{"id":66934,"date":"2024-06-05T07:47:26","date_gmt":"2024-06-05T05:47:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lhr-law.de\/?p=66934"},"modified":"2024-07-11T16:17:02","modified_gmt":"2024-07-11T14:17:02","slug":"fake-bewertungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lhr-law.de\/en\/magazin\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/fake-bewertungen\/","title":{"rendered":"LG M\u00fcnchen: Verkauf von Fake-Bewertungen unlauter"},"content":{"rendered":"<p><em><img decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-66938 size-medium\" src=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Fake_Bewertungen_sind_irrefuehrend-414x414.jpg\" alt=\"Fake-Bewertungen\" width=\"414\" height=\"414\" srcset=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Fake_Bewertungen_sind_irrefuehrend-414x414.jpg 414w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Fake_Bewertungen_sind_irrefuehrend-620x620.jpg 620w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Fake_Bewertungen_sind_irrefuehrend-207x207.jpg 207w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Fake_Bewertungen_sind_irrefuehrend-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.lhr-law.de\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/Fake_Bewertungen_sind_irrefuehrend.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 414px) 100vw, 414px\" \/>In der heutigen digitalen Welt haben <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/reputationsmanagement\/holidaycheck-hotelbewertung-loeschen\/\">Fake-Bewertungen<\/a> eine alarmierende Zunahme erfahren, wodurch Verbraucher und Unternehmen gleicherma\u00dfen betroffen sind. Diese Praxis wirft nicht nur ethische Fragen auf, sondern kann auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Das musste eine Agentur erfahren, die Fake-Bewertungen verkauft. Denn das sei unlauter, so das LG M\u00fcnchen (LG M\u00fcnchen I, vom 24.07.2023, Az. <a href=\"https:\/\/dejure.org\/dienste\/vernetzung\/rechtsprechung?Gericht=LG%20M%FCnchen%20I&amp;Datum=24.07.2023&amp;Aktenzeichen=37%20O%2011887%2F21\">37 O 11887\/21<\/a>).<\/em><\/p>\n<p>Das deutsche Online-Reiseportal HolidayCheck hatte gegen eine Agentur geklagt, die positive Bewertungen verkauft, ohne dass echte G\u00e4ste vor Ort waren. HolidayCheck verwies darauf, dass ihre Kunden und Kundinnen den <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/reputationsmanagement\/schlechte-bewertungen-loeschen-lassen\/\">Bewertungen<\/a> vertrauen m\u00fcssten. Das Reiseportal sah in dem Verhalten der Beklagten ein wettbewerbswidriges Verhalten und erhob Klage vor dem Landgericht M\u00fcnchen.<\/p>\n<h2>Konkretes Wettbewerbsverh\u00e4ltnis?<\/h2>\n<p>Zu Recht, wie das Landgericht entschied, denn zwischen den beiden Parteien bestehe ein konkretes Wettbewerbsverh\u00e4ltnis. Das Gericht argumentiert, dass ein <a href=\"https:\/\/www.lhr-law.de\/thema\/wettbewerbsrecht-kartellrecht\/wettbewerbsrecht\/\">Wettbewerbsverh\u00e4ltnis<\/a> nicht nur dann bestehe, wenn Unternehmen \u00e4hnliche Produkte oder Dienstleistungen f\u00fcr denselben Endverbraucherkreis vermarkten. Es bestehe auch dann, wenn eine Handlung einer Partei dazu f\u00fchre, dass die Vorteile f\u00fcr ihr Unternehmen oder das eines Dritten steigen, w\u00e4hrend die andere Partei dadurch benachteiligt werde. Diese Wechselwirkung f\u00f6rdere den eigenen Wettbewerb und beeintr\u00e4chtige den Wettbewerb anderer Unternehmen.<\/p>\n<p>Das sei vorliegend der Fall, da die Beklagten einerseits durch den Verkauf der Fake-Bewertungen ihren Absatz f\u00f6rdern w\u00fcrden und auf der anderen Seite dieser Verkauf zu einer schlechteren Qualit\u00e4t von dem Angebot des Reiseportals f\u00fchre und dadurch Portalbesucher abwandern w\u00fcrden.<\/p>\n<h2>Irref\u00fchrend nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5.html\" title=\"&sect; 5 UWG: Irref&uuml;hrende gesch&auml;ftliche Handlungen\">\u00a7 5 UWG<\/a><\/h2>\n<p>Das LG f\u00fchrt aus, dass es sich bei den Fake-Bewertungen um unlautere gesch\u00e4ftliche Handlungen handele, da sie irref\u00fchrend sein. Eine Bewertung ohne eine tats\u00e4chlich zu Grunde liegende Erfahrung einer tats\u00e4chlichen existierenden Person, die die entsprechende Plattform auch tats\u00e4chlich genutzt hat, sei nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5.html\" title=\"&sect; 5 UWG: Irref&uuml;hrende gesch&auml;ftliche Handlungen\">\u00a7 5 Abs.1 S.1, Abs.2 Nr.1 UWG<\/a> sowie nach <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5a.html\" title=\"&sect; 5a UWG: Irref&uuml;hrung durch Unterlassen\">\u00a7 5a Abs.4 S.1 UWG<\/a> irref\u00fchrend.<\/p>\n<p>Wenn Verbraucher Bewertungen lesen, gehen sie normalerweise davon aus, dass diese von anderen Kunden stammen und auf deren pers\u00f6nlichen Erfahrungen basieren. Dabei erwarten sie, dass es sich um Ergebnisse oder wesentliche Bestandteile von Tests der Waren oder Dienstleistungen von Reiseleistungen handele, die von anderen Kunden durchgef\u00fchrt wurden. Das sei bei den vorliegenden Fake-Bewertungen jedoch nicht der Fall und somit sind sie irref\u00fchrend.<\/p>\n<h2>Versto\u00df gegen Schleichwerbungsverbot<\/h2>\n<p>Bei den Fake-Bewertungen handele es sich um gesch\u00e4ftliche Handlungen, die nicht auf den Informationen anderer Kunden basieren, sondern auf manipulativen Praktiken, die ausschlie\u00dflich positive Bewertungen f\u00f6rdern, ohne den damit verbunden kommerziellen Zweck transparent zu machen. Diese Vorgehensweise hat das Potenzial, Verbraucher, die der Echtheit der Bewertungen vertrauen, zu gesch\u00e4ftlichen Entscheidungen zu verleiten, die sie unter normalen Umst\u00e4nden nicht getroffen h\u00e4tten. Danach liegt auch eine Verletzung des Schleichwerbungsverbots gem\u00e4\u00df <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/UWG\/5a.html\" title=\"&sect; 5a UWG: Irref&uuml;hrung durch Unterlassen\">\u00a7 5a Abs.4 S.1 UWG<\/a> vor.<\/p>\n<h2>L\u00f6schung und Schadensersatz<\/h2>\n<p>Das Gericht verurteilte die Agentur einerseits zum Unterlassen von der Ver\u00f6ffentlichung Fake-Bewertungen auf dem Portal. Zus\u00e4tzlich muss die Agentur HolidayCheck Auskunft dar\u00fcber geben, von wem die Bewertungen stammen, und die Fake-Bewertungen l\u00f6schen. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcssen die Beklagten Schadensersatz zahlen und die Kosten des Verfahrens tragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der heutigen digitalen Welt haben Fake-Bewertungen eine alarmierende Zunahme erfahren, wodurch Verbraucher und Unternehmen gleicherma\u00dfen betroffen sind. Diese Praxis wirft nicht nur ethische Fragen auf, sondern kann auch rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. 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