{"id":70042,"date":"2026-03-24T03:15:51","date_gmt":"2026-03-24T01:15:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=70042"},"modified":"2026-03-24T03:18:12","modified_gmt":"2026-03-24T01:18:12","slug":"miele-abmahnung-erschoepfung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/miele-abmahnung-erschoepfung\/","title":{"rendered":"LHR Praxisfall: Ersch\u00f6pfung unter Vorbehalt \u2013 Miele spricht &#8220;bedingte&#8221; Abmahnungen aus"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-70046 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/bedingte-Abmahnung-Miele-621x414.jpg\" alt=\"\" width=\"537\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/bedingte-Abmahnung-Miele-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/bedingte-Abmahnung-Miele-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/bedingte-Abmahnung-Miele-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/bedingte-Abmahnung-Miele-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/bedingte-Abmahnung-Miele.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 537px) 100vw, 537px\" \/>Abmahnungen im Amazon-Kontext sind f\u00fcr viele H\u00e4ndler l\u00e4ngst Alltag. Der vorliegende Praxisfall zeigt jedoch eine Konstellation, die besonders gef\u00e4hrlich \u2013 aber zugleich gut angreifbar ist: Eine Abmahnung, die sich im Kern auf Markenrecht st\u00fctzt, dabei aber selbst offenl\u00e4sst, ob \u00fcberhaupt eine Markenverletzung vorliegt.<\/em><\/p>\n<p><em>Bereits in unserem fr\u00fcheren Beitrag haben wir typische Abmahnmuster in diesem Bereich beleuchtet: <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/abmahnung-miele-amazon\/\">Miele-Abmahnung auf Amazon: Was betroffene H\u00e4ndler wissen m\u00fcssen<\/a>. Der hier geschilderte Fall geht noch einen Schritt weiter \u2013 und zeigt, worauf es in der Verteidigung wirklich ankommt.<\/em><\/p>\n<h2>Der typische Aufbau: Mehrere Vorw\u00fcrfe auf einmal<\/h2>\n<p>Solche Abmahnungen bestehen selten nur aus einem Punkt. In der Regel werden mehrere Vorw\u00fcrfe kombiniert, etwa:<\/p>\n<p>\u2013 Markenrecht (Vertrieb angeblich unzul\u00e4ssiger Ware)<br \/>\n\u2013 Urheberrecht (Produktbilder)<br \/>\n\u2013 Wettbewerbsrecht (UVP, Rabatte, Preisangaben)<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt h\u00e4ufig dazu, dass H\u00e4ndler die Situation insgesamt als \u201eklar verloren\u201c einsch\u00e4tzen \u2013 obwohl einzelne Punkte sehr wohl angreifbar sind.<\/p>\n<h2>Der entscheidende Punkt: Ersch\u00f6pfung richtig einordnen<\/h2>\n<p>Im vorliegenden Fall lag der Schwerpunkt auf dem Markenrecht. Gleichzeitig wurde der Vorwurf aber nur unter Vorbehalt erhoben: Wenn ein Ersch\u00f6pfungsnachweis gef\u00fchrt wird, entf\u00e4llt der Anspruch.<\/p>\n<p>Das ist der zentrale Hebel f\u00fcr die Verteidigung.<\/p>\n<p>Wenn Sie Originalware innerhalb des Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraums (EWR) beziehen und weiterverkaufen, gilt grunds\u00e4tzlich:<\/p>\n<p><b>\u2192 Kein Markenversto\u00df.<\/b><\/p>\n<p>Das ist kein Spezialargument, sondern der gesetzliche Normalfall. In der Praxis bedeutet das:<\/p>\n<p>\u2013 Rechnungen sichern<br \/>\n\u2013 Lieferketten dokumentieren<br \/>\n\u2013 Bezugsquellen nachvollziehbar darstellen<\/p>\n<p>Wer das sauber kann, hat im Markenrecht h\u00e4ufig eine sehr gute Ausgangsposition.<\/p>\n<h2>Vorsicht bei \u201ebedingten Abmahnungen\u201c<\/h2>\n<p>Besonders kritisch sind Abmahnungen, die gleichzeitig zwei Dinge tun:<\/p>\n<p>\u2013 eine Unterlassungserkl\u00e4rung verlangen<br \/>\n\u2013 aber selbst einr\u00e4umen, dass der Anspruch vielleicht gar nicht besteht<\/p>\n<p>Genau das passiert bei sogenannten \u201ebedingten Abmahnungen\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr Sie als H\u00e4ndler bedeutet das:<\/p>\n<p><b>Unterschreiben Sie nichts vorschnell.<\/b><\/p>\n<p>Denn Sie sollen sich rechtlich binden \u2013 obwohl die Gegenseite selbst nicht sicher ist, ob sie \u00fcberhaupt einen Anspruch hat.<\/p>\n<p>In solchen F\u00e4llen bestehen oft deutlich bessere Verteidigungsm\u00f6glichkeiten, als es auf den ersten Blick scheint.<\/p>\n<h2>Das Verpackungsargument: Oft \u00fcbersch\u00e4tzt<\/h2>\n<p>H\u00e4ufig wird versucht, die Ersch\u00f6pfung \u00fcber den Zustand der Ware zu umgehen. Typische Vorw\u00fcrfe sind:<\/p>\n<p>\u2013 besch\u00e4digte Verpackung<br \/>\n\u2013 Versandetiketten auf Originalkartons<br \/>\n\u2013 \u201eunprofessioneller\u201c Versandzustand<\/p>\n<p>Hier gilt:<\/p>\n<p><b>Nicht jede Verpackungsbesch\u00e4digung ist ein Problem.<\/b><\/p>\n<p>Gerade im Onlinehandel sind Transportsch\u00e4den, Labels oder leichte Gebrauchsspuren an der Verpackung \u00fcblich. Entscheidend ist nicht die Optik, sondern ob tats\u00e4chlich eine relevante Beeintr\u00e4chtigung der Marke vorliegt.<\/p>\n<p>Viele Abmahnungen setzen hier deutlich zu niedrig an.<\/p>\n<h2>Die eigentlichen Risiken liegen oft woanders<\/h2>\n<p>Auch wenn das Markenrecht h\u00e4ufig gut verteidigbar ist, d\u00fcrfen andere Punkte nicht untersch\u00e4tzt werden:<\/p>\n<p><b>Produktbilder<\/b><br \/>\nWer sich an ein Listing anh\u00e4ngt, nutzt regelm\u00e4\u00dfig auch die Bilder \u2013 und haftet daf\u00fcr oft mit.<\/p>\n<p><b>Preisangaben<\/b><br \/>\nUVP, durchgestrichene Preise oder Rabatte werden h\u00e4ufig zugerechnet, selbst wenn sie von Amazon stammen.<\/p>\n<p>Das bedeutet:<\/p>\n<p><b>Auch wenn ein Teil der Abmahnung angreifbar ist, kann ein anderer Teil durchgreifen.<\/b><\/p>\n<p>Genau deshalb ist eine pauschale Reaktion gef\u00e4hrlich.<\/p>\n<h2>Was Sie jetzt konkret tun sollten<\/h2>\n<p>Wenn Sie eine solche Abmahnung erhalten, gehen Sie strukturiert vor:<\/p>\n<p><b>1. Ruhe bewahren<\/b><br \/>\nFristen sind wichtig \u2013 aber Panik f\u00fchrt fast immer zu Fehlern.<\/p>\n<p><b>2. Nichts unterschreiben<\/b><br \/>\nKeine Unterlassungserkl\u00e4rung ungepr\u00fcft abgeben.<\/p>\n<p><b>3. Unterlagen sichern<\/b><br \/>\nRechnungen, Lieferanten, Bezugswege sofort dokumentieren.<\/p>\n<p><b>4. Vorw\u00fcrfe trennen<\/b><br \/>\nMarkenrecht, Urheberrecht und Wettbewerbsrecht getrennt pr\u00fcfen.<\/p>\n<p><b>5. Strategie entwickeln<\/b><br \/>\nNicht alles ist angreifbar \u2013 aber oft deutlich mehr als gedacht.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Der Fall zeigt: Auch umfangreiche Abmahnungen sind nicht automatisch berechtigt. Gerade wenn markenrechtliche Anspr\u00fcche unter Vorbehalt gestellt werden, lohnt sich eine genaue Pr\u00fcfung.<\/p>\n<p>Gleichzeitig gilt: Plattformhandel bleibt rechtlich anspruchsvoll. Wer auf Amazon verkauft, bewegt sich in einem Spannungsfeld aus Markenrecht, Plattformmechanik und strenger Rechtsprechung.<\/p>\n<p>Eine saubere Verteidigungsstrategie entscheidet hier oft dar\u00fcber, ob eine Abmahnung teuer wird \u2013 oder erfolgreich abgewehrt werden kann.<\/p>\n<p>Wenn Sie eine vergleichbare Abmahnung erhalten haben, empfiehlt sich eine fr\u00fchzeitige rechtliche Pr\u00fcfung. In vielen F\u00e4llen lassen sich deutlich bessere Ergebnisse erzielen, als es die Abmahnung zun\u00e4chst vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abmahnungen im Amazon-Kontext sind f\u00fcr viele H\u00e4ndler l\u00e4ngst Alltag. Der vorliegende Praxisfall zeigt jedoch eine Konstellation, die besonders gef\u00e4hrlich \u2013 aber zugleich gut angreifbar ist: Eine Abmahnung, die sich im Kern auf Markenrecht st\u00fctzt, dabei aber selbst offenl\u00e4sst, ob \u00fcberhaupt eine Markenverletzung vorliegt. 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