{"id":70956,"date":"2026-09-08T01:16:08","date_gmt":"2026-09-07T23:16:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=70956"},"modified":"2026-09-09T01:16:28","modified_gmt":"2026-09-08T23:16:28","slug":"amazon-verknuepftes-konto-gesperrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/amazon-verknuepftes-konto-gesperrt\/","title":{"rendered":"\u201eVerkn\u00fcpftes Konto\u201c: Wenn Amazon eine Verbindung behauptet, die es nicht gibt"},"content":{"rendered":"
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Ein gemeinsamer Steuerberater, ein altes Notebook, ein Mitarbeiter, der gegangen ist: Amazons Algorithmus erkennt Verbindungen, wo keine sind. Wie Sie eine behauptete Kontoverkn\u00fcpfung widerlegen. <\/em><\/p>\n Teil 3 unserer Serie zur Amazon-Kontosperrung.<\/em><\/p>\n \u201eIhr Konto wurde deaktiviert, weil es mit einem anderen Konto in Verbindung steht, das gegen unsere Richtlinien versto\u00dfen hat.\u201c F\u00fcr viele H\u00e4ndler ist das der verwirrendste Satz, den Amazon schreiben kann. Sie haben ein Konto. Sie kennen kein zweites. Und doch sollen sie f\u00fcr dessen Verst\u00f6\u00dfe einstehen.<\/p>\n Der Vorwurf hat eine Eigenart, die ihn von allen anderen Sperrgr\u00fcnden unterscheidet: Er ist eine reine Tatsachenbehauptung. Amazon behauptet, zwei Konten geh\u00f6rten zusammen. Entweder stimmt das, oder es stimmt nicht. Pr\u00e4vention l\u00e4sst sich dazu nicht versprechen.<\/p>\n Wer trotzdem einen Ma\u00dfnahmenplan schreibt, beantwortet eine Frage, die niemand gestellt hat, und r\u00e4umt nebenbei ein, dass es etwas zu verbessern g\u00e4be.<\/p>\n Amazon geht davon aus, dass Sie entweder ein zweites Verk\u00e4uferkonto betreiben oder mit dem Konto eines Dritten verbunden sind, das bereits gesperrt wurde. Grundlage ist Abschnitt 3 des Amazon Services Europe Business Solutions Agreement, der ohne legitimen Gesch\u00e4ftsgrund nur ein Verk\u00e4uferkonto zul\u00e4sst. Die Sperre trifft dann beide Konten, und Amazon kn\u00fcpft die Freischaltung des einen regelm\u00e4\u00dfig an die Wiederherstellung des anderen. Das andere Konto benennt Amazon dabei h\u00e4ufig nicht oder nur mit einem Shopnamen, den der H\u00e4ndler noch nie geh\u00f6rt hat.<\/p>\n Die Verkn\u00fcpfung wird von einem Algorithmus festgestellt, nicht von einem Menschen. Das erkl\u00e4rt zwei Dinge: die Geschwindigkeit, mit der die Sperre kommt, und die Beharrlichkeit, mit der Amazon sie verteidigt. Der Algorithmus kennt keine Zweifel. Er kennt \u00dcbereinstimmungen. Welche Datenpunkte er verglichen hat, teilt Amazon von sich aus nicht mit, und genau hier beginnt die Arbeit. Welche Angaben Amazon nach der P2B-Verordnung und dem Digital Services Act schuldet, haben wir in Teil 2 dieser Serie<\/a> dargestellt. F\u00fcr den Vorwurf der Kontoverkn\u00fcpfung hei\u00dft das: Amazon muss die Umst\u00e4nde nennen, aus denen es die Verbindung ableitet.<\/p>\n Amazon vergleicht Identit\u00e4ts-, Zahlungs-, Kontakt- und Ger\u00e4tedaten \u00fcber alle Verk\u00e4uferkonten hinweg. \u00dcbereinstimmungen bei Bankverbindung, Steuernummer, Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Domain, Ger\u00e4tekennung, Browser oder IP-Adresse l\u00f6sen eine Verkn\u00fcpfung aus, ebenso identische Produktdaten, Bilder oder Rechnungsvorlagen. In der Praxis sind es selten die offensichtlichen Merkmale. Es sind die geteilten.<\/p>\n Die typischen Ausl\u00f6ser, die H\u00e4ndlern in der Regel gar nicht als Verbindung bewusst sind:<\/p>\n Amazon l\u00e4sst mehrere Konten zu, wenn ein legitimer Gesch\u00e4ftsgrund besteht, etwa getrennte Marken oder Gesch\u00e4ftsbereiche, und verlangt daf\u00fcr nach aktuellem Stand keine vorherige Genehmigung mehr. Ma\u00dfgeblich ist der jeweils g\u00fcltige Wortlaut der Richtlinie, den Sie vor jeder Antwort an Amazon nachlesen sollten. Die Erlaubnis hilft aber nur, wenn die Konten sauber getrennt gef\u00fchrt werden: eigene Bankverbindung, eigene E-Mail-Adresse, eigene Zugangsger\u00e4te, keine \u00dcberschneidung im Sortiment.<\/p>\n Der Ma\u00dfnahmenplan ist f\u00fcr Leistungsprobleme gebaut: Ursache, Sofortma\u00dfnahme, Pr\u00e4vention. Auf eine Tatsachenbehauptung passt dieses Schema nicht. Wer schreibt, k\u00fcnftig sicherzustellen, dass keine Verbindungen mehr entstehen, best\u00e4tigt Amazon, dass es sie gab. Die richtige Antwort auf den Vorwurf der Kontoverkn\u00fcpfung ist deshalb kein Plan, sondern eine Stellungnahme mit Belegen, und sie richtet sich nach einer von drei Konstellationen.<\/p>\n Sie kennen das andere Konto nicht und haben keinerlei Beziehung zu seinem Inhaber. Dann ist die Aufgabe, Amazons \u00dcbereinstimmung zu finden und zu erkl\u00e4ren. Das gelingt nur, wenn Amazon die Umst\u00e4nde nennt oder wenn Sie die wahrscheinlichen Ber\u00fchrungspunkte selbst identifizieren: Wer hatte in den letzten Jahren Zugriff auf das Konto, mit welchen Ger\u00e4ten, aus welchen Netzen, unter welchen Adressen? Diese Liste ist m\u00fchsam, aber sie ist die einzige, die weiterf\u00fchrt.<\/p>\n Die Agentur betreut auch andere H\u00e4ndler. Der Steuerberater hat drei Amazon-Mandate. Der Ex-Mitarbeiter verkauft inzwischen selbst. Hier bestreiten Sie nicht die \u00dcbereinstimmung, sondern deren Bedeutung: Zwei Konten, die einen Dienstleister teilen, geh\u00f6ren nicht demselben Inhaber. Der Nachweis l\u00e4uft \u00fcber Vertr\u00e4ge, Vollmachten und Best\u00e4tigungen der Beteiligten, aus denen sich ergibt, dass die Konten wirtschaftlich und rechtlich getrennt sind.<\/p>\n Ein altes Konto aus der Gr\u00fcndungszeit, ein Konto der \u00fcbernommenen Gesellschaft, ein fr\u00fcherer Versuch auf einem anderen Marktplatz. Dann ist Ehrlichkeit der schnellste Weg: das zweite Konto benennen, den Gesch\u00e4ftsgrund oder das Versehen erkl\u00e4ren, die Schlie\u00dfung oder die saubere Trennung belegen. Hat das zweite Konto eigene Probleme, etwa offene Kennzahlen oder Forderungen, m\u00fcssen diese vorrangig gel\u00f6st werden, weil Amazon die Freischaltung beider Konten voneinander abh\u00e4ngig macht.<\/p>\n Mit Dokumenten, die die rechtliche und wirtschaftliche Trennung belegen, und mit einer Stellungnahme, die den Sachverhalt so pr\u00e4zise schildert, dass ein Mensch bei Amazon ihn ohne R\u00fcckfrage nachvollziehen kann. Geeignet sind aktuelle Handelsregisterausz\u00fcge und Gesellschafterlisten, Best\u00e4tigungen der Bank \u00fcber die alleinige Kontoinhaberschaft, Bescheinigungen des Finanzamts oder Steuerberaters, Dienstleistungs- und Agenturvertr\u00e4ge mit Angaben zu Zugriffsrechten, Arbeitsvertr\u00e4ge und K\u00fcndigungen ehemaliger Mitarbeiter sowie Protokolle \u00fcber die Entfernung alter Nutzerberechtigungen im Konto.<\/p>\n Die Stellungnahme sollte drei Teile haben. Zuerst die Aufforderung an Amazon, die Umst\u00e4nde der Verkn\u00fcpfung zu nennen, gest\u00fctzt auf Art. 4 Abs. 5 der Verordnung (EU) 2019\/1150; Amazon beruft sich hier gern auf den Datenschutz des anderen Kontoinhabers, was die Nennung des Merkmals (Adresse, Ger\u00e4t, Bankverbindung) nicht hindert, sondern nur die Nennung der Person. Dann die Schilderung Ihrer Kontostruktur mit allen Beteiligten, die je Zugriff hatten. Am Ende die Belege, nummeriert und im Text in Bezug genommen. Eine Erkl\u00e4rung des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers, die f\u00fcr ein sp\u00e4teres Gerichtsverfahren als eidesstattliche Versicherung tauglich ist, geh\u00f6rt von Anfang an dazu, auch wenn Amazon sie zun\u00e4chst nicht w\u00fcrdigt.<\/p>\n Dass Amazon selbst eindeutige Urkunden nicht ohne Weiteres akzeptiert, ist keine Ausnahme. In einem unserer ver\u00f6ffentlichten Praxisf\u00e4lle zur Entsperrung<\/a> ignorierte Amazon zun\u00e4chst eine notarielle Urkunde, die die Trennung der Gesellschaften belegte, und lenkte erst ein, als der n\u00e4chste Schritt vorbereitet war. Bei einem Kindle-Direct-Publishing-Konto<\/a> lautete der Vorwurf ebenfalls Mehrfachkonten; auch dort f\u00fchrte erst anwaltlicher Druck zur Freischaltung. Die Belege sind also nicht daf\u00fcr da, Amazon beim ersten Mal zu \u00fcberzeugen. Sie sind daf\u00fcr da, dass beim zweiten Mal jemand anderes zuh\u00f6rt.<\/p>\n Dann haftet der H\u00e4ndler nach Amazons Lesart f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe, die er weder begangen noch beeinflusst hat. Rechtlich ist das die schw\u00e4chste Position, die Amazon einnehmen kann. Die Sperre eines Kontos wegen des Verhaltens eines fremden Kontoinhabers ohne eigene Pflichtverletzung ist an \u00a7 307 BGB<\/a> zu messen, denn Abschnitt 3 des Business Solutions Agreement ist eine Allgemeine Gesch\u00e4ftsbedingung, und eine Klausel, die Sanktionen f\u00fcr fremdes Verhalten erlaubt, benachteiligt den Vertragspartner unangemessen. Kartellrechtlich ist die Sperre ohne eigenen Versto\u00df ein Fall der unbilligen Behinderung nach \u00a7 19 GWB<\/a>, weil Amazon seine Marktstellung nutzt, um ein Risiko abzuw\u00e4lzen, das aus der eigenen Algorithmus-Entscheidung stammt.<\/p>\n Der zweite Hebel ist die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit. Selbst wenn eine Verbindung besteht, muss Amazon das mildeste geeignete Mittel w\u00e4hlen. Die Aufforderung, den Kontakt zu beenden, die Entfernung einer Nutzerberechtigung oder die Sperre einzelner Funktionen sind mildere Mittel als die Vollsperre beider Konten. Dass Gerichte Amazon zur Wiederherstellung von Konten verpflichten, wenn die Sperre ohne belastbare Grundlage erfolgt, zeigt die einstweilige Verf\u00fcgung des Landgerichts D\u00fcsseldorf<\/a> aus diesem Jahr. Wie ein solches Eilverfahren abl\u00e4uft, behandelt Teil 8 dieser Serie. Den rechtlichen Gesamtrahmen finden Sie auf der Themenseite Amazon-Verk\u00e4uferkonto gesperrt<\/a>.<\/p>\n Aus der LHR-Praxis<\/p>\n Die h\u00e4ufigste Verbindung, die wir finden, ist eine, die der H\u00e4ndler nicht kannte: ein Dienstleister, der mit demselben Notebook aus demselben B\u00fcro drei Verk\u00e4uferkonten betreut. Der H\u00e4ndler hat nichts falsch gemacht. Der Dienstleister auch nicht. Amazons Algorithmus sieht trotzdem ein Ger\u00e4t mit drei Konten. Wer seinen Dienstleistern eigene Nutzerzug\u00e4nge mit eigenen Ger\u00e4ten vorschreibt, l\u00f6st das Problem, bevor es entsteht.<\/p>\n<\/div>\n Die LHR-Serie zur Amazon-Kontosperrung<\/p>\n Zehn Beitr\u00e4ge an zehn Tagen, jeder beantwortet eine Frage, die H\u00e4ndlern nach der Deaktivierung gestellt wird oder die sie sich selbst stellen:<\/p>\n Amazon behauptet eine Verbindung zu einem Konto, das Sie nicht kennen?<\/p>\n Wir helfen Ihnen, den wahrscheinlichen Ber\u00fchrungspunkt zu finden, stellen die Belege f\u00fcr die Trennung zusammen und fordern von Amazon die Umst\u00e4nde der Verkn\u00fcpfung ein. Bleibt Amazon bei der Behauptung, kennen wir den n\u00e4chsten Schritt. Eine erste Einsch\u00e4tzung erhalten Sie in der Regel binnen 24 Stunden. Mehr auf unserer Seite Amazon-Konto entsperren lassen<\/a>.<\/p>\n Jetzt Kontakt aufnehmen<\/a><\/p>\n<\/div>\nWas bedeutet es, wenn Amazon mein Konto als \u201everkn\u00fcpftes Konto\u201c gesperrt hat?<\/h2>\n
Woran erkennt Amazon eine Verbindung zwischen Konten?<\/h2>\n
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Warum der Ma\u00dfnahmenplan hier der falsche Weg ist<\/h2>\n
Konstellation 1: Es gibt keine Verbindung<\/h3>\n
Konstellation 2: Es gibt eine Verbindung, aber sie ist legitim<\/h3>\n
Konstellation 3: Es gibt tats\u00e4chlich ein zweites eigenes Konto<\/h3>\n
Wie widerlege ich eine behauptete Kontoverkn\u00fcpfung?<\/h2>\n
Was, wenn das verkn\u00fcpfte Konto einem Dritten geh\u00f6rt?<\/h2>\n
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H\u00e4ufige Fragen zum verkn\u00fcpften Amazon-Konto<\/h2>\n
Darf ich mehrere Amazon-Verk\u00e4uferkonten betreiben?+<\/span><\/summary>\n
Wie finde ich heraus, mit welchem Konto Amazon meines verkn\u00fcpft hat?+<\/span><\/summary>\n
Meine Agentur oder mein Steuerberater betreut auch andere H\u00e4ndler. Ist das eine Verkn\u00fcpfung?+<\/span><\/summary>\n
Ich habe ein Unternehmen \u00fcbernommen, das ein altes Amazon-Konto hatte. Was jetzt?+<\/span><\/summary>\n
Amazon schaltet mein Konto erst frei, wenn das \u201everbundene\u201c Konto reaktiviert ist. Was kann ich tun?+<\/span><\/summary>\n
Weiterf\u00fchrende Informationen<\/h2>\n
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