{"id":50960,"date":"2020-01-02T18:16:31","date_gmt":"2020-01-02T17:16:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=50960"},"modified":"2022-12-20T23:15:50","modified_gmt":"2022-12-20T21:15:50","slug":"einstweilige-verfuegung-wegen-fake-google-bewertung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/magazin\/pressemitteilungen\/einstweilige-verfuegung-wegen-fake-google-bewertung\/","title":{"rendered":"LG Frankfurt verbietet gef\u00e4lschte Mandanten-Bewertung in Rechtsanwalts-Google-Profil"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-51013 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Fake-Google-Bewertung-test.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Fake-Google-Bewertung-test.jpg 1024w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Fake-Google-Bewertung-test-708x354.jpg 708w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Fake-Google-Bewertung-test-620x310.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Fake-Google-Bewertung-test-768x384.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Landgericht Frankfurt\u00a0(LG Frankfurt, Beschluss v. 20.12.2019, Az. 2-03 O 532\/19) hat eine einstweilige Verf\u00fcgung gegen einen Unternehmensberater und -coach erlassen.<\/p>\n<p>Damit wird diesem verboten, in einer Bewertung im &#8220;Google-My-Business&#8221;-Profils eine &#8220;schlechte Erfahrung&#8221; mit einem Rechtsanwalt zu behaupten, ohne bei diesem je Mandant gewesen zu sein.\u00a0Im Falle der Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 \u20ac oder bis zu sechs Monate Ordnungshaft. Der Streitwert wurde mit 10.000 \u20ac angesetzt.<\/p>\n<p>Die Entscheidung ist nicht rechtskr\u00e4ftig und erging ohne m\u00fcndliche Verhandlung, allerdings unter Ber\u00fccksichtigung einer umfangreichen Schutzschrift. Dem Antragsgegner steht nun der Rechtsbehelf des Widerspruchs zur Verf\u00fcgung oder die Kl\u00e4rung des Sachverhalts im Hauptsacheverfahren offen.<\/p>\n<h2>Internetbewertungen als Diffamierungsinstrument<\/h2>\n<p>Hintergrund des einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahrens war eine gerichtliche Auseinandersetzung des Unternehmensberaters und -coaches mit Konkurrenten, die er unter dem Deckmantel des &#8220;Journalismus&#8221; \u00f6ffentlich diffamiert und herabgesetzt hatte. Seinen &#8220;Sieg&#8221; in der ersten Instanz schlachtete der Berater in der Folgezeit nicht nur publikumswirksam weiter f\u00fcr Eigenwerbung aus, sondern erweiterte seine \u00f6ffentlichen Angriffe auch auf den Prozessbevollm\u00e4chtigten des Mitbewerbers.<\/p>\n<p>Er bewertete diesen auf dessen &#8220;Google-My-Business&#8221;-Profil negativ und behauptete im dazugeh\u00f6rigen Kommentar, &#8220;schlechte Erfahrungen&#8221; mit dem Anwalt aufgrund unzureichender Kenntnisse in bestimmten Rechtsgebieten gemacht zu haben. Leser konnten so den Eindruck gewinnen, dass der Antragsgegner vom Antragsteller anwaltlich vertreten wurde,\u00a0obwohl er nie Mandant bei ihm gewesen war, sondern im Gegenteil auf der &#8220;Gegenseite&#8221; gestanden hatte.<\/p>\n<p>Zur blo\u00dfen Unwahrheit des mit der Bewertung erweckten Eindrucks kam f\u00fcr den Antragsteller der Umstand hinzu, dass es sich bei Rechtsanwaltsdienstleistungen um Dienste h\u00f6herer Art gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/627.html\" title=\"&sect; 627 BGB: Fristlose K&uuml;ndigung bei Vertrauensstellung\">\u00a7 627 BGB<\/a> handelt, bei denen ein besonderes Vertrauensverh\u00e4ltnis vorausgesetzt wird und die Leser der Bewertung daher annehmen mussten, dass er ein solches Vertrauensverh\u00e4ltnis mit dem Antragsgegner unterhalte oder in der Vergangenheit unterhalten habe, was f\u00fcr ihn aufgrund des zweifelhaften Ansehens, das dieser in der \u00d6ffentlichkeit hat,\u00a0eine zus\u00e4tzliche Rufbeeintr\u00e4chtigung darstellte.<\/p>\n<h2>&#8220;Heimliche&#8221; Korrektur der Bewertung half nichts<\/h2>\n<p>Nachdem der Antragsteller den Antragsgegner au\u00dfergerichtlich angeschrieben und ihm Gelegenheit gegeben hatte, ein gerichtliches Verfahren durch Abgabe einer Unterlassungserkl\u00e4rung zu vermeiden, \u00e4nderte dieser den Kommentar der Bewertung zwar\u00a0schnell und klammheimlich, \u00e4u\u00dferte sich dem Antragsteller gegen\u00fcber jedoch nicht. In seinem Facebookprofil setzte er seine &#8220;Fans&#8221; gleichzeitig von der Bewertung und der Abmahnung in Kenntnis.<\/p>\n<p>Da der Antragsgegner insbesondere keine Unterlassungserkl\u00e4rung abgab, wurde das einstweiliges Verfahren notwendig, in dessen Rahmen das Landgericht Frankfurt der Auffassung des Antragstellers folgte, dass es sich bei den \u00c4u\u00dferungen in der Bewertung in Bezug auf die Frage eines bestehenden Mandatsverh\u00e4ltnisses jedenfalls um mehrdeutige \u00c4u\u00dferungen handelte, sowie, dass die &#8220;heimliche&#8221; Korrektur der missverst\u00e4ndlichen \u00c4u\u00dferungen jedenfalls im Hinblick auf die fortlaufenden Schm\u00e4hungen nicht als ernsthafte Klarstellung verstanden werden und daher die Wiederholungsgefahr nicht beseitigen konnte.<\/p>\n<p>Neben dem Unterlassungsanspruch stehen dem Antragsteller Beseitigungs- und Schadensersatzanspr\u00fcche zu.<\/p>\n<p>Rechtsanwalt Arno Lampmann von der Kanzlei LHR:<\/p>\n<blockquote><p>Sei es <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/reputationsmanagement\/jameda-bewertung-loeschen\">Jameda<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/das-dreckige-dutzend-die-top-12-der-fiesen-tricks-der-betrueger-auf-amazon\">Amazon<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/reputationsmanagement\/google-bewertung-loeschen\">Google<\/a>: Bewertungsplattformen werden immer seltener zur Abgabe authentischer Kundenbewertungen genutzt, sondern immer \u00f6fter dazu missbraucht, Dritten zu schaden. Wie die Entscheidung des LG Frankfurt zeigt, m\u00fcssen sich Betroffene dies jedoch nicht gefallen lassen.<\/p><\/blockquote>\n<p><em>(Offenlegung: Unsere Kanzlei \u00a0hat den Antragsteller vertreten.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Landgericht Frankfurt\u00a0(LG Frankfurt, Beschlu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":51013,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_yoast_wpseo_focuskw":"","_yoast_wpseo_title":"","_yoast_wpseo_metadesc":"Sei es Jameda, Amazon oder Google: Bewertungsplattformen werden immer seltener zur Abgabe authentischer Kundenbewertungen genutzt, sondern immer \u00f6fter dazu missbraucht, Dritten zu schaden. 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