{"id":44649,"date":"2019-03-28T15:49:28","date_gmt":"2019-03-28T14:49:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=44649"},"modified":"2019-04-06T07:34:44","modified_gmt":"2019-04-06T06:34:44","slug":"einstweilige-verfuegung-software-nicht-europaweit-nutzbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/magazin\/urheber-designrecht\/einstweilige-verfuegung-software-nicht-europaweit-nutzbar\/","title":{"rendered":"LHR erwirkt einstweilige Verf\u00fcgung gegen Irref\u00fchrung: Software nicht europaweit nutzbar"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-44670\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Europafahne.png\" alt=\"\" width=\"401\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Europafahne.png 1280w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Europafahne-621x414.png 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Europafahne-768x512.png 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Europafahne-620x413.png 620w\" sizes=\"(max-width: 401px) 100vw, 401px\" \/>Das Landgericht Hamburg\u00a0(LG Hamburg, Beschluss v. 20.3.2019, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=312%20O%2072\/19\" title=\"LG Hamburg, 20.03.2019 - 312 O 72\/19: Einstweilige Verf&uuml;gung gegen Irref&uuml;hrung: Software nicht ...\">312 O 72\/19<\/a>) hat auf den Antrag von Lampmann, Haberkamm &amp; Rosenbaum Rechtsanw\u00e4lte (LHR) eine \u00a0einstweilige Verf\u00fcgung gegen ein Virenschutz-Softwareunternehmen erlassen.<\/p>\n<p>Damit wird diesem verboten, im gesch\u00e4ftlichen Verkehr zu Wettbewerbszwecken im Rahmen des Vertriebs von Software die folgenden Angaben zu machen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44658 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/EuropeanProduct.png\" alt=\"\" width=\"416\" height=\"78\" \/><\/p>\n<p>und<img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-44660 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Available-in-D.jpg\" alt=\"\" width=\"324\" height=\"221\" \/>wenn eine Installation. bzw. Nutzung der Software durch deutsche Verbraucher tats\u00e4chlich nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<h2>Ordnungsgeld bis 250.000 \u20ac<\/h2>\n<p>Im Falle der Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 \u20ac oder bis zu sechs Monate Ordnungshaft. Der Streitwert wurde mit 50.000 \u20ac angesetzt.\u00a0Die Entscheidung ist nicht rechtskr\u00e4ftig, erging ohne m\u00fcndliche Verhandlung. Der Antragsgegnerin steht nun der Rechtsbehelf des Widerspruchs zur Verf\u00fcgung oder die Kl\u00e4rung des Sachverhalts im Hauptsacheverfahren.<\/p>\n<h2>Softwareherstellern missf\u00e4llt die (unk\u00f6rperliche) Ersch\u00f6pfung<\/h2>\n<p>Das Verbot gesellt sich zu einer ganzen Reihe von Verfahren, die wir f\u00fcr Gebrauchtsoftwareh\u00e4ndler gegen Hersteller erwirkt haben, die versuchen, den Zweitmarkt ihrer Produkte mit allen Mitteln zu behindern. Ein nachvollziehbares Ziel, da die Hersteller nat\u00fcrlich ihre Software gerne immer wieder &#8220;neu&#8221; an den User bringen wollen.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/lhr-erwirkt-einstweilige-verfuegung-gegen-us-softwarehersteller-wegen-illegaler-gebrauchtsoftwareklausel-in-agb\">LHR erwirkt einstweilige Verf\u00fcgung gegen Softwarehersteller wegen illegaler &#8220;Gebrauchtsoftwareklausel&#8221; in AGB<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/lhr-erwirkt-zweite-einstweilige-verfuegung-wegen-urheberrechtswidriger-klausel-in-software-nutzungsbedingungen\">LHR erwirkt zweite einstweilige Verf\u00fcgung gegen Softwarehersteller wegen urheberrechtswidriger Klausel in Software-Nutzungsbedingungen<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/urheberrecht\/einstweilige-verfuegung-wegen-verstoss-gegen-erschoepfungsgrundsatz\">LHR erwirkt einstweilige Verf\u00fcgung gegen Softwarehersteller wegen Versto\u00df gegen Ersch\u00f6pfungsgrundsatz<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Diesmal waren die Verpackungsweise irref\u00fchrend<\/h2>\n<p>Das Landgericht Hamburg\u00a0war der Antragstellerin der Auffassung, dass\u00a0die Werbung des Softwareherstellers unzul\u00e4ssig ist, weil sie gegen den Ersch\u00f6pfungsgrundsatz gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UrhG\/69c.html\" title=\"&sect; 69c UrhG: Zustimmungsbed&uuml;rftige Handlungen\">\u00a7 69 c Nr. 3 S. 2 UrhG<\/a> verst\u00f6\u00dft.<\/p>\n<p>Aufgrund von Beschwerden musste die Antragstellerin feststellen, dass die Produktbeschreibung nicht h\u00e4lt, was sie verspricht.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Bei einer Testinstallation bemerkte sie, dass deutschen Verbrauchern bei dem Versuch, die Software bestimmungsgem\u00e4\u00df zu installieren bzw. zu nutzen, der folgende Hinweis eingeblendet und ihnen mitgeteilt wird, dass der Registrierungscode in der entsprechenden Region Einschr\u00e4nkungen unterliege und nicht zur Aktivierung eines Abonnements im entsprechenden Benutzerkonto verwendet werden k\u00f6nne:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\" wp-image-44673 aligncenter\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Einschr\u00e4nkung.jpg\" alt=\"\" width=\"336\" height=\"415\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Einschr\u00e4nkung.jpg 610w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Einschr\u00e4nkung-335x414.jpg 335w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Einschr\u00e4nkung-502x620.jpg 502w\" sizes=\"(max-width: 336px) 100vw, 336px\" \/><\/p>\n<p>Das Verbreitungsrecht des Rechtsinhabers an Vervielf\u00e4ltigungsst\u00fccken eines Computerprogramms ersch\u00f6pft sich jedoch im gesamten Gebiet der EU, wenn dieses mit seiner Zustimmung in diesem Gebiet oder eines anderen Vertragsstaates des Abkommens \u00fcber den Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum im Wege der Ver\u00e4u\u00dferung in Verkehr gebracht worden ist. Die Antragsgegnerin darf die Nutzungsm\u00f6glichkeiten dementsprechend auch nicht faktisch beschr\u00e4nken.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>Das Verhalten ist auch gem. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/3.html\" title=\"&sect; 3 UWG: Verbot unlauterer gesch&auml;ftlicher Handlungen\">\u00a7\u00a7 3<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5.html\" title=\"&sect; 5 UWG: Irref&uuml;hrende gesch&auml;ftliche Handlungen\">5 UWG<\/a> unzul\u00e4ssig. Denn durch die oben eingeblendeten Hinweise auf der von ihr vertriebenen Produktverpackung, mit der offensichtlich insbesondere auch deutsche Verbraucher angesprochen werden sollen, erweckte die Antragsgegnerin den Eindruck, dass die Software nicht nur in Benelux-L\u00e4ndern bzw. von durch dort lebende Verbraucher, sondern \u2013 wie der europ\u00e4ische Ersch\u00f6pfungsgrundsatz es vorgibt \u2013 auch unter anderem in Deutschland und durch deutsche Verbraucher nutzbar ist. Das ist jedoch \u2013 wie oben gezeigt \u2013 unzutreffend.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Rechtsanwalt Arno Lampmann von der Kanzlei LHR:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cDer Beschluss des Landgerichts Hamburg reiht sich mittlerweile in eine stattliche Anzahl von Gerichtsentscheidungen dieser Art ein und ist vor dem Hintergrund der europ\u00e4ischen Rechtslage nur konsequent. Leider wollen\u00a0viele Softwarehersteller die eindeutigen Vorgaben des EuGH nicht anerkennen und versuchen auch jetzt, Jahre nach der Grundsatzentscheidung noch, diese mit &#8211; rechtswidrigen &#8211; Beschr\u00e4nkungen auszuhebeln. Es ist wichtig f\u00fcr Softwareh\u00e4ndler zu wissen, dass sie sich &#8211; wie die vorliegende Entscheidung zeigt -, aktiv gegen rechtswidrige Ma\u00dfnahmen wehren k\u00f6nnen.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Landgericht Hamburg\u00a0(LG Hamburg, Beschluss v. 20.3. 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