{"id":68718,"date":"2025-02-22T18:30:52","date_gmt":"2025-02-22T16:30:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=68718"},"modified":"2025-02-22T18:30:52","modified_gmt":"2025-02-22T16:30:52","slug":"bewertungen-kununu-anonym","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/bewertungen-kununu-anonym\/","title":{"rendered":"Landgericht M\u00fcnchen I verpflichtet Google zur Auskunft \u00fcber Verfasser negativer Bewertungen auf Kununu"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-68722 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kununu-708x372.png\" alt=\"\" width=\"483\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kununu-708x372.png 708w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kununu-620x326.png 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kununu-354x186.png 354w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kununu-768x403.png 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/kununu.png 1200w\" sizes=\"(max-width: 483px) 100vw, 483px\" \/><em>Mit Beschluss vom 19. Februar 2025 (LG M\u00fcnchen, Beschluss v. 19.2.2025, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=25%20O%209210\/24\" title=\"LG M&uuml;nchen I, 19.02.2025 - 25 O 9210\/24: Zivilrechtlicher Anspruch, Auskunftserteilung, Festset...\">25 O 9210\/24<\/a>) hat das Landgericht M\u00fcnchen I entschieden, dass ein deutsches Unternehmen Anspruch auf Auskunft \u00fcber die Verfasser zweier negativer Bewertungen auf der Plattform Kununu hat.<\/em><\/p>\n<p><em>LHR Rechtsanw\u00e4lte setzten diesen Anspruch erfolgreich durch und erreichte damit einen weiteren bedeutenden Schritt im Kampf von Arbeitgebern gegen anonyme und h\u00e4ufig rechtswidrige Bewertungen auf Kununu. Nicht nur Kununu, sondern auch weitere Unternehmen k\u00f6nnen danach zur Auskunftserteilng im Wege einer &#8220;Kettenauskunft&#8221; angehalten werden.<\/em><\/p>\n<h2>Kununu als h\u00e4ufiges Problem f\u00fcr Arbeitgeber<\/h2>\n<p>Der Fall zeigt einmal mehr, dass Arbeitgeberbewertungsplattformen wie Kununu immer wieder zum Schauplatz rechtlicher Auseinandersetzungen werden. Unternehmen berichten regelm\u00e4\u00dfig von anonymen Bewertungen, die rufsch\u00e4digende Behauptungen enthalten oder auf pers\u00f6nlichen Konflikten basieren.<\/p>\n<p>Bereits in der Vergangenheit mussten sich verschiedene Gerichte mit Kununu befassen. So entschied etwa das <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/datenschutzrecht\/arbeitgeber-darf-von-bewertungsportal-kununu-datenauskunft-nach-rechtswidriger-bewertung-verlangen\/\">Oberlandesgericht Celle<\/a>, dass Kununu einem Arbeitgeber Auskunft \u00fcber die Bestands- und Nutzungsdaten eines Bewertenden erteilen muss, wenn die Bewertung rechtswidrig ist. Das <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/olg-hamburg-7w1124-kununu-bewertung-fake-klarname-herausgabe-anspruch\/\">Oberlandesgericht Hamburg<\/a> befasste sich mit der L\u00f6schung mehrerer negativer Eintr\u00e4ge auf der Plattform. Diese F\u00e4lle zeigen, dass Arbeitgeber immer wieder gezwungen sind, rechtliche Schritte einzuleiten, um sich gegen anonyme Falschbehauptungen zu wehren.<\/p>\n<h2>Aktueller Fall: Anonyme Bewertungen auf Kununu<\/h2>\n<p>Im vorliegenden Fall sah sich das betroffene Unternehmen mit mehreren negativen Bewertungen auf der Plattform Kununu konfrontiert. Es gab Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass diese von einem ehemaligen Mitarbeiter stammen k\u00f6nnten, der gezielt den Ruf des Unternehmens sch\u00e4digen wollte. Ein Nachweis hierf\u00fcr lag jedoch nicht vor.<\/p>\n<p>Besonders problematisch waren zwei Eintr\u00e4ge, die schwerwiegende Vorw\u00fcrfe enthielten. Unter anderem wurde behauptet, dass das Unternehmen gegen Umweltvorschriften versto\u00dfe und \u00e4ltere Mitarbeiter ohne sachlichen Grund entlasse. Diese Vorw\u00fcrfe stellten nicht nur eine potenzielle Rufsch\u00e4digung dar, sondern waren strafbar nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/185.html\" title=\"&sect; 185 StGB: Beleidigung\">\u00a7\u00a7 185<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/186.html\" title=\"&sect; 186 StGB: &Uuml;ble Nachrede\">186 StGB<\/a>.<\/p>\n<h2>Kununu hatte nur E-Mail-Adressen<\/h2>\n<p>Um sich gegen diese Eintr\u00e4ge zur Wehr zu setzen, leitete das Unternehmen ein Auskunftsverfahren nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TTDSG\/21.html\" title=\"&sect; 21 TTDSG: Bestandsdaten\">\u00a7\u00a7 21<\/a>, <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TTDSG\/22.html\" title=\"&sect; 22 TTDSG: Auskunftsverfahren bei Bestandsdaten\">22 TTDSG<\/a> ein. Ziel war es, von der Betreiberin der Plattform Kununu die Bestandsdaten der Verfasser zu erhalten. Das Gericht gab diesem Antrag statt und verpflichtete Kununu zur Offenlegung der hinterlegten Daten.<\/p>\n<h2>Rechtliche Auseinandersetzung mit Google<\/h2>\n<p>Die von Kununu herausgegebenen Informationen waren jedoch begrenzt: Es lagen lediglich E-Mail-Adressen vor, die von einem bekannten E-Mail-Dienst aus dem Hause Google stammten. Da diese Daten nicht ausreichten, um die Identit\u00e4t der Verfasser zweifelsfrei festzustellen, beantragte das Unternehmen beim Landgericht M\u00fcnchen I eine erweiterte Auskunftserteilung durch Google.<\/p>\n<p>Konkret ging es darum, dass Google zur Herausgabe weiterer Bestandsdaten der betreffenden Nutzer verpflichtet bzw. hierzu berechtigt werden sollte. Dies sollte es dem Unternehmen erm\u00f6glichen, gegen die Urheber der Bewertungen rechtlich vorzugehen.<\/p>\n<h2>Gericht best\u00e4tigt Auskunftsanspruch<\/h2>\n<p>Google widersetzte sich dem Antrag, argumentierte mit dem Datenschutz und bestritt die Verpflichtung zur Offenlegung weiterer Nutzerdaten. Das Gericht folgte dieser Argumentation jedoch nicht und entschied zugunsten des Unternehmens. Die wesentlichen Punkte der Entscheidung:<\/p>\n<ul>\n<li><b>Gmail als Anbieter digitaler Dienste:<\/b> Das Gericht stellte fest, dass der E-Mail-Dienst \u201eGmail\u201c von Google als \u201eAnbieter digitaler Dienste\u201c im Sinne von \u00a7 21 TDDDG anzusehen ist und damit zur Herausgabe von Bestandsdaten verpflichtet werden kann.<\/li>\n<li><b>Zul\u00e4ssigkeit der Kettenauskunft:<\/b> Die Richter bejahten die M\u00f6glichkeit einer sogenannten \u201eKettenauskunft\u201c. Das bedeutet, dass auch ein Unternehmen, das selbst nicht an der Ver\u00f6ffentlichung der umstrittenen Inhalte beteiligt war, zur Auskunftserteilung verpflichtet sein kann.<\/li>\n<li><b>Strafrechtliche Relevanz:<\/b> Das Gericht stellte zudem fest, dass die in den Bewertungen enthaltenen Behauptungen m\u00f6glicherweise den Tatbestand der <b>\u00dcblen Nachrede (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/186.html\" title=\"&sect; 186 StGB: &Uuml;ble Nachrede\">\u00a7 186 StGB<\/a>)<\/b> oder der <b>Beleidigung (<a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/StGB\/185.html\" title=\"&sect; 185 StGB: Beleidigung\">\u00a7 185 StGB<\/a>)<\/b> erf\u00fcllen.<\/li>\n<li><b>Berechtigtes Interesse an der Auskunft:<\/b> Schlie\u00dflich wurde best\u00e4tigt, dass das Unternehmen ein berechtigtes Interesse an der Identit\u00e4t der Verfasser hat, um zivilrechtliche Schritte einleiten zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<h2>Bedeutung f\u00fcr Arbeitgeber in der Praxis<\/h2>\n<p>Die Entscheidung des Landgerichts M\u00fcnchen I st\u00e4rkt die Rechte von Unternehmen im Umgang mit anonymen, rufsch\u00e4digenden Bewertungen erheblich. W\u00e4hrend Plattformbetreiber wie Kununu bereits zur Auskunftserteilung verpflichtet werden k\u00f6nnen, best\u00e4tigt das Gericht, dass dies auch f\u00fcr nachgelagerte Anbieter wie E-Mail-Dienste gilt.<\/p>\n<p>Die Entscheidung zeigt, dass sich Unternehmen nicht schutzlos negativen Bewertungen ausgesetzt sehen m\u00fcssen, wenn diese auf falschen Tatsachenbehauptungen beruhen. Durch die M\u00f6glichkeit einer erweiterten Auskunftserteilung k\u00f6nnen gezielte Rufsch\u00e4digungen besser verfolgt und gegebenenfalls rechtliche Schritte gegen die Verfasser eingeleitet werden.<\/p>\n<p>Das Vorgehen ist zwar aufw\u00e4ndig und teuer und kommt daher nicht in jedem Fall in Betracht. Es liegt jedoch nahe, dass der Verursacher der Rechtswidrigkeit Bewertung letztendlich f\u00fcr den entstandenen Schaden aufkommen muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Beschluss vom 19. 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