{"id":50121,"date":"2019-11-28T19:14:21","date_gmt":"2019-11-28T18:14:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=50121"},"modified":"2026-10-12T05:49:54","modified_gmt":"2026-10-12T03:49:54","slug":"jetzt-auch-olg-thueringen-jameda-muss-aerztebewertung-loeschen-wenn-behandlungskontakt-nicht-belegt-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/jetzt-auch-olg-thueringen-jameda-muss-aerztebewertung-loeschen-wenn-behandlungskontakt-nicht-belegt-ist\/","title":{"rendered":"Jetzt auch OLG Th\u00fcringen: Jameda muss \u00c4rztebewertung l\u00f6schen, wenn Behandlungskontakt nicht belegt ist"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_50123\" aria-describedby=\"caption-attachment-50123\" style=\"width: 437px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-50123\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Jameda-muss-l\u00f6schen-k.jpg\" alt=\"\" width=\"437\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Jameda-muss-l\u00f6schen-k.jpg 750w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Jameda-muss-l\u00f6schen-k-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Jameda-muss-l\u00f6schen-k-620x413.jpg 620w\" sizes=\"(max-width: 437px) 100vw, 437px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-50123\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 opolja &#8211; Adobe Stock<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>In einem aktuellen Hinweisbeschluss vom 18.10.2019 hat sich das OLG Th\u00fcringen eingehend mit der Frage befasst, wie weitreichend die Nachforschungspflichten von Jameda als Bewertungsportalbetreiberin sind. <\/em><\/p>\n<p><i>Danach treffen Jameda auch dann umfangreiche Pr\u00fcfpflichten, wenn ein angeblicher Patient in einer Bewertung auf dem Bewertungsportal behauptet, dass es nicht zu einem Behandlungskontakt mit dem bewerteten Arzt, sondern lediglich zu einem Kontakt mit dem Praxispersonal gekommen sei. <\/i><\/p>\n<p><i>Wird ein solcher Kontakt vom angeblichen\u00a0Patienten\u00a0nicht ausreichend belegt und verletzt Jameda seine dahingehenden Nachforschungspflichten, ist die Bewertung zu entfernen (OLG Th\u00fcringen, Hinweisbeschluss v. 18.10.2019, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=1%20U%20599\/19\" title=\"1 U 599\/19 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">1 U 599\/19<\/a>, <\/i><a style=\"font-style: italic;\" href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/OLG-Th\u00fcringen-Jameda.pdf\">hier als PDF abrufbar<\/a><i>).<\/i><\/p>\n<h2>LG Meiningen bejahte Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzung<\/h2>\n<p>Bereits das LG Meiningen hatte in seinem Urteil vom 22.5.2019 (LG Meiningen, Urteil v. 22.5.2019, Az. (117) <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=2%20O%20274\/19\" title=\"LG Meiningen, 15.05.2019 - 2 O 274\/19: Unzul&auml;ssige Arzt-Bewertung\">2 O 274\/19<\/a>) die Rechtsprechung des BGH best\u00e4tigt, nach der die Bewertung eines Arztes auf einer \u00c4rztebewertungsplattform ohne Behandlungskontakt unzul\u00e4ssig ist (BGH, Urteil v. 1.3.2016, Az. VI ZR), und diesen Grundsatz auch dann f\u00fcr anwendbar erkl\u00e4rt, wenn der Verfasser der Bewertung behauptet, er sei bereits vor einer Behandlung vom Praxispersonal trotz starker Schmerzen abgewiesen worden, dies aber nicht belegt hat.<\/p>\n<p>Dem Urteil des LG Meiningen hat sich das OLG Th\u00fcringen angeschlossen und den Umfang der Nachforschungspflichten in seinem Hinweisbeschluss noch einmal genau abgesteckt.<\/p>\n<p>Die Antragstellerin und Verf\u00fcgungskl\u00e4gerin, eine niedergelassene Allgemeinmedizinerin, wandte sich gegen eine Bewertung eines angeblichen Patienten, der auf dem \u00c4rztebewertungsportal jameda.de behauptet hatte, trotz starker Schmerzen vom Personal der Kl\u00e4gerin \u201eabgewimmelt\u201c worden zu sein. Die Kl\u00e4gerin wurde mit der Gesamtnote 6,0 bewertet.<\/p>\n<p>Nachdem die Kl\u00e4gerin die Bewertung bei Jameda beanstandete und die darin enthaltene Behauptung bestritt, dass der Bewertungsverfasser tats\u00e4chlich in der Praxis gewesen und trotz starker Schmerzen im Nierenbereich vom Personal \u201eabgewimmelt\u201c worden sei, hatte Jameda die Bewertung ohne Noten nach kurzer Entfernung wieder ver\u00f6ffentlicht. Denn Jameda sah den Wahrheitsgehalt der Bewertung durch eine kurze Praxisbeschreibung und die Nennung des Behandlungsmonats und -jahres des Bewertenden als dargelegt an.<\/p>\n<p>Das LG Meiningen bejahte daraufhin im Rahmen eines im einstweiligen Verf\u00fcgungsverfahrens ergangenen Urteil einen Unterlassungsanspruch der Kl\u00e4gerin wegen Verletzung ihres Pers\u00f6nlichkeitsrechts, da die gegenst\u00e4ndliche Bewertung unwahre Tatsachenbehauptungen enthielt. Das Gericht entschied, dass die Beklagte bei negativen Tatsachen \u2013 hier dem Fehlen des Kontakts mit dem Praxispersonal \u2013 eine sekund\u00e4re Darlegungs- und Beweislast treffe. Ihren daraus resultierenden Pr\u00fcfpflichten hinsichtlich des behaupteten Sachverhalts sei die Beklagte nach Ansicht des LG Meiningen nicht nachgekommen. Sie h\u00e4tte sich nicht mit der Stellungnahme des Bewertungsverfassers mit blo\u00dfer Praxisbeschreibung und Nennung des Behandlungsmonats sowie des Behandlungsjahres zufrieden geben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Das LG Meiningen st\u00fctzte sich dabei auf die Rechtsprechung des BGH, wonach der Betreiber eines Bewertungsportals seinen Nachforschungspflichten nicht gerecht werde, wenn er beim <em>Bewertungsverfasser<\/em> lediglich anfragt, ob sich der Sachvertrag so zugetragen habe, wie es behauptet wurde. Vielmehr m\u00fcsse er konkrete Angaben und geeignete Nachweise f\u00fcr die aufgestellten Behauptungen anfordern (BGH, Urteil v. 1.3.2016, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%2034\/15\">VI ZR 34\/15<\/a>).<\/p>\n<p>Dieser Grundsatz gelte nach Ansicht des LG Meiningen auch dann, wenn der angebliche Patient behauptet, dass er bereits vom Personal trotz starker Schmerzen abgewiesen worden sei. Insbesondere reichte eine Praxisbeschreibung und die Nennung des Behandlungsmonats sowie des Behandlungsjahres nicht aus, um den behaupteten Kontakt mit dem Praxispersonal darzulegen, so das LG Meiningen <em>(<\/em><em>LG Meiningen, Urteil v. 22.5.2019, Az. (117) <\/em><a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=2%20O%20274\/19\"><em>2 O 274\/19<\/em><\/a><em>). <\/em>Wir berichteten:<\/p>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/datenschutzrecht\/jameda-patientenkontakt-2\">LG Meiningen: Jameda-Bewertung bei nicht nachgewiesenem Kontakt zu Praxispersonal unzul\u00e4ssig<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Gegen das ergangene Urteil hat Jameda Berufung zum Th\u00fcringer Oberlandesgericht eingelegt:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/datenschutzrecht\/jameda-patientenkontakt-berufung\"><strong>Jameda legt Berufung ein: Unzul\u00e4ssige Arzt-Bewertung vor dem LG Meiningen<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Ohne Erfolg.<\/p>\n<h2>OLG Th\u00fcringen: Weitreichender Umfang der Pr\u00fcfpflichten von Jameda<\/h2>\n<p>Das OLG Th\u00fcringen schloss sich in einem lesenswerten Hinweisbeschluss vom 18.10.2019 der erstinstanzlichen Entscheidung des LG Meiningen an. Darin f\u00fchrte es entsprechend dem Vortrag der Kl\u00e4gerin aus, dass die Beklagte als Betreiberin einer Bewertungsplattform eine sekund\u00e4re Darlegungslast treffe. Dies gelte insbesondere im vorliegenden Fall, in dem sie ein Bewertungsportal f\u00fcr \u00c4rzte betreibt, bei dem die Bewertungen anonym ver\u00f6ffentlicht werden und nur sie \u00fcber die M\u00f6glichkeit zur Kontaktaufnahme mit dem Bewertungsverfasser verf\u00fcgt. Dann obliege es ihr, im Rahmen des Zumutbaren Nachforschungen dazu zu unternehmen, ob der Vortrag des beanstandenden Arztes, die in der Bewertung aufgestellten Behauptungen tr\u00e4fen nicht zu, nachzupr\u00fcfen.<\/p>\n<div style=\"text-align: center;\">\n<p><a class=\"button\" href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/bewertungs-check\/\"><strong>Zum kostenlosen Bewertungs-Check<\/strong><\/a><\/p>\n<\/div>\n<h2>Blo\u00dfe Nachfrage reicht nicht<\/h2>\n<p>Nach Ansicht des OLG Th\u00fcringen wurde die Beklagte ihren Nachforschungspflichten durch die blo\u00dfe Nachfrage, ob sich der Sachvertrag wie behauptet zugetragen habe, nicht gerecht. Es fehlten die konkreten Angaben und geeignete Nachweise f\u00fcr die aufgestellten Behauptungen; diese h\u00e4tten von der Beklagten angefordert werden m\u00fcssen. Eine blo\u00dfe Stellungnahme des Bewertungsverfassers sei auch nach Ansicht des OLG nicht ausreichend.<\/p>\n<h2>Angeblicher Patient muss Behandlungskontakt genau belegen<\/h2>\n<p>Die Kammer konkretisiert in ihrem Hinweisbeschluss den Umfang der Nachforschungspflichten. Sie f\u00fchrt zu Recht aus, dass die Beklagte den Bewertungsverfasser h\u00e4tte auffordern m\u00fcssen, die angebliche Abweisung in der Praxis der Kl\u00e4gerin genauer zu beschreiben und eine sich anschlie\u00dfende Behandlung und den weiteren Verlauf der Krankengeschichte zu skizzieren.<\/p>\n<p>\u00dcberdies h\u00e4tte sie die Benennung eines genaueren Zeitpunkts der Behandlung, nicht nur des Monats, sowie Nachweise zur Durchf\u00fchrung der Behandlung wegen der angeblichen Nierenschmerzen im zeitlichen Zusammenhang mit dem behaupteten Ereignis bei einem anderen Arzt anfordern m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Da ein solches Nachhaken nicht erfolgte, habe die Beklagte nicht nur ihre materiell-rechtlichen Nachforschungspflichten verletzt, sondern auch ihre prozessualen Obliegenheiten. Diese resultierten aus der sekund\u00e4ren Darlegungs- und Beweislast. Im Ergebnis gelte der glaubhafte Vortrag der Kl\u00e4gerin, der Bewertungsverfasser habe ihre Praxis im behaupteten Zeitraum nicht besucht, jedenfalls nicht unter der Angabe, er leide unter Schmerzen im Nierenbereich, wegen Verletzung der Nachforschungspflichten als zugestanden. Die gegenst\u00e4ndliche Bewertung sei wegen Verletzung des allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrechts der Kl\u00e4gerin vollst\u00e4ndig zu l\u00f6schen.<\/p>\n<p>Nachdem die Beklagte in Folge des Hinweisbeschlusses die Berufung zur\u00fcckgenommen hatte, erlie\u00df das OLG Th\u00fcringen am 18.11.2019 einen Beschluss, wonach die Beklagte des Rechtsmittels der Berufung verlustig ist (OLG Th\u00fcringen, Beschluss v. 18.11.2019, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=1%20U%20599\/19\" title=\"1 U 599\/19 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">1 U 599\/19<\/a>). Das Urteil des LG Meiningen vom 15.5.2019 ist damit rechtskr\u00e4ftig. Im Falle der Zuwiderhandlung droht der Beklagten ein Ordnungsgeld von 250.000 EUR, ersatzweise Ordnungshaft, oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten<\/p>\n<p><em>(Offenlegung: Unsere Kanzlei hat die Kl\u00e4gerin vor dem LG Meiningen und vor dem OLG Th\u00fcringen vertreten.)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/service\/jameda-bewertung-loeschen\/\"><strong>Negative Jameda-Bewertung? Jetzt entfernen lassen<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem aktuellen Hinweisbeschluss vom 18.10.2019 hat  [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":66,"featured_media":50123,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_yoast_wpseo_focuskw":"","_yoast_wpseo_title":"","_yoast_wpseo_metadesc":"","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-50121","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht"],"acf":[],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/users\/66"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50121"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50121\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":71235,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50121\/revisions\/71235"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50123"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}