{"id":701,"date":"2006-12-12T11:57:00","date_gmt":"2006-12-12T09:57:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/wordpress\/?p=76"},"modified":"2006-12-12T11:57:00","modified_gmt":"2006-12-12T09:57:00","slug":"schocker-lg-coburg-uberlasst-ebay-die-gesetzesauslegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/schocker-lg-coburg-uberlasst-ebay-die-gesetzesauslegung\/","title":{"rendered":"Schocker: LG Coburg \u00fcberl\u00e4sst eBay die Gesetzesauslegung"},"content":{"rendered":"<div>Eine <a href=\"http:\/\/www.justiz-coburg.de\/prinf306.htm\">Pressemitteilung<\/a> des LG Coburg gibt Anlass zum Nachdenken. Das vollst\u00e4ndige Urteil (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=1%20HK%20O%2032\/06\" title=\"LG Coburg, 19.10.2006 - 1 HKO 32\/06: 1.700 ebay Bewertungen reichen nicht f&uuml;r die Annahme der G...\">1 HK O 32\/06<\/a>) liegt uns nicht vor, weshalb hier nur auf diese au\u00dferordentlich kuriose Mitteilung eingegangen werden soll.<\/div>\n<p>Ein eBay-H\u00e4ndler hatte offenbar versucht, mit einem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verf\u00fcgung gegen einen mutma\u00dflichen Konkurrenten mit rund 1.700 Bewertungen vorzugehen, der sich nicht an die Belehrungspflichten hielt.<\/p>\n<p>In der Pressemitteilung hei\u00dft es, dass die Richter &#8220;die Klage abgewiesen&#8221; h\u00e4tten. Abgesehen davon, dass hier wohl eine Zur\u00fcckweisung des Verf\u00fcgungsantrags <em>oder<\/em> aber eine Abweisung einer Unterlassungsklage erfolgt sein d\u00fcrfte, ist die inhaltliche Begr\u00fcndung &#8211; soweit in der Pressemitteilung wiedergegeben &#8211; ein echter Schocker:<\/p>\n<div><em><\/p>\n<blockquote><p><em>&#8220;Er [der Kl\u00e4ger] sei noch kein Unternehmer. Dagegen spreche insbesondere, dass der Beklagte nicht die Kriterien eines (eBay-)&#8221;Powersellers&#8221; erf\u00fclle: N\u00e4mlich ein Handelsvolumen von mindestens 3.000 Euro Umsatz oder wenigstens 300 verkaufte Artikel pro Monat. Als privater Anbieter m\u00fcsse er aber Verbraucherschutzvorschriften nicht beachten.&#8221;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p><\/em><\/div>\n<p><em><br \/>\nSollte dies wirklich die Begr\u00fcndung f\u00fcr die Zur\u00fcckweisung gewesen sein, so fragt man sich, welcher Spezialist die Entscheidung hat rechtskr\u00e4ftig werden lassen.<\/p>\n<p><\/em><\/p>\n<div>Das bedeutete n\u00e4mlich nicht mehr und nicht weniger, als dass man beim LG Coburg eBay die Kompetenz einr\u00e4umt, \u00fcber die Auslegung von <a href=\"http:\/\/bundesrecht.juris.de\/uwg_2004\/__2.html\">\u00a7 2 UWG<\/a> und <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/14.html\">\u00a7 14 BGB<\/a> zu entscheiden. Nur wer einen Powersellerstatus hat, ist demnach ein Wettbewerber.<\/div>\n<div>Die Entscheidung verdeutlicht die Neigung einiger Gerichte, die von eBay aufgestellten Regeln als bindend anzusehen. Dies beginnt bei der &#8220;Einsicht&#8221;, dass etwa Preisangaben aufgrund technischer Gegebenheiten bei eBay schlicht nicht korrekt gekennzeichnet werden k\u00f6nnten und h\u00f6rt bei einer solchen Entscheidung (wie mitgeteilt) aber nun wirklich auf.<\/div>\n<p>Die Entscheidung steht im krassen Widerspruch zur einschl\u00e4gigen Rechtsprechung (siehe <a href=\"http:\/\/www.lampmannbehn.de\/3O184.04.html\">hier<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/77927\/\">hier<\/a>). Insoweit d\u00fcrfen sich zweifelnde H\u00e4ndler den Schluss der Pressemitteilung zu Herzen nehmen. Da hei\u00dft es zutreffend:<br \/>\n<em><em><\/em><\/em><\/p>\n<blockquote><p><em><em><em><em>&#8220;Die Realit\u00e4t kann einen schnell einholen und teuer zu stehen kommen, \u00fcberschreitet man auf dem virtuellen Marktplatz eBay gewisse Grenzen.&#8221; <\/em><\/em><\/em><\/em><\/p><\/blockquote>\n<p align=\"justify\">Diese Grenzen sind nach der ganz \u00fcberwiegenden Rechtsprechung allerdings deutlich unterhalb des &#8220;Powersellerstatus&#8221; anzusiedeln.<\/p>\n<p>RA David Ziegelmayer<\/p>\n<p><span style=\"color: #99ffff\">Nachtrag 31.12.2006:<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"color: #99ffff\">Das Urteil ist nun <\/span><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/lbr\/entscheidungen\/wettbewerbsrecht\/123\/5\/2\"><span style=\"color: #99ffff\"><strong>hier<\/strong><\/span><\/a><span style=\"color: #99ffff\"> ver\u00f6ffentlicht und nach unserer Auffassung weiterhin diskussionsw\u00fcrdig. V\u00f6llig unverst\u00e4ndlich sind n\u00e4mlich auch die Erw\u00e4gungen des Gerichts, dass ein &#8220;Verlustgesch\u00e4ft&#8221; gegen die Unternehmereigenschaft spreche. In der Konsequenz hie\u00dfe dies, dass sich jeder Unternehmer, der rote Zahlen schreibt, au\u00dferhalb des Wettbewerbs und des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/BGB\/14.html\" title=\"&sect; 14 BGB: Unternehmer\">\u00a7 14 BGB<\/a> bewegt. Das widerspricht der v\u00f6llig herrschenden Meinung in Literatur und Rechtsprechung.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Pressemitteilung des LG Coburg gibt Anlass zum Nachdenken. Das vollst\u00e4ndige Urteil (1 HK O 32\/06) liegt uns nicht vor, weshalb hier nur auf diese au\u00dferordentlich kuriose Mitteilung eingegangen werden soll. Ein eBay-H\u00e4ndler hatte offenbar versucht, mit einem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verf\u00fcgung gegen einen mutma\u00dflichen Konkurrenten mit rund 1.700 Bewertungen vorzugehen, der sich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[1,15],"tags":[],"class_list":["post-701","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-magazin","category-wettbewerbsrecht-kartellrecht"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/701","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=701"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/701\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=701"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=701"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=701"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}