{"id":68668,"date":"2025-02-19T02:46:58","date_gmt":"2025-02-19T00:46:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=68668"},"modified":"2025-02-19T03:18:01","modified_gmt":"2025-02-19T01:18:01","slug":"erpressung-investmentweek-lhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/erpressung-investmentweek-lhr\/","title":{"rendered":"Erpressung 2.0 \u2013 Wie &#8220;InvestmentWeek&#8221; unangenehme Berichte mit neuen Drohungen unterdr\u00fccken will"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\"wp-image-68682 alignleft\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpressung-708x405.jpeg\" alt=\"\" width=\"563\" height=\"322\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpressung-708x405.jpeg 708w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpressung-620x354.jpeg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpressung-354x202.jpeg 354w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpressung-768x439.jpeg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpressung-1536x878.jpeg 1536w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpressung.jpeg 1792w\" sizes=\"(max-width: 563px) 100vw, 563px\" \/>In einem fr\u00fcheren Artikel hatten wir die fragw\u00fcrdigen Praktiken der dubiosen, aus Singapur betriebenen Plattform &#8220;InvestmentWeek&#8221; offengelegt.<\/em><\/p>\n<p><em>Unsere Recherchen hatten ergeben, dass die Plattform unter irref\u00fchrenden Flagge offenbar tats\u00e4chlich aus Deutschland heraus ein System betreibt, bei dem negative Berichterstattung durch Zahlungen entfernt werden kann. Zudem hatten wir festgestellt, dass viele ihrer Inhalte m\u00f6glicherweise KI-generiert oder aus anderen Quellen \u00fcbernommen wurden.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Wir hatten zudem eine einstweilige Verf\u00fcgung gegen InvestmentWeek erwirkt, die der Plattform untersagt, ihre unseri\u00f6sen Methoden gegen unsere Mandanten weiterzuf\u00fchren. <\/em><\/p>\n<p><em>Einzelheiten dazu hier:<br \/>\n<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/erpressung-investmentweek\/\">LHR erwirkt einstweilige Verf\u00fcgung gegen \u201eInvestmentWeek\u201c wegen erpresserischem Falschbericht<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Anstatt Einsicht zu zeigen, entschied sich InvestmentWeek f\u00fcr eine aggressive Gegenreaktion \u2013 in Form einer pseudonymen E-Mail voller Drohungen, falscher Behauptungen und fragw\u00fcrdiger Forderungen. <\/em><\/p>\n<h2>Die N\u00f6tigung nach der Erpressung<\/h2>\n<p>In einer uns gestern zugegangenen E-Mail behauptet ein Herr &#8220;Maximilian Berger&#8221; (&#8220;Partner&#8221;), unser Artikel enthalte &#8220;schwerwiegende falsche Tatsachenbehauptungen&#8221; und stelle eine rufsch\u00e4digende Berichterstattung dar.<\/p>\n<p>Man werde &#8220;unmittelbare&#8221; rechtliche Schritte dagegen einleiten und die aktive Berichterstattung zulasten unseres Mandanten wieder aufnehmen und vertiefen, falls wir die L\u00f6schung des Beitrages nicht sp\u00e4testens bis zum 20. Februar, 20:00 Uhr schriftlich best\u00e4tigten:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-68672\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpessung-610x414.jpg\" alt=\"\" width=\"975\" height=\"662\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpessung-610x414.jpg 610w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpessung-620x421.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpessung-305x207.jpg 305w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpessung-768x522.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Investmentweek-Erpessung.jpg 1359w\" sizes=\"(max-width: 975px) 100vw, 975px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um es kurz zu sagen, die Vorw\u00fcrfe in der offensichtlich mit ChatGPT erstellten E-Mail (wer viel mit ChatGPT arbeitet, wei\u00df, dass die KI-Arbeitsergebnisse gerne den auch hier vereinzelten Fettdruck und Stichpunkte enthalten) sind unzutreffend, die Drohungen damit haltlos.<\/p>\n<h2>Auff\u00e4llige Ungereimtheiten: Kein Impressum, omin\u00f6ser Absender<\/h2>\n<p>Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist der formale Aufbau der E-Mail. Weder enth\u00e4lt sie ein Impressum noch eine nachvollziehbare Absenderidentit\u00e4t. Sie ist unterzeichnet von einem gewissen &#8220;Maximilian Berger&#8221; \u2013 einer Person, zu der keine offiziellen Verweise existieren. Dieser Umstand wirft weitere Fragen auf: Wer steckt wirklich hinter dieser Mitteilung? Ist Herr &#8220;Berger&#8221; nur ein Pseudonym oder gar eine fiktive Identit\u00e4t?<\/p>\n<h2>Eigenartige Offenheit: InvestmentWeek gibt seine Motive preis<\/h2>\n<p>Besonders entlarvend ist eine Formulierung in der E-Mail, die belegt, dass es &#8220;InvestmentWeek&#8221; entgegen der Beteuerungen tats\u00e4chlich nicht um echte journalistische Arbeit geht: Man habe &#8220;eigentlich kein gesteigertes Interesse daran, \u00fcber unseren Mandanten zu berichten&#8221; \u2013 und doch wird genau dies nun als Druckmittel eingesetzt. Diese Aussage offenbart, dass Berichterstattung nicht dem \u00f6ffentlichen Interesse, sondern als strategisches Instrument, um Druck auszu\u00fcben.<\/p>\n<p>Wer Berichterstattung gezielt einsetzt, um Kritiker gef\u00fcgig zu machen, hat mit unabh\u00e4ngigem Journalismus nichts mehr zu tun. Damit f\u00e4llt auch die Behauptung, sie folge &#8220;h\u00f6chsten journalistischen Standards&#8221;, in sich zusammen. Wer Pressearbeit betreibt, droht nicht mit Repressalien.<\/p>\n<p>Dass der Missbrauch eines Blogs als N\u00f6tigungsmittel im Rahmen einer (versuchten) Erpressung rechtswidrig ist, hat der BGH bereits im Jahre 2021 entschieden (BGH, Urteil v. 29.6.2021, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Text=VI%20ZR%2010\/18\" title=\"BGH, 29.06.2021 - VI ZR 10\/18: Unterlassung der Ver&ouml;ffentlichung der Beitr&auml;ge eines Bloggers im...\">VI ZR 10\/18<\/a>). Wir berichteten:<\/p>\n<ul>\n<li><strong><a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/magazin\/medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht\/ehrbeeintraechtigender-blog\/\">Unabh\u00e4ngig vom Inhalt: Blog als Mittel zur Erpessung ist unzul\u00e4ssig<\/a><\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<h2>Der Versuch, sich mit Drohungen aus der Aff\u00e4re zu ziehen<\/h2>\n<p>&#8220;InvestmentWeek&#8221; scheint zu glauben, dass man Kritiker durch Einsch\u00fcchterung mundtot machen kann. Doch die versandte E-Mail best\u00e4tigt im Grunde nur die in unserem ersten Artikel erhobenen Vorw\u00fcrfe. Statt sich inhaltlich zu verteidigen, versucht man erneut, durch Drohungen und Einsch\u00fcchterung Druck auszu\u00fcben. Der Mechanismus scheint klar: Wer zahlt, wird verschont \u2013 wer sich wehrt, muss mit Gegenangriffen rechnen.<\/p>\n<h2>Gesch\u00e4ftsmodell &#8220;Journalismus&#8221;<\/h2>\n<p>Diese fragw\u00fcrdige Strategie reiht sich ein in das bekannte Muster unseri\u00f6ser Plattformen und k\u00e4uflicher &#8220;Investigativjournalisten&#8221;: Unternehmen werden auf dubiosen \u2013 h\u00e4ufig von ausl\u00e4ndischen (Briefkastenfirmen) \u00a0betriebenen \u2013 Internetseiten mit rechtswidriger &#8220;Berichterstattung&#8221; \u00f6ffentlich diffamiert. Reagiert das Unternehmen mit (rechtlichen) Schritten, werden fragw\u00fcrdige Vergleichsangebote gemacht oder gar \u2013 wie hier \u2013 ganz offen Zahlungen gefordert und im Gegenzug die L\u00f6schung der \u00c4u\u00dferungen angeboten.<\/p>\n<p>Kritiker dieser Machenschaften werden sodann mundtot gemacht, Vorw\u00fcrfe verwischt und mit Drohungen Angst gesch\u00fcrt.<\/p>\n<h2>Ermittlungen laufen bereits<\/h2>\n<p>Wir stehen in engem Austausch mit der Presse, die die Machenschaften der hinter der Plattform stehenden Personen bereits verfolgt. Die neuen Erkenntnisse werden wir in die laufenden Ermittlungen einflie\u00dfen lassen. Wir werden weiterhin \u00fcber die Machenschaften von InvestmentWeek berichten \u2013 und lassen uns nicht zum Schweigen bringen.<\/p>\n<p>Es bleiben weitere spannende Fragen: Wer genau wird die angedrohten &#8220;rechtlichen Schritte&#8221; gegen uns einleiten? Das Unternehmen aus Singapur? Herr Maximilian Berger pers\u00f6nlich? Wo w\u00e4re Gerichtsstand? Welches Recht w\u00e4re anwendbar? Wir sind gespannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem fr\u00fcheren Artikel hatten wir die fragw\u00fcrdigen Praktiken der dubiosen, aus Singapur betriebenen Plattform &#8220;InvestmentWeek&#8221; offengelegt. Unsere Recherchen hatten ergeben, dass die Plattform unter irref\u00fchrenden Flagge offenbar tats\u00e4chlich aus Deutschland heraus ein System betreibt, bei dem negative Berichterstattung durch Zahlungen entfernt werden kann. Zudem hatten wir festgestellt, dass viele ihrer Inhalte m\u00f6glicherweise KI-generiert oder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"content-type":"","footnotes":""},"categories":[13,3382],"tags":[3155,3156,20573,20574],"class_list":["post-68668","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienrecht-und-persoenlichkeitsrecht","category-kurioses-und-interessantes","tag-erpressung","tag-noetigung","tag-singapur","tag-investmentweek","topic_category-medienrecht-persoenlichkeitsrecht","topic_category-reputationsmanagement"],"amp_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68668","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=68668"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68668\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":68696,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/68668\/revisions\/68696"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=68668"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=68668"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=68668"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}