{"id":69865,"date":"2026-01-24T02:54:16","date_gmt":"2026-01-24T00:54:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=69865"},"modified":"2026-01-24T02:54:16","modified_gmt":"2026-01-24T00:54:16","slug":"praxisfall-amazon-kontosperre-doppelte-konten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/praxisfall-amazon-kontosperre-doppelte-konten\/","title":{"rendered":"LHR-Praxisfall: Amazon-KDP-Konto gesperrt wegen \u201eMehrfach-Konten\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-69500 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Amazon-Entsperrung-414x414.jpg\" alt=\"\" width=\"414\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Amazon-Entsperrung-414x414.jpg 414w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Amazon-Entsperrung-620x620.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Amazon-Entsperrung-207x207.jpg 207w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Amazon-Entsperrung-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Amazon-Entsperrung.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 414px) 100vw, 414px\" \/>Wenn Amazon Konten sperrt, passiert das oft \u201emit einem Klick\u201c \u2013 die wirtschaftlichen Folgen sind jedoch sofort existenziell. <\/em><\/p>\n<p><em>Das gilt nicht nur f\u00fcr Seller Central, sondern auch f\u00fcr <strong>Kindle Direct Publishing (KDP)<\/strong>: Ohne Konto kein Upload, keine Verk\u00e4ufe, kein Zugriff auf Berichte \u2013 und h\u00e4ufig auch keine Auszahlung offener Tantiemen.<\/em><\/p>\n<p><em>Der folgende Fall zeigt, wie schnell aus einem pauschalen Vorwurf (\u201eMehrfach-Konten\u201c) eine monatelange Blockade werden kann \u2013 und warum es sich lohnt, rechtlich strukturiert gegenzuhalten, statt sich in Textbaustein-Schleifen aufzureiben. <\/em><\/p>\n<p><em>Zur generellen Einordnung von Amazon-Kontosperrungen (typische Gr\u00fcnde, Amazon-Verfahren vs. rechtliche Durchsetzung) siehe auch unsere \u00dcbersichtsseite und den Praxisfall zur Reaktivierung gesperrter Konten. Siehe unten.<\/em><\/p>\n<h2>Ausgangslage: Zwei KDP-Konten \u2013 aber nicht \u201emehrere\u201c im Sinne von Amazons Regeln<\/h2>\n<ul>\n<li>ein <strong>KDP-Konto einer nat\u00fcrlichen Person<\/strong> (seit 2019)<\/li>\n<li>ein <strong>KDP-Konto einer Personengesellschaft<\/strong> (seit 2020)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Beide Konten waren transparent gef\u00fchrt; die Angaben waren vollst\u00e4ndig und konsistent. Eine \u201eKonto-Farm\u201c oder ein Ausweichen auf Schattenaccounts lag gerade nicht vor.<\/p>\n<p>Der einzige Ber\u00fchrungspunkt: eine Person war in beiden Strukturen involviert \u2013 was im echten Leben (Familien-\/Partnerkonstellationen, Gesellschaften) h\u00e4ufig vorkommt.<\/p>\n<h2>Was Amazon daraus gemacht hat: erst IP-\/Content-Vorwurf, dann \u201eMehrfach-Konten\u201c, am Ende nur noch \u201eendg\u00fcltig\u201c<\/h2>\n<ol>\n<li><strong>M\u00e4rz 2025:<\/strong> Beanstandung eines konkreten Buchs\/Listings unter Verweis auf KDP-Inhaltsrichtlinien \u2013 ohne nachvollziehbare Subsumtion.<\/li>\n<li><strong>29.03.2025:<\/strong> K\u00fcndigung des ersten KDP-Kontos wegen angeblich fehlender \u201eVer\u00f6ffentlichungsrechte\u201c \u2013 ohne konkrete Tatsachengrundlage.<\/li>\n<li><strong>August 2025:<\/strong> K\u00fcndigung des zweiten KDP-Kontos mit dem Vorwurf \u201emehrere Konten\u201c; welche Konten gemeint sind, blieb offen.<\/li>\n<li><strong>November 2025:<\/strong> Erkl\u00e4rung der Endg\u00fcltigkeit \u2013 ohne weitere Erl\u00e4uterungen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Typisch ist das Muster: Die Begr\u00fcndung wechselt, bleibt aber inhaltlich unkonkret \u2013 w\u00e4hrend das interne Beschwerdeverfahren faktisch in Standardantworten steckenbleibt.<\/p>\n<h2>Besonderheit: Selbst US-Anw\u00e4lte waren bereits dran \u2013 ohne Ergebnis<\/h2>\n<p>Unsere Mandanten hatten bereits \u00fcber eine US-Kanzlei versucht, eine \u00dcberpr\u00fcfung auf Senior-Level zu erreichen.<\/p>\n<p>Amazon blieb dennoch bei der Sperre. F\u00fcr die Praxis ist das wichtig: Mehr Aufwand oder \u201ebessere Worte\u201c f\u00fchren bei Plattformverfahren nicht zwingend weiter \u2013 entscheidend ist, ob man Amazon rechtlich und strukturiert in eine begr\u00fcndete Pr\u00fcfung zwingt.<\/p>\n<h2>Rechtlicher Hebel: P2B-VO und DSA \u2013 Begr\u00fcndungspflichten sind kein \u201eNice-to-have\u201c<\/h2>\n<p><strong>P2B-VO (EU) 2019\/1150<\/strong> verlangt im Kern eine konkrete Begr\u00fcndung (\u201estatement of reasons\u201c) und ein effektives internes Beschwerdemanagement. <strong>Der Digital Services Act (DSA)<\/strong> sieht zudem ein wirksames internes Beschwerdesystem gegen Plattformentscheidungen vor \u2013 u. a. bei Kontosperrungen oder Monetarisierungsentscheidungen.<\/p>\n<p>Im Fallbild war genau das das Problem: keine konkrete Tatsachengrundlage, keine nachvollziehbare Subsumtion, keine echte Auseinandersetzung mit den Einw\u00e4nden \u2013 stattdessen wechselnde Textbausteine.<\/p>\n<h2>Zweiter Hebel: Kartellrechtliche Einordnung \u2013 Plattformmacht ist juristisch greifbar<\/h2>\n<p>Amazon ist nicht \u201eirgendein Vertragspartner\u201c. Der Bundesgerichtshof hat best\u00e4tigt, dass Amazon eine \u00fcberragende markt\u00fcbergreifende Bedeutung f\u00fcr den Wettbewerb hat (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GWB\/19a.html\" title=\"&sect; 19a GWB: Missbr&auml;uchliches Verhalten von Unternehmen mit &uuml;berragender markt&uuml;bergreifender Bedeutung f&uuml;r den Wettbewerb\">\u00a7 19a GWB<\/a>). Das st\u00e4rkt die Argumentation, dass Sperren transparent, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig und nicht willk\u00fcrlich erfolgen d\u00fcrfen.<\/p>\n<h2>Ergebnis: Reaktivierung erreicht \u2013 ohne \u201eEndlos-Schleife\u201c im Plattform-Support<\/h2>\n<p>Nach unserer anwaltlichen Intervention und einer konsequenten, rechtlich fokussierten Aufbereitung des Sachverhalts konnte die Freischaltung f\u00fcr die Mandantschaft erreicht werden.<\/p>\n<h2>Was Betroffene mitnehmen sollten<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Trennung sauber dokumentieren:<\/strong> nat\u00fcrliche Person vs. Gesellschaft, Verantwortlichkeiten, Zahlungs-\/Steuerdaten, Kontaktpunkte.<\/li>\n<li><strong>Nicht auf den ersten Vorwurf fixieren:<\/strong> wechselnde Begr\u00fcndungen sind oft ein Hinweis auf fehlende Einzelfallpr\u00fcfung.<\/li>\n<li><strong>DSA\/P2B-VO nicht verschenken:<\/strong> Wer gewerblich t\u00e4tig ist, hat mehr als \u201eKulanz\u201c-Argumente.<\/li>\n<li><strong>Zeitfaktor ernst nehmen:<\/strong> Gerade bei KDP z\u00e4hlt jeder Tag \u2013 notfalls muss parallel zur Plattformkommunikation die rechtliche Schiene vorbereitet werden.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Weiterf\u00fchrende LHR-Beitr\u00e4ge<\/h2>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/amazon-konto-gesperrt-was-tun\/\">Amazon-Konto gesperrt \u2013 was tun?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/praxisfall-amazon-kontosperre\/\">LHR-Praxisfall: Entsperrung eines Amazonkontos<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Amazon Konten sperrt, passiert das oft \u201emit einem Klick\u201c \u2013 die wirtschaftlichen Folgen sind jedoch sofort existenziell. 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