{"id":69734,"date":"2025-11-18T01:13:56","date_gmt":"2025-11-17T23:13:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=69734"},"modified":"2025-11-19T05:02:05","modified_gmt":"2025-11-19T03:02:05","slug":"eugh-e-mailwerbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/eugh-e-mailwerbung\/","title":{"rendered":"EuGH zur Bestandskundenwerbung: Viel L\u00e4rm um wenig"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-69736 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/EUGH-E-Mail-Werbung-276x414.jpg\" alt=\"\" width=\"276\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/EUGH-E-Mail-Werbung-276x414.jpg 276w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/EUGH-E-Mail-Werbung-413x620.jpg 413w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/EUGH-E-Mail-Werbung-138x207.jpg 138w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/EUGH-E-Mail-Werbung-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/EUGH-E-Mail-Werbung.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat klargestellt, dass der Versand von E-Mail-Werbung an Bestandskunden auch ohne ausdr\u00fcckliche datenschutzrechtliche Einwilligung zul\u00e4ssig sein kann (EuGH, 13.11.2025 &#8211; Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=C\u00e2\u0080\u0091654\/23\" title=\"C&acirc;&#128;&#145;654\/23 (2 zugeordnete Entscheidungen)\">C\u2011654\/23<\/a>). Die Entscheidung sorgt f\u00fcr gro\u00dfe Aufmerksamkeit, wird in Teilen der Medienlandschaft aber missverst\u00e4ndlich dargestellt. <\/em><\/p>\n<p><em>W\u00e4hrend einige Beitr\u00e4ge f\u00e4lschlicherweise suggerieren, es handele sich um einen Paradigmenwechsel oder eine neue Erleichterung f\u00fcr Newsletter-Versender, zeigt ein Blick in die Entscheidung: Rechtlich ist wenig wirklich neu.<\/em><\/p>\n<h2>Das eigentliche Kernergebnis<\/h2>\n<p>Der EuGH stellt klar, dass die Regelung zur Bestandskundenwerbung aus Art. 13 der ePrivacy-Richtlinie und <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> eine <strong>lex specialis<\/strong> gegen\u00fcber der DSGVO bildet. Das bedeutet: Wenn die Voraussetzungen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> erf\u00fcllt sind, bedarf es <strong>keiner datenschutzrechtlichen Einwilligung<\/strong> nach DSGVO. Genau so wurde die Vorschrift in Deutschland schon immer verstanden und gelebt.<\/p>\n<p>Die Voraussetzungen bleiben unver\u00e4ndert:<\/p>\n<ul>\n<li>Die E-Mail-Adresse wurde im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Ware oder Dienstleistung erhoben.<\/li>\n<li>Die Werbung betrifft eigene, \u00e4hnliche Produkte.<\/li>\n<li>Der Kunde wird bei Erhebung der Adresse auf sein Widerspruchsrecht hingewiesen.<\/li>\n<li>Er hat der Nutzung nicht widersprochen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Entscheidung best\u00e4tigt also im Kern das deutsche Verst\u00e4ndnis der letzten Jahre. F\u00fcr die Praxis \u00e4ndert sich hier \u2013 jedenfalls bezogen auf die Einwilligung \u2013 kaum etwas.<\/p>\n<h2>Das tats\u00e4chlich Neue: Was bedeutet \u201eVerkauf\u201c?<\/h2>\n<p>Bemerkenswert \u2013 und in der Sache tats\u00e4chlich neu \u2013 ist allein das weite Begriffsverst\u00e4ndnis des EuGH zum \u201eVerkauf\u201c. Die Luxemburger Richter folgen dem Schlussantrag des Generalanwalts und legen den Begriff \u00fcberraschend gro\u00dfz\u00fcgig aus.<\/p>\n<p>Nach Auffassung des EuGH setzt ein \u201eVerkauf\u201c nicht zwingend voraus, dass Geld den Besitzer wechselt oder echte Entgeltlichkeit vorliegt. Es gen\u00fcgt bereits, dass der Verbraucher ein Konto anlegt, wie im zugrunde liegenden Fall geschehen. Dieser funktionale Ansatz r\u00fcckt st\u00e4rker auf den tats\u00e4chlichen Austausch ab:<\/p>\n<p>Wer ein Konto einrichtet, erwirbt nach Ansicht des EuGH \u201eetwas\u201c \u2013 n\u00e4mlich die Nutzungsm\u00f6glichkeit eines Dienstes.<\/p>\n<p>Damit wird der Anwendungsbereich des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> tendenziell erweitert. Unternehmen k\u00f6nnen k\u00fcnftig h\u00e4ufiger argumentieren, die Voraussetzungen der Bestandskundenwerbung seien erf\u00fcllt.<\/p>\n<h2>Missverst\u00e4ndliche Medienberichte<\/h2>\n<p>Einige Berichte suggerieren, der Newsletter-Versand sei nun erstmals ohne Einwilligung m\u00f6glich. Das ist falsch. Genau diese M\u00f6glichkeit bestand in Deutschland schon immer \u2013 allerdings ausschlie\u00dflich unter den strengen Voraussetzungen des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a>.<\/p>\n<p>Die Entscheidung \u00e4ndert daran nichts. Sie best\u00e4tigt nur, dass diese spezialgesetzliche Regelung im Verh\u00e4ltnis zur DSGVO weiterhin Vorrang hat. Eine \u201eLockerung\u201c des Werberechts oder eine \u201eRevolution\u201c findet also nicht statt.<\/p>\n<h2>Was bedeutet das f\u00fcr Unternehmen?<\/h2>\n<p>Unternehmen sollten sich nicht von \u00fcberzogenen Schlagzeilen t\u00e4uschen lassen. F\u00fcr die Praxis gilt:<\/p>\n<ul>\n<li>Wer bislang rechtssicher nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> geworben hat, kann dies weiterhin tun.<\/li>\n<li>Eine DSGVO-Einwilligung ist \u2013 und war \u2013 hierf\u00fcr nicht erforderlich.<\/li>\n<li>Neu ist lediglich die Best\u00e4tigung, dass der Begriff des \u201eVerkaufs\u201c weit auszulegen ist.<\/li>\n<li>Die strengen Voraussetzungen des UWG bleiben bestehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Entscheidung schafft damit mehr Klarheit, aber keinen nennenswerten Wandel. F\u00fcr seri\u00f6se Marktteilnehmer, die Bestandskundenwerbung ohnehin korrekt umsetzen, bleibt rechtlich fast alles beim Alten.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Der EuGH st\u00e4rkt die Bestandskundenwerbung, indem er das Verh\u00e4ltnis von ePrivacy-Richtlinie und DSGVO eindeutig kl\u00e4rt und den Anwendungsbereich des \u201eVerkaufs\u201c erweitert. Wirklich neu ist das aber nur in Details. Die Grundmechanik des <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/7.html\" title=\"&sect; 7 UWG: Unzumutbare Bel&auml;stigungen\">\u00a7 7 Abs. 3 UWG<\/a> bleibt unver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>F\u00fcr Unternehmen bedeutet das: weniger Unsicherheit, aber keine Einladung zu unkontrolliertem Newsletter-Versand. Die bekannten Voraussetzungen m\u00fcssen weiterhin genau eingehalten werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Europ\u00e4ische Gerichtshof hat klargestellt, dass der Versand von E-Mail-Werbung an Bestandskunden auch ohne ausdr\u00fcckliche datenschutzrechtliche Einwilligung zul\u00e4ssig sein kann (EuGH, 13.11.2025 &#8211; Az. C\u2011654\/23). Die Entscheidung sorgt f\u00fcr gro\u00dfe Aufmerksamkeit, wird in Teilen der Medienlandschaft aber missverst\u00e4ndlich dargestellt. 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