewertungen-1-2.jpg 760w\" sizes=\"(max-width: 525px) 100vw, 525px\" \/><\/em><\/p>\n<p><em>Im digitalen Zeitalter ist das Vertrauen in Online-Bewertungen zu einem wesentlichen Bestandteil bei der Auswahl von Produkten und Dienstleistungen geworden. Doch kann man diesen Bewertungen immer trauen? Tats\u00e4chlich gibt es im Internet nicht selten sogenannte &#8220;Fake-Bewertungen&#8221;, bei denen Unternehmen entweder versuchen, sich selbst positiv darzustellen oder Konkurrenten zu schaden.<\/em><\/p>\n<p><em>Doch was kann man als Unternehmen tun, den Kauf von positiven Bewertungen bei der Konkurrenz zu unterbinden? <\/em><\/p>\n<p><em>Das fragte sich eine Anbieterin von Balkonkraftwerken und erwirkte eine einstweilige Verf\u00fcgung vor dem Landgericht <\/em><i>D\u00fcsseldorf.<\/i><\/p>\n<h2>Sprunghafter Anstieg positiver Bewertungen auf &#8220;ProvenExpert&#8221;<\/h2>\n<p>Die Antragstellerin hatte bemerkt, dass die Anzahl der Bewertungen und deren Ver\u00f6ffentlichungsrate f\u00fcr die Antragsgegnerin auf der Plattform &#8220;ProvenExpert&#8221; innerhalb kurzer Zeit sprunghaft um hunderte positiver Bewertungen angestiegen war. Daher lag der Verdacht nahe, dass die Antragsgegnerin gef\u00e4lschte positive Bewertungen gekauft hatte. Tats\u00e4chlich stellte sich heraus, dass viele der neueren Bewertungen, insbesondere jene, die positiv ausfielen, sprachliche und inhaltliche Anomalien aufwiesen, die darauf hindeuteten, dass sie nicht authentisch waren.<\/p>\n<h2><span lang=\"DE\">ChatGPT? Kombination aus formaler Perfektion und inhaltlichem Unsinn <\/span><\/h2>\n<p>Die neuen Bewertungen auf &#8220;ProvenExpert&#8221; zeigten zudem eine Inkonsistenz mit denen auf anderen Plattformen wie Google und Trustpilot. Dar\u00fcber hinaus wiesen die verd\u00e4chtigen Bewertungen eine ungew\u00f6hnlich hohe Einhaltung von Rechtschreib- und Grammatikregeln auf, w\u00e4hrend ihr Inhalt oft keinen Sinn ergab. Das deutete darauf hin, dass sie m\u00f6glicherweise durch eine automatisierte Software (KI) generiert worden waren.<\/p>\n<p>In einigen Bewertungen wurde auf Merkmale und Verwendungsm\u00f6glichkeiten der Produkte der Antragsgegnerin hingewiesen, die in der Realit\u00e4t nicht existieren, oder sie enthielten inhaltliche Fehler. All diese Merkmale legten nahe, dass die Bewertungen nicht von echten Kunden stammen, sondern vielmehr von der Antragsgegnerin in Auftrag gegeben und bezahlt wurden.<\/p>\n<h2>LG D\u00fcsseldorf erl\u00e4sst Verbot von 5 gef\u00e4lschten Bewertungen<\/h2>\n<p>Da die Antragsgegnerin keine Unterlassungserkl\u00e4rung abgab, wurde ein Antrag auf einstweilige Verf\u00fcgung notwendig. Um den Rahmen dieses Antrags nicht zu sprengen, machte die Antragstellerin lediglich f\u00fcnf Bewertungen streitgegenst\u00e4ndlich, bei denen es aufgrund ihrer Formulierungen auf der Hand lag, dass diese nicht von echten Kunden stammen k\u00f6nnen, sondern vielmehr vermutlich bei entsprechenden Anbietern gekauft wurden.<\/p>\n<p>Das Landgericht D\u00fcsseldorf erlie\u00df die einstweilige Verf\u00fcgung bereits am n\u00e4chstem Tag und hat sie nach Widerspruch auch per Urteil best\u00e4tigt (LG D\u00fcsseldorf, Urteil v. 10.11.2023, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=38%20O%20176\/23\" title=\"38 O 176\/23 (3 zugeordnete Entscheidungen)\">38 O 176\/23<\/a>, nicht rechtskr\u00e4ftig, <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/s5_scan_S45C-0i23112814430.pdf\">hier<\/a> abrufbar).<\/p>\n<h2>Die Beweisf\u00fchrung bei Betriebsinterna ist schwierig<\/h2>\n<p>Im vorliegenden Fall war die Beweisf\u00fchrung eine Herausforderung. Wenn der Antragsteller &#8211; in diesem Fall das betroffene Unternehmen &#8211; keine genauen Kenntnisse \u00fcber bestimmte innere Abl\u00e4ufe hat und diese nicht aufkl\u00e4ren kann, w\u00e4hrend der Antragsgegner &#8211; hier der mutma\u00dfliche Urheber oder K\u00e4ufer der Fake-Bewertungen &#8211; diese Informationen besitzt, wird die Beweislast kompliziert.<\/p>\n<p>In solchen F\u00e4llen kann der Grundsatz der vollen Darlegungslast des Antragstellers eingeschr\u00e4nkt sein und der Antragsgegner eine sekund\u00e4re Darlegungslast tragen. Sollte er dieser nicht nachkommen, kann die Behauptung des Antragstellers gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/ZPO\/138.html\" title=\"&sect; 138 ZPO: Erkl&auml;rungspflicht &uuml;ber Tatsachen; Wahrheitspflicht\">\u00a7 138 Abs. 3 ZPO<\/a> als zugestanden angesehen oder durch freie Beweisw\u00fcrdigung auf eine Irref\u00fchrung geschlossen werden Allerdings bedeutet diese sekund\u00e4re Darlegungslast nicht automatisch eine Umkehr der Beweislast. Der Antragsteller muss immer noch greifbare Anhaltspunkte f\u00fcr die behauptete Irref\u00fchrung darlegen und bei Bestreiten durch den Antragsgegner sowohl die Indiztatsachen als auch ihre Indizwirkung beweisen.<\/p>\n<p>Im vorliegenden Fall konnte das Unternehmen jedenfalls f\u00fcr 5 Bewertungen zahlreiche Indizien f\u00fcr die F\u00e4lschung der Kundenbewertungen vorlegen und glaubhaft machen. Diese haben das Gericht offensichtlich \u00fcberzeugt.<\/p>\n<h2>Es drohen bis zu 250.000 \u20ac Ordnungsgeld oder Ordnungshaft<\/h2>\n<p>Im Falle der Zuwiderhandlung drohen der Antragsgegnerin ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 \u20ac oder bis zu sechs Monate Ordnungshaft. Die Antragsgegnerin kann dagegen Berufung einlegen oder die Antragstellerin zur Hauptsacheklage zwingen.<\/p>\n<p>Neben dem Unterlassungsanspruch bestehen Schadensersatzanspr\u00fcche, die die Antragstellerin in einem separaten Verfahren geltend machen wird.<\/p>\n<p><em>Offenlegung: LHR vertritt in dem Verfahren die Antragstellerin.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im digitalen Zeitalter ist das Vertrauen in Online-Bewe [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_yoast_wpseo_focuskw":"Werbung auf Instagram","_yoast_wpseo_title":"LHR erwirkt einstweilige Verf\u00fcgung wegen gekaufter Bewertungen","_yoast_wpseo_metadesc":"Erfolgreicher Rechtsstreit gegen gekaufte Bewertungen: LG D\u00fcsseldorf erl\u00e4sst Eilbeschluss","footnotes":""},"categories":[15],"tags":[150,3015,2612,18858],"class_list":["post-65135","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wettbewerbsrecht-kartellrecht","tag-einstweilige-verfugung","tag-wettbewerbsrecht","tag-unlautere-werbung","tag-gekaufte-bewertungen","topic_category-wettbewerbsrecht-kartellrecht"],"acf":[],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=65135"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65135\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":65853,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/65135\/revisions\/65853"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=65135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=65135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=65135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}