{"id":69667,"date":"2025-10-27T05:14:52","date_gmt":"2025-10-27T03:14:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=69667"},"modified":"2025-10-27T05:16:25","modified_gmt":"2025-10-27T03:16:25","slug":"influencer-hwg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/lebensmittelrecht-arzneimittelrecht\/influencer-hwg\/","title":{"rendered":"OLG K\u00f6ln: Influencer-Reel zur Bewerbung eines Arzneimittels verst\u00f6\u00dft gegen das Heilmittelwerbegesetz"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-69669 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Influencer-HWG-414x414.jpg\" alt=\"\" width=\"414\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Influencer-HWG-414x414.jpg 414w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Influencer-HWG-620x620.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Influencer-HWG-207x207.jpg 207w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Influencer-HWG-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Influencer-HWG.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 414px) 100vw, 414px\" \/>Das Oberlandesgericht K\u00f6ln (Urteil vom 11.09.2025, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=6%20U%20118\/24\" title=\"OLG K&ouml;ln, 11.09.2025 - 6 U 118\/24: Influencer-Reel - Jedenfalls im Rahmen bezahlter Werbepartne...\">6 U 118\/24<\/a> \u2013 Influencer-Reel) hat entschieden, dass die Bewerbung eines Arzneimittels in einem Instagram-Reel durch eine Influencerin gegen das Heilmittelwerbegesetz (HWG) verst\u00f6\u00dft. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Influencerin hatte ein 18 Sekunden langes Kurzvideo ver\u00f6ffentlicht, in dem sie die Einnahme eines Medikaments mit einer positiven Stimmungs\u00e4nderung in Verbindung brachte \u2013 ohne den gesetzlich vorgeschriebenen Pflichttext nach \u00a7 4 Abs. 3 HWG (\u201eZu Risiken und Nebenwirkungen\u2026\u201c) im Video selbst anzugeben.<\/em><\/p>\n<p><em>Das Pharmaunternehmen, das die Influencerin beauftragt hatte, verwies darauf, dass der Pflichttext \u00fcber den begleitenden Text und einen verlinkten Instagram-Account (\u201e@D._pflichttext\u201c) abrufbar gewesen sei. Diese Gestaltung gen\u00fcgte dem OLG K\u00f6ln jedoch nicht.<\/em><\/p>\n<h2>Pflichttext muss im Video selbst erscheinen<\/h2>\n<p>Nach Auffassung des Gerichts handelt es sich bei einem Instagram-Reel um ein \u201eaudiovisuelles Medium\u201c im Sinne des \u00a7 4 Abs. 5 HWG. Entscheidend sei, dass das Medium bewegte Bilder und Ton enthalte und damit funktional einer Fernsehwerbung entspreche. Der Pflichttext m\u00fcsse daher \u2013 wie im Fernsehen \u2013 innerhalb des Videos eingeblendet und gesprochen werden. Eine blo\u00dfe Verlinkung auf einen anderen Account oder eine \u201eKachelbelehrung\u201c gen\u00fcge nicht.<\/p>\n<p>Die Richter begr\u00fcndeten dies mit der medienspezifischen Wahrnehmungssituation der Nutzerinnen und Nutzer: Die Aufmerksamkeitsspanne bei Social-Media-Videos sei gering, viele Clips w\u00fcrden nur wenige Sekunden angesehen. Eine Information, die erst durch aktives Anklicken eines Links erreichbar sei, erf\u00fclle die gesetzlichen Anforderungen daher nicht.<\/p>\n<p>Der Schutzzweck des HWG \u2013 die schnelle und un\u00fcbersehbare Risikoinformation bei Arzneimittelwerbung \u2013 gebiete es, dass der Hinweis im Video selbst sichtbar und h\u00f6rbar erscheint.<\/p>\n<h2>Influencerin ist \u201ebekannte Person\u201c im Sinne des HWG<\/h2>\n<p>Daneben best\u00e4tigte das OLG K\u00f6ln einen weiteren Wettbewerbsversto\u00df: Die Werbung mit einer \u201ebekannten Person\u201c f\u00fcr ein Arzneimittel ist gem\u00e4\u00df \u00a7 11 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 HWG unzul\u00e4ssig. Das Gericht sah die Influencerin, die \u00fcber 130.000 Follower auf Instagram, 155.000 Abonnenten auf YouTube und eine hohe Reichweite auf TikTok verf\u00fcgte, als bekannte Person an.<\/p>\n<p>Ma\u00dfgeblich sei nicht, ob jemand bundesweit prominent ist. Entscheidend sei vielmehr, ob die Person \u00fcber eine Bekanntheit verf\u00fcgt, die geeignet ist, Verbraucher zum Arzneimittelkonsum anzuregen. Influencerinnen und Influencer k\u00f6nnten \u2013 so das Gericht \u2013 durch parasoziale Beziehungen und ihr Vertrauensverh\u00e4ltnis zu Followern die gleiche \u00dcberzeugungskraft entfalten wie klassische Prominente.<\/p>\n<p>Eine Empfehlung aus diesem Umfeld k\u00f6nne daher die rationale Entscheidungsbildung der Verbraucher gef\u00e4hrden.<\/p>\n<h2>Formaler Pflichttext statt \u201emehr Information\u201c<\/h2>\n<p>Interessant ist auch der Hinweis des Senats, dass der Gesetzgeber bei der audiovisuellen Werbung bewusst nach dem Prinzip \u201eWeniger ist mehr\u201c verf\u00e4hrt: Ziel sei nicht eine m\u00f6glichst ausf\u00fchrliche Aufkl\u00e4rung, sondern ein standardisierter Warnhinweis, der zuverl\u00e4ssig wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>Eine vermeintlich \u201einformativere\u201c Gestaltung k\u00f6nne den gesetzlichen Anforderungen deshalb nicht gen\u00fcgen.<\/p>\n<h2>Fazit: Arzneimittelwerbung auf Social Media bleibt riskant<\/h2>\n<p>Das Urteil ist eine klare Mahnung an Pharmaunternehmen und Agenturen, die auf Influencer-Marketing setzen: Die heilmittelrechtlichen Werbebeschr\u00e4nkungen gelten auch auf Plattformen wie Instagram und TikTok uneingeschr\u00e4nkt. Kurzvideos sind keine rechtliche Grauzone. Pflichtangaben m\u00fcssen im Video selbst erscheinen \u2013 und Kooperationen mit bekannten Pers\u00f6nlichkeiten, auch solchen mit \u201enur\u201c 100.000 Followern, bergen ein erhebliches Risiko.<\/p>\n<p>Das OLG K\u00f6ln f\u00fchrt damit die Linie der Rechtsprechung zur heilmittelrechtlichen Influencer-Werbung fort und pr\u00e4zisiert die Anforderungen an audiovisuelle Formate im digitalen Raum. Eine Revision wurde nicht zugelassen.<\/p>\n<div style=\"border: 1px solid #d9d9d9; border-radius: 10px; padding: 15px; background-color: #f9f9f9;\">\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Beitr\u00e4ge zum Thema Influencer &#038; Social Media-Recht:<\/strong><\/p>\n<p style=\"margin-top: 8px;\">\n    Influencer-Marketing bleibt juristisch komplex \u2013 von Kennzeichnungspflichten \u00fcber Accountsperren bis hin zu heilmittelrechtlichen Grenzen.<br \/>\n    Wer tiefer einsteigen m\u00f6chte, findet hier ausgew\u00e4hlte LHR-Beitr\u00e4ge mit Praxisbezug und Handlungsempfehlungen:\n  <\/p>\n<ul style=\"margin-top: 10px; line-height: 1.5;\">\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/influencer-haftung-fuer-reaction-videos-verschaerft\/\">Influencer-Haftung f\u00fcr Reaction-Videos:<\/a><\/strong> LG K\u00f6ln verh\u00e4ngt Ordnungsgeld f\u00fcr die Weiterverbreitung gesch\u00e4ftssch\u00e4digender Inhalte.<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/herabsetzung-konkurrenz-influencer\/\">Immobilien-Influencer:<\/a><\/strong> Zwei EV wegen rufsch\u00e4digender Werbevideos (Herabsetzung von Mitbewerbern).<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/influencer-kontofreischaltung\/\">Accountsperre:<\/a><\/strong> LG Berlin st\u00e4rkt Rechte von Influencern gegen Meta (Kartellrecht als zus\u00e4tzlicher Hebel).<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/social-media-recht\/nicht-bezahlte-postings-instgram-werbung\/\">#WERBUNG \u2013 auch ohne Bezahlung kennzeichnen:<\/a><\/strong> OLG K\u00f6ln zur Kennzeichnungspflicht ohne Entgelt.<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/social-media-recht\/olg-braunschweig-postings-auf-einem-influencer-account-sind-nie-privat\/\">\u201ePostings auf Influencer-Accounts sind nie privat\u201c:<\/a><\/strong> OLG Braunschweig zur Abgrenzung privat\/gesch\u00e4ftlich.<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/social-media-recht\/produktbeitraege-influencer-keine-werbung\/\">Produktbeitr\u00e4ge von Influencern:<\/a><\/strong> Werbung \u2013 ja oder nein? Orientierung zu Reichweite, Verlinkungen &#038; Kennzeichnung.<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/werbung-auf-instagram\/\">Werbung auf Instagram:<\/a><\/strong> EV gegen unlautere Kampagne (LG D\u00fcsseldorf).<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/einstweilige-verfuegung-suchergebnis-google\/\">Betrugsvorw\u00fcrfe gegen Influencer:<\/a><\/strong> EV gegen Google-Suchergebnis (OLG Frankfurt).<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"margin-top: 12px; font-weight: bold;\">Heilmittelwerberecht &#038; \u201eMedfluencer\u201c:<\/p>\n<ul style=\"margin-top: 5px; line-height: 1.5;\">\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/hyaluronsaeure-werbung-gericht-bestaetigt-werbeverbot\/\">Hyalurons\u00e4ure-Werbung:<\/a><\/strong> OLG K\u00f6ln konkretisiert Grenzen \u00e4sthetischer Werbung.<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/werbung-chirurgische-eingriffe\/\">Vorher-\/Nachher-Bilder &#038; Eingriffe:<\/a><\/strong> Werbung f\u00fcr chirurgische\/\u00e4sthetische Behandlungen \u2013 Rechtsprechungs\u00fcberblick.<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/aerztliche-werbung-was-ist-erlaubt\/\">\u00c4rztliche Werbung im Internet:<\/a><\/strong> Leitfaden mit HWG-Basics &#038; \u201eMedfluencer\u201c.<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/werbung-fuer-schoenheitsbehandlungen\/\">Sch\u00f6nheitsbehandlungen &#038; Werbung:<\/a><\/strong> Was ist erlaubt? Was verboten?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"margin-top: 12px; font-weight: bold;\">Grundlagen &#038; Orientierung:<\/p>\n<ul style=\"margin-top: 5px; line-height: 1.5;\">\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/social-media-recht\/taggen-von-fotos-ohne-kennzeichnung-ist-schleichwerbung\/\">Taggen ohne Kennzeichnung = Schleichwerbung:<\/a><\/strong> LG Karlsruhe.<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/social-media-recht\/lg-muenchen-verlinkunen-auf-instagram-doch-keine-schleichwerbung\/\">Verlinkungen auf Instagram:<\/a><\/strong> LG\/OLG-Entscheidungen zur Schleichwerbung.<\/li>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/unzulaessige-instagram-werbung-rossmann-muss-im-wiederholungsfall-250-000-euro-zahlen\/\">Unzul\u00e4ssige Instagram-Werbung (Rossmann):<\/a><\/strong> OLG Celle zum Wiederholungsfall.<\/li>\n<\/ul>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Oberlandesgericht K\u00f6ln (Urteil vom 11.09.2025, Az. 6 U 118\/24 \u2013 Influencer-Reel) hat entschieden, dass die Bewerbung eines Arzneimittels in einem Instagram-Reel durch eine Influencerin gegen das Heilmittelwerbegesetz (HWG) verst\u00f6\u00dft. 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