{"id":9105,"date":"2011-12-16T18:20:05","date_gmt":"2011-12-16T16:20:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=9105"},"modified":"2017-04-07T12:15:41","modified_gmt":"2017-04-07T11:15:41","slug":"nazi-kommentator-palandt-60-jahre-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/nazi-kommentator-palandt-60-jahre-tot\/","title":{"rendered":"Nazi-Kommentator Palandt 60 Jahre tot"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-left alignleft\" style=\"margin-right: 15px;margin-bottom: 10px\" title=\"Heil Du ihn doch!\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/palandt.gif\" alt=\"Heil Du ihn doch!\" \/> Der Todestag von Herrn Dr. Palandt j\u00e4hrt sich zum 60. Mal. Hinter Herrn Dr. Palandt, Namensgeber f\u00fcr einen juristischen Standardkommentar, steht eine interessante Geschichte, die nicht jedem Juristen und schon gar der breiten \u00d6ffentlichkeit bekannt sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>1933 wurde Palandt zum neuen Pr\u00e4sidenten zun\u00e4chst des preu\u00dfischen, dann des Reichsjustizpr\u00fcfungsamtes. Als solcher kommentierte er die\u00a0 Justizausbildungsverordnung ganz im Sinne der NS-Diktatur und empfahl vor der Meldung zur ersten juristischen Pr\u00fcfung den Dienst in der SA und in der SS. Das Vorwort zu seinem ersten Kommentar schrieb der Staatssekret\u00e4r Dr. Roland <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Roland_Freisler\" target=\"_blank\">Freisler<\/a> 1934, sp\u00e4ter Pr\u00e4sident des Volksgerichtshofes, dessen Gesinnung f\u00fcr demokratische und unabh\u00e4ngige Juristen heute kein Beispiel mehr w\u00e4re: &#8220;Der Volksgerichtshof wird sich stets bem\u00fchen, so zu urteilen, wie er glaubt, dass Sie mein F\u00fchrer, den Fall selbst beurteilen w\u00fcrden.&#8221;<\/p>\n<p>Wirklich ber\u00fchmt wurden er jedoch nicht wegen eines Kommentars, den er selbst schrieb, sondern wegen eines Kommentars, den er herausgab: 1939 wurde &#8220;<a href=\"http:\/\/www.beck.de\/cms\/main?site=palandt\" target=\"_blank\">der Palandt<\/a>&#8221; nach ihm benannt. Ein juristischer Kurzkommentar des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs, in dem es damals zum Beispiel zum Arbeitsrecht hie\u00df, dass die fristlose K\u00fcndigung eines Arbeitsvertrags wegen eines fortgesetzten Einkaufs eines st\u00e4dtischen Angestellten in j\u00fcdischen Gesch\u00e4ften f\u00fchren konnte. Bezeichnend auch die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bernhard_Danckelmann_%28Jurist%29#Juristischer_Kommentator\" target=\"_blank\">Kommentierung<\/a> zum Begriff der guten Sitten in <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/138.html\" title=\"&sect; 138 BGB: Sittenwidriges Rechtsgesch&auml;ft; Wucher\">\u00a7 138 BGB<\/a>, 6. Auflage, Rn. 1, durch Danckelmann:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eZur Auslegung ist die in den v\u00f6lkischen Lebens- und Sittengesetzen beruhende Grundanschauung des Nationalsozialismus, vor allem das Programm der NSDAP, insbesondere Punkt 10 S 2, wonach die T\u00e4tigkeit des einzelne nicht gegen die Interessen der Allgemeinheit versto\u00dfen darf, Punkt 11, der die Brechung der Zinsknechtschaft verlangt, Punkt 18, der r\u00fccksichtslosen Kampf denen ansagt, die durch ihre T\u00e4tigkeit das Gemeininteresse sch\u00e4digen, insbesondere den Wucherern und Schiebern, und der Satz &#8220;Gemeinnutz geht vor Eigennutz&#8221; aus Punkt 24. [..] Der Begriff der guten Sitten wird durch das seit dem Umbruch herrschende Volksempfinden, die nationalsozialistische Weltanschauung bestimmt.&#8221;<\/p><\/blockquote>\n<p>Den Grundstein f\u00fcr einen heutigen BGB-<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Palandt\" target=\"_blank\">Standardkommentar<\/a>, Pflichtlekt\u00fcre f\u00fcr jeden Examenskandidaten, legte ein NS-Jurist, f\u00fcr den Frauen, Juden und Demokraten in der deutschen Richterschaft nichts zu suchen hatten.<\/p>\n<p>Doch w\u00e4re der Palandt nicht das, was er ist, ohne die Unterst\u00fctzung seines Verlags. Erst dem Umstand, dass der Verlag <a href=\"http:\/\/rsw.beck.de\/cms\/main?toc=beckgruppe.root\" target=\"_blank\">C. H. Beck<\/a> den Kommentar unter gleichem Namen konzeptionell gleich und weitgehend mit den gleichen Kommmentatoren weiterf\u00fchrte, haben wir zu verdanken, dass &#8220;der Palandt&#8221; und damit all das, was mit dem Namen dieses NS-Juristen in Verbindung bleibt, noch im Regal eines jeden Juristen steht. Mittlerweile wurden die antisemitischen und NS-ideologischen Passagen durch Korrekturen ersetzt.\u00a0 Doch der klangvolle Name blieb zur Erinnerung an alte Zeiten. Traditionsbewusst war die Branche ja schon immer.\u00a0 (ca)<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Schwarz-brauner Namenspatron des grauen Kommentar-Ziegels, Martin Rath<em>, <\/em><a href=\"http:\/\/www.lto.de\/de\/html\/nachrichten\/4961\/vor-sechzig-jahren-starb-otto-palandt-schwarz-brauner-namenspatron-des-grauen-kommentar-ziegels\/\" target=\"_blank\">lto.de<\/a><\/p>\n<p>http:\/\/www.bpb.de\/themen\/8WDQTH,0,0,Roland_Freisler.html<\/p>\n<p>http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Palandt<!--:--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Todestag von Herrn Dr. Palandt j\u00e4hrt sich zum 60. Mal. Hinter Herrn Dr. Palandt, Namensgeber f\u00fcr einen juristischen Standardkommentar, steht eine interessante Geschichte, die nicht jedem Juristen und schon gar der breiten \u00d6ffentlichkeit bekannt sein d\u00fcrfte. 1933 wurde Palandt zum neuen Pr\u00e4sidenten zun\u00e4chst des preu\u00dfischen, dann des Reichsjustizpr\u00fcfungsamtes. 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