{"id":69538,"date":"2025-09-23T04:57:42","date_gmt":"2025-09-23T02:57:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=69538"},"modified":"2025-09-23T04:57:42","modified_gmt":"2025-09-23T02:57:42","slug":"googe-ki-uebersicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/googe-ki-uebersicht\/","title":{"rendered":"KI-\u00dcbersichten von Google \u2013 Komfort oder Gefahr f\u00fcr den Wettbewerb?"},"content":{"rendered":"<article><em><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-69540 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Google-KI-Uebersicht-414x414.jpg\" alt=\"\" width=\"414\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Google-KI-Uebersicht-414x414.jpg 414w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Google-KI-Uebersicht-620x620.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Google-KI-Uebersicht-207x207.jpg 207w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Google-KI-Uebersicht-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Google-KI-Uebersicht.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 414px) 100vw, 414px\" \/>Seit Fr\u00fchjahr 2025 hat Google seine Suchmaschine um ein neues Feature erweitert: die KI-\u00dcbersicht. Nutzer erhalten oberhalb der klassischen Trefferliste automatisch generierte Texte, die scheinbar die wichtigsten Informationen zur Suchanfrage zusammenfassen. <\/em><em>F\u00fcr viele wirkt dies praktisch und effizient \u2013 tats\u00e4chlich birgt es erhebliches Konfliktpotenzial, weil es nicht mehr nur um die Anzeige fremder Inhalte, sondern um eine eigenst\u00e4ndige inhaltliche Deutung durch Google geht.<\/em><\/p>\n<h2>Ein Beispiel aus dem Gesundheitsbereich<\/h2>\n<p>Ein Patient sucht bei Google nach \u201eMigr\u00e4ne-Therapie\u201c. Statt einer Linkliste mit Fachartikeln, Praxisseiten oder klinischen Studien erscheint eine prominent platzierte KI-\u00dcbersicht. Diese hebt ein experimentelles Verfahren als \u201eg\u00e4ngige Behandlungsmethode\u201c hervor, obwohl es weder medizinisch anerkannt noch weit verbreitet ist.<\/p>\n<p>Die Folge: Etablierte \u00c4rzte und Kliniken, die seri\u00f6se Verfahren anbieten, werden in den Hintergrund gedr\u00e4ngt. Patienten hingegen k\u00f6nnten sich auf diese unzutreffende Darstellung verlassen \u2013 mit Risiken f\u00fcr ihre Gesundheit und das Vertrauen in die \u00e4rztliche Beratung.<\/p>\n<h2>Das Zero-Click-Ph\u00e4nomen<\/h2>\n<p>Besonders kritisch ist das sogenannte Zero-Click-Ph\u00e4nomen. Viele Nutzer klicken keine weiterf\u00fchrenden Links mehr an, weil sie die KI-Antwort f\u00fcr ausreichend halten.<\/p>\n<p>Damit ver\u00e4ndert sich die Rolle von Google grundlegend: von der neutralen Suchmaschine, die Dritte auffindbar macht, hin zu einem Anbieter eigener Inhalte, die als verl\u00e4ssliche Information wahrgenommen werden \u2013 ohne dass diese \u00fcberpr\u00fcft wurden.<\/p>\n<h2>Rechtliche W\u00fcrdigung<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Kartellrechtliche Dimension (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GWB\/18.html\" title=\"&sect; 18 GWB: Marktbeherrschung\">\u00a7\u00a7 18<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GWB\/19.html\" title=\"&sect; 19 GWB: Verbotenes Verhalten von marktbeherrschenden Unternehmen\">19 GWB<\/a>):<\/strong> Google ist nach Feststellungen des Bundeskartellamts und der EU-Kommission marktbeherrschend. Wenn eigene KI-generierte Inhalte die Sichtbarkeit von Wettbewerbern verdr\u00e4ngen, kann dies eine unbillige Behinderung darstellen. Besonders gef\u00e4hrlich ist, dass dadurch faktisch der Marktzugang f\u00fcr ganze Branchen beschr\u00e4nkt wird.<\/li>\n<li><strong>Wettbewerbsrechtliche Aspekte (UWG):<\/strong> Werden durch die KI-\u00dcbersicht falsche oder irref\u00fchrende Tatsachen verbreitet, k\u00f6nnen betroffene Unternehmen Anspr\u00fcche auf Unterlassung oder Richtigstellung geltend machen. Das gilt insbesondere dann, wenn gesundheits- oder berufsbezogene Angaben geeignet sind, das Verhalten von Verbrauchern zu beeinflussen.<\/li>\n<li><strong>Digital Markets Act (DMA, Art. 6 Abs. 5):<\/strong> Als Gatekeeper darf Google seine eigenen Inhalte nicht bevorzugen. Indem KI-\u00dcbersichten visuell hervorgehoben und vor allen anderen Ergebnissen platziert werden, dr\u00e4ngen sie externe Anbieter zur\u00fcck. Die Grenze zur verbotenen Selbstbevorzugung ist damit schnell erreicht.<\/li>\n<li><strong>Haftungsfragen:<\/strong> Auch wenn Google argumentiert, es handele sich um \u201etechnisch generierte Inhalte\u201c, stellt sich die Frage, ob solche Texte als eigene \u00c4u\u00dferungen der Plattform zu bewerten sind. Die Parallelen zu Autocomplete- oder Snippet-F\u00e4llen legen nahe, dass eine Zurechnung durchaus m\u00f6glich ist.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>M\u00f6gliche Rechtsfolgen und Anspr\u00fcche<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Unterlassungsanspr\u00fcche nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GWB\/33.html\" title=\"&sect; 33 GWB: Beseitigungs- und Unterlassungsanspruch\">\u00a7 33 GWB<\/a>:<\/strong> gegen den Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung.<\/li>\n<li><strong>Anspr\u00fcche auf Beseitigung und Schadensersatz:<\/strong> wenn nachweisbar ein wirtschaftlicher Schaden durch Fehlinformationen oder Klickverluste entsteht.<\/li>\n<li><strong>Anspr\u00fcche nach dem UWG:<\/strong> bei irref\u00fchrenden oder unzutreffenden Aussagen in der KI-\u00dcbersicht.<\/li>\n<li><strong>Durchsetzung von DMA-Vorgaben:<\/strong> insbesondere Transparenz- und Fairnesspflichten im Ranking.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Damit ist ein ganzes B\u00fcndel an zivilrechtlichen und kartellrechtlichen Instrumenten vorhanden, um sich gegen die Marktmacht von Google zu wehren.<\/p>\n<h2>Breite Betroffenheit<\/h2>\n<p>Die Auswirkungen betreffen nicht nur \u00c4rzte. Auch Anw\u00e4lte, Architekten, Finanzberater und andere freie Berufe sind potenziell betroffen.<\/p>\n<p>Wer darauf angewiesen ist, im Netz korrekt dargestellt und auffindbar zu sein, l\u00e4uft Gefahr, durch KI-generierte Fehlinterpretationen unsichtbar oder verf\u00e4lscht wahrgenommen zu werden.<\/p>\n<h2>Praktische Handlungsoptionen<\/h2>\n<ul>\n<li><strong>Fr\u00fchzeitiges Monitoring:<\/strong> Regelm\u00e4\u00dfige Kontrolle der eigenen Sichtbarkeit in Suchmaschinen.<\/li>\n<li><strong>Rechtliche Intervention:<\/strong> Abmahnungen und einstweilige Verf\u00fcgungen gegen falsche Darstellungen.<\/li>\n<li><strong>Beschwerdeverfahren:<\/strong> Nutzung der DMA-Mechanismen gegen\u00fcber Gatekeepern.<\/li>\n<li><strong>Kommunikation:<\/strong> Klare Aufkl\u00e4rung in eigenen Kan\u00e4len, um Vertrauen zur\u00fcckzugewinnen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Die KI-\u00dcbersichten von Google markieren einen Wendepunkt: Sie erleichtern zwar den Zugang zu Information, verschieben aber auch die Machtbalance im Netz erheblich. Falschinformationen k\u00f6nnen sich so schnell und nachhaltig verbreiten, dass ganze Branchen darunter leiden.<\/p>\n<p>F\u00fcr betroffene Unternehmen gilt: Sie sind nicht schutzlos. Mit einem Mix aus kartellrechtlichen, wettbewerbsrechtlichen und kommunikativen Ma\u00dfnahmen lassen sich Gegenstrategien entwickeln. Entscheidend ist, rechtzeitig aktiv zu werden, bevor sich Fehlvorstellungen in den K\u00f6pfen der Nutzer verfestigen.<\/p>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Fr\u00fchjahr 2025 hat Google seine Suchmaschine um ein neues Feature erweitert: die KI-\u00dcbersicht. Nutzer erhalten oberhalb der klassischen Trefferliste automatisch generierte Texte, die scheinbar die wichtigsten Informationen zur Suchanfrage zusammenfassen. 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