{"id":53588,"date":"2020-05-20T05:06:56","date_gmt":"2020-05-20T03:06:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=53588"},"modified":"2020-11-06T21:02:48","modified_gmt":"2020-11-06T19:02:48","slug":"bafin-muss-meldung-loeschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/magazin\/pressemitteilungen\/bafin-muss-meldung-loeschen\/","title":{"rendered":"Verwaltungsgericht Frankfurt: BaFin muss &#8220;Warnmeldung&#8221; l\u00f6schen"},"content":{"rendered":"<p><i><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-51974\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/BaFin.png\" alt=\"\" width=\"455\" height=\"273\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/BaFin.png 500w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/BaFin-345x207.png 345w\" sizes=\"(max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><\/i><i>Das\u00a0Verwaltungsgericht\u00a0Frankfurt hat im Wege\u00a0einer einstweiligen Anordnung die BaFin dazu verpflichtet, eine unter der Rubrik \u201cUnerlaubte Gesch\u00e4fte\u201d\u00a0ver\u00f6ffentlichte, rechtswidrige\u00a0Meldung \u00fcber ein\u00a0Krypto-Unternehmen zu entfernen (VG Frankfurt, Beschlusss v. 11.5.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=7%20L%20452\/20\" title=\"VG Frankfurt\/Main, 11.05.2020 - 7 L 452\/20: Krypto-Unternehmen geht erfolgreich gegen BaFin-Mel...\">7 L 452\/20<\/a>.F).\u00a0<\/i><\/p>\n<p><em>Schadensersatzanspr\u00fcche\u00a0werden zurzeit\u00a0gepr\u00fcft.<\/em><\/p>\n<h2>Gleich hinter Bitcoin f\u00e4ngt der Wilde Westen an<\/h2>\n<p>Aus unserer anwaltlichen Beratungspraxis wissen wir, dass Beteiligte an Kryptogesch\u00e4ftsmodellen h\u00e4ufig zu Unrecht ins Visier von mehr oder weniger seri\u00f6sen Journalisten oder sonstigen \u201eMahnern\u201c mit eigenen,\u00a0dubiosen Interessen\u00a0geraten.\u00a0Manchmal gelingt es diesen dubiosen Akteuren sogar, die zust\u00e4ndigen Aufsichtsbeh\u00f6rden, wie zum\u00a0Beispiel\u00a0die\u00a0Bundesanstalt f\u00fcr Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit unzutreffenden Informationen zu f\u00fcttern und damit zu ihrerseits rechtswidrigen Ma\u00dfnahmen oder Meldungen zu bewegen.<\/p>\n<p>Genau so erging es einem Unternehmen, das zu dem Zweck gegr\u00fcndet worden war, den Betrieb bzw. das Angebot bestimmter Krypto-Dienstleistungen und -produkte ins Leben zu rufen und unter ihrem Dach international zu organisieren. Kurze Zeit, nachdem das Unternehmen seinen Markteintrtitt angek\u00fcndigt hatte, begannen ein Konkurrent, einige kryptoaffine Newsportale und ein selbst ernannter &#8220;Fachjournalist&#8221; damit, das Vorhaben \u00f6ffentlich zu diskreditieren. Zus\u00e4tzlich wurden es bei den entsprechenden Aufsichtsbeh\u00f6rden, insbesondere bei der BaFin mit \u2013 wie sich sp\u00e4ter herausstellte \u2013 Falschbehauptungen angeschw\u00e4rzt.<\/p>\n<h2>BaFin ver\u00f6ffentlicht rechtswidrige Meldung<\/h2>\n<p>Die Beh\u00f6rde hatte auf ihrer Internetseite daraufhin \u00f6ffentlich behauptet, dass das besagte Unternehmen kein nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/KWG\/32.html\" title=\"&sect; 32 KWG: Erlaubnis\">\u00a7 32 KWG<\/a> und \u00a7 10 ZAG zugelassenes Institut sei und keine Erlaubnis zum Betreiben dieser Gesch\u00e4fte in der Bundesrepublik Deutschland habe. Die BaFin hatte daf\u00fcr jedoch keine Rechtsgrundlage. Sie hatte das Unternehmen auch nicht, wozu sie verpflichtet gewesen w\u00e4re, vorher ordnungsgem\u00e4\u00df angeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Die auf den ersten Blick unscheinbare Meldung war Wasser auf die M\u00fchlen der oben erw\u00e4hnten &#8220;Kritiker&#8221;, deren perfider Plan damit aufging. Die Meldung konnten sie n\u00e4mlich als Aufh\u00e4nger f\u00fcr weitere klicktr\u00e4chtige &#8220;Berichterstattung&#8221; nutzen: Man hatte ja immer schon davor gewarnt. Jetzt also auch die BaFin!<\/p>\n<h2>Die BaFin versuchte, gerichtlicher Entscheidung des Verwaltungsgerichts Frankfurt durch L\u00f6schung zuvorkommen<\/h2>\n<p>Das betroffene Unternehmen hat daher mit Unterst\u00fctzung von LHR beim Verwaltungsgericht Frankfurt gegen die BaFin Klage auf Entfernung der Meldung eingereicht und einen Antrag auf einstweilige Anordnung gestellt (VG Frankfurt, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=7%20L%20452\/20\" title=\"VG Frankfurt\/Main, 11.05.2020 - 7 L 452\/20: Krypto-Unternehmen geht erfolgreich gegen BaFin-Mel...\">7 L 452\/20<\/a>. F). Die BaFin hat die Meldung unter dem Druck der gerichtlichen Schritte daraufhin umgehend gel\u00f6scht.<\/p>\n<p>Damit wollte man offenbar eine\u00a0Entscheidung des Verwaltungsgerichts in der Sache verhindern.\u00a0Wir berichteten hier:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/pressemitteilungen\/krypto-unternehmen-geht-gegen-bafin-vor\"><strong>Krypto-Unternehmen geht mit LHR erfolgreich gegen BaFin-Meldung vor<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Dieser Schachzug f\u00fchrte gl\u00fccklicherweise jedoch nicht zum von der BaFin gew\u00fcnschten Erfolg. Aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden h\u00e4tte man dort nat\u00fcrlich eine Sachentscheidung des Gerichts gerne verhindert. Nicht zuletzt, weil die Verantwortlichen zwar die \u00a0die Meldung von ihrer urspr\u00fcnglichen Ver\u00f6ffentlichungsstelle entfernt hatten, sie jedoch im sogenannten &#8220;BaFin-Journal&#8221; weiter \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich machten und sich weigerten, sie auch dort zu entfernen, musste das Verwaltungsgericht schlie\u00dflich entscheiden.<\/p>\n<h2>Verwaltungsgericht Frankfurt ordnet umgehende Entfernung der Meldung an<\/h2>\n<p>Das Verwaltungsgerichts Frankfurt fand \u00a0f\u00fcr die Meldung der BaFin deutliche Worte und ordnete per einstweiliger Verf\u00fcgung vom 11.5.2020 an, dass die BaFin die betreffende Meldung umgehend und vollst\u00e4ndig von Ihrer Webseite zu entfernen hat (VG Frankfurt, Beschluss v. 11.5.2020, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=7%20L%20452\/20\" title=\"VG Frankfurt\/Main, 11.05.2020 - 7 L 452\/20: Krypto-Unternehmen geht erfolgreich gegen BaFin-Mel...\">7 L 452\/20<\/a>.F), da es sich dabei um eine rechtswidrige, anprangernde und rufsch\u00e4digende Ma\u00dfnahme handelte, f\u00fcr die keinerlei Erm\u00e4chtigungsgrundlage ersichtlich ist.<\/p>\n<p>Neben den Unterlassungsanspr\u00fcchen bestehen umfangreiche Schadensersatzanspr\u00fcche, deren H\u00f6he das Unternehmen naturgem\u00e4\u00df noch nicht genau bestimmen kann, die aufgrund der Schwere der Vorw\u00fcrfe jedoch erheblich sein werden. Die BaFin muss die unbegr\u00fcndeten Vorw\u00fcrfe nun \u00f6ffentlich zur\u00fccknehmen und daf\u00fcr sorgen, dass auch alle Folgeberichterstattung durch Dritte, deren Rechtswidrigkeit nun ebenfalls feststeht, vollst\u00e4ndig beseitigt wird.<\/p>\n<p>Der f\u00fcr die Falschmeldung verantwortliche &#8220;Fachjournalist&#8221; wird ebenfalls mit Konsequenzen rechnen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Rechtsanwalt Arno Lampmann von der Kanzlei LHR:<\/p>\n<blockquote><p>Die ausf\u00fchrlich und sorgf\u00e4ltig begr\u00fcndete Entscheidung des Verwaltungsgerichts zeigt einmal wieder: Die BaFin ist als Beh\u00f6rde an Recht und Gesetz gebunden. Sie darf nur das tun, was ihr vom Gesetz explizit erlaubt wird. Der vermeintlich gute Zweck heiligt auch beim Verbraucherschutz die Mittel nicht. Zumal \u00f6ffentliche Meldungen ihre Wirkung nicht verfehlen und gro\u00dfen Schaden anrichten, der \u2013 wenn diese rechtswidrig sind \u2013 letztlich vom Steuerzahler und damit wieder von dem Verbraucher bezahlt werden muss, den man eigentlich sch\u00fctzen sollte.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>(Offenlegung: LHR hat die Antragstellerin vertreten)<\/em><\/p>\n<h2>UPDATE 27.10.2020<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/pressemitteilungen\/rechtswidrige-meldung-bafin-muss-kosten-tragen\/\"><strong>VG Frankfurt entscheidet in der Hauptsache: BaFin-Meldung war rechtswidrig<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das\u00a0Verwaltungsgericht\u00a0Frankfurt hat im Wege\u00a0einer eins [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":51974,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_yoast_wpseo_focuskw":"","_yoast_wpseo_title":"","_yoast_wpseo_metadesc":"","footnotes":""},"categories":[13,1156],"tags":[17506,18634],"class_list":["post-53588","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","category-pressemitteilungen","tag-bafin","tag-warnmeldung","topic_category-medienrecht-persoenlichkeitsrecht","topic_category-reputationsmanagement"],"acf":[],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53588","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=53588"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/53588\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/media\/51974"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53588"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53588"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53588"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}