{"id":8131,"date":"2011-11-02T07:57:16","date_gmt":"2011-11-02T05:57:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=8131"},"modified":"2017-04-07T12:22:10","modified_gmt":"2017-04-07T11:22:10","slug":"identitatsklau-auf-facebook-vettel-arnautovic-und-co-jagen-doppelganger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/identitatsklau-auf-facebook-vettel-arnautovic-und-co-jagen-doppelganger\/","title":{"rendered":"Identit\u00e4tsklau auf Facebook: Vettel, Arnautovic und Co. jagen &quot;Doppelg\u00e4nger&quot;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-left alignleft\" style=\"margin-right: 15px;margin-bottom: 10px\" title=\"Weitersagen!\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/id.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Wieder einmal schwappt eine Entwicklung in den USA als Welle auch nach Europa. Der Identit\u00e4tsdiebstahl oder -missbrauch wird auch in Deutschland immer popul\u00e4rer.<\/p>\n<p>Aktuell gehen zahlreiche Prominente gegen solche Vorg\u00e4nge im sozialen Netzwerk Facebook vor.<\/p>\n<p>Auch Sebastian Vettel wurde seine Identit\u00e4t bei Facebook &#8220;geklaut&#8221;. Ein Unbekannter hatte sich in seinem Namen ein Account angelegt und sich offensichtlich gen\u00fcgend plausibel als junger Zweifachweltmeister ausgegeben. Denn immerhin dr\u00fcckten knapp 600.000 Facebook-User den &#8220;Gef\u00e4llt-mir&#8221;-Button und signalisierten damit ihre Unterst\u00fctzung gegen\u00fcber dem vermeintlichen Rennfahrer. Rund ein Dutzend weiterer Trittbrettfahrer versuchten sich bei Facebook als &#8220;Sebastian Vettel&#8221;, m\u00f6glicherweise getrieben von dem Wunsch sich auch einmal als Star f\u00fchlen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vettel selbst erkl\u00e4rte inzwischen, dass er \u00fcberhaupt nicht bei Facebook aktiv sei und gegen s\u00e4mtliche F\u00e4lle des Identit\u00e4tsklaus \u00fcber seine Anw\u00e4lte die erforderlichen Schritte einleiten werde.<\/p>\n<p>Der Identit\u00e4tsklau bei Facebook hat bislang keine materiellen Betrugshintergr\u00fcnde, wie dies in der ganz \u00fcberwiegenden Anzahl der Identit\u00e4tsdiebst\u00e4hle im Internet <a href=\"http:\/\/www.kriminologie.uni-hamburg.de\/wiki\/index.php\/Identity_fraud\" target=\"_blank\">(&#8220;identitiy fraud&#8221;)<\/a> der Fall ist. Das angegegriffene Rechtsgut ist neben dem Namensrecht aus <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/12.html\" title=\"&sect; 12 BGB: Namensrecht\">\u00a7 12 BGB<\/a> vielmehr das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht der Betroffenen.<\/p>\n<p>So verk\u00fcndete der popul\u00e4re &#8220;falsche&#8221; Sebastian Vettel auf seiner Facebook-Seite, dass er Single sei und sich in seinem Heimatort Heppenheim eine denkmalgesch\u00fctzte Villa f\u00fcr 1.500.000, 00 Euro und ca. 300 Quadratmeter Wohnfl\u00e4che gekauft habe.<\/p>\n<p>Beide Tatsachenbehauptungen sind in Bezug auf den &#8220;echten&#8221; Sebastian Vettel schlicht falsch. Vettel sah sich aufgrund dieser falschen Behauptung dazu gezwungen, offiziell mitzuteilen, dass er weiterhin gl\u00fccklich mit seiner Freundin Hannah zusammen ist, mit der er bereits seit Schulzeiten eine Beziehung f\u00fchrt. Au\u00dferdem habe er keine Villa in Heppenheim gekauft, sondern lebe weiterhin gl\u00fccklich in einer restaurierten M\u00fchle in der Schweiz, eine R\u00fcckkehr nach Deutschland schlie\u00dfe er aktuell aus.<\/p>\n<p>Allein die Tatsache, dass ein Dritter seinen Namen missbr\u00e4uchlich f\u00fcr ein Facebook-Account nutzt, begr\u00fcndet einen Unterlassunsganspruch, mit welchem er die gef\u00e4lschte Seite l\u00f6schen lassen kann.<\/p>\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/12.html\" title=\"&sect; 12 BGB: Namensrecht\">\u00a7 12 BGB<\/a> kann der Berechtigte die Beseitigung einer solchen Beeitr\u00e4chtigung der eigenen Rechte verlangen, wenn ein anderer unbefugt den gleichen Namen gebraucht. Neben diesem Anspruch wegen Namensanma\u00dfung stehen Sebastian Vettel weitere Unterlassungsanspr\u00fcche wegen Verletzung seines Pers\u00f6nlichekitsrechts zu.<\/p>\n<p>Auch die Einschaltung der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden ist m\u00f6glich. Zwar sind in der Praxis die tats\u00e4chlichen Rechtsverletzer oftmals nicht oder nur sehr schwer \u00fcber ihre IP-Adresse auszumachen, eine Strafanzeige sollte in diesen F\u00e4llen aber grunds\u00e4tzlich immer gestellt werden.<\/p>\n<p>Die Problematik bez\u00fcglich der Suche nach dem eigentlichen T\u00e4ter umfasst auch die Durchsetzung der zivilrechtlichen Anspr\u00fcche wegen Verletzung des allgemeinen Pers\u00f6nlichkeitsrechts und des Namensrechts. Auch wenn die Identit\u00e4t des Identi\u00e4tsdiebes nicht ausfindig gemacht werden kann, kann die falsche Seite \u00fcber den Seitenbetreiber gel\u00f6scht werden.<\/p>\n<p>Voraussetzung daf\u00fcr ist die sofortige Inkenntnissetzung des Seitenbetreibers \u00fcber die Rechtsverletzung. Nimmt der Seitenbetreiber den rechtsverletzenden Inhalt nach dieser Information nicht unverz\u00fcglich &#8211; im schnelllebigen Internet kann eine L\u00f6schung innerhalb von 24 &#8211; 48 Stunden verlangt werden &#8211; aus dem Netz, haftet er sebst als St\u00f6rer auf Unterlassung.<\/p>\n<p>In einem solchen Fall k\u00f6nnte Sebastian Vettel dann auch Facebook selbst kostenpflichtig abmahnen, d. h. au\u00dfergerichtlich die Beseitigung der St\u00f6rung und die Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserkl\u00e4rung fordern. Falls auch ein solches Vorgehen nicht ausreicht, um die Anspr\u00fcche durchzusetzen, k\u00f6nnte Vettel auch gerichtlich gegen Facebook vorgehen und eine einstweilige Verf\u00fcgung erwirken.<\/p>\n<p>Auch mehrere Bundesligaprofis der <a href=\"http:\/\/www.werder.de\/de\/\" target=\"_blank\">Spitzenmannschaft Werder Bremen<\/a> sind von \u00e4hnlichen Vorg\u00e4ngen betroffen. \u00dcber 40 falsche Accounts von angeblichen Werder-Profis existieren bei Facebook. Die betroffenen Spieler, Tim Wiese, Marco Arnautovic, Clemens Fritz und Marko Marin lassen diese jetzt \u00fcber ihren Verein l\u00f6schen.<\/p>\n<p>Auch Twitter ist von \u00e4hnlichen Vorg\u00e4ngen betroffen und hat bereits auf diese Entwicklung reagiert. In den allgemeinen Gesch\u00e4ftsbedingungen wird den Nutzern eine sogenannte &#8220;Impersonation&#8221;, also der Identit\u00e4tsdiebstahl, verboten. Dass eine solche Ma\u00dfnahmen eher den guten Willen zeigt, als die T\u00e4ter vom Missbrauch der Identit\u00e4ten Prominenter tats\u00e4chlich abzuhalten, liegt auf der Hand. Ein weiterer Versuch bei Twitter das Ph\u00e4nomen des Identit\u00e4sdiebstahls zu bek\u00e4mpfen, ist die Zertifizierung echter Profile von Prominenten. Gepr\u00fcfte Accounts werden mit einem wei\u00dfen H\u00e4kchen auf himmelblauer Wolke versehen. Auf diese Weise will Twitter die Betroffenen sch\u00fctzen und die User auf Fake-Profile aufmerksam machen.<\/p>\n<p>Diese Versuche zeigen wieder einmal, dass das Internet nicht zu beherrschen ist. In einer abgewandelten Form kommt auch bei diesem Problem der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Streisand-Effekt\" target=\"_blank\">Streisand-Effekt<\/a> zum Vorschein: Sobald ein falsches Profil gel\u00f6scht wird, schie\u00dfen zwanzig neue Accounts aus dem virtuellen Boden.<\/p>\n<p>Bevor der werte Leser aber am aufgezeigten Problem nun verzweifelt, raten wir ihm sich ein gutes Buch zu nehmen, sich zur\u00fcck zulehnen und sich in dieses unproblematische Medium zu vertiefen. Aber Vorsicht bei der Wahl des Buches, sonst <a href=\"http:\/\/www.tc-boyle.de\/index.cfm?task=3&amp;wohin=3423210605\" target=\"_blank\">holt einen die Problematik schneller wieder ein, als es einem lieb sein kann<\/a>. (ha)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder einmal schwappt eine Entwicklung in den USA als Welle auch nach Europa. Der Identit\u00e4tsdiebstahl oder -missbrauch wird auch in Deutschland immer popul\u00e4rer. Aktuell gehen zahlreiche Prominente gegen solche Vorg\u00e4nge im sozialen Netzwerk Facebook vor. Auch Sebastian Vettel wurde seine Identit\u00e4t bei Facebook &#8220;geklaut&#8221;. 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