{"id":26750,"date":"2016-11-28T06:51:11","date_gmt":"2016-11-28T05:51:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=26750"},"modified":"2021-07-16T23:12:46","modified_gmt":"2021-07-16T21:12:46","slug":"verstoss-gegen-verdachtsberichterstattung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/verstoss-gegen-verdachtsberichterstattung\/","title":{"rendered":"LHR erwirkt einstweilige Verf\u00fcgung gegen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunksender wegen unzul\u00e4ssiger Verdachtsberichterstattung auf Internetseite"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_24693\" aria-describedby=\"caption-attachment-24693\" style=\"width: 424px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-24693 size-full\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Stoppschild.jpg\" alt=\"Verstoss gegen Verdachtsberichterstattung\" width=\"424\" height=\"283\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-24693\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 cevahir87 \u2013 Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p><em>Das Landgericht Berlin\u00a0(LG\u00a0Berlin,\u00a0Beschluss\u00a0v. 25.10.2016, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=27%20O%20523\/16\" title=\"LG Berlin, 25.10.2016 - 27 O 523\/16: Einstweilige Verf&uuml;gung gegen &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfu...\">27 O 523\/16<\/a>) hat auf den Antrag von Lampmann, Haberkamm &amp; Rosenbaum Rechtsanw\u00e4lte (LHR) gegen\u00a0einen bekannten \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunksender eine einstweilige Verf\u00fcgung wegen unzul\u00e4ssiger <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/verdachtsberichterstattung\">Verdachtsberichterstattung<\/a> erlassen.<\/em><\/p>\n<p>Damit wird dem Sender\u00a0verboten, \u00fcber einen gemeinn\u00fctzigen Verein zahlreiche unzutreffende und gegen die Grunds\u00e4tze der ausnahmsweise zul\u00e4ssigen Verdachtsberichterstattung versto\u00dfende \u00c4usserungen auf seiner Internetseite \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>Im Falle der Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 \u20ac oder bis zu sechs Monate Ordnungshaft.<\/p>\n<p>Die Entscheidung ist im Wege einer Beschlussverf\u00fcgung ergangen. Der\u00a0Rundfunksender hat\u00a0die Verf\u00fcgung als endg\u00fcltige Regelung anerkannt.<\/p>\n<h3>Der \u00d6R Sender hatte nicht sorgf\u00e4ltig recherchiert<\/h3>\n<p>Das Landgericht Berlin folgte der Argumentation des Antragstellers, dass die gegenst\u00e4ndlichen Behauptungen \u2013\u00a0wenn nicht bereits unzutreffend \u2013 nicht ordentlich recherchiert worden waren und damit gegen die Grunds\u00e4tze der Verdachtsberichterstattung verstie\u00dfen.<\/p>\n<p>Nach den vom BGH (vgl. nur Urteil v. 07.12.1999, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%2051\/99\" title=\"BGH, 07.12.1999 - VI ZR 51\/99: Verdachtsberichterstattung: &quot;Schleimerschmarotzerpack&quot;\">VI ZR 51\/99<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=NJW%202000,%201036\" title=\"BGH, 07.12.1999 - VI ZR 51\/99: Verdachtsberichterstattung: &quot;Schleimerschmarotzerpack&quot;\">NJW 2000, 1036<\/a>) aufgestellten Grunds\u00e4tzen f\u00fcr eine ausnahmsweise zul\u00e4ssige Verdachtsberichterstattung muss<\/p>\n<ul>\n<li>der berichtete Vorgang von \u201egravierendem\u201c Gewicht sein und ein legitimes Informationsinteresse der Allgemeinheit begr\u00fcnden,<\/li>\n<li>ein Mindestbestand an (objektiven) Beweistatsachen vorliegen, der f\u00fcr die Richtigkeit der abtr\u00e4glichen Information spricht,<\/li>\n<li>die Darstellung ausgewogen sein und darf keine Vorverurteilung des Betroffenen enthalten und<\/li>\n<li>vor der Ver\u00f6ffentlichung grunds\u00e4tzlich eine Anh\u00f6rung erfolgen und die Stellungnahme des Betroffenen in angemessener Weise ber\u00fccksichtigt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Voraussetzungen hielt\u00a0die Ver\u00f6ffentlichung nicht ansatzweise ein.\u00a0Neben dem Unterlassungsanspruch bestehen Schadensersatzanspr\u00fcche, die der Verein\u00a0in einem separaten Verfahren geltend machen wird.<\/p>\n<p>Rechtsanwalt Arno Lampmann von der Kanzlei LHR:<\/p>\n<blockquote><p>\u201cEine Sendeanstalt des \u00f6ffentlichen Rechts ist\u00a0als verl\u00e4ngerter Arm des Staates ganz besonders zur Zur\u00fcckhaltung und Vorsicht verpflichtet. Vor dem Hintergrund der eindeutigen Sach- und Rechtslage ist es daher schon nicht nachvollziehbar, dass es der Artikel es \u00fcberhaupt auf die Internetseite des namhaften Senders geschafft hat.<\/p>\n<p>Weshalb der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk nach\u00a0einem Schreiben, das\u00a0die Unwahrheit der Behauptungen detailliert darlegt, seinen Fehler nicht umgehend einr\u00e4umt, den Beitrag entfernt und sich zur Unterlassung verpflichtet, sondern es auf einen f\u00fcr einen gemeinn\u00fctzigen Verein finanziell au\u00dferordentlich\u00a0belastendes Gerichtsverfahren ankommen l\u00e4sst, ist aus unserer Sicht v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich.\u201d<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Landgericht Berlin\u00a0(LG\u00a0Berlin,\u00a0Beschluss\u00a0v. 25.10.2 [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_yoast_wpseo_focuskw":"Verstoss gegen Verdachtsberichterstattung","_yoast_wpseo_title":"Verdachtsberichterstattung: Einstweilige Verf\u00fcgung gegen Rundfunksender","_yoast_wpseo_metadesc":"Das Landgericht Berlin hat auf den Antrag von LHR gegen\u00a0einen bekannten \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunksender eine einstweilige Verf\u00fcgung erlassen.","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1083,3341],"class_list":["post-26750","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","tag-verdachtsberichterstattung","tag-oeffentllich-rechtlicher-rundfunk"],"acf":[],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26750","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=26750"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/26750\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=26750"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=26750"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/zh-hans\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=26750"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}