{"id":7682,"date":"2011-10-13T08:15:34","date_gmt":"2011-10-13T06:15:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=7682"},"modified":"2018-05-17T17:13:43","modified_gmt":"2018-05-17T16:13:43","slug":"bayerisches-bier-und-markenrecht-nuf-den-humpen-nei-da-zinka-morga-muma-wasser-trinken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/markenrecht\/bayerisches-bier-und-markenrecht-nuf-den-humpen-nei-da-zinka-morga-muma-wasser-trinken\/","title":{"rendered":"Bayerisches Bier und Markenrecht: Nuf den Humpen, nei da Zinka &#8211; Morga m\u00fc\u00b4ma Wasser trinken!"},"content":{"rendered":"<p><!--:de--><\/p>\n<figure style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-left\" style=\"margin-right: 15px; margin-bottom: 10px;\" title=\"Bier - und zwoa a Bayerisches Bier\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/bier.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"145\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">\u00a9 WoGi &#8211; Fotolia.com<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir hatten vor kurzem bereits \u00fcber die T\u00fccken beim Bewerben von Bier <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr-blog\/ein-kuhles-bier-tut-gut\">berichtet<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der BGH hat aktuell mit <a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=pm&amp;Datum=2011&amp;Sort=3&amp;nr=57681&amp;pos=14&amp;anz=158\">Urteil vom 22. September 2011<\/a> (BGH, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2069\/04\" title=\"I ZR 69\/04 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">I ZR 69\/04<\/a> &#8211; Bayerisches Bier II) einen anderen Bier-Streit im Markenrecht entschieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was geschehen war:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Bayerische Brauerbund e.V hatte als Dachverband der bayerischen Brauwirtschaft im Jahre 1994 beantragt, die Bezeichnung &#8220;Bayerisches Bier&#8221; in das von der Europ\u00e4ischen Kommission gef\u00fchrte Verzeichnis der gesch\u00fctzten Ursprungsbezeichnungen und geographischen Angaben eintragen zu lassen. Die Eintragung erfolgte letztlich aber erst durch die Verordnung (EG) Nr. 1347\/01 des Europ\u00e4ischen Rates vom 28. Juni 2001.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Seither\u00a0war den Bayern ihr Bier nicht nur heilig, sondern auch als geographische Angabe kennzeichenrechtlich gesch\u00fctzt. So weit so gut. Der Himmel \u00fcber Bayern war blau und das\u00a0 Bayerische Bier schmeckte jetzt noch besser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser bayerische Frieden wurde j\u00e4h gest\u00f6rt durch die niederl\u00e4ndische Brauerei BAVARIA.\u00a0Die Brauerei ist Inhaberin der international registrierten Marke Nr. 645 349 mit den Wortbestandteilen &#8220;BAVARIA HOLLAND BEER&#8221;. Diesen Markenrechtsschutz lie\u00df die Brauerei auch auf Deutschland erstrecken, weshalb die\u00a0Marke\u00a0dann auch\u00a0in Deutschland &#8211; und damit auch in Bayern &#8211; f\u00fcr die Ware &#8220;Bier&#8221; Schutz genie\u00dfen konnte &#8211; mit\u00a0einer Priorit\u00e4t vom 28. April 1995 .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Schutzrechtserstreckung der Holl\u00e4nder f\u00fcr Deutschland wollte sich der Bayerische Brauerbund\u00a0im Namen aller Bayern\u00a0nicht gefallen lasssen und verklagte die Brauerei BAVARIA. Der Bayerische Brauerbund sah durch die Marke der Brauerei die gesch\u00fctzte geographische Angabe &#8220;Bayerisches Bier&#8221; verletzt und verlangte von der beklagten Brauerei, dass sie auf den Schutz der Marke in Deutschland &#8211; und damit insbesondere auch in Bayern &#8211; verzichte.\u00a0Schlie\u00dflich habe man den Schutz bereits 1994 &#8211; und damit vor der Schutzerlangung der Marke der Brauerei BAVARIA\u00a0&#8211; beantragt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bayern machten ihre Klage erwartungsgem\u00e4\u00df in M\u00fcnchen anh\u00e4ngig und bekamen sowohl vom Landgericht M\u00fcnchen I, als auch vom Oberlandesgericht M\u00fcnchen Recht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beklagte Brauerei wiederum wollte sich aber mit diesem Urteil\u00a0nicht abfinden und den Rechtsstreit noch einmal von einem Gericht au\u00dferhalb des Freistaats Bayern mit dem dort ans\u00e4ssigen Bayerischen Brauerbund \u00fcberpr\u00fcfen lassen. Und so zog man weiter nach Baden-W\u00fcrttemberg. Nach Karlsruhe zum Bundesgerichtshof. Mit der dort eingelegten Revision sollte die Klage des Bayerischen Brauerbundes doch noch abgewiesen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach einer ersten Verhandlung Ende 2007\u00a0legte der BGH dem Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) mehrere Fragen zur Auslegung des Unionsrechts vor (Beschluss vom 14. Februar 2008 <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=I%20ZR%2069\/04\" title=\"I ZR 69\/04 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">I ZR 69\/04<\/a>, GRUR 2008, 669 &#8211; Bayerisches Bier I; vgl. Pressemitteilung des BGH Nr. 30\/2008). Diese Vorlage aus Sicht des Bundesgerichtshofs erforderlich, weil\u00a0die\u00a0geographische Angabe &#8220;Bayerisches Bier&#8221; nach einem in der einschl\u00e4gigen EU-Verordnung vorgesehenen vereinfachten Verfahren eingetragen worden war. Bei einer Eintragung nach diesem vereinfachten Verfahren\u00a0blieb es\u00a0offen, mit welchem Zeitrang eine auf diese Weise eingetragene Angabe Schutz genie\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der\u00a0EuGH entschied mit\u00a0Urteil vom 22. Dezember 2010 (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=C-120\/08\" title=\"C-120\/08 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">C-120\/08<\/a>, GRUR 2011, 189), dass es nicht auf die im Jahre 1994 erfolgte Anmeldung,\u00a0sondern auf die erst 2001 erfolgte Ver\u00f6ffentlichung der Eintragung im europ\u00e4ischen Recht ankommt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit beurteilte der EuGH diese Rechtsfrage anders als die M\u00fcncher Instanzgerichte, die hinsichtlich der wesentlichen Priorit\u00e4t auf den Zeitpunkt der Anmeldung 1994 abgestellt hatten, weshalb das Recht des Bayerischen Brauerbundes nach dieser Ansicht priorit\u00e4ts\u00e4lter als das Recht der Brauerei BAVARIA aus dem Jahr 1995 war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dem Bundesgerichtshof blieb nach der Entscheidung des EuGH nichts anderes \u00fcbrig, als das Berufungsurteil aufzuheben und die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Oberlandesgericht M\u00fcnchen <a href=\"http:\/\/juris.bundesgerichtshof.de\/cgi-bin\/rechtsprechung\/document.py?Gericht=bgh&amp;Art=pm&amp;Datum=2011&amp;Sort=3&amp;nr=57681&amp;pos=14&amp;anz=158\">zur\u00fcckzuverweisen<\/a>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Oberlandesgericht M\u00fcnchen, das zuvor bei der Pr\u00fcfung der Verletzung der geographischen Angabe &#8220;Bayerisches Bier&#8221; ausschlie\u00dflich die europ\u00e4ische Verordnung herangezogen hatte, wird nunmehr pr\u00fcfen m\u00fcssen, ob der mit der Klage geltend gemachte Anspruch auch nach den Vorgaben des deutschen Markengesetzes zum Schutz geographischer Herkunftsangaben (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/MarkenG\/126.html\" title=\"&sect; 126 MarkenG: Als geographische Herkunftsangaben gesch&uuml;tzte Namen, Angaben oder Zeichen\">\u00a7\u00a7 126<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/MarkenG\/127.html\" title=\"&sect; 127 MarkenG: Schutzinhalt\">127 MarkenG<\/a>) hergeleitet werden kann. Dieser Schutz nach nationalem Recht tritt zwar grunds\u00e4tzlich hinter den Schutz aus dem europ\u00e4ischen Recht zur\u00fcck, bis zur Eintragung der Angabe &#8220;Bayerisches Bier&#8221; im Jahre 2001\u00a0in dem bei der Europ\u00e4ischen Kommission gef\u00fchrten Register besteht er aber fort.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Oberlandesgericht M\u00fcnchen\u00a0wird damit trotz der Entscheidung des EuGH die M\u00f6glichkeit haben, am Ende einen Markenrechtsversto\u00df durch die beklagte Brauerei BAVARIA in Holland feststellen zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine solche Verletzung der Rechte des Bayerischen Brauerbundes liegt n\u00e4mlich dann vor, wenn nach Ansicht des Oberlandesgerichts M\u00fcnchen die Marke der beklagten Brauerei den Ruf der Bezeichnung &#8220;Bayerisches Bier&#8221; nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/MarkenG\/127.html\" title=\"&sect; 127 MarkenG: Schutzinhalt\">\u00a7 127 Abs. 3 MarkenG<\/a> in unlauterer Weise ausnutzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sollte das Oberlandesgericht M\u00fcnchen als h\u00f6chstes bayerisches Zivilgericht diesen langwierigen Bierstreit tats\u00e4chlich auf diesem Weg beenden, w\u00e4re abschlie\u00dfend durch das Urteil auch ein <a href=\"http:\/\/www.spruecheportal.de\/bayerische-sprueche.php\">bayerisches Sprichwort<\/a> ganz im Sinne des Bayerischen Brauerbundes best\u00e4tigt, welches dieser doch sinngem\u00e4\u00df von Anfang an in diesem Rechtsstreit\u00a0manifestieren\u00a0wollte:<\/p>\n<p>MIA SAN MIR.<\/p>\n<p><!--:--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir hatten vor kurzem bereits \u00fcber die T\u00fccken beim Bewerben von Bier berichtet. Der BGH hat aktuell mit Urteil vom 22. September 2011 (BGH, I ZR 69\/04 &#8211; Bayerisches Bier II) einen anderen Bier-Streit im Markenrecht entschieden. Was geschehen war: Der Bayerische Brauerbund e.V hatte als Dachverband der bayerischen Brauwirtschaft im Jahre 1994 beantragt, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":7769,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[10,3382],"tags":[34,173,301,720,868,870],"class_list":["post-7682","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markenrecht","category-kurioses-und-interessantes","tag-bgh","tag-eugh","tag-markenrecht","tag-bier","tag-geographische-angabe","tag-schutzrechtserstreckung"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7682","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7682"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7682\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7769"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}