{"id":54839,"date":"2020-08-17T06:51:21","date_gmt":"2020-08-17T04:51:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=54839"},"modified":"2020-08-20T19:18:21","modified_gmt":"2020-08-20T17:18:21","slug":"vroniplag-verdacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/magazin\/pressemitteilungen\/vroniplag-verdacht\/","title":{"rendered":"LG Frankfurt erl\u00e4sst einstweilige Verf\u00fcgung wegen Verbreitung eines Plagiatsverdachts von VroniPlag"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_54840\" aria-describedby=\"caption-attachment-54840\" style=\"width: 552px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-54840\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Vroniplag-verdacht.jpeg\" alt=\"\" width=\"552\" height=\"368\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Vroniplag-verdacht.jpeg 750w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Vroniplag-verdacht-621x414.jpeg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Vroniplag-verdacht-620x413.jpeg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/Vroniplag-verdacht-311x207.jpeg 311w\" sizes=\"(max-width: 552px) 100vw, 552px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-54840\" class=\"wp-caption-text\">Suad Kamardeen on Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Der \u00f6ffentliche Pranger erreicht im digitalisierten Medienzeitalter neue Dimensionen. Entsprechend sensibel muss damit umgegangen werden. Ein Verdacht ist ein Verdacht \u2013 mehr nicht.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Landgericht Frankfurt hat \u00a0aktuell einer Zeitung die Verbreitung eines von VroniPlag ausgehenden Plagiatsverdachts verboten (LG Frankfurt, Beschluss v. 28.7.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=2-34%20O%2049\/20\" title=\"LG Frankfurt\/Main, 28.07.2020 - 34 O 49\/20: Einstweilige Verf&uuml;gung wegen Verbreitung eines Plag...\">2-34 O 49\/20<\/a>).<\/em><\/p>\n<p>Das Internet hat viele Facetten. Eine davon ist die, dass es praktisch jeder und jedem m\u00f6glich ist, mit relativ geringem Aufwand ziemlich viel Schaden anzurichten. Das ist etwa dann der Fall, wenn man Personen virtuell in den Dreck zieht. Das hat u.U. konkrete Auswirkungen auf das reale Leben, bis hin zur Vernichtung von Existenzen. Andererseits bietet das Internet zugleich die Chance, \u00fcber Missst\u00e4nde und Fehlverhalten aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n<h2>VroniPlag: Prominente im Fokus<\/h2>\n<p>Irgendwo dazwischen liegt VroniPlag. Die Plattform hat es sich zum Ziel gesetzt, Plagiate in wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten aufzudecken. Besonders die Dissertationen Prominenter sind dabei im Fokus. VroniPlag durchforstet die Texte auf nicht entsprechend gekennzeichnete Zitate, die sich die Autorin resp. der Autor zu eigen gemacht hat. Kann dieses unredliche Vorgehen auff\u00e4llig oft nachgewiesen werden, liegt ein Grund vor, den erworbenen Doktortitel abzuerkennen. Das wiederum liegt nicht in der Befugnis von VroniPlag, sondern ist Aufgabe der f\u00fcr das Promotionsverfahren zust\u00e4ndigen universit\u00e4ren Gremien.<\/p>\n<p>Dennoch wird oft so getan, als habe die akademische Enth\u00fcllungsplattform gewisserma\u00dfen das letzte Wort. Ein Plagiatsverdacht wird rasch zur Tatsache erhoben, auch und gerade in den Medien. Freilich sind solche F\u00e4lle medial interessant und \u2013 geht es um Mandatstr\u00e4ger oder Personen des \u00f6ffentlichen Lebens \u2013 auch gesellschaftlich relevant. Man darf und soll also durchaus berichten.<\/p>\n<h2>Verdachtsberichterstattung: Klare Regeln f\u00fcr den Schutz der Pers\u00f6nlichkeitsrechte<\/h2>\n<p>Der springende Punkt ist jedoch: Die Berichterstattung \u00fcber Personen, denen VroniPlag unlauteres Arbeiten vorwirft, ist dem medienrechtlichen Charakter nach <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/was-ist-verdachtsberichterstattung\/\">Verdachtsberichterstattung<\/a>. Das bedeutet, es m\u00fcssen bei Abfassung des Artikels oder Sendebeitrags die Regeln der Verdachtsberichterstattung beachtet werden. Vertreter der Presse sollten sich vorab gut informieren, was das hei\u00dft. Was geht \u2013 und was nicht geht, ist <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/verdachtsberichterstattung\">hier<\/a>\u00a0\u00fcbersichtlich dargelegt.<\/p>\n<h2>LG Frankfurt erl\u00e4sst einstweilige Verf\u00fcgung gegen Zeitung<\/h2>\n<p>Zu einem sensiblen Umgang mit einem Verdacht sind alle verpflichtet, insbesondere aber die Medien. So untersagte das LG Frankfurt a. M. einer Zeitung , identifizierend \u00fcber den Plagiatsverdacht von VroniPlag zu berichten (LG Frankfurt, Beschluss v. 28.7.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=2-34%20O%2049\/20\" title=\"LG Frankfurt\/Main, 28.07.2020 - 34 O 49\/20: Einstweilige Verf&uuml;gung wegen Verbreitung eines Plag...\">2-34 O 49\/20<\/a>). Eine Schlagzeile, nach der die Akademikerin ihre \u201eDoktorarbeit abgeschrieben\u201c habe, sei allein aufgrund des Verdachtsmoments, das sich aus der Analyse von VroniPlag ergeben haben mag, unzul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>Ferner werde durch die Formulierung \u201eEntlarvung ihrer Promotion als Plagiat\u201c der Eindruck erweckt, als stehe der Entzug des Doktortitels durch die betreffende Universit\u00e4t schon fest, was jedoch nicht der Fall ist. Das ist damit keine Verdachtsberichterstattung, sondern eine Tatsachenberichterstattung. Und die verletzt Pers\u00f6nlichkeitsrechte, weil es der Person in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung und Meinung kaum eine Chance l\u00e4sst, ihre Reputation wiederherzustellen, auch wenn juristisch ihre Unschuld bewiesen ist.<\/p>\n<p>Im Versto\u00dfensfall droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 \u20ac oder sogar Haft.\u00a0Der Streitwert wurde vom Landgericht mit 20.000 \u20ac festgesetzt. Die Entscheidung ist nicht rechtskr\u00e4ftig und kann von der Zeitung mit dem Widerspruch angegriffen werden. Daneben ist auch die Durchf\u00fchrung eines Hauptsacheverfahrens m\u00f6glich.<\/p>\n<h2>Zum medialen Umgang mit VroniPlag<\/h2>\n<p>Grunds\u00e4tzlich muss sich jede und jeder Medienschaffende ohnehin die Frage stellen, ob es \u00fcberhaupt statthaft ist, aufgrund von \u201eErmittlungsergebnissen\u201c einer durch nichts offiziell legitimierten Internet-Plattform \u00fcber einschneidende Aspekte der Pers\u00f6nlichkeit zu berichten (und dazu z\u00e4hlen berufsqualifizierende Abschl\u00fcsse und akademische Grade). Wenn dies auch im Modus der Verdachtsberichterstattung geschieht, die Frage der Relevanz jenseits der H\u00e4me muss zuvor immer gestellt werden. Denn: Irgendwas bleibt immer h\u00e4ngen. Das muss man wissen, bevor man eine Schlagzeile macht, die nicht nur Verkaufszahlen und Klicks erh\u00f6ht, sondern auch das Risiko birgt, einen Menschen existenziell zu treffen.<\/p>\n<p>Es muss n\u00e4mlich klar sein, dass der Jagdtrieb die selbsternannten Plagiatsj\u00e4ger schon manches Mal \u00fcber das Ziel hat hinausschie\u00dfen und Verd\u00e4chtigungen aussprechen lassen, die sich am Ende als haltlos erwiesen oder zumindest nicht zum Entzug des Doktortitels f\u00fchrten; prominente Pers\u00f6nlichkeiten, die heute noch \u2013 etwa via Suchmaschine \u2013 rasch mit Plagiatsvorw\u00fcrfen in Verbindung gebracht werden k\u00f6nnen sind Ursula von der Leyen und Franziska Giffey.<\/p>\n<p>Es ist f\u00fcr den unbedarften Zeitungsleser und die nicht immer hundertprozentig aufmerksame Radioh\u00f6rerin schwierig, zwischen wissenschaftsethischen M\u00e4ngeln und einem Vergehen, das den Titelentzug rechtfertigt, zu differenzieren. Wissenschaftliches Arbeiten ist nicht f\u00fcr jeden Rezipienten Alltag. Und je komplexer die Thematik, desto wichtiger ist die Informations- und Orientierungsfunktion der Medien. Der Impetus der Berichte \u00fcber Personen im Visier von VroniPlag bringt oft das glatte Gegenteil des Medienauftrags in die \u00d6ffentlichkeit: Desinformation und Fehlleitung durch Vorverurteilung.<\/p>\n<p><strong>Rechtsanwalt Arno Lampmann von der Kanzlei LHR:<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>VroniPlag ist weder besonders bef\u00e4higt, noch offiziell legitimiert, Doktorarbeiten auf vermeintliche \u201cPlagiate\u201d zu pr\u00fcfen. Die Plattform tut es seit Jahren trotzdem. Das ist nicht verboten. Allerdings wird oft so getan, als habe VroniPlag die Expertise oder gar die Aufgabe, bei der Entscheidung \u00fcber das Schicksal von Doktortiteln mitzureden. Das ist jedoch nicht der Fall. Bei der Verbreitung von Einsch\u00e4tzungen aus dieser Richtung ist daher Vorsicht geboten.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>(Offenlegung: Unsere Kanzlei hat die Antragstellerseite vertreten.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00f6ffentliche Pranger erreicht im digitalisierten Med [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":54847,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_yoast_wpseo_focuskw":"","_yoast_wpseo_title":"","_yoast_wpseo_metadesc":"","footnotes":""},"categories":[13,1156],"tags":[2838,17505,18598],"class_list":["post-54839","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","category-pressemitteilungen","tag-anlegerschutzkanzlei","tag-kryptowaehrung","tag-bafin-meldung","topic_category-medienrecht-persoenlichkeitsrecht","topic_category-reputationsmanagement"],"acf":[],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54839","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54839"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54839\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/media\/54847"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54839"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54839"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54839"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}