{"id":69933,"date":"2026-02-08T21:30:02","date_gmt":"2026-02-08T19:30:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=69933"},"modified":"2026-02-08T23:02:11","modified_gmt":"2026-02-08T21:02:11","slug":"bewertungen-transparenz-hinweis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/bewertungen-transparenz-hinweis\/","title":{"rendered":"Hinweis bei Verbraucherbewertungen: LG D\u00fcsseldorf konkretisiert \u00a7 5b Abs. 3 UWG"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-69937 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bewertungen-Hinweis-621x414.jpg\" alt=\"\" width=\"518\" height=\"345\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bewertungen-Hinweis-621x414.jpg 621w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bewertungen-Hinweis-620x413.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bewertungen-Hinweis-311x207.jpg 311w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bewertungen-Hinweis-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Bewertungen-Hinweis.jpg 1536w\" sizes=\"(max-width: 518px) 100vw, 518px\" \/>Verbraucherbewertungen sind im Online-Handel ein zentrales Verkaufsargument. Rechtlich unproblematisch sind sie jedoch nur, wenn die seit Umsetzung der Omnibus-Richtlinie geltenden Transparenzpflichten eingehalten werden. <\/em><\/p>\n<p><em>Mit Beschluss vom 3. Februar 2026 hat das Landgericht D\u00fcsseldorf <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5b.html\" title=\"&sect; 5b UWG: Wesentliche Informationen\">\u00a7 5b Abs. 3 UWG<\/a> weiter konkretisiert und eine streng formale Linie best\u00e4tigt (LG D\u00fcsseldorf, Beschluss v. 3.2.2026, Az. 38 O 9\/26).<\/em><\/p>\n<h2>Ausgangslage<\/h2>\n<p>Gegenstand des Verfahrens war ein Angebot auf einem bekannten Online-Marktplatz. Zwei gewerblich t\u00e4tige Onlineh\u00e4ndler standen in unmittelbarem Wettbewerb und bedienten identische Verkehrskreise. In dem streitgegenst\u00e4ndlichen Angebot wurde ein Produkt mit mehreren positiven Verbraucherbewertungen beworben.<\/p>\n<p>In der Angebotsdarstellung fehlte jedoch jeder Hinweis darauf, ob und wie sichergestellt wird, dass die ver\u00f6ffentlichten Bewertungen von solchen Verbrauchern stammen, die das Produkt tats\u00e4chlich erworben oder genutzt haben. Nach erfolgloser au\u00dfergerichtlicher Abmahnung beantragte die Antragstellerin den Erlass einer einstweiligen Verf\u00fcgung.<\/p>\n<h2>Rechtlicher Rahmen<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5b.html\" title=\"&sect; 5b UWG: Wesentliche Informationen\">\u00a7 5b Abs. 3 UWG<\/a> bestimmt, dass der Unternehmer dar\u00fcber informieren muss, ob und wie er sicherstellt, dass diese Bewertungen von tats\u00e4chlichen K\u00e4ufern oder Nutzern stammen.<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich nicht um eine Pflicht zur materiellen Echtheitspr\u00fcfung. Die Vorschrift begr\u00fcndet vielmehr eine reine Transparenzpflicht. Ma\u00dfgeblich ist nicht, ob Bewertungen tats\u00e4chlich echt oder manipuliert sind, sondern ob der Verbraucher anhand der Angaben des Unternehmers den Aussagewert der Bewertungen einordnen kann.<\/p>\n<h2>Die Entscheidung des Landgerichts D\u00fcsseldorf<\/h2>\n<p>Das Landgericht D\u00fcsseldorf erlie\u00df die beantragte einstweilige Verf\u00fcgung ohne m\u00fcndliche Verhandlung. Der Antragsgegnerin wurde untersagt, im gesch\u00e4ftlichen Verkehr Bewertungen zug\u00e4nglich zu machen, ohne die gesetzlich geforderten Transparenzangaben bereitzustellen. F\u00fcr jeden Fall der Zuwiderhandlung wurden Ordnungsmittel angedroht.<\/p>\n<h2>Tragende Erw\u00e4gungen<\/h2>\n<p>Das Gericht stellt klar, dass nicht die subjektive Sicht des werbenden Unternehmers ma\u00dfgeblich ist, sondern das objektive Verkehrsverst\u00e4ndnis. Das von der Antragsgegnerin vertretene Verst\u00e4ndnis der Angebotsdarstellung werde von einem erheblichen Teil der angesprochenen Verbraucher nicht geteilt.<\/p>\n<p>Nachtr\u00e4gliche Erl\u00e4uterungen zur Herkunft der Bewertungen seien rechtlich unbeachtlich. Die Informationspflichtverletzung sei bereits mit der Ver\u00f6ffentlichung ohne Transparenz vollst\u00e4ndig verwirklicht und k\u00f6nne durch sp\u00e4tere Hinweise nicht geheilt werden.<\/p>\n<p>Ebenso wenig entfalle die Relevanz der Pflichtverletzung dadurch, dass die Bewertungen tats\u00e4chlich von echten K\u00e4ufern stammen k\u00f6nnten. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5b.html\" title=\"&sect; 5b UWG: Wesentliche Informationen\">\u00a7 5b Abs. 3 UWG<\/a> sei als eigenst\u00e4ndige lauterkeitsrechtliche Informationspflicht ausgestaltet und nicht als Regelung zur materiellen Echtheitskontrolle.<\/p>\n<h2>Kritische Einordnung<\/h2>\n<p>Der Fall zeigt zugleich die Schw\u00e4chen der gesetzlichen Regelung. Der Gesetzgeber verlangt einen formalen Hinweis darauf, ob und wie Bewertungen \u00fcberpr\u00fcft werden, trifft jedoch keinerlei Aussage dazu, ob die Bewertungen tats\u00e4chlich echt sein m\u00fcssen oder welche Mindestanforderungen an eine Pr\u00fcfung zu stellen sind.<\/p>\n<p>Die Vorschrift erlaubt sogar ausdr\u00fccklich die Mitteilung, dass eine \u00dcberpr\u00fcfung gar nicht stattfindet. Damit wird Transparenz \u00fcber ein Defizit geschaffen, ohne dass dieses Defizit rechtlich relevant w\u00e4re. Ob Bewertungen tats\u00e4chlich verl\u00e4sslich sind, bleibt f\u00fcr den Verbraucher damit weiterhin offen.<\/p>\n<p>Hier w\u00e4re ein Mehr an Lebensn\u00e4he w\u00fcnschenswert gewesen. Eigentlich m\u00fcsste es selbstverst\u00e4ndlich sein, dass Kundenbewertungen, die als Werbemittel eingesetzt werden, zumindest nicht ungepr\u00fcft \u00fcbernommen werden. Wie der Unternehmer dies sicherstellt, ist f\u00fcr den Verbraucher regelm\u00e4\u00dfig von untergeordneter Bedeutung \u2013 entscheidend ist allein, dass es der Fall ist.<\/p>\n<p>Stattdessen schafft <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5b.html\" title=\"&sect; 5b UWG: Wesentliche Informationen\">\u00a7 5b Abs. 3 UWG<\/a> eine stark formalisierte Informationspflicht, die in der Sache wenig zur Verbesserung der Bewertungstransparenz beitr\u00e4gt, zugleich aber erhebliche Abmahnrisiken er\u00f6ffnet. Der vorliegende Fall ist hierf\u00fcr ein anschauliches Beispiel.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5b.html\" title=\"&sect; 5b UWG: Wesentliche Informationen\">\u00a7 5b Abs. 3 UWG<\/a> ist weniger eine inhaltliche Verbraucherschutzvorschrift als eine formale Marktverhaltensregel. Wer Verbraucherbewertungen einsetzt, muss Transparenz herstellen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob die Bewertungen tats\u00e4chlich belastbar sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Online-Handel bedeutet dies: Hohe formale Anforderungen bei \u00fcberschaubarem materiellen Mehrwert, aber erheblichem Haftungs- und Abmahnpotenzial.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verbraucherbewertungen sind im Online-Handel ein zentrales Verkaufsargument. Rechtlich unproblematisch sind sie jedoch nur, wenn die seit Umsetzung der Omnibus-Richtlinie geltenden Transparenzpflichten eingehalten werden. Mit Beschluss vom 3. Februar 2026 hat das Landgericht D\u00fcsseldorf \u00a7 5b Abs. 3 UWG weiter konkretisiert und eine streng formale Linie best\u00e4tigt (LG D\u00fcsseldorf, Beschluss v. 3.2.2026, Az. 38 O 9\/26). [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":69937,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[15],"tags":[1594,15157],"class_list":["post-69933","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-wettbewerbsrecht-kartellrecht","tag-bewertungen","tag-onlinehaendler","topic_category-wettbewerbsrecht-kartellrecht"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69933","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69933"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69933\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69940,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69933\/revisions\/69940"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/69937"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69933"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69933"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69933"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}