NFTs – Non Fungible Tokens

Tweets, Memes und Katzenbilder auf Christie’s? NFTs als neuer Trend in der Kryptowelt

Was 2017 mit süßen Katzencartoons, den Cryptokitties, ihren Lauf nahm, entwickelte sich in den letzen Monaten zum Millionengeschäft. Jeden Tag kommen neue Schlagzeilen über Verkaufsrekordsummen und über Prominente, die mit „Non Fungible Tokens“ (NFT)s handeln. Twittergründer Jack Dorsey, Popsängerin Grimes, die Sportler Le Born James und Christiano Ronaldo, die Rockgruppe Kings Of Leon, der deutsche YouTuber und Musiker Finn Kliemann — alle springen auf den NFT-Zug auf.

Doch was genau sind die „Non Fungible TokensWie sind sie rechtlich einzuordnen und was für Möglichkeiten bieten sie? Was hat das ganze mit Kryptowährung zu tun? Und warum geben Menschen 600.000 $ für alte Katzen-Memes aus?

Jeder Mensch ist ein Künstler. Was man alles als NFTs handeln kann

Non Fungible Tokens (NFTs) sind kryptographische Tokens, die durch Blockchain erzeugt werden. Bis jetzt werden sie hauptsächlich in der Kunstwelt eingesetzt, um digitale Inhalte zu authentifizieren. Der Künstler Beeple und die Sängerin Grimes benutzten NFTs für ihre animierten Videos und Bildcollagen, die Band Kings Of Leon, um ihr neues Album online zu vertreiben. Jedoch gibt es keine Begrenzung, was als NFT gehandelt werden kann. Jedes Objekt, was subjektiven Sammelwert hat, kann zum NFT „tokenesiertwerden. Twittergründer Jack Dorsey verkauft seinen ersten Tweet, die NBA verkauft Videos von besonders spektakulären Dunks, in der Welt des VR-Spiels Decenterland werden durch NFTs virtuelle Grundstücke verkauft. Ein Internet Meme aus dem Jahr 2011, die Nyan Cat, ist mittlerweile auch „tokenesiert.

NFTs sind jedoch nicht grundsätzlich auf digitale Inhalte beschränkt, die im Token gespeicherte Information kann auch sonstige Berechtigungen aller Art enthalten. Die besagte Rockband Kings of Leon speicherte in den verkauften NFTs auch Goldene Tickets“ — die Berechtigung in der ersten Reihe bei ihrem Konzert zu sitzen. NFTs können somit grundsätzlich als Nachweiszertifikat für jeden Vermögenswert fungieren.

Die Einmaligkeit des NFTs, verbunden mit der Fälschungssicherheit der Blockchain -Technologie, eröffnet eine weitere Möglichkeit — die Nutzung als Identitätsnachweis. Durch die Einspeisung von Identifikationsmerkmalen in die Metadata eines Tokens könnte man so beispielsweise einen digitalen Reisepass erzeugen.

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Kann ich jetzt mit Memes bezahlen? Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen NFTs und Kryptowährung

Kryptowährung und NFTs werden technisch gleich hergestellt — durch Blockchain. Der Token ist ein Baustein in dieser Blockchain. Im Gegensatz zu Kryptowährung wie Bitcoins oder Ethereum fehlt es jedoch dem Non Fungible Token (NFT) eben an Fungibilität, er ist nicht austauschbar. Bei jedem NFT handelt es sich um ein Unikat, welches im keinen Verhältnis mit anderen NFTs steht. Während man den Bitcoin als Währung mit einer einfachen Euromünze vergleichen kann, sind NFTs wie besonders seltene, einzigartige Münzen. NFTs sind somit kein Zahlungsmittel, sondern ein Sammelobjekt und als solches Sammelobjekt auch eine Anlagemöglichkeit. Dies führt auch dazu, dass NFTs grundsätzlich nicht aufteilbar sind. Während man einen Bruchteil eines Bitcoins besitzen kann, wird das NFT als einheitliches Ganzes gehandelt.

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Wem gehört die Kunst? Eigentumsfragen rund um NFTs

Grundsätzlich kann der Eigentümer einer Sache frei über diese verfügen und insbesondere andere von dem Gebrauch dieser Sache ausschließen. Dies ist bei digitalen Inhalten nicht so einfach. Die Nyan Cat ist weiterhin auf YouTube abrufbar, die Bildcollage von Beeple kann man bei der Google Bildersuche finden und abspeichern. Was genau erwirbt dann der NFT Käufer?

Der NFT Inhaber erlangt ein digitales Zertifikat, eine Bestätigungsurkunde, dass er Inhaber des Originals ist. Der Token enthält Metadata, worin der Käufer als Inhaber des Kunstwerks genannt wird. Durch die fälschungssichere Blockchain-Technologie erlangt dieser Token einen Beweiswert. Der Mehrwert dieses Zertifikats ist vergleichbar mit dem Mehrwert eines Marilyn Monroe Siebdrucks von Andy Warhol mit Echtheitszertifikat gegenüber dem qualitativ gleichen Siebdruck vom Copy Shop nebenan.

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NFTs und Urheberrecht

Die NFTs an sich unterliegen als Dateieinheit nicht dem Urheberrecht, sie repräsentieren nur den dahinter liegenden Vermögenswert und stellen die Eigentumsverhältnisse fest. Den meisten bis jetzt gehandelten NFTs liegen jedoch künstlerische, urheberrechtlich schutzfähige Werke zugrunde. Dieses Urheberrecht entsteht mit der Schaffung des Werkes und liegt bei dem jeweiligen Künstler. Die Urheberschaft ist nach deutschem Recht nicht übertragbar und geht nicht auf den Käufer des NFTs über. Was der NFT Käufer erlangen kann, sind Lizenzen, also Nutzungsrechte über das Werk, insbesondere das Recht, das Werk zu vervielfältigen, zu verbreiten oder öffentlich auszustellen. Diese können als einfache oder ausschließliche Lizenzen geregelt sein. Einfache Lizenzen erlauben dem Inhaber die Nutzungsrechte neben weiteren Dritten auszuüben, wie etwa dem Künstler selbst oder weiteren Lizenzinhaber. Ausschließliche Lizenzen erlauben hingegen dem Inhaber, Dritte von den Nutzungsrechten auszuschließen. Der Inhaber wäre dann die einzige Person, die das Werk vervielfältigen, verbreiten und ausstellen dürfte, die Nutzung Dritter ohne Erlaubnisre rechtswidrig.

Die Lizenzvereinbarung bezüglich der Werke bei dem Kauf von NFTs ist bis jetzt nicht einheitlich geregelt. Momentan liegen bei NFTs jedenfalls keine erkennbaren ausschließlichen Lizenzen vor. Die genauen Regelungen sind jedoch von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich. Die genannten NBA Dunks werden mit einer NBA Top Shop-Lizenz“ versehen, die dem NFT-Inhaber die Nutzung zur persönlichen, nicht-kommerziellen Zwecke sowie die Einbettung auf Webseiten und Apps einräumt. Dem Inhaber eines Cryptokitties-NFTs ist die kommerzielle Nutzung der Cartoons erlaubt, solange die Bruttoeinnahmen den Umsatz von 100.000 $ pro Jahr nicht übersteigen. Der NFT-ufer muss sich daher vor jedem Kauf genau vergewissern, was er mit dem dahinter stehenden Objekt machen darf und was nicht.

NFTs bergen aber auch noch Risiken und rechtliche Unsicherheiten für die Urheber der Werke. Der Urheber muss nicht zwangsläufig derjenige sein, der das Werk „tokenesiert, dies könnte auch ein Dritter machen.

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Jäger und Sammler. Handelsplätze und wirtschaftliche Bedeutung von NFTs

Wie bei allen Sammelobjekten ist der NFT Wert höchst subjektiv. Was für den einen ein Stück Pappe mit einem netten Bildchen darauf ist, ist für den anderen eine höchst seltene, heiß begehrte Pokémon-Sammelkarte. Für die meisten ist jede Briefmarke 80 Cent wert und nur dazu da, um Post zu verschicken, doch für den Sammler können es Objekte sein, denen man das halbe Leben hinterherjagt. Insofern unterscheidet sich der NFT-Markt nicht. Was jedoch beeindruckt, sind die Höhen, in die sich die Preise über die letzte Zeit katapultiert haben. 912.000 $ für ein Kryptokittie, 390.000 $ für ein 50 Sekunden-Video der Popsängerin Grimes. Der erste Tweet der Welt ist noch zu haben — das Höchstgebot liegt momentan bei 2,5 Millionen Dollar. Der Gesamtumsatz der drei größten NFT Handelsplattformen — NBA Top Shot, OpenSea und des Onlineshops von Beeple — lagen im Februar bei insgesamt 342 Millionen Dollar.

Auch althergebrachte Handelsplattformen scheuen sich nicht vor NFTs. Die Bildcollage von dem Digital Artist Beeple  „Everydays: the First 5000 days“ wurde als erstes NFT von dem Auktionshaus Christies verkauft, für 69.346.250 $. Zum ersten Mal durfte man bei der Auktion auch mit der Kryptowährung Ethereum bezahlen.

Jenseits der Kunstszene entdecken auch Unternehmer NFTs für sich. So liegt bereits ein Patent seitens Nike vor der „Kryptokick, ein NFT, der als Beilage zum Sneakerkauf vertrieben werden soll.

Ein abschließendes Beispiel, um den momentanen Boom von NFTs zu verdeutlichen. Am 4. März wurde ein Werk des Streetart-Künstler Banksy im Wert von 95.000 € von dem Inhaber live vor der Kamera verbrannt. Das dazugehörige Video wurde „tokenesiert“ und als NFT verkauft — r das Vierfache.

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Fazit

Die Entwicklung von NFTs ist selbst für das digitale Zeitalter ungewohnt rasant, ein Ende ist nicht absehbar. Viele tatsächliche Möglichkeiten sind noch nicht erschöpft, viele rechtliche Fragen bleiben vorerst ungeklärt. Fest steht, dass NFT momentan insbesondere für Digital Artists eine einmalige Möglichkeit bietet, ihre immateriellen Kunstwerke zu monetarisieren und für Kunstsammler in neue Kunst zu investieren. Die rechtlichen Konditionen des NFT-Kaufs und Reichweite der Nutzungswerte müssen dabei in jedem Einzelfall sorgfältig geprüft und verhandelt werden.

Schließlich besteht auch die Gefahr, dass unbefugte Dritte Künstlerwerke „tokenesieren“ und sich ungerechtfertigt bereichern. Dieselbe Gefahr kann grundsätzlich auch andere Inhaber von immateriellen Gütern treffen, insbesondere Marken– und Designinhaber. Hier ist schnelles Handeln zur Sicherung der Verwertungsrechte gefragt.

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