{"id":774,"date":"2008-06-24T19:58:00","date_gmt":"2008-06-24T17:58:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/wordpress\/?p=338"},"modified":"2008-06-24T19:58:00","modified_gmt":"2008-06-24T17:58:00","slug":"olg-koln-letzte-falsche-entscheidung-zur-wettbewerbswidrigkeit-von-agb-verstosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/olg-koln-letzte-falsche-entscheidung-zur-wettbewerbswidrigkeit-von-agb-verstosen\/","title":{"rendered":"OLG K\u00f6ln: Letzte falsche Entscheidung zur Wettbewerbswidrigkeit von AGB-Verst\u00f6\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Die Entscheidung des OLG K\u00f6lns <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr\/entscheidungen\/wettbewerbsrecht\/286\/5\/2\"><span style=\"font-weight: bold\">(OLG K\u00f6ln, Urteil v. 16.05.2008, Az. 6 U 26\/08)<\/span><\/a> k\u00f6nnte in die Geschichte eingehen. Nicht weil der Senat Bahnbrechendes entschieden h\u00e4tte. Sondern weil es wahrscheinlich die letzte Entscheidung darstellt, die AGB-Verst\u00f6\u00dfe als wettbewerbsrechtlich irrelevant einstuft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht, dass das Gericht zur Vernunft gekommen w\u00e4re und die (wohl falsche) Meinung, die im \u00dcbrigen das OLG Hamburg teilt <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr-blog\/2007\/06\/jetzt-auch-olg-koln-agb-verstose-sind-nicht-immer-uwg-verstose\/\"><span style=\"font-weight: bold\">(mehr dazu hier)<\/span><\/a>, aufgegeben h\u00e4tte, dass AGB-Bestimmungen deswegen nicht wettbewerbsrechtlich \u00fcberpr\u00fcfbar seien, da<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><em>\u201esie nicht speziell Belange der Verbraucher zum Gegenstand haben, sondern ohne konkreten Bezug zum Marktverhalten lediglich die wechselseitigen Rechte und Pflichten bei der k\u00fcnftigen Abwicklung der abzuschlie\u00dfenden Vertr\u00e4ge gestalten.\u201c<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify\">Der Grund daf\u00fcr, dass eine Entscheidung dieser Art sich nicht wiederholen d\u00fcrfte, liegt vielmehr darin, dass ab dem 12.12.2007 die Richtlinie 2005\/29\/EG \u00fcber unlautere Gesch\u00e4ftspraktiken direkt anwendbar ist. Dort ist in Artikel 3 Abs. 1 das Folgende geregelt:<\/p>\n<p><span> <\/span><\/p>\n<blockquote style=\"font-style: italic\">\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eDiese Richtlinie gilt f\u00fcr unlautere Gesch\u00e4ftspraktiken im Sinne des Artikels 5 zwischen Unternehmen und Verbrauchern <span style=\"text-decoration: underline\">vor, w\u00e4hrend und nach<\/span> Abschluss eines auf ein Produkt bezogenen Handelsgesch\u00e4fts.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify\"><span>Das bedeutet, dass die Trennung zwischen<span> <\/span>vorvertraglichem und nachvertraglichem Verhalten, die die Obergerichte in K\u00f6ln und Hamburg vornehmen, f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe nach diesem Zeitpunkt nicht mehr statthaft ist.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify\"><span>Schon vor Geltung der Richtlinie war \u00e4u\u00dferst zweifelhaft, ob die gek\u00fcnstelte Aufspaltung von vor- und nachvertraglich in Bezug auf AGB sinnvoll war. Das OLG Frankfurt <a href=\"http:\/\/medien-internet-und-recht.de\/pdf\/VT_MIR_2007_232.pdf\"><span style=\"font-weight: bold\">(OLG Frankfurt, Beschluss v. 09.05.2007, Az.<\/span><\/a><\/span><a href=\"http:\/\/medien-internet-und-recht.de\/pdf\/VT_MIR_2007_232.pdf\"><span style=\"font-weight: bold\"> 6 W 61\/07)<\/span><\/a><span> hat in diesem Zusammenhang insbesondere zur Verwendung rechtswidriger AGB in der Vergangenheit recht deutliche Worte gefunden:<\/span><\/p>\n<blockquote style=\"font-style: italic\">\n<p style=\"text-align: justify\">&#8220;Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (vgl. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=GRUR%2087,%20180\" title=\"BGH, 10.12.1986 - I ZR 136\/84: Ausschank unter Eichstrich II\">GRUR 87, 180<\/a> &#8211; Ausschank unter Eichstrich II; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=GRUR%2002,%201093\" title=\"BGH, 27.06.2002 - I ZR 86\/00: Kontostandsauskunft\">GRUR 02, 1093<\/a> \u2013 Kontostandsauskunft; <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=GRUR%202000,%20731\" title=\"BGH, 24.11.1999 - I ZR 171\/97: Sicherungsschein - Vorsprung durch Rechtsbruch\">GRUR 2000, 731<\/a> \u2013 Sicherungsschein) ist auch ein Verhalten des Unternehmers im Rahmen der blo\u00dfen Vertragsabwicklung dann ausnahmsweise von einer Wettbewerbsabsicht getragen, wenn es darauf abzielt, planm\u00e4\u00dfig den Kunden zu \u00fcbervorteilen. Eine solche Absicht ist bei einem laufenden Versto\u00df gegen Belehrungspflichten \u00fcber das Widerrufsrecht regelm\u00e4\u00dfig zu bejahen (vgl. hierzu bereits Senat <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=GRUR-RR%2007,%2056\" title=\"OLG Frankfurt, 14.12.2006 - 6 U 129\/06: Rechtsmissbrauch bei Kostenfreistellung durch Anwalt\">GRUR-RR 07, 56<\/a>). Nichts anderes gilt f\u00fcr die Verwendung unwirksamer oder nicht wirksam vereinbarter AGB-Klauseln (vgl. Senat, Urteil vom 1.12.2005 \u2013 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20U%20116\/05\" title=\"6 U 116\/05 (3 zugeordnete Entscheidungen)\">6 U 116\/05<\/a>); in diesem Fall ergibt sich die Planm\u00e4\u00dfigkeit des Vorgehens schon daraus, dass Allgemeine Gesch\u00e4ftsbedingungen stets f\u00fcr eine Vielzahl von Gesch\u00e4ften verwendet werden.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen. Der Spuk d\u00fcrfte aber nun ein Ende haben.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\" style=\"text-align: justify\"><span style=\"font-weight: bold\">Fazit:<\/span><br \/>\nF\u00fcr Onlineh\u00e4ndler bedeutet dies vor dem Hintergrund der Transparenz im Internet, dass sie nun umso mehr auf die rechtskonforme Gestaltung auch ihrer Allgemeinen Gesch\u00e4ftsbedingungen achten m\u00fcssen. (la) <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr\/entscheidungen\/wettbewerbsrecht\/286\/5\/2\"><span style=\"font-weight: bold\">Zum Urteil<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entscheidung des OLG K\u00f6lns (OLG K\u00f6ln, Urteil v. 16.05.2008, Az. 6 U 26\/08) k\u00f6nnte in die Geschichte eingehen. Nicht weil der Senat Bahnbrechendes entschieden h\u00e4tte. Sondern weil es wahrscheinlich die letzte Entscheidung darstellt, die AGB-Verst\u00f6\u00dfe als wettbewerbsrechtlich irrelevant einstuft. 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