{"id":69389,"date":"2025-07-30T05:32:13","date_gmt":"2025-07-30T03:32:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=69389"},"modified":"2025-08-08T22:32:33","modified_gmt":"2025-08-08T20:32:33","slug":"praxisfall-coaches-fernusg-bgh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/vertragsrecht\/praxisfall-coaches-fernusg-bgh\/","title":{"rendered":"LHR-Praxisfall: R\u00fcckforderungsrisiken f\u00fcr Coaches \u2013 wenn Coaching-Vertr\u00e4ge unter das FernUSG fallen"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-69392 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Praxisfall-coaches-414x414.jpg\" alt=\"\" width=\"414\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Praxisfall-coaches-414x414.jpg 414w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Praxisfall-coaches-620x620.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Praxisfall-coaches-207x207.jpg 207w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Praxisfall-coaches-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Praxisfall-coaches.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 414px) 100vw, 414px\" \/>Vor dem Hintergrund der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Zulassungspflicht von Coaching-Angeboten nach dem Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) erreichen unsere Kanzlei derzeit zahlreiche Anfragen von Coaches, die sich fragen, ob ihre bestehenden Vertr\u00e4ge angreifbar oder sogar nichtig sein k\u00f6nnten. <\/em><\/p>\n<p><em>Auch wenn es sich h\u00e4ufig um wirtschaftlich erfolgreiche, seri\u00f6s strukturierte Programme handelt, besteht bei vielen Vertragstypen Unsicherheit dar\u00fcber, ob eine ZFU-Zulassung erforderlich gewesen w\u00e4re.<\/em><\/p>\n<p>Um ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die rechtliche Lage und m\u00f6gliche Handlungsoptionen zu vermitteln, stellen wir im Folgenden einen anonymisierten Praxisfall aus unserer Beratung vor.<\/p>\n<h2>Ein Praxisfall aus dem Bereich Finanz-Coaching<\/h2>\n<p>Ein wirtschaftlich erfolgreicher und seri\u00f6ser Anbieter von Finanz-Coachings vertreibt seine Programme \u00fcber eine professionelle Website und einen \u00f6ffentlich sichtbaren YouTube-Kanal. Das Angebot ist didaktisch klar strukturiert, umfasst digitale Lernmodule, 1:1-Betreuung per Zoom, Feedback-Kan\u00e4le sowie begleitende Unterst\u00fctzung \u00fcber E-Mail und Messenger.<\/p>\n<p>R\u00fcckforderungen durch Kunden sind bislang \u2013 von seltenen Einzelf\u00e4llen abgesehen \u2013 nicht erfolgt. Die Teilnehmer zeigen sich \u00fcberwiegend zufrieden, Beschwerden oder \u00f6ffentlichkeitswirksame Konflikte sind nicht bekannt. Dennoch veranlasst die aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) zur Anwendbarkeit des Fernunterrichtsschutzgesetzes (FernUSG) den Anbieter, sein Gesch\u00e4ftsmodell rechtlich \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen.<\/p>\n<h2>Warum jetzt rechtlich gehandelt wird<\/h2>\n<p>Nach neuerer Rechtsprechung kann ein Coachingangebot zulassungspflichtig im Sinne des FernUSG sein, wenn bestimmte Merkmale erf\u00fcllt sind \u2013 unter anderem:<\/p>\n<ul>\n<li>r\u00e4umliche Trennung von Coach und Teilnehmer<\/li>\n<li>systematisch aufgebautes Lernprogramm<\/li>\n<li>individuelle Betreuung oder Erfolgskontrolle<\/li>\n<li>Abschluss per Fernkommunikationsmittel<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im vorliegenden Fall deutet vieles darauf hin, dass diese Voraussetzungen erf\u00fcllt sind. Eine Zulassung durch die Staatliche Zentralstelle f\u00fcr Fernunterricht (ZFU) liegt bisher nicht vor. Der Anbieter handelt daher proaktiv, um etwaige Rechts- und Haftungsrisiken fr\u00fchzeitig zu erfassen und abzusichern.<\/p>\n<h2>Welche Risiken bestehen bei fehlender ZFU-Zulassung?<\/h2>\n<ul>\n<li>Nichtigkeit der Vertr\u00e4ge (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/FernUSG\/7.html\" title=\"&sect; 7 FernUSG: Nichtigkeit; Recht zur fristlosen K&uuml;ndigung\">\u00a7 7 FernUSG<\/a>): Wenn ein zulassungspflichtiger Fernunterrichtsvertrag ohne ZFU-Zulassung abgeschlossen wurde, ist dieser Vertrag grunds\u00e4tzlich nichtig \u2013 auch r\u00fcckwirkend.<\/li>\n<li>R\u00fcckforderungsanspr\u00fcche durch Kunden: Bei Nichtigkeit besteht grunds\u00e4tzlich ein Anspruch auf R\u00fcckzahlung der gezahlten Verg\u00fctung \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob die Leistungen vollst\u00e4ndig erbracht wurden.<\/li>\n<li>Kein sicherer Wertersatz: Ein Wertersatz \u2013 wie er im Widerrufsrecht unter bestimmten Voraussetzungen m\u00f6glich ist \u2013 ist in FernUSG-F\u00e4llen rechtlich nicht gesichert. Die Rechtsprechung ist hierzu uneinheitlich und \u00fcberwiegend restriktiv.<\/li>\n<li>Insolvenzrechtliche Folgefragen: Kommt es zu einer Vielzahl von R\u00fcckforderungen, kann sich daraus unter Umst\u00e4nden eine \u00dcberschuldung oder Zahlungsunf\u00e4higkeit ergeben. In einem solchen Fall w\u00e4re durch die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung zu pr\u00fcfen, ob eine Insolvenzantragspflicht (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/InsO\/15a.html\" title=\"&sect; 15a InsO: Antragspflicht bei juristischen Personen und rechtsf&auml;higen Personengesellschaften\">\u00a7 15a InsO<\/a>) besteht.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Reaktion: Neustrukturierung und Risikoabsicherung<\/h2>\n<p>In Zusammenarbeit mit unserer Kanzlei wurden folgende Ma\u00dfnahmen eingeleitet:<\/p>\n<ul>\n<li>Gr\u00fcndung einer neuen GmbH f\u00fcr zuk\u00fcnftige Coaching-Aktivit\u00e4ten zur klaren Trennung von Alt- und Neugesch\u00e4ft<\/li>\n<li>\u00dcbertragung wesentlicher immaterieller Werte (z.\u202fB. Domainrechte, Kursplattformen) auf die neue Gesellschaft zu markt\u00fcblichen Konditionen<\/li>\n<li>Einbindung des Steuerberaters zur Festlegung von sachgerechten Bewertungsans\u00e4tzen und zur Vermeidung von Gestaltungsmissbrauch<\/li>\n<li>Rechtliche \u00dcberpr\u00fcfung, welche bisherigen Vertr\u00e4ge konkret betroffen sein k\u00f6nnten<\/li>\n<li>Pr\u00fcfung alternativer Angebotsformate \u2013 z.\u202fB. rein automatisierte Selbstlernkurse ohne individuelle Betreuung<\/li>\n<\/ul>\n<h2>ZFU-Zulassung \u2013 wann sie erforderlich ist und wie sie abl\u00e4uft<\/h2>\n<p>Die ZFU pr\u00fcft Coaching-Angebote nicht pauschal, sondern bewertet jeweils das konkrete Kursformat. Die folgenden Voraussetzungen m\u00fcssen f\u00fcr eine Zulassung erf\u00fcllt sein:<\/p>\n<ul>\n<li>p\u00e4dagogisch-didaktisches Konzept mit Lernzielen<\/li>\n<li>transparente Vertragsbedingungen<\/li>\n<li>Nachweise zur Qualifikation der Lehrkr\u00e4fte<\/li>\n<li>vollst\u00e4ndige Kursunterlagen und Darstellung der Kommunikation mit Teilnehmenden<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die durchschnittliche Bearbeitungszeit betr\u00e4gt derzeit 8\u201312 Wochen. Zwar sieht <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/FernUSG\/15.html\" title=\"&sect; 15 FernUSG: Unentgeltliche berufsbildende Fernlehrg&auml;nge\">\u00a7 15 Abs. 2 FernUSG<\/a> vor, dass ein Kursangebot vorl\u00e4ufig als zul\u00e4ssig gilt, wenn \u00fcber den Antrag nicht innerhalb von drei Monaten entschieden wurde. Diese Bestimmung ersetzt jedoch nicht die Pflicht zur formellen Zulassung und ist mit erheblichen Rechtsunsicherheiten verbunden.<\/p>\n<p>Eine freiwillige ZFU-Zulassung kann selbst dann empfehlenswert sein, wenn sie rechtlich nicht zwingend vorgeschrieben ist \u2013 etwa zur Erh\u00f6hung der Rechtssicherheit und zur Vorbeugung wettbewerbsrechtlicher Angriffe.<\/p>\n<h2>Fazit: Vorsorge statt Schadensbegrenzung<\/h2>\n<p>Auch ein inhaltlich hochwertiges und wirtschaftlich tragf\u00e4higes Coaching-Angebot kann unter das FernUSG fallen \u2013 ohne dass dies dem Anbieter im ersten Moment bewusst ist. Besonders f\u00fcr seri\u00f6s arbeitende Coaches mit guter Marktposition empfiehlt sich daher eine fr\u00fchzeitige rechtliche Kl\u00e4rung, um sp\u00e4tere R\u00fcckforderungen, Unterlassungsverf\u00fcgungen oder gar insolvenzrechtliche Folgeprobleme zu vermeiden.<br \/>\nWeitere Informationen f\u00fcr Coaching-Anbieter<\/p>\n<p>Viele wiederkehrende Fragen von Coaches zur ZFU-Zulassung, zur Vertragsgestaltung und zu R\u00fcckforderungsrisiken beantworten wir praxisnah in unserem FAQ-Beitrag:<\/p>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/vertragsrecht\/coaches-fernusg-bgh\/\">Was Coaches jetzt wissen m\u00fcssen: FAQ zum FernUSG nach dem BGH-Urteil<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Wenn Sie wissen m\u00f6chten, ob Ihr Angebot betroffen sein k\u00f6nnte oder welche Schritte jetzt sinnvoll sind, beraten wir Sie diskret und fundiert \u2013 einschlie\u00dflich steuerlicher Koordination und insolvenzrechtlicher Einsch\u00e4tzung, falls erforderlich.<\/p>\n<p>Gerne begleiten wir Sie auch bei der Konzeption eines neuen, rechtssicheren Angebots.<\/p>\n<div style=\"background-color: #f9f9f9; border: 1px solid #eee; border-radius: 12px; padding: 2rem 1.5rem; margin: 3rem auto; max-width: 860px; text-align: center; box-shadow: 0 2px 8px rgba(0,0,0,0.05);\">\n<div style=\"display: flex; justify-content: center; align-items: center; gap: 0.75rem; margin-bottom: 1.5rem;\">\n<p><img decoding=\"async\" style=\"vertical-align: middle; border-radius: 4px;\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/LHRLogo.png\" alt=\"LHR Logo\" width=\"36\" height=\"36\" \/><\/p>\n<\/div>\n<div style=\"display: flex; flex-wrap: wrap; gap: 1rem; justify-content: center;\">\n<p><a style=\"flex: 1 1 280px; max-width: 320px; background-color: #f28c28; color: #fff; padding: 1rem 1.2rem; border-radius: 8px; text-decoration: none; font-size: 1.05rem; font-weight: bold; display: flex; align-items: center; justify-content: center; box-shadow: 0 3px 8px rgba(0,0,0,0.1); transition: all 0.3s ease;\" href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/kontakt\/\"><br \/>\n&#x2709;&#xfe0f; <span style=\"margin-left: 0.5rem;\">Jetzt unverbindlich Kontakt aufnehmen<\/span><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p><a style=\"flex: 1 1 280px; max-width: 320px; background-color: #ff6700; color: #fff; padding: 1rem 1.2rem; border-radius: 8px; text-decoration: none; font-size: 1.05rem; font-weight: bold; display: flex; align-items: center; justify-content: center; box-shadow: 0 3px 8px rgba(0,0,0,0.1); transition: all 0.3s ease;\" href=\"https:\/\/meetings.hubspot.com\/lampmann\/coaches\"><br \/>\n&#x1f4de; <span style=\"margin-left: 0.5rem;\">Jetzt kostenloses Telefonat buchen<\/span><br \/>\n<\/a><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem Hintergrund der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Zulassungspflicht von Coaching-Angeboten nach dem Fernunterrichtsschutzgesetz (FernUSG) erreichen unsere Kanzlei derzeit zahlreiche Anfragen von Coaches, die sich fragen, ob ihre bestehenden Vertr\u00e4ge angreifbar oder sogar nichtig sein k\u00f6nnten. 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