{"id":68968,"date":"2025-04-30T07:49:07","date_gmt":"2025-04-30T05:49:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=68968"},"modified":"2025-04-30T07:57:11","modified_gmt":"2025-04-30T05:57:11","slug":"solar-kein-kartellrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/solar-kein-kartellrecht\/","title":{"rendered":"Wenn die Sonne tr\u00fcgt: Landgericht K\u00f6ln weist kartellrechtliche Vorw\u00fcrfe im Markt f\u00fcr Balkonkraftwerke zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-68971 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kein-Kartellrecht-276x414.jpg\" alt=\"\" width=\"333\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kein-Kartellrecht-276x414.jpg 276w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kein-Kartellrecht-413x620.jpg 413w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kein-Kartellrecht-138x207.jpg 138w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kein-Kartellrecht-768x1152.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Kein-Kartellrecht.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 333px) 100vw, 333px\" \/>Der Markt f\u00fcr Solartechnologie gilt gemeinhin als Vorreiter f\u00fcr Nachhaltigkeit, Innovation und Transparenz. Umso \u00fcberraschender \u2013 ja fast paradox \u2013 wirkt es, wenn ausgerechnet in diesem Segment mit dubiosen Methoden agiert wird.<\/em><\/p>\n<p><em>In einem aktuellen Urteil des Landgerichts K\u00f6ln (Az. 31 O 11\/24 (Kart), nicht rechtskr\u00e4ftig) wurde der Versuch, durch haltlose kartellrechtliche Vorw\u00fcrfe eine Wettbewerberin wirtschaftlich unter Druck zu setzen und zur Preisgabe interner Informationen zu bewegen, deutlich zur\u00fcckgewiesen.<\/em><\/p>\n<h2>Hintergrund des Verfahrens<\/h2>\n<p>Im Zentrum des Verfahrens standen sogenannte Balkonkraftwerke \u2013 kompakte Photovoltaikanlagen f\u00fcr den Heimgebrauch. Beide Parteien bieten solche Systeme im Komplettpaket an. Streitpunkt waren Wechselrichter eines asiatischen Markenherstellers, die sich aufgrund ihrer technischen Leistungsmerkmale besonderer Nachfrage erfreuen.<\/p>\n<p>Die unterlegene Partei warf der Gegenseite vor, durch angebliche Preisabsprachen mit dem Hersteller sowie durch die gezielte Zur\u00fcckhaltung von Lieferungen eine marktbeherrschende Stellung auszunutzen. Ferner machte sie weitreichende Anspr\u00fcche auf Unterlassung, Auskunft und Schadensersatz geltend \u2013 mit Verweis auf eine Zoom-Konferenz und interne Preiskommunikation.<\/p>\n<p>Ziel war es offensichtlich, unter dem Deckmantel des Kartellrechts an umfassende interne Gesch\u00e4ftsgeheimnisse \u00a0zu gelangen.<\/p>\n<h2>Klare Worte des Landgerichts K\u00f6ln<\/h2>\n<p>Das Landgericht K\u00f6ln lie\u00df sich davon nicht \u00fcberzeugen. Es stellte vielmehr fest, dass die Vorw\u00fcrfe v\u00f6llig haltlos waren.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Keine Marktbeherrschung:<\/strong> Eine marktbeherrschende Stellung war nicht ansatzweise dargelegt. Der relevante Markt sei nicht auf Deutschland beschr\u00e4nkt \u2013 H\u00e4ndler in ganz Europa seien aktiv. Zudem habe die Kl\u00e4gerin jederzeit die M\u00f6glichkeit gehabt, direkt beim Hersteller zu bestellen\u200b.<\/li>\n<li><strong>Keine Preisabsprache:<\/strong> Die Kommunikation \u00fcber sogenannte \u201ereference prices\u201c sei als zul\u00e4ssige Preisempfehlung einzustufen. Die Teilnahme an einer Zoom-Konferenz mit dem Hersteller begr\u00fcnde noch keinen Kartellversto\u00df \u2013 auch weil kein Druck zur Umsetzung konkreter Preismodelle ausge\u00fcbt wurde\u200b.<\/li>\n<li><strong>Keine Grundlage f\u00fcr Schadensersatz (und Auskunft):<\/strong> F\u00fcr einen kausalen Schaden durch die angeblichen Absprachen fehlte es an jeglicher belastbarer Darlegung. Die eigene Entscheidung, Produkte weiterhin zu beziehen, obwohl man von der behaupteten Wettbewerbswidrigkeit wusste, untergrabe zudem die Plausibilit\u00e4t\u200b des Vorbringens. Daher war auch die Forderung nach Auskunft haltlos.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Anspruchsabwehr kann teuer werden \u2013 Kostenfolgen bei Streitwert von 1 Mio.\u202f\u20ac<\/h2>\n<p>Das Urteil macht deutlich, wie riskant es sein kann, unbegr\u00fcndete Anspr\u00fcche zu erheben.<\/p>\n<p>Das Gericht setzte den Streitwert auf 1.000.000\u202f\u20ac fest \u2013 was bei vollst\u00e4ndigem Unterliegen der Anspruchstellerin zu folgenden finanziellen Konsequenzen f\u00fchrt:<\/p>\n<ul>\n<li>Gerichtskosten: ca. 16.500\u202f\u20ac<\/li>\n<li>Rechtsanwaltskosten f\u00fcr beide Seiten: jeweils ca. 18.000\u202f\u20ac<br \/>\n\u2192 Gesamtkostenbelastung der unterlegenen Partei: \u00fcber 52.000\u202f\u20ac<\/li>\n<\/ul>\n<p>In einer Branche, die sich \u201eNachhaltigkeit\u201c und \u201eVerantwortung\u201c auf die Fahne schreibt, wirkt ein solches Vorgehen umso widerspr\u00fcchlicher.<\/p>\n<h2>Parallelen zu unlauteren Leistungsversprechen<\/h2>\n<p>Das Urteil reiht sich ein in eine Reihe kartell- und wettbewerbsrechtlicher Auseinandersetzungen, die die vorgeblich ideologisch saubere Solarbranche zunehmend pr\u00e4gen. Bereits in einem fr\u00fcheren Beitrag zu falschen Leistungsangaben bei Solarmodulen wurde deutlich, dass technische Greenwashing-Strategien und wirtschaftlicher Druck im Solarsektor kein Einzelfall sind:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/falsche-leistungsangaben\/\">Gesch\u00f6nte Maximalleistung bei Solarmodulen: LG K\u00f6ln erl\u00e4sst einstweilige Verf\u00fcgung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Auch hier zeigt sich: Wer im nachhaltigen Gewand auftritt, muss sich an den eigenen Anspr\u00fcchen messen lassen \u2013 und scheitert, wenn Rechtsgrundlagen missachtet werden.<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>Der Versuch, unter dem Deckmantel des Lauterkeitsrechts unberechtigte Anspr\u00fcche durchzusetzen, ist gescheitert \u2013 mit weitreichenden finanziellen und m\u00f6glicherweise auch reputativen Folgen. Das Urteil ist ein wichtiges Signal f\u00fcr mehr Sachlichkeit und Rechtsklarheit im Wettbewerb um zukunftsweisende Technologien.<\/p>\n<p><em>(Offenlegung: LHR hat die Kl\u00e4gerin vertreten.)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Markt f\u00fcr Solartechnologie gilt gemeinhin als Vorreiter f\u00fcr Nachhaltigkeit, Innovation und Transparenz. Umso \u00fcberraschender \u2013 ja fast paradox \u2013 wirkt es, wenn ausgerechnet in diesem Segment mit dubiosen Methoden agiert wird. 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