{"id":69600,"date":"2025-10-08T04:24:48","date_gmt":"2025-10-08T02:24:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=69600"},"modified":"2025-10-08T04:26:30","modified_gmt":"2025-10-08T02:26:30","slug":"waffe-instagram","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/waffe-instagram\/","title":{"rendered":"LHR-Praxisfall: Rufsch\u00e4digung durch Instastorys"},"content":{"rendered":"
Was fr\u00fcher im Boulevard stattfand, geschieht heute auf Instagram \u2013 oft binnen Stunden, \u00f6ffentlich und unkontrollierbar. <\/em><\/p>\n Besonders perfide: die Nutzung von Instagram-Storys.<\/em><\/p>\n So oder so \u00e4hnlich beginnen viele Anrufe, die wir bei LHR erhalten.<\/p>\n Eine Influencerin meldet sich verzweifelt: Eine Konkurrentin habe in mehreren Storys behauptet, sie habe Fans betrogen, sei unehrlich oder \u201efake\u201c. Es gibt Tr\u00e4nen, Andeutungen, emp\u00f6rte Kommentare. Nach 24 Stunden sind die Storys verschwunden \u2013 aber der Schaden ist angerichtet.<\/p>\n Was bleibt, sind Screenshots, Reposts, Gossip-Seiten und ein zerst\u00f6rtes \u00f6ffentliches Vertrauen. Die Plattformmechanismen belohnen Emp\u00f6rung, und aus einer scheinbar kleinen Attacke wird ein digitaler Fl\u00e4chenbrand.<\/p>\n Storys sind 15-sek\u00fcndige Fotos oder Clips, die nach 24 Stunden automatisch gel\u00f6scht werden \u2013 zumindest oberfl\u00e4chlich. In Wahrheit werden sie oft archiviert, gesichert oder \u00fcber Drittseiten weiterverbreitet.<\/p>\n F\u00fcr Angreifer ist das ein perfektes Werkzeug:<\/p>\n Die Kurzfristigkeit suggeriert Straflosigkeit, doch rechtlich ist das ein gef\u00e4hrlicher Irrtum. Der Angriff auf das Pers\u00f6nlichkeitsrecht erfolgt mit Ver\u00f6ffentlichung \u2013 und kann auch nachtr\u00e4glich geahndet werden.<\/p>\n In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass Gerichte den Erlass einstweiliger Verf\u00fcgungen ablehnen, weil die Story zum Zeitpunkt des Antrags nicht mehr abrufbar war. Begr\u00fcndung: Keine aktuelle Beeintr\u00e4chtigung \u2013 also keine Dringlichkeit.<\/p>\n Diese Haltung ist nicht nur falsch sondern auch v\u00f6llig realit\u00e4tsfern. Der rechtswidrige Eingriff in das Pers\u00f6nlichkeitsrecht war bereits mit der Ver\u00f6ffentlichung vollendet. Nur weil der Inhalt nicht mehr abrufbar ist, wird der Schaden nicht ungeschehen.<\/p>\n Man k\u00f6nnte es vergleichen mit einer diffamierenden Schlagzeile der \u201eBild\u201c-Zeitung: Nur weil sie am n\u00e4chsten Tag nicht mehr verkauft wird, hat sie ihren Effekt ja nicht verloren. Die Fl\u00fcchtigkeit eines Mediums ist kein Freibrief f\u00fcr Rechtsverletzungen.<\/p>\n Viele digitale Angriffe sind heute subtiler als offene Beleidigungen. Sie bestehen aus kleinen Andeutungen, Symbolen oder gezielten Emotionen.<\/p>\n Beispiele aus unserer Praxis:<\/strong><\/p>\n Das Ergebnis: Das Publikum setzt das Puzzle zusammen. Die Botschaft wird verstanden \u2013 ohne dass sie je ausgesprochen wurde.<\/p>\n Auch implizite \u00c4u\u00dferungen<\/strong> k\u00f6nnen rechtswidrig sein, wenn sie nach objektivem Empf\u00e4ngerhorizont ehrverletzend oder herabw\u00fcrdigend wirken. Entscheidend ist die Gesamtwirkung<\/strong>, nicht das einzelne Emoji.<\/p>\n Weil Storys nur 24 Stunden sichtbar sind, ist schnelle Beweissicherung entscheidend.<\/p>\n Wir raten Betroffenen daher:<\/p>\n Wer rechtzeitig Beweise sichert, kann erfolgreich Unterlassung, Gegendarstellung oder Schadensersatz verlangen \u2013 auch nach Ablauf der 24-Stunden-Frist.<\/p>\n Betroffene haben mehrere juristische Handlungsoptionen:<\/p>\n Die Erfahrung zeigt: Je schneller und entschlossener gehandelt wird, desto effektiver l\u00e4sst sich ein digitaler Rufschaden begrenzen.<\/p>\n Das Internet belohnt Emotionalit\u00e4t. Was Emp\u00f6rung ausl\u00f6st, bekommt Reichweite. Und was Reichweite hat, wird f\u00fcr viele Nutzer zur vermeintlichen Wahrheit.<\/p>\n Storys sind daf\u00fcr das perfekte Medium: kurz, aufgeladen, suggestiv. Der \u00dcbergang von subjektiver Meinung zu ehrverletzender Tatsachenbehauptung ist flie\u00dfend \u2013 aber rechtlich klar justiziabel.<\/p>\n Instastorys m\u00f6gen nur 24 Stunden sichtbar sein, doch sie entfalten eine Wirkung, die weit dar\u00fcber hinausgeht. In der Praxis erleben wir, wie sich gezielte Kampagnen in kurzer Zeit verselbstst\u00e4ndigen \u2013 und Betroffene vor existenzielle Probleme stellen.<\/p>\n LHR hilft<\/strong>, solche Angriffe zu stoppen, Rufsch\u00e4den einzud\u00e4mmen und T\u00e4ter juristisch zur Verantwortung zu ziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Immer h\u00e4ufiger wenden sich Influencer, Prominente, K\u00fcnstler und Unternehmer an uns, weil sie in sozialen Medien Zielscheibe von Hetz- und Verleumdungskampagnen werden. Was fr\u00fcher im Boulevard stattfand, geschieht heute auf Instagram \u2013 oft binnen Stunden, \u00f6ffentlich und unkontrollierbar. Besonders perfide: die Nutzung von Instagram-Storys. \u201eIch werde gerade auf Instagram fertiggemacht\u2026\u201c \u2013 ein typischer Hilferuf So […]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":69605,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[13],"tags":[20730,20731],"class_list":["post-69600","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","tag-instgram","tag-instastory","topic_category-medienrecht-persoenlichkeitsrecht"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69600","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=69600"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69600\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":69609,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/69600\/revisions\/69609"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/69605"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=69600"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=69600"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=69600"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}
Immer h\u00e4ufiger wenden sich Influencer, Prominente, K\u00fcnstler und Unternehmer an uns, weil sie in sozialen Medien Zielscheibe von Hetz- und Verleumdungskampagnen werden. <\/em><\/p>\n\u201eIch werde gerade auf Instagram fertiggemacht\u2026\u201c \u2013 ein typischer Hilferuf<\/h2>\n
Warum gerade Instagram-Storys so gef\u00e4hrlich sind<\/h2>\n
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Wenn Gerichte sagen: \u201eDie Story ist doch eh schon weg\u201c<\/h2>\n
Das neue Ph\u00e4nomen: Rufmord im Puzzlestyle<\/h2>\n
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Beweissicherung: Wer Storys nicht dokumentiert, verliert<\/h2>\n
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Rechtliche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Betroffene<\/h2>\n
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Das gesellschaftliche Problem: Emp\u00f6rung als Unterhaltung<\/h2>\n
Fazit: Fl\u00fcchtig, aber folgenreich<\/h2>\n