{"id":69713,"date":"2025-11-06T08:49:40","date_gmt":"2025-11-06T06:49:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=69713"},"modified":"2025-11-09T22:29:06","modified_gmt":"2025-11-09T20:29:06","slug":"arzt-bewertung-google-schweigepflicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/arzt-bewertung-google-schweigepflicht\/","title":{"rendered":"LHR-Praxisfall: Google-Bewertung gegen Arzt gel\u00f6scht \u2013 und warum \u00c4rzte sich kaum wehren d\u00fcrfen"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-69715 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Google-Bewertung-Arzt-414x414.jpg\" alt=\"\" width=\"414\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Google-Bewertung-Arzt-414x414.jpg 414w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Google-Bewertung-Arzt-620x620.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Google-Bewertung-Arzt-207x207.jpg 207w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Google-Bewertung-Arzt-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Google-Bewertung-Arzt.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 414px) 100vw, 414px\" \/>Ein niedergelassener Arzt wurde auf Google mit einer ungew\u00f6hnlich langen, in weiten Teilen unzutreffenden und herabsetzenden Bewertung \u00fcberzogen. Behauptet wurden vermeintlich nicht erbrachte Leistungen, ein \u201eunseri\u00f6ses\u201c Vorgehen und weiteres \u2013 alles \u00f6ffentlich sichtbar, reputationsgef\u00e4hrdend und dauerhaft auffindbar.<\/em><\/p>\n<p><em>Was bereits f\u00fcr andere Branchen belastend ist, wird f\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte zum rechtlichen Minenfeld: Plattformen regen regelm\u00e4\u00dfig an, \u00f6ffentlich Stellung zu nehmen. <\/em><\/p>\n<p><em>Genau das ist f\u00fcr Berufsgeheimnistr\u00e4ger brandgef\u00e4hrlich \u2013 denn schon eine andeutungsweise Bezugnahme auf Behandlungsdetails kann einen Versto\u00df gegen die \u00e4rztliche Schweigepflicht und damit gegen <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/203.html\" title=\"&sect; 203 StGB: Verletzung von Privatgeheimnissen\">\u00a7 203 StGB<\/a> begr\u00fcnden.<\/em><\/p>\n<h2>Der Fall: Zun\u00e4chst Funkstille, dann Widerspr\u00fcche \u2013 schlie\u00dflich L\u00f6schung<\/h2>\n<p>Der Mandant versuchte zun\u00e4chst selbst, die Bewertung \u00fcber die von Google vorgesehenen Meldewege entfernen zu lassen \u2013 ohne Erfolg.<\/p>\n<p>Nachdem LHR mandatiert wurde, reagierte Google zun\u00e4chst gar nicht, k\u00fcndigte dann aber die Entfernung an. Tage sp\u00e4ter war der Eintrag unver\u00e4ndert sichtbar.<\/p>\n<p>Auf erneutes Nachfassen folgte der Hinweis, der \u201eMeldeweg\u201c sei angeblich nicht eingehalten \u2013 ein Einwand, der seit Geltung des Digital Services Act (DSA) h\u00e4ufiger bem\u00fcht wird, aber einer rechtlichen \u00dcberpr\u00fcfung regelm\u00e4\u00dfig nicht standh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Nach einer weiteren klaren rechtlichen Intervention wurde die Bewertung schlie\u00dflich innerhalb kurzer Zeit entfernt.<\/p>\n<p>Ob dies auf eine ge\u00e4nderte Bearbeitungspraxis oder auf den Einzelfall zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, bleibt offen \u2013 der Effekt ist eindeutig: <strong>Beharrlichkeit und jurische Pr\u00e4zision zahlen sich aus.<\/strong><\/p>\n<h2>Warum \u00c4rzte nicht \u00f6ffentlich antworten sollten<\/h2>\n<p>\u00d6ffentliche Erwiderungen klingen verlockend, sind aber in aller Regel der falsche Weg. Wer als Arzt, Therapeut, Rechtsanwalt oder Angeh\u00f6riger anderer verschwiegenheitspflichtiger Berufe \u00fcber Behandlungs- oder Mandatsumst\u00e4nde schreibt, riskiert berufsrechtliche und strafrechtliche Konsequenzen.<\/p>\n<p>Das gilt selbst dann, wenn die Gegenseite falsche Tatsachen behauptet oder provoziert: Die Schweigepflicht gilt fort und sch\u00fctzt gerade auch in Konfliktsituationen.<\/p>\n<p>Der rechtssichere Weg f\u00fchrt deshalb \u00fcber eine fundierte <strong>Notice-and-Action<\/strong>-Mitteilung mit konkreter Rechtsbegr\u00fcndung, Belegstellen und \u2013 wo erforderlich \u2013 einer Dokumentation der Rechtsverletzung. Erst wenn Plattformen ordnungsgem\u00e4\u00df adressiert und in die Haftung genommen werden, steigt die L\u00f6schungswahrscheinlichkeit signifikant.<\/p>\n<h2>Was bedeutet das f\u00fcr Berufsgeheimnistr\u00e4ger?<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Nicht \u00f6ffentlich reagieren.<\/strong> Keine Details, keine \u201eKlarstellung\u201c im Bewertungsfenster \u2013 auch nicht in Andeutungen.<\/li>\n<li><strong>Rechtliche Bewertung voranstellen.<\/strong> Handelt es sich um falsche Tatsachenbehauptungen, Schm\u00e4hkritik oder unzul\u00e4ssige Inhalte nach DSA und nationalem Recht?<\/li>\n<li><strong>Formgerecht melden.<\/strong> Den gesetzlich geforderten Meldeweg nutzen \u2013 aber sich von pauschalen Ablehnungen nicht<br \/>\nabschrecken lassen und qualifiziert nachfassen.<\/li>\n<li><strong>Dokumentieren.<\/strong> Screenshots, Zeitpunkte, \u00c4nderungen der Bewertung und Reaktionen der Plattform sichern.<\/li>\n<li><strong>Professionell vorgehen lassen.<\/strong> Gerade bei sensiblen Branchen sch\u00fctzt anwaltliches Vorgehen Reputation und<br \/>\nRechtsposition zugleich.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>F\u00fcr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte ist der Spagat zwischen Online-Reputation und Schweigepflicht besonders heikel. Dieser Praxisfall zeigt: \u00d6ffentliche Gegenrede ist keine Option \u2013 zielgerichtete rechtliche Schritte hingegen schon. Wer konsequent und formal richtig vorgeht, kann rechtswidrige Bewertungen entfernen lassen und den guten Ruf sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein niedergelassener Arzt wurde auf Google mit einer ungew\u00f6hnlich langen, in weiten Teilen unzutreffenden und herabsetzenden Bewertung \u00fcberzogen. Behauptet wurden vermeintlich nicht erbrachte Leistungen, ein \u201eunseri\u00f6ses\u201c Vorgehen und weiteres \u2013 alles \u00f6ffentlich sichtbar, reputationsgef\u00e4hrdend und dauerhaft auffindbar. 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