{"id":69970,"date":"2026-03-03T21:36:52","date_gmt":"2026-03-03T19:36:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=69970"},"modified":"2026-03-03T21:36:52","modified_gmt":"2026-03-03T19:36:52","slug":"creditreform-verbessern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/creditreform-verbessern\/","title":{"rendered":"LHR-Praxisfall: Negativmerkmal gel\u00f6scht \u2013 Score bleibt schlecht: Wenn erledigte Verfahren wirtschaftlich weiterwirken"},"content":{"rendered":"

\"\"Ein Eintrag im Schuldnerverzeichnis wird gel\u00f6scht. Die zugrunde liegende Forderung ist vollst\u00e4ndig beglichen. Juristisch ist die Angelegenheit erledigt.<\/em><\/p>\n

Wirtschaftlich jedoch nicht.<\/em><\/p>\n

In einem aktuellen Mandat sah sich eine seit Jahren erfolgreich t\u00e4tige GmbH trotz L\u00f6schung eines Negativmerkmals weiterhin mit einem massiv verschlechterten Bonit\u00e4tsscore konfrontiert \u2013 mit erheblichen Folgen f\u00fcr das operative Gesch\u00e4ft.<\/em><\/p>\n

Der Hintergrund: Ein Vollstreckungseintrag \u2013 und seine Vorgeschichte<\/h2>\n

Ausgangspunkt war ein streitiges Mahnverfahren im Zusammenhang mit einer geltend gemachten Schadensersatzforderung. Die Forderung wurde von Beginn an bestritten und an die zust\u00e4ndige Haftpflichtversicherung weitergeleitet. Im weiteren Verlauf kam es jedoch zu prozessualen Vers\u00e4umnissen, die letztlich zu einem Vollstreckungsbescheid und einem Eintrag wegen Nichtabgabe der Verm\u00f6gensauskunft f\u00fchrten.<\/p>\n

Nachdem die Forderung vollst\u00e4ndig beglichen worden war, ordnete das Zentrale Vollstreckungsgericht Berlin die vorzeitige L\u00f6schung des Eintrags gem\u00e4\u00df \u00a7 882e Abs. 3 ZPO<\/a> an.<\/p>\n

Der Eintrag im Schuldnerverzeichnis war damit beseitigt.<\/p>\n

Das Kernproblem: Der Score blieb im Keller<\/h2>\n

Trotz L\u00f6schung wies die Auskunftei weiterhin einen deutlich unterdurchschnittlichen Score sowie eine stark erh\u00f6hte Ausfallwahrscheinlichkeit aus. In der Praxis f\u00fchrte dies dazu, dass unsere Mandantin keinen Zugang zu Gew\u00e4hrleistungsb\u00fcrgschaften erhielt. F\u00fcr ein wachsendes Unternehmen kann eine solche Bewertung faktisch existenzbedrohend sein.<\/p>\n

Die entscheidende Frage lautete daher: Darf ein erledigtes und gel\u00f6schtes Verfahren faktisch weiterhin \u00fcber die Scoreberechnung fortwirken?<\/p>\n

Die L\u00f6sung<\/h2>\n

Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Zul\u00e4ssigkeit der Speicherung und Verarbeitung bonit\u00e4tsrelevanter Daten sind insbesondere \u00a7 31 BDSG<\/a> sowie Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO<\/a>. Hinzu tritt der L\u00f6schungsanspruch aus Art. 17 DSGVO<\/a>.<\/p>\n

Zwar wird ein Bonit\u00e4tsscore regelm\u00e4\u00dfig als Werturteil qualifiziert. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs muss jedoch auch ein Werturteil auf einer zutreffenden und aktuellen Tatsachengrundlage beruhen. F\u00e4llt diese Grundlage weg \u2013 etwa durch die L\u00f6schung eines Negativmerkmals \u2013 darf sie nicht mittelbar weiterhin in die Bewertung einflie\u00dfen.<\/p>\n

Im Rahmen der gebotenen Interessenabw\u00e4gung ist zu pr\u00fcfen, ob die fortdauernde Ber\u00fccksichtigung erledigter Sachverhalte noch erforderlich und verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ist. Eine pauschale oder automatisierte Fortschreibung ohne einzelfallbezogene Neubewertung gen\u00fcgt diesen Anforderungen nicht.<\/p>\n

Unser Vorgehen<\/h2>\n

Wir haben die Auskunftei unter Fristsetzung aufgefordert,<\/p>\n

\u2013 die weitere Verwendung der Daten aus dem erledigten Vollstreckungsverfahren zu unterlassen,
\n\u2013 eine neue, einzelfallbezogene Bonit\u00e4tsbewertung vorzunehmen,
\n\u2013 die aktuellen Unternehmenskennzahlen zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n

Zur Untermauerung wurden unter anderem positive Bescheinigungen von Finanzbeh\u00f6rden und Sozialversicherungstr\u00e4gern, aktuelle Umsatzentwicklungen sowie weitere wirtschaftliche Kennzahlen vorgelegt. Zudem wurde auf m\u00f6gliche Schadensersatzanspr\u00fcche gem\u00e4\u00df Art. 82 DSGVO<\/a> hingewiesen.<\/p>\n

Das Ergebnis<\/h2>\n

Nach erneuter Pr\u00fcfung wurde der Datensatz aktualisiert und der Score signifikant verbessert. Die Ausfallwahrscheinlichkeit sank auf ein markt\u00fcbliches Niveau, die Kreditw\u00fcrdigkeit wurde wieder als zul\u00e4ssig eingestuft.<\/p>\n

Die wirtschaftliche Handlungsf\u00e4higkeit unserer Mandantin war damit wiederhergestellt.<\/p>\n

Fazit<\/h2>\n

Der Fall zeigt, dass die blo\u00dfe L\u00f6schung eines Eintrags im Schuldnerverzeichnis nicht automatisch zu einer Korrektur der wirtschaftlichen Bewertung f\u00fchrt. Bonit\u00e4tsscores entfalten faktisch erhebliche Marktwirkung \u2013 oft schneller und nachhaltiger als gerichtliche Entscheidungen.<\/p>\n

Unternehmen sollten daher nicht nur die formale L\u00f6schung eines Negativmerkmals pr\u00fcfen, sondern auch hinterfragen, ob erledigte Sachverhalte weiterhin mittelbar in die Scoreberechnung einflie\u00dfen.<\/p>\n

Fehlerhafte oder unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfige Bonit\u00e4tsbewertungen sind kein Schicksal \u2013 sondern rechtlich \u00fcberpr\u00fcfbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Ein Eintrag im Schuldnerverzeichnis wird gel\u00f6scht. Die zugrunde liegende Forderung ist vollst\u00e4ndig beglichen. Juristisch ist die Angelegenheit erledigt. Wirtschaftlich jedoch nicht. In einem aktuellen Mandat sah sich eine seit Jahren erfolgreich t\u00e4tige GmbH trotz L\u00f6schung eines Negativmerkmals weiterhin mit einem massiv verschlechterten Bonit\u00e4tsscore konfrontiert \u2013 mit erheblichen Folgen f\u00fcr das operative Gesch\u00e4ft. Der Hintergrund: Ein […]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1420,20602],"class_list":["post-69970","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","tag-creditreform","tag-bonitaet","topic_category-wettbewerbsrecht-kartellrecht"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69970"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69970\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69975,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69970\/revisions\/69975"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69970"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}