{"id":89,"date":"2007-01-08T13:24:00","date_gmt":"2007-01-08T11:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/wordpress\/?p=89"},"modified":"2007-01-08T13:24:00","modified_gmt":"2007-01-08T11:24:00","slug":"der-rubenroderfall-olg-koln-verdonnert-ebay-verkaufer-zu-60000-euro-schadensersatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/der-rubenroderfall-olg-koln-verdonnert-ebay-verkaufer-zu-60000-euro-schadensersatz\/","title":{"rendered":"Der R\u00fcbenroderfall: OLG K\u00f6ln verdonnert eBay-Verk\u00e4ufer zu 60.000 Euro Schadensersatz"},"content":{"rendered":"<div align=\"justify\">Das tat weh. Das Oberlandesgericht K\u00f6ln (<a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr\/entscheidungen\/onlinerecht\/124\/5\/1\">19 U 109\/06<\/a>) hat einen eBay-Verk\u00e4ufer in zweiter Instanz zu deftigen 59.949 Euro Schadensersatz verurteilt und damit ein vorangegangenes landgerichtliches Urteil in allen Punkten best\u00e4tigt. Der Verk\u00e4ufer hatte einen wertvollen landwirtschaftlichen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/R%C3%BCbenroder\">R\u00fcbenroder<\/a> mit einem Startpreis von einem Euro (!) bei eBay zum Verkauf gestellt, wobei das Angebot die \u00dcberschrift &#8220;Sofort Kaufen 60.000 Euro&#8221; trug.<\/div>\n<\/p>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">Ein echtes Schn\u00e4ppchen, denn als der Kl\u00e4ger das Ger\u00e4t ersteigerte, war er mit schlappen 51,00 Euro der H\u00f6chstbietende. Die Vorfreude \u00fcber die teure Maschine, die der K\u00e4ufer zu einem &#8220;G\u00fcllefahrzeug&#8221; umbauen wollte, d\u00fcrfte also entsprechend gro\u00df gewesen sein.<\/div>\n<\/p>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">Allerdings wollte bzw. konnte der Verk\u00e4ufer die Maschine nicht herausgeben, da sie nach seinen Angaben einem Dritten geh\u00f6rte. Daraufhin verklagte ihn der K\u00e4ufer auf Schadensersatz (Wert des R\u00fcbenroders abz\u00fcglich Kaufpreis von 51,00 Euro, das macht genau 59.949 Euro). Er siegte in beiden Instanzen. Unter keinem Gesichtspunkt k\u00f6nne sich der Verk\u00e4ufer von seinem Vertragsangebot l\u00f6sen, so die Richter. Insbesondere komme eine Anfechtung des Vertrages nicht in Betracht. <\/div>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">Das Gericht betonte in seiner Begr\u00fcndung auch die Regel, dass derjenige, der eine hochwertige Sache zu einem Mini-Erstgebot bei eBay einstellt, auch das Risiko niedriger Gebote tr\u00e4gt:<\/div>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\"><em><\/p>\n<blockquote><p><em>&#8220;Die Internetplattform Ebay bietet verschiedenste M\u00f6glichkeiten Verk\u00e4ufe unter Wert zu verhindern, etwa indem die Ware von vornherein nur gegen einen Festpreis angeboten oder ein &#8211; f\u00fcr den Verk\u00e4ufer ertr\u00e4glicher &#8211; Startpreis an&shy;gegeben werden kann. Nutzt der Beklagte als Verk\u00e4ufer diese M\u00f6glichkeiten aus rechtlich unbeachtlichen Gr\u00fcnden nicht, etwa weil er bei der Eingabe die gebotene Sorgfalt au\u00dfer Acht l\u00e4sst und seine Angaben zudem nicht kontrolliert, besteht nach der Rechtsordnung kein Anlass, das Risiko eines Verkaufes unter Wert dem K\u00e4ufer aufzub\u00fcrden, indem ihm seine Rechte aus dem Verkauf ab&shy;geschnitten werden.&#8221;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><\/em><\/div>\n<div align=\"justify\">Das gelte erst recht, wenn der Verk\u00e4ufer seine Angebote weiterlaufen l\u00e4sst, obwohl er einen angeblichen Fehler beim Einstellen des Angebots erkennt:<\/div>\n<div align=\"justify\"><em><em><\/em><\/em><\/div>\n<div align=\"justify\"><em><em><\/p>\n<blockquote><p><em><em>&#8220;Un&shy;ternimmt der Beklagte gleichwohl nichts, um sein Angebot r\u00fcckg\u00e4ngig zu ma&shy;chen oder die Auktion vorzeitig zu beenden, wozu Ebay durchaus M\u00f6glichkeiten bietet, und nimmt er sp\u00e4testens ab diesem Zeitpunkt sehenden Auges das Risi&shy;ko eines erheblichen Verlustgesch\u00e4fts in Kauf, kann dies um so weniger zu Las&shy;ten des Kl\u00e4gers gehen.&#8221;<\/em><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><\/em><\/em><\/div>\n<div align=\"justify\"><em><\/div>\n<p><\/em><\/p>\n<div align=\"justify\">Beim Einstellen teurer Gegenst\u00e4nde bei eBay sollte sich jeder Verk\u00e4ufer also fragen, ob ein Startgebot von wenigen Euro ihm nicht vielleicht das Genick brechen k\u00f6nnte. <\/div>\n<\/p>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">Das Oberlandesgericht hat wegen der besonderen Bedeutung der Sache die Revision zum Bundesgerichtshof zugelassen, die bisher nicht eingelegt wurde. <\/div>\n<div align=\"justify\"><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr\/entscheidungen\/onlinerecht\/124\/5\/1\">zum Urteil&#8230;<\/a><\/div>\n<div align=\"justify\"><\/div>\n<div align=\"justify\">(zie)<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das tat weh. Das Oberlandesgericht K\u00f6ln (19 U 109\/06) hat einen eBay-Verk\u00e4ufer in zweiter Instanz zu deftigen 59.949 Euro Schadensersatz verurteilt und damit ein vorangegangenes landgerichtliches Urteil in allen Punkten best\u00e4tigt. 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